Archäologische Untersuchungen zum Dreißigjährigen Krieg

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Krtek, 3. August 2009.

  1. Krtek

    Krtek Neues Mitglied

    In diesem Thread sollen archäologische Untersuchungen zu Schlachtfeldern, Feldbefestigungen, Soldaten-, Zivilisten- und Massengräbern und weiteren im Zusammenhang mit Kriegen und militärischen Auseinandersetzungen stehenden Orten und Ereignissen aus dem Dreißigjährigen Krieg zusammengestellt werden. In Deutschland und den Nachbarländern gibt es bereits eine recht große Zahl an archäologischen Ausgrabungen und Fundbergungen, aber systematisch zusammengetragen wurde das meines Wissens bislang noch nicht. Wir können es ja mal hier versuchen.

    Chronologisch schließt sich ein weiterer Thread zur Archäologie des Krieges in Europa in der zweiten Hälfte des 17., dem 18. und 19. Jh. ( http://www.geschichtsforum.de/f54/arch-ologie-des-krieges-im-europa-des-18-und-19-jhs-28807/ ) und zum I. Weltkrieg (http://www.geschichtsforum.de/f54/schlachtfeld-arch-ologie-1-weltkrieg-22804/ ) an.

    Dreißigjähriger Krieg ? Wikipedia
    Liste der Kriege und Schlachten im 17. Jahrhundert ? Wikipedia

    Baden-Württemberg

    Heidelberg
    Seit 2006 bearbeitet Martin Straßburger im Rahmen eines Projektes des Kurpfälzischen Museums der Stadt Heidelberg die Befunde und Funde der Belagerung durch Tilly im Jahre 1622 ( Montanarchaeologie Caroline )

    Tilly-Fund: Start

    Forschung

    Nach abgeschlossener Restaurierung: Die Arkebuse aus dem Belagerungsjahr 1622
    http://www.museum-heidelberg.de/servlet/PB/show/1166543/KdM November 2005.pdf

    Bayern

    Alerheim bei Nördlingen
    Schlacht von Alerheim, oft auch Zweite Schlacht bei Nördlingen genannt, am 3. August 1645 (Schlacht von Alerheim ? Wikipedia )

    Archäologen entdecken Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg
    Münzen, Uniformbestandteile, Rosenkranzperlen: Vermutlich waren es französische Söldner, die in der Grabstätte in Bayern eilig verscharrt wurden. Rund 50 Skelette haben Archäologen nun entdeckt.

    Spiegel online vom 07. April 2008. Bayern: Archäologen entdecken Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft

    Massengrab aus dem 30-jährigen Krieg entdeckt
    Nördlingen (dpa/lby) - Bei Grabungen für eine Pipeline ist bei Nördlingen ein Massengrab aus der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618-1648) entdeckt worden. Wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege am Montag in München mitteilte, wurden die Skelette von rund 50 Menschen geborgen.

    Augsburger Allgemeine vom 07.04.08
    Nördlingen: Massengrab aus dem 30-jährigen Krieg entdeckt - Bayern - Augsburger Allgemeine


    Massengrab im Ries. Auch ein Zwölfjähriger starb in der Schlacht
    Alerheim (wk/RN) - Die bei Alerheim in einem Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg entdeckten Knochen werden jetzt katalogisiert und pathologisch untersucht. Die Fundstelle ist inzwischen wieder verschlossen worden. Das wurde bei einer Pressekonferenz in Alerheim mitgeteilt.
    Rieser Nachrichten vom 09.04.08
    Massengrab im Ries: Auch ein Zwölfjähriger starb in der Schlacht - Lokalnachrichten - Rieser Nachrichten


    Höchstadt a. d. Aisch
    1633 durch die Schweden völlig zerstört
    * Ein Massengrab aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Höchstadt a. d. Aisch. Das Archäologische Jahr in Bayern 1985, 175 f.

    Brandenburg

    Wittstock/Dosse
    Schlacht bei Wittstock am 4. Oktober 1636 ( Schlacht bei Wittstock ? Wikipedia )

    Seltenes Massengrab des Dreißigjährigen Krieges
    Seltener Fund in der Prignitz: Archäologen legen ein Massengrab mit vermutlich 70 Skeletten frei. Die Ausgrabungen sollen neue Erkenntnisse zum Soldatenleben vor knapp 400 Jahren liefern. Auf dem Schlachtfeld von Scharfenberg hatten 40.000 sächsische und schwedische Krieger gekämpft.
    Die Welt vom 20. Juli 2007
    Ausgrabung: Seltenes Massengrab des Dreißigjährigen Krieges - Nachrichten Wissenschaft - WELT ONLINE

    Siehe auch:
    Massengrab in Brandenburg: 7000 Leichen
    Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum - In Reihe zur letzten Ruhe gelegt
    Informationen und Spendenaufruf zur Erforschung der Landsknechtbestattungen aus dem Dreißigjährigen Krieg bei Wittstock:
    http://preview.bldam-brandenburg.de/website/images/stories/Aktuelles/memento_mori.pdf
    http://www.bb-zeitung.de/article2410.html
    Massengrab des 30-jährigen Krieges - Wissen - Printarchiv - Berliner Morgenpost
    http://www.maerkischeallgemeine.de/..._aus_dem_Jahr_soll_gekennzeichnet_werden.html


    * Gundula Gahlen, Kataster zur Schlacht bei Wittstock von 1636, in: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit. Bulletin 5 (2002), S. 171-173; Internetversion unter der URL http://www.amg-fnz.de/akt_pro2.php?ID=35
    * Sabine Eickhoff / Anja Grothe / Bettina Jungklaus, Söldnerbestattungen des Dreißigjährigen Krieges. Ein Massengrab bei Wittstock. Ostprignitz-Ruppin Jahrbuch 17, 2008, 103–112.
    * Anja Grothe, Bettina Jungklaus, In Reihe zur letzten Ruhe. Archäologie in Deutschland 2008, Heft 1, 43.

    * Anja Grothe / Bettina Jungklaus, In Reih und Glied – die Söldnerbestattung von 1636 am Rande des Wittstocker Schlachtfeldes. Archäologische und anthropologische Aspekte
    http://www.lda-lsa.de/fileadmin/pdf/2008_10_08_Abstracts_Schlachtfeldarchaeologie.pdf

    Sachsen-Anhalt

    Lützen
    6. November 1632 (Schlacht bei Lützen ? Wikipedia )

    Auf den Spuren Wallensteins
    Auf dem Gelände der historischen Schlacht von Lützen im Jahre 1632 haben Ausgrabungen begonnen. Die archäologischen Arbeiten erfassen die Schützengräben des kaiserlichen Heerführers im Dreißigjährigen Krieg, Wallenstein.

    Tagesspiegel vom 19.3.2007 16:32 Uhr
    Auf den Spuren Wallensteins

    Schlacht bei Lützen von 1632: Aufstellung der schwedischen und kaiserlichen Truppenverbände mit Eintragung der Prospektionsflächen von 2006
    Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie : Bodendenkmalpflege : Fachreferate : Archäologische Prospektion |[ LDA Sachsen-Anhalt ]|

    * Maik Reichel, Die Schlacht bei Lützen vom 6./16. November 1632 und der Tod des schwedischen Königs Gustav II. Adolf
    http://www.lda-lsa.de/fileadmin/pdf/2008_10_08_Abstracts_Schlachtfeldarchaeologie.pdf

    * André Schürger, Die Schlacht von Lützen 1632: Archäologische Untersuchungen am linken kaiserlichen Flügel
    http://www.lda-lsa.de/fileadmin/pdf/2008_10_08_Abstracts_Schlachtfeldarchaeologie.pdf

    Bernburg
    Befunde eines schwedischen Feldlagers

    Kurz erwähnt in:
    * Norma Literski, Von Scharmützel bis Feldzug – Lützen und die Schlachtfeldarchäologie in Deutschland. Archäologie in Deutschland Hf. 1, 2009, 20 f.
    http://www.aid-magazin.de/fileadmin...gang_2009/Heft_01_09/Leseprobe_AiD_1-2009.pdf

    Latdorf (Salzlandkreis)
    Teile des Befestigungsgrabens mit einer der Bastionen des Lagers konnten archäologisch dokumentiert werden. Dabei kamen zahlreiche Gräber gefallener Soldaten und Pferde sowie Siedlungsreste mit Funden des Lagers zutage.
    * ebd.
    * Jochen Fahr / Peter Pacak, Das schwedische Feldlager Latdorf. In: Susanne Friederich u.a., Archäologie am Kalkteich 22 in Latdorf. Die Chemie stimmt! Archäologie
    in Sachsen-Anhalt Sonderband 9 (Halle/Saale 2008) 105–114.

    Österreich

    Lambach (Oberösterreich)
    In der Arbeit von Prof. Dr. Josef Unger (Brno - Curriculum Vitae )
    * Pohřební ritus 1. až 20. století v Evropě z antropologicko-archeologické perspektivy. Panorama biologické a sociokulturní antropologie 2 (Brno 2006). ISBN 80-7204-397-8
    (Grabritus des 1. bis 20. Jahrhunderts in Europa aus anthropologisch-archäologischer Perspektive)
    findet sich in dem Kapitel über Kriegsgräber und Opfer militärischer Auseinandersetzungen der Hinweis auf mehrere Massengräber aus der Schlacht bei Lambach 1626.

    Bei der Suche nach Informationen zu dem bei Lambach geborgenen Massengrab oder Massengräbern stößt man auf interessante Debatten um den Bau des OKA-Kraftwerkes ( Experten streiten um Herkunft der Skelette : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv ), aber kaum auf Infos zu dem Grab. Ist das entsprechend archäologisch-anthropologisch untersucht worden und existieren dazu eventuell Veröffentlichungen? Möglicherweise stammen die Massengräber auch erst aus der Zeit der Franzosenkriege 1800 bis 1809. Österreichisches Schwarzes Kreuz ? Wikipedia

    Tschechien


    Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich mich mit Tschechien eingehender befasst habe, aber meines Erachtens ist bislang beste Forschungstand zur Archäologie des Dreißigjährigen Krieges in Mitteleuropa bislang in der Tschechischen Republik zu verzeichnen. Hier liegt eine Habilitationsschrift von Václav Matoušek zur Schlacht bei Třebel/Triebl im Jahr 1647 (?erno?ín ? Wikipedia ) mittlerweile im Druck vor, außerdem eine ganze Reihe von Artikeln zu verschiedenen Bildquellen von ihm:

    * V. Matoušek, Třebel. Obraz krajiny s bitvou (Třebel. Das Landschaftsbild mit der Schlacht). (Praha 2006).
    Litdok - Literaturdatenbank Geschichte Ostmitteleuropas

    Schon zu Beginn der 1930er Jahre führten Mitglieder der örtlichen Museumsvereinigung eine archäologische Untersuchung von Relikten des befestigten Lagers der schwedischen Truppen aus den Jahren 1639/40 bei Stará Boleslav/Altbunzlau durch. In den 50er, 60er und 70er Jahren wurden mehrere Massengräber an der Stelle der Schlacht am Weißen Berg/Bílá Hora vom 8. November 1620 in Prag 8 im Rahmen von Rettungsgrabungen untersucht. Das bisweilen einzige zumindest teilweise archäologisch untersuchte und gründlich vermessene Objekt aus dieser Zeit in Böhmen ist die sogenannte Volarská šance/Wallerer Schanze aus dem Jahren 1618 bis 1620, der Zeit des Ständeaufstandes in Böhmen, an der Landstraße von Volary/Wallern nach České Žleby/Böhmisch Röhren. Aus dem Objekt stammt eine reiche Sammlung von Metallobjekten, die bei illegalen Grabungen mit Hilfe von Metalldetektoren geborgen wurde. Detailliert vermessen wurden auch weitere Relikte von Feldbefestigungen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Böhmen, so etwa in Südböhmen im Pintovka-Wald im unmittelbaren Umfeld der Stadt Tábor die Überreste einer befestigten Schützenposition der kaiserlichen Armee aus dem Jahr 1621, in der Nähe der Burg Kynžvart/Königswart in Westböhmen ein befestigter Belagerungsstandort der Schweden aus dem Jahr 1647 und in der Nähe von Rozvadov/Roßhaupt an der Grenze zu Bayern das ausgedehntes Areal der sogenannten Tilly-Schanze aus dem Jahr 1621, wo mindestens acht Befestigungsrelikte mit einer Größe von mehreren Dutzend bis einige hunderte Meter erhalten sind. Etwa 20 Feldbefestigungen überwiegend aus dem 17. Jahrhundert wurden im Gebiet der Novohradské hory/des Gratzener Berglandes (Freiwaldes) und Šumava/Böhmerwald in Südböhmen erkannt. Aus Mähren und Schlesien können die Reste des befestigten Militärlagers bei Horní Moštěnice/Obermoschtenitz aus dem Jahr 1643 genannt werden. Die gleichzeitige, etwa 20 km südwestlich liegende Hauptbefestigung der kaiserlichen Truppen wurde in Křenovice u Kojetína/ Krenowitz bei Kojetein im Rahmen einer Rettungsgrabung in den Jahren 2006 und 2007 beim Bau der Autobahn D1 untersucht. Zu den ausgedehntesten erhaltenen Befestigungssystemen in den böhmischen Ländern zählt der Komplex von mehreren Schanzen südlich von Jablunkov/Jablunkau an der ehemaligen Grenze zu Ungarn, heute im Dreiländereck Tschechien, Polen und der Slowakei. Diese Anlagen entstanden zwischen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und dem 18. Jahrhundert, zuletzt genutzt wurden sie im Jahr 1848.

    Soweit der gekürzte und um die Literaturhinweise „bereinigte“ Abschnitt zum Dreißigjährigen Krieg aus dem Manuskript von Václav Matoušek, Petr Meduna, Zdeněk Smrž und Roman Grabolle (also mir ;) ) über „Die Schlacht bei Třebel/Triebl im Jahr 1647 und weitere Untersuchungen zur Archäologie des Krieges in der Tschechischen Republik“, das in dem Tagungsband zum 1. Mitteldeutschen Archäologentag zum Thema Schlachtfeldarchäologie erscheinen soll: Tagungen : Archiv Tagungen : 1. Mitteldeutscher Archäologentag |[ LDA Sachsen-Anhalt ]| .

    Schweden, Finnland und Ukraine
    Bo Knarrström, Archaeological research on European battlefields – case studies from Sweden, Finland and Ukraine. Archäologische Forschungen auf europäischen Schlachtfeldern - Fallstudien aus Schweden, Finnland und der Ukraine
    http://www.lda-lsa.de/fileadmin/pdf/2008_10_08_Abstracts_Schlachtfeldarchaeologie.pdf

    Über zahlreiche Ergänzungen zu weiteren archäologischen Grabungen, Notbergungen, älteren Untersuchungen bei Bauarbeiten oder potentiellen Fundorten würde ich mich sehr freuen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. August 2009
    2 Person(en) gefällt das.
  2. Krtek

    Krtek Neues Mitglied

    Archäologen belegen Zerstörung Magdeburgs
    Bislang belegten nur historische Quellen, dass Magdeburg während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1631 zerstört wurde. Nun bestätigen dies auch Archäologen. Keramik- und Ton-Funde aus dem verganenen Jahr brachten sie auf die Spur der "großen Katastrophe".
    Die Welt vom 16. Mai 2007. Ausgrabungen: Archäologen belegen Zerstörung Magdeburgs - Nachrichten Wissenschaft - WELT ONLINE

    Ergänzung zu Heidelberg:
    * Martin Straßburger, Spuren der Belagerung Heidelbergs im Jahr 1622 und ihre archäologische Bearbeitung. Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2007, 247-250.

    * Martin Straßburger, Archäologische Nachweise zur Belagerung Heidelbergs im Dreißigjährigen Krieg. Archäologische Nachrichten aus Baden 2007, 74/75, 56–61.
    Literatur zum dreißigjährigen Krieg und zum „Winterkönig“

    * Martin Straßburger, Haydelberga vt capitur. Archäologie der Belagerungen Heidelbergs im 17. Jahrhundert. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit 13, 2009, Heft 1, 143-146 (= Themenheft Militär und materielle Kultur in der Frühen Neuzeit)
    OPUS - Haydelberga vt capitur : Archäologie der Belagerungen Heidelbergs im 17. Jahrhundert
    http://www.buchhandel.de/WebApi1/GetMmo.asp?MmoId=5359116&mmoType=PDF
     
  3. Krtek

    Krtek Neues Mitglied

    Ergänzungen aus dem oben verlinkten Artikel von Martin Straßburger 2009 und eigene:

    Bayern

    zu Alerheim bei Nördlingen
    * Stefanie Berg-Hohbohm / Frank Wedekind, Gold erworben, den Tod gefunden. Archäologie in Deutschland 2008, Hf. 5, 40.

    * Stefanie Berg-Hobohm, Ein anderer Blick auf die Schlacht von Alerheim. Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg entdeckt. Denkmalpflege Informationen Ausgabe B Nr. 140, 2008, 21 f. ISSN 1863-7590.

    zu Höchstadt a. d. Aisch
    die Literaturangabe muss lauten:
    * Eckart Wangerin, Ein Massengrab aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Höchstadt a. d. Aisch. Das Archäologische Jahr in Bayern 1985, 157–159.

    Zu den nicht vollends geklärten Fundumständen und Zweifeln an der Zugehörigkeit einiger Funde zu dem Massengrab vgl. nun:
    * Natascha Mehler, Tonpfeifen aus bayerischen Gräbern. Eine erste Bestandsaufnahme. Knasterkopf 19, 2007, 28–33, hierzu 31 f.
    http://histarch.univie.ac.at/filead...F-Dateien/Mehler/Mehler_2007_Grabbeigaben.pdf

    "... die Pfeife [datiert] mit Sicherheit in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts, genauer in die Zeit von ca. 1660 bis 1680. Somit ergibt sich eine deutliche Diskrepanz zur Datierung des Massengrabs, die mit dem Überfall der Schweden im Jahr 1633 angegeben wurde. Falls die Pfeife tatsächlich aus diesem Grab stammt, wie es der Ausgräber in dem knappen Bericht schreibt [282, 159], ist eine Datierung des Grabes in das Jahr 1633 unmöglich. ... Nach Auskunft von K.-H. Feuerlein, Heimatverein Höchstadt an der Aisch, der damals bei den Bergungsarbeiten anwesend war, stammt die Pfeife jedoch nicht unmittelbar aus dem Massengrab."

    Zinndorf, Ldkr. Fürth
    Schlacht an der Alten Veste (auch Schlacht bei Fürth, Schlacht bei Zirndorf oder Schlacht bei Nürnberg), 1632 (Schlacht an der Alten Veste ? Wikipedia )

    * Helmut Mahr, Wallensteins Lager. Die Schlacht an der Alten Veste (Nürnberg 1980). ISBN 3-920701-57-7.
    * Helmut Mahr, Wallenstein vor Nürnberg 1632. Sein Lager bei Zirndorf und die Schlacht an der Alten Veste, dargestellt durch den Plan der Gebrüder Trexel 1634 (Neustadt/Aisch 1982). ISBN 3-7686-4096-5.
    * Hermann Kerscher, „Diß war ein starck Viereck / hat in der mitt ein Cavalier“ Wallenstein in Zirndorf 1632. Das Archäologische Jahr in Bayern 2005 (2006), 145-148.

    Niedersachsen

    Sarstedt, Ldkr. Hildesheim
    * Erhard Cosack, Spuren eines Heerlagers vor den Toren von Sarstedt, Ldkr. Hildesheim. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 75, 2006, 241-252.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

  5. Krtek

    Krtek Neues Mitglied

    Arbeiten, die in allererster auf schriftlichen Quellen und vielleicht noch einigen bildlichen Darstellungen beruhen, gibt es zu nahezu jeder Schlacht - vor allem vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts - und natürlich auch zur Schlacht bei Freiburg (im Wikipedia-Artikel genannt).

    Nun würde ich aber gern wissen, ob und welche archäologischen Quellen es (z.B. zur Schlacht bei Freiburg) gibt: bei Bauarbeiten entdeckte Massengräber, erhaltene und vermessene oder bei Bauarbeiten angeschnittene Feldschanzen, Münzfunde, Zerstörungshorizonte usw.

    Ich denke, es ist durchaus nachvollziehbar, dass sich ein einzelner nicht durch die Unmengen von wissenschaftlicher und heimatkundlicher Literatur zu allen Schlachten in Europa in den letzten 500 Jahren arbeiten kann, denn für Beschaffen und Lesen braucht er vermutlich in etwa noch mal dieselbe Zeit. Also hoffe ich auf die Hinweise der Leute vor Ort, die sich schon länger mit einer bestimmten Schlacht oder Region beschäftigen, die es in der Presse oder in regionalen archäologischen Publikationen gelesen haben, vielleicht selbst bei den Untersuchungen dabei waren usw.

    Mir geht es in erster Linie um einen Überblick, wo es solche Untersuchungen gibt und wer sich mit solchen Fragestellungen beschäftigt. Andere Kolleginnen und Kollegen kennen sich in "ihrer" Region viel besser aus als ich es mir jemals anlesen könnte. Baden-Württemberg und damit auch Freiburg ist sozusagen der Claim von Martin Straßburger, mit dem ich vor 13 Jahren mal zusammen Zivildienst in der Archäologie abgeleistet habe. Leider haben wir uns dann aus den Augen verloren. Martin hat in Freiburg bei Prof. Heiko Steuer studiert und schreibt dort auch seine Dissertation.

    Mein Gebiet, in dem ich mich etwas besser auskenne und in dem ich natürlich noch weiter dazulernen und die erhaltenen Anlagen im Gelände nach und nach alle sehen will und muss, ist Mittel- und Ostdeutschland - im Sinne des MDR, also die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - und das übrige Ostmitteleuropa, vor allem Tschechien, Slowakei und Polen. Die Beschäftigung mit Ungarn scheitert bei mir meist an den fehlenden Sprachkenntnissen, obwohl es da spannende Untersuchungen gibt, vor allem auch zu den Türkenkriegen ( Türkenkriege ? Wikipedia ) und gut erhaltene Festungsbauten ( Liste der Burgen, Schlösser und Festungen in Ungarn ? Wikipedia ). Dann würde ich gern noch etwas weiter nach Osten (Ukraine, Belarus, Russland) und Südosten, den Balkan, schauen, aber dort sind archäologische Untersuchungen doch eher noch dünn gesät.
     
  6. Krtek

    Krtek Neues Mitglied

    Interview mit André Schürger bei DRadio am 13.11.2008

    "Die Schlacht ist ein unglaublich gewalttätiges Ereignis"
    Archäologe Schürger forscht über den 30-jährigen Krieg

    Der Wissenschaftler André Schürger setzt sich in Lützen mit der militärischen Auseinandersetzung den kaiserlichen und protestantischen Truppen auseinander. Man müsse sich dabei Metalldetektoren bedienen, sagte Schürger.

    Deutschlandradio Kultur, Radiofeuilleton vom 13.11.2008
    Deutschlandradio Kultur - Thema - "Die Schlacht ist ein unglaublich gewalttätiges Ereignis"
     

Diese Seite empfehlen