Anteil überzeugter Nationalsozialisten in der Bevölkerung

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von kimathi, 30. März 2021.

  1. kimathi

    kimathi Neues Mitglied

    Während der Lektüre über die Zeit ist mir aufgefallen, dass die Loyalität der Menschen damals häufig Hitler galt, jedoch viel weniger häufig der Partei oder Bewegung. Ich weiss, dass dies aufgrund der Umstände äusserst schwer einzuschätzen ist, aber hat die Geschichtswissenschaft hierzu halbwegs zuverlässige Einschätzungen? Vielleicht auch, wie dieser Anteil sich über die Zeit verändert hat?
     
  2. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Ich möchte an dieser Stelle einfach mal ganz provokant in den Raum werfen, dass man da kaum sauber wird unterscheiden können, schon weil ein NS-Staat ohne Hitler im Grunde nicht denkbar war, jedenfalls nicht in dieser Form.
    Hitler tat ja eine ganze Menge dafür, den institutionellen Rahmen Deutschlands so weit als möglich zu degenerieren um das System möglichst auf seine Person zuzuschneiden.
    Einen wirklich mächtigen designierten Nachfolger gab es nicht und dafür ein Wirrwar an parteinahen Gliederungen und Parallelbehörden, die mit den staatlichen Stellen dauernd in nicht zu durchschauendem Kompetenzgerangel lagen oder sich gegenseitig in entsprechenden Eifersüchteleien behakten.
    Womit genau hätte man sich da identifizieren können wollen?
    Man wird sicherlich voraussetzen können, dass es allgemein leichter fällt, sich mit einer Person, als mir irgendeiner institutionellen Veranstaltung zu identifizieren.
    Nur wird man dann, denke ich auch berücksichtigen müssen, dass der NS kein derartig klar organisiertes systemisches Konstrukt war, wie es etwa die Sowjetunion war, wo Staat und Partei nicht in einem dauerhaften, seltsamen Konkurrenzverhältnis zu einander standen, sondern wo die Partei den Staat übernommen und systematisch ausgebaut hatte.
    Insofern würde ich meinen, ist der Nationalsozialismus in seiner Gesamtheit ein ziemlich flüchtiges und schwer fassbares Konstrukt, im besondern, wenn man künstlich noch versucht Hitler herauszurechnen.
     
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  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es ist das Spezfikum des "Führer-Kults" des Faschismus, dass er auf Personen zugeschnitten ist und erst in zweiter Linie anderen Aspekten gilt.

    Nicht zuletzt weil der Führer die "Sache" als Organisator der Partei verkörpert hat und programmatisch für die "Sache" stand, da er mit "Mein Kampf" die ideologische Basis der Bewegung formuliert hatte.

    Zur Inszenierung des "Führers" als charismatischer "Messias" vgl. Links.

    Narzissmus unter Diktatoren

    Hilfe! Hitlers Rhetorik...
     
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  4. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Dem möchte ich mich anschließen: Dem Führerkult wurde beinahe alles unterordnet. „Wenn das der Führer wüsste!“ war nicht umsonst ein häufig gebrauchter Satz. Wenn irgendwo irgendwas im Reich nicht stimmte, waren dafür immer die niedrigen Chargen des Regimes schuld. Soviel ich weiß, wurde dieses Denken offiziell gefördert, indem Beschwerdebriefe aus der Bevölkerung an den Führer von extra für diesen Zweck eingerichteten Abteilungen meistens positiv beantwortet wurden.

    Diese Praxis gab und gibt es auch in anderen (nicht faschistischen) Diktaturen.
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In Hitlers Volksstaat hat Götz Aly ganz gut gezeigt, dass die Zustimmung zur nationalsozialistischen Ideologie durchaus auch mit der Partizipation der Bevölkerung an den Benefits von Arisierung, Plündungeren und Ausbeutung zusammenhing. Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg litt die deutsche Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der Versorgung mit dem Lebensnotwendigen kaum.
     

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