Anrede des Kaisers

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von ketzer97, 11. Februar 2012.

  1. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Ich meine irgendwo mal gehört zu haben, dass die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erst ab dem 15. Jahrhundert die Anrede "Majestät" verlangten, um sich über die Herrscher der Königreiche zu erheben. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich stimmt, nur dass später dann die Könige der anderen Reiche ebenfalls diese Anrede einführten, was die Aktion des Kaisers wieder nutzlos machte.

    Wie wurde ein römisch-deutscher Kaiser nun vor der Einführung des Majestätstitels angeredet - einfach "mein Herr"? Und durfte auch der ungekrönte Kaiser bzw. König des Reiches Majestät genannt werden oder galten dafür andere Bestimmungen?

    Vielen Dank schon im Voraus.
     
  2. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Hm, betretenes Schweigen...
     
  3. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Nun, im niederdeutsch nordeutschen meine ich nach Sachsenspiegel einfach "Here" , bzw. wenn der ansprechende selbst schon wer war, "hoger Here", ohne Namen. Steht irgendwo ganz am Anfang in der Widmung. Ic kriege den Text im mom nicht gelesen
     
  4. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Laut Mayers Konversationslexikon ging der Titel von den römischen Kaisern nahtlos auf die deutschen Kaiser über. Majestät - Zeno.org Könige erhielten den Titel erst später.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Im Heidelberger Sachsenpiegel findest du so etwas nicht:
    Swer lenrecht kunnen wil der volge dis / buches lere. alrest sul wi merken / das der herschilt an deme kunige / begint. und indem sibendin lent doch habin di / leyen vorsten den sechstin schilt inden sibendin / bracht sint si der bischoue man wrdin. des er nicht / en was. Phaffen. kouflute. dorfere. wip. und al / le die rechtis darbin. odir unelich geborn sin. und / alle di nicht sin von ritters art. von vatir und von / eldir vatir di sullen len rechtes darben.

    Der Oldenburger beginnt so:
    dit is der sassen speyghel. Des hilighen geystes minne de sterke mine sinne, dat ik recht und unrecht der Sassen besoede na gotes hulden unde na der welde vromen. etc.

    Dem folgen mit - einem Vorsatz über die Setzung des Rechts durch den Kaiser in Mainz - die Dresdener HS und Wolfenbütteler HS.
     
  6. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    ich meine , will mich aber da wirklich nicht festlegen, irgendwo steht
    u(i) sen Heren, de Kunig, etc.nur eine Stelle
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Meinst du nicht, dass du lieber vorsichtshalber derlei überprüfst, bevor du die Aussage raushaust?
     
  8. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    El Quichote, wenn ich´s gekonnt hätte, hätte ichs getan. Dann hätte auch nicht "meine" da gestanden, sonder "nach ..... Seite Stelle" .
    Kann ich aber nicht mehr, weil ichs im mom nicht gebacken kriege, selber zu suchen. Also, ich meine in dem und dem Buch gelesen zu haben.
    Aber ich gelobe Besserung und verspreche, Quelllenvermutungen deutlicher kenntlich zu machen.
     
  9. PlusUltra

    PlusUltra Neues Mitglied

    Der Majestätstitel wurde angeblich erst von Karl V. explizit eingeführt.

    Im späten 18. Jh. (konkret bei Joseph II.) wurde der Kaiser von einem Bittsteller dergestalt tituliert:

    An die
    Römisch Kaiserliche,
    auch in Germanien, zu Jerusalem,
    Hungarn und Böheim

    Königliche Majestät
    Allerunterthänigstes
    Ansuchen und Bitten
    um Allergnädigste
    Renovation des Adels-Standes
    und
    Erhebung in des Heil. Röm. Reichs
    Ritter-Stand
    nebst dem
    Praedicat Edler von,
    auch Verbesserung und Vermehrung des
    Wappens
    mit noch einem Helm.

    Allerdurchlauchtigster, Großmäch-
    tigster, Unüberwindlichster Römischer
    Kaiser, in Germanien, zu Jerusalem,
    Hungarn und Böheim König!

    Allergnädigster
    Kaiser, König
    und
    Herr, Herr!

    Eure Römisch Kaiserliche Majestät wollen allergnädigst geruhen, ...

    In allerunterthänigster Getröstung allergnädigster Erhör- und Willfahrung
    in allertiefster Devotion ersterbend
    Ewr. Römisch Kaiserl. Majestät
    allerunterthänigst treu gehorsamster
    N. N.​
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Mai 2012
  10. PlusUltra

    PlusUltra Neues Mitglied

    Noch eine Ergänzung:

    M a j e s t ä t bezeichnete schon im republikanischen Rom die höchste Macht
    und Würde, welche man der gesammten Bürgergemeinde, dem Volke, zuschrieb.
    Eine Beeinträchtigung dieser Würde des gesammten Volks gehärte, sowie der
    Angriff auf die Verfassung und Sicherheit des Staats, zu den Majestätsver-
    brechen. Mit dem Umsturze der Volksregierung ging Würde, Macht und Name
    der Majestät auf die römischen Monarchen und von ihnen auf die Kaiser des westl.
    Europa über. Den Königen wurde er erst viel später zugestanden; in Frankreich
    führten ihn unter Heinrich II. die Hofleute ein, aber noch bei dem westfälischen
    Frieden gab es darüber Streitigkeiten. In dem Friedensvertrage von Cambrai
    (1529) wird er nur Karl V. beigelegt. Beim Frieden von Crespy (1544) heißt
    Karl V. kaiserliche und Franz I. königl. Majestät; und in dem Frieden zu Chateau-
    Cambresis (1559) findet man zum ersten Male die Titel allerchristlichste und katho-
    lische Majestät gebraucht. In England legte sich Heinrich VIII. zuerst den Titel Ma-
    jestät bei. Jetzt wird der Majestätstitel allen europäischen Königen gegeben, nur der
    Großsultan wird bloß Hoheit genannt.

    Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände (Conversations-Lexikon), Bd. 7, Leipzig 1827, S. 58 f.

    Klingt also so, als wäre der Majestätstitel durchaus schon von Kaisern vor Karl V. geführt worden. Neuere Literatur wäre dennoch hilfreich bei der Lösung dieser Frage.
     
  11. Mephisto

    Mephisto Aktives Mitglied

    Die Regesta Imperii überliefern unter dem Stichwort "maiestatis" drei Urkunden Karls d. Großen und Ludwigs d. Frommen, in denen vom Majestätsverbrechen gehandelt wird.

    Unter Ksr. Lothar (840) wirds dann konkret:
    Ebenso bei Ludwig II. (866):
    Und auch für die Ottonen lässt sich entsprechendes nachweisen. So u.a. für Otto II. (979):
    Demnach lässt sich bereits ein frühmittelalterlicher Gebrauch feststellen.
     
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