Aufgeklärtes Mittelalter - reaktionäre Neuzeit

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Gegenkaiser, 14. Juli 2009.

  1. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Ich würde den kulturellen Gegegnsatz in diesem Konflikt nicht allzu überbewehrten. Der spielte wenn dan nur untergeordnet eine Rolle. Letztlich ging es in erster Linie um machtpolitische Interessen bei allen Konfliktpartein. Raimund VI. von Toulouse hatte kein Problem damit sich 1209 dem Kreuzzug anzuschließen um gegen seinen alten Rivalen Trencavel zu kämpfen. Er wandte sich erst gegen den Kreuzzug nachdem dieser 1211 seine eigenen Länderein angriff. Das gleiche gilt für Peter II. von Aragón, der Partei für seinen Vasallen Trencavel gegen die Kreuzfahrer ergriff und damit freilich bei Muret 1213 scheiterte.

    Das Frankreich durch den Albigenserkreuzzug profitieren könnte, war zu dessen Beginn noch nicht abzusehen, da Montfort zunächst in Eigenregie waltete, nachdem er die Führung übernommen hatte. Er hatte sogar mehrfach versucht von seiten Peters von Aragon als dessen Vasall anerkannt zu werden, was dieser aber ablehnte. Nachdem Montfort 1218 gefallen war war es dann auch erstmal vorbei mit dem Kreuzzug, sein Sohn musste 1224 Carcassonne aufgeben. Gewiss aber hatte der Kreuzzug Frankreich insofern begünstigt, indem die Verteidigungsfährigkeit des Südens nach den Jahren des Krieges dahin war. Als Ludwig VIII. seinen Kreuzzug 1225 in das Languedoc führte ergaben sie nahezu alle Städte kampflos. Der König konnte die in Nordfrankreich bereits angewandten Verwaltungsstrukturen reletiv schnell im Süden etablieren, da bereits Montfort diese in seinen Statuten von Pamiers eingeführt hatte.

    Ich würde nicht behaupten das die Katharer in "Westeuropa" eine echte Konkurrenz zur römischen Amtskirche darstellten. Ihr Wirkungsbereich blieb letztlich auf das Languedoc beschränkt. In England, auf der iberischen Halbinsel oder in Nordfrankreich waren sie überhautpt nicht vertreten. In der Lombardei und im Rheinland gab es noch die Waldenser, aber auch die stellten keine wirkliche Bedrohung dar.
    Die kirchlichen Strukturen der Katharer brachen auch schon in den ersten Jahren des Kreuzzuges zusammen und blieben danach nur noch im Untergrund für einen kurzen Zeitraum besehen. Der letzte Katharerbischof ist glaub ich auf dem Scheiterhaufen vor dem Montségur 1244 verbrannt wurden.
     
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  2. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    natürlich war der kulturelle Gegensatz nur ein Nebenaspekt, aber er war da und mir ging es bei dem Beispiel eigentlich auch nur darum,zu zeigen, daß wir hier nicht nur die Front Häretiker-Rechtgläubige hatten, sondern der Konflikt vielschichtiger und durchaus vergleichbar mit dem 30jährigen Krieg war, wie sich ja auch durch die von Dir aufgezeigten wechselnden Interessenlagen der Beteiligten ergibt.
    Ich glaube allerdings nicht ,daß Montfort den Krieg auf eigene Rechnung begonnen hat.M.E. billigte und unterstützte der König das Unternehmen von Anfang an, konnte zu diesem Zeitpunkt nur aus politischen Gründen noch nicht offiziell in den Konflikt eintreten..

    Die Verbreitung der Katharer ging doch weit über das heutige Languedoc hinaus , umfasste den gesamten Süden Frankreichs und ging bis ins Rheinland .Und im französischen Süden waren sie zeitweise stärker etabliert als die Amtskirche und hatte die Unterstützung des herrschenden Adels..Insoweit lag da schön eine ähnliche Situation vor wie bei der Etablierung des Protestantismus.
    Die letzte Katharerfestung war übrigens Queribus,die 1255 (11 Jahre nach Monsegur)fiel und der letzte Parfait wurde m.W.erst Anfang des 14.Jahrhunderts verbrannt
     
  3. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Vorschlag an die Mods:
    Vielleicht sollte man den Teil über den Katharerkrieg von diesem Thread abtrennen und in einem eigenen ansiedeln,denn sonst werden wir hoffnungslos o.T.
     
  4. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Habe nachgeguckt,der Mann hieß Guillaume Belibaste und endete 1321 auf dem Scheiterhaufen
     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Aber die Wirkung der Katharer - auch innerhalb des provenzalischen Adels - war dennoch so beträchtlich, dass sich die katholische Kirche in ihren Grundfesten gefährdet sah, denn sie stellten eine gefährliche und völlig neue Bedrohung dar. Das zeigt die unnachgiebige Verfolgung und Vernichtung der Katharer sehr deutlich.
     

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