Angebliches Bismarck-Zitat über Koran und Mohammed

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Oemer, 24. Februar 2014.

  1. Oemer

    Oemer Neues Mitglied

    Hallo,

    Es kursiert im Internet ein Zitat von Otto von Bismark über den Propheten Mohammed:

    [FONT=&quot]«Alle Bücher, die in verschiedenen Epochen vom Himmel offenbart wurden um die Menschheit zu verwalten und worüber behauptet wird, dass sie von göttlicher Seite stammen, habe ich erforscht. Weil sie verfälscht wurden, konnte ich in keinem die Weisheit finden, die ich suchte. Diese Gesetze sind von ihrem Wesen her weit entfernt, das Glück der Menschheit zu sichern.[/FONT]

    [FONT=&quot]Aber der Qur'an der Muhammadaner ist davon ausgenommen.[/FONT]
    [FONT=&quot]Ich habe den Qur'an in jeder Hinsicht von allen Gesichtspunkten her erforscht. Ich sah in jedem seiner Worte eine große Weisheit. Auch wenn es behauptet wird, dass dieses Buch die eigene Abfassung des Muhammads wäre; die Behauptung, ein solches Wunder sei aus einem äußerst vollkommenen Gehirn entstanden, bedeutet aber, dass man vor allen Tatsachen die Augen zuschließt und ein Werkzeug zur Gehässigkeit und böswilliger Gesinnung wird. Dies ist aber mit dem Wissen und der Weisheit unvereinbar.[/FONT]

    [FONT=&quot]Ich behaupte folgendes: Muhammad ist von einer besonderen Bedeutung. Es ist fern von der Wahrscheinlichkeit, dass der Schöpfer eine solche Existenz zum zweiten Mal in den möglichen Bereich bringt.[/FONT][FONT=&quot]
    Ich bedauere es sehr, oh Muhammad, dass ich nicht mit Dir in gleicher Zeit leben konnte! Dieses Buch, dessen Lehrer und Verkünder Du bist, ist nicht Deins. Es ist von Gott. Es abzustreiten, dass dieses Buch von Gott ist, ist so lächerlich, wie wenn man zu behaupten versuchen würde, dass die positiven Wissenschaften absurd seien. Die Menschheit hat ein besonders mächtiges Genie wie Dich, einmal erlebt und wird es nie wieder erleben können. Ich beuge mich in Deiner würdevollen Gegenwart in vollkommener Ehrfurcht. »[/FONT]


    [FONT=&quot]Otto Fürst von Bismarck-Schönhausen (1815-1898)[/FONT]

    Ist dieser Zitat von Bismarck erfunden? Wenn nicht, kann mir jemand eine historische Quelle dafür nennen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Februar 2014
  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ich habe von und über Bismarck schon viel gelesen, aber diese Aussage ist mir nicht bekannt.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wäre für einen strammen Protestanten wie Bismarck eine sehr seltsame Auffassung. Auffällig ist auch die semikorrekte Transkription des Koran. Die Transkription der DMG hat es zwar zu Bismarcks Zeiten schon gegeben, aber dass er diese gekannt hätte, darf bezweifelt werden.
     
  4. excideuil

    excideuil unvergessen

    Ich habe ein wenig "Yahoot". Und bin mit dem Zitat bei Facebook gelandet, obwohl ich da gar nicht angemeldet bin :confused: (hat über Google nicht funktioniert)

    Jedenfalls ist die Seite sehr Islam-lastig und mich deucht, dass ein Zeitgenosse genanntes Zitat dem Fürsten untergeschoben hat. Schon die letzten 2 Sätze klingen mehr als fragwürdig; kaum glaubhaft, dass der Protestant und Realpolitiker Bismarck, der mit den Päpsten so seine Probleme hatte im Gegenzug zu solchen religiösen Huldigungen fähig war.

    Aber vllt. bringe ich hier mal eine Frage zu Bismarck unter:

    Es geistert ein Zitat zu ihm im Netz um:
    "Talleyrand log nie und täuschte immer, Metternich log immer und täuschte nie."

    Bislang habe ich dazu keinen Beleg finden können. Erfindung cleverer Internetseitenbetreiber?

    Grüße
    excideuil
     
  5. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Es ist ein eindeutig nicht die Sprache eines Norddeutschen. Und Bismark war Norddeutscher.
    "erforscht" gehört für "Studiert/gelesen" nicht ins Bismarksche Vokabular, das ih habe nicht an das Ende des Satzes.
    "Ich habe ja nun alle Bücher gelesen die angeblich im ganzen von Gott diktiert wurden ...." wäre ein bismarckscher Anfang.

    Dann wäre Bismarcksch : "Der Koran ist da die einzige Ausnahme" usw.
    Und dann wirds mir zu orientalisch, da fällt mir keine Bismarcksche Entsprechung mehr zu ein.
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich halte das auch für äusserst unwahrscheinlich. Das ist nicht Bismarks Sprache.
     
  7. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ich halte es ebenfalls für unwahrscheinlich, dass dies ein authentisches Bismarck-Zitat ist. Neben den bereits genannten Gründen, denke ich, Bismarck war ein viel zu geschickter Außenpolitiker, um eventuellen politischen Ärger mit anderen Mächten durch gewagte Äußerungen zu vermeiden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Februar 2014
  8. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Bismarck stand den Pietisten sehr nahe. Die prägten auch sein politisches Denken. Was sollte er da mit dem Koran? Oder was hätte er mit diesem als konservativer Protestant erreichen wollen? Vollkommen abwegig. Als Beispiel für seine Nähe zu den Pietisten gibt es folgendes Gespräch, das Bismarck 1854 („Gedanken und Erinnerungen“) mit dem Prinzen Wilhelm führte. In diesem nahm er Ludwig Friedrich Leopold von Gerlach in Schutz. Später wendete sich Bismarck allerdings von der radikalen Linie, welche die Gerlachs unter den Pietisten vertraten, ab.

    Bismarck: „Was denken Ew. Königliche Hoheit Sich unter den Pietisten?
    Wilhelm: „Einen Menschen, der in der Religion heuchelt, um Karriere zu machen.
    Bismarck: „Das liegt Gerlach fern, was kann der werden? Im heutigen Sprachgebrauch versteht man unter den Pietisten etwas anderes, nämlich einen Menschen, der orthodox an die christliche Offenbarung glaubt und aus seinem Glauben kein Geheimnis macht; und deren gibt es viele, die mit dem Staate gar nichts zu tun haben und an Karriere nicht denken.“
    Wilhelm: „Was verstehen sie unter orthodox?

    Bismarck: „Beispielsweise jemanden, der ernstlich daran glaubt, dass Jesus Gottes Sohn und für uns gestorben ist als ein Opfer, zur Vergebung unserer Sünden. Ich kann es im Augenblick nicht präziser fassen, aber es ist das Wesentliche der Glaubensverschiedenheit.
    Wilhelm: „Wer ist denn so von Gott verlassen, dass er das nicht glaubte!
    Bismarck: „Wenn diese Äußerung öffentlich bekannt würde, so würden Ew. Königliche Hoheit selbst zu den Pietisten gezählt werden.
     
  9. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Das Zitat dürfte von Heinrich Barth stammen. Es ist lange her, dass ich es gelesen habe, und ich kann den Beleg nicht nennen. Es passt jedenfalls viel besser zu ihm. (Vgl. Wikipedia) In dem Zitat übertrieb er seine Meinung. Er wollte - so erinnere ich mich - damit bei einer Diskussion provozieren.
     
  10. Oemer

    Oemer Neues Mitglied

    Vielen Dank für eure objektiven Kommentare und Beurteilungen.

    Ich habe es auch nicht authentisch empfunden und deshalb ins Forum gestellt.

    @Wilfried: Ja, das ist nicht mir nicht aufgefallen. Bismarck hätte nicht "erforscht" geschrieben. Gut erkannt.

    @el quijote& @excideuil: Ihr sagt, dass es sehr unwahrscheinlich für Bismarck ist, so etwas zu behaupten. Doch beachtet:
    1. In der Zeit von Bismarck waren die Türken (oder Muslime) keine Bedrohung für Europa, sondern eher das mystische anziehende Orient (ähnlich wie das Japan von heute, wenn ich das so vergleichen darf).
    2. 100 Jahre davor lebte Johann Wolfgang von Göthe, von dem Briefe und Schriften gibt, indem er seine Affinität zu dem Islam äußert. Frau Dr. Katharina Mommsen hat sich mit diesem Thema viel ausführlicher beschäftigt(siehe auch youtube). Wenn schon so ein hoher Dichter wie Göthe seine Bewunderung zu dem Islam äußert, ist es für Bismarck nicht verwunderlich.
    3. Im ersten Weltkrieg waren die Türken/Muslime und die Deutschen verbündet.
    4. Sogar Hitler, der kein Freund der Religion ist, schreibt seine Bewunderung in seinem Testament. Zusätzlich schreibt er auch, dass es ein Fehler war sich mit den Italienern zu verbünden und nicht mit den "Mohammedanern".
    Quelle: Hitlers Politisches Testament

    Falls doch jemand eine Quelle kennt, würde ich mich auf eine Antwort freuen.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. Februar 2014
    1 Person gefällt das.
  11. hatl

    hatl Premiummitglied

    Reiner Blödsinn.
    Null Ahnung von nix und dann noch eine Weltreligion in den Dreck ziehen..

    Not amused.
    Ich denke Du bist auf der falschen Veranstaltung und hoffe auf Deine baldige Sperrung.

    hatl
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. Februar 2014
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Oemer, die Forschungen von Katharina Mommsen sind mir gut bekannt, ich habe dazu mal eine Prüfung abgelegt. Das ist aber mit Bezug auf Bismarck nicht stichhaltig. Goethes Interesse am Orient, welches sehr vielfältig war und sich nicht auf den Islam beschränkte und seine Quelle durchaus auch im Zeitgeist hatte, weil man damals glaubte, bei den Beduinen aus der Praxis etwas über die Erzähl- und Erinnerungstechniken der alten Griechen lernen zu können (wobei das bei Goethe durchaus weiter ging) hat mit Bismarck nichts zu tun.
    Wie ich schon sagte: Die semikorrekte Transkription nach DMG von Qur'an und Muhammad entspricht nicht dem, was man bei Bismarck erwarten sollte (dort eher Mohammed und Koran).
    Ebenso hat Hitler da nichts mit zu schaffen und sein "politisches Testament".
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ein echtes Koran-Zitat von Bismarck:
    An den Redakteur der Kreuz-Zeitung, Herrmann Wagener, 30. Juni 1850:
    "Ich kann nicht leugnen, daß mir einige Chalif-Omarsche Gelüste beiwohnen, nicht nur zur Zerstörung der Bücher außer dem christlichen 'Koran', sondern auch zur Vernichtung der Mittel, neue zu erzeugen; die Buchdruckerkunst ist des Antichristen auserlesnes Rüstzeug, mehr als das Schießpulver..."

    Dem Khalifen 'Umar wurde damals fälschlicherweise die Zerstörung der Bibliothek von Alexandria zur Last gelegt. Die Bibel wird hier als "christlicher Koran" bezeichnet, um im Bild zu bleiben. Khalif und Bibel würden nicht zusammen passen. Schon 1849 hatte Bismarck in der Kreuz-Zeitung die Paulskirchenverfassung abschätzig als "staatsrechtlichen Koran unserer zahmen Fanatiker" bezeichnet.

    Eine besondere Affinität zum Islam kann man Bismarck nun wirklich nicht nachsagen.
     
    1 Person gefällt das.
  14. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Der ganze Sprachstil passt doch nur zu einem gläubigen Muslim. Mal ganz abgesehen vom Inhalt, kann das einfach vom Sprachgebrauch niemals von Bismarck stammen. Welch eine plumpe Fälschung. Ich würde vermuten, das wollte jemand Bismarck unterschieben, der gar nicht in der Lage ist ungläubig zu denken.
     
  15. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    In Sprache und Diktion ist das nicht Bismarck.
    Ein Quellenbeleg existiert ebenfalls nicht.
    Ergo ist das ganze eine Ente, das Produkt eines Spaßmachers. =)
     
  16. Oemer

    Oemer Neues Mitglied

    @El Quijote: Danke für deine Kommentare. Dein genanntes Koran-Zitat zeigt endgültig, dass das Zitat über den Propheten Mohammed eine Fälschung ist. Ich fasse die Punkte zusammen, die dagegen sprechen:
    -Es ist nicht der Duktus von Bismarck
    -Ein vom Islam faszinierte Person und das Koran-Zitat passen nicht zusammen.
    -Bismarcks Einstellung gegenüber Religionen

    Oemer
     
    1 Person gefällt das.
  17. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Das sehe ich anders. Das Zitat und eine vom Islam äußerst faszinierte Person passen prima zusammen - nur, dass diese Person mit höchster Wahrscheinlichkeit eben nicht Bismarck ist.
     
  18. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    :autsch:das müsste "provozieren" und nicht "vermeiden" heissen. Weiß nicht, was mich da getreten hat.....
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2014

Diese Seite empfehlen