Auflösung des Templerordens

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Tiphaine, 31. Januar 2012.

  1. Tiphaine

    Tiphaine Gast

    Hallo an alle,
    vielleicht kann mir jemand folgendes beantworten:
    Wie dachten eigentlich Adel und gemeines Volk über die Auflösung des Ordens? Ist da irgendetwas überliefert? Oder wie dachte man etwa 60-70 Jahre später über die Templer? Was verkörperten sie für junge Ritter? Hatten junge Ritter zu dieser Zeit überhaupt Vorbilder? Es wäre nett, wenn mir jemand einige Anhaltspunkte geben könnte. Vielen Dank im voraus
     
  2. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ob das gemeine Volk überhaupt wahrnahm was außerhalb ihrer Dorfgemeinschaft geschah kann man schon fragen.

    Für den französischen Adel war es eine klare Machtdemonstration des Königs, es festigte seine Macht ungemein das er einen so mächtigen und vor allem reichen Orden einfach vernichten konnte.
     
  3. Tiphaine

    Tiphaine Gast

    Wäre es denkbar, dass man Jahrzehnte später die Auflösung des Ordens bereut hat? Soviel ich weiß, rief der König von Zypern um die Mitte des 14. Jahrhunderts dazu auf, die Kreuzzüge wieder aufleben zu lassen.
     
  4. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Im frühen 14. Jahrhundert versuchte vor allem König Philipp VI. von Frankreich ein Kreuzzugsunternehmen zu starten. Er hatte sogar schon eine Flotte eigens dafür bauen lassen, die er aber von dem Mittelmeer in den Ärmelkanal verlegen lies, als sich der Konflikt mit England abzeichnete. Diese Kreuzzugsflotte wurde dann auch zu Beginn des Hundertjährigen Kriegs im Hafen von Sluys durch einen englischen Überfall versenkt.

    In Frankreich wie im westlichen Europa generel war der Kreuzzugsenthusiasmus schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts abgeflaut. Dem König Luwig IX. von Frankreich wollten schon 1270 nicht mehr alle französischen Adligen auf den Kreuzzug folgen. Und als Ludwig IX. dann auch noch vor Tunis starb zogen die Franzosen schon wieder nach Hause, statt in den Orient weiter zu ziehen.

    Der Templerorden war nach dem Fall von Akkon 1291 in Frankreich einer allgemeinen Kritik ausgesetzt, die sich vor allem daran entzündete, weil er sich anders als die Hospitaliter (Rhodos) und die Deutschritter (Baltikum) keine neue Operationsfelder im Kampf gegen die Ungläubige suchte. Statt dessen ging er vom Pariser Tempel aus seinen Geschäften nach, die sich der Kontrolle jeder staatlichen Autorität entzogen. Und wer sich einmal mit der Herrschaftsauffassung Philipps IV. auseinander gesetzt hat wird schnell verstehen, dass der Templerorden unter diesen Bedingungen in Frankreich keine große Zukunft mehr haben konnte. Ende des 13. Jahrhunderts gab es ja laute Stimmen, die eine Vereinigung der Templer mit den Hospitalitern verlangten, was in der Folge des Templerprozesses in gewisser Weise auch realisiert wurde, indem der Papst das Templervermögen den Hospitalitern überantwortete.

    Das die Templer später vermisst wurden ist mir auf Anhieb nicht bekannt. Während des hundertjährigen Kriegs war an Kreuzzug sowieso nicht zu denken. Das konnte man sich später nur am burgundischen Herzogshof leisten, welcher die Kreuzzugszeit und das hochmittelalterliche Rittertum schon romantisch verklärte. Was dann auch zur Katastrophe von Nikopolis 1396 führte, wo eine ganze Reihe führender Ritter Frankreich sinnlos verheizt wurde.
     
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