Aufschwung aus den dark ages

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Arthur Dent, 24. April 2013.

  1. Arthur Dent

    Arthur Dent Neues Mitglied

    Hallo Ihr,

    ich hab mittlerweile schon öfter gelesen, dass die Griechen nach den dark ages im 8. Jh. v.Chr. vor allem durch Einflüsse aus dem antiken Orient wieder Aufschwung erreichen konnte und so die vielen Stadtstaaten und die antike griechische Kultur entstehen konnte.

    Kann mir jemand sagen, was es da für Einflüsse gab?
    Also ich weiß, dass die Griechen z.B ihr das Aplhabet von den Phönizern übernahmen, aber was war da noch?

    Lg, Arthi
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. April 2013
  2. Arthur Dent

    Arthur Dent Neues Mitglied

    Auswirkungen auf Antikes Griechenland

    Hallo,

    ich frage mich schon länger inwiefern die alten Hochkulturen Mesopotamiens Einfluss auf die Entwicklung des antiken Griechenlands hatten.
    Kann mir da jemand weiter helfen?
    besonders würde mich interessieren, inwiefern das Alt- und Spätbabylonische Reich Errungenschaften geleistet haben, die von den Griechen übernommen wurden.

    Lg
     
  3. Carsten

    Carsten Neues Mitglied

    Ja komplexe Frage, Griechenland ist sicher keine Babylon Kopie aber auch keine Neuerfindung.
    In der klassischen Periode war es ja ein ständiger Austausch, gerade in Kleinasien, wo beide Kulturen zusammentreffen.
    Die griechische Schrift ist ja schon eine Abwandlung der Phönizischen Schrift, die auch zum Babylonischen Reich gehört haben.
    Beim Altbabylonischen reich ist das sicher weniger unmittelbar. Daswäre dann ja ein Einfluss auf mykenische zeiten, die selber ja wieder auf das klassiische Hellas nur begrenzeten Einfluss hatte, eher als Sagen, denn als tatsächliche Kultur.
    Aber Neubabylon aht natürlcih auf Altbabylon aufgebaut und da gibt es ja viele zusammenhänge. Vom regen Handel, politischen Rivalitäten bis hin zu Konflikten, die ja schleißlich zur Verschmelzung beider Kulturen im Hellenismus geführt haben.
    Hellas und das Perserreich standen aber in viel zu engem miteienander als das sie keine Einflüsse aufeinander gehabt haben, in beide Richtungen.
    Hellas ist sicher gewachsen an seiner Rivalität zu den Persern.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Frage ist schwer zu beantworten. Auf jeden Fall muss man sagen, dass die griechische Geschichte eng mit dem Vorderen Orient verflochten ist und auch die griechische Kultur Anregungen aus Vorderasien aufnahm. Insbesondere die ionischen Städte an der ägäischen Küste Kleinasiems befanden sich seit Einsetzen der großen griechischen Kolonisation im 9. Jh. v. Chr. in ständiger Wechselbeziehung zu en Mächten des Vorderen Orients.

    Wie einst die indogermanischen Hethiter haben auch die Griechen anatolische Gottheiten in ihr Pantheon aufgenommen, vor allem die Große Mutter, deren Abbild die Artemis von Ephesos ist, vermutlich auch die Erdgöttin Demeter. Aus Vorderasien stammt die Göttin Aphrodite, die zahlreiche gemeinsame Wesenszüge mit orientalischen Gottheiten hat, vor allem mit Astarte und der babylonischen Ischtar. Auf die Rezeption des Alphabets und der orientalischen Schriftkultur wurde bereits hingewiesen. Ferner befinden sich in der frühen griechischen Philosophie Spuren der orientalischen Weisheitslehre.

    Andererseits ist festzustellen, dass der Einfluss Vorderasiens bzw. des Orients auf die griechische Kultur begrenzt blieb. Autonome Entwicklungen zeigen Plastik und Bildhauerkunst, Tempelarchitektur, staatliche Organisation und überhaupt das Verhältnis des Menschen zu seinen Göttern, zu seinen Herrschern und politischen Führern und zu seiner Umwelt.
     
  5. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Apollon würde ich da auch noch nennen.

    Interessant ist, dass die meisten Vorsokratiker, so bekannt, aus Kleinasien stammten. Athen als philosophisches Zentrum entwickelte sich erst im 5. bzw 4. Jh.
     
  6. Arthur Dent

    Arthur Dent Neues Mitglied

    Vorbilder Griechenlands

    Vielen Dank für eure Antworten,

    Doch wie bzw. warum genau sind die griechischen Gottheiten entstanden oder wann sind sie das erste mal vorgekommen? - Im archaischen Griechenland oder schon davor?

    Und wenn sie Vorbilder aus dem Osten gehabt haben, haben sie von ihnen noch mehr übernommen, was ihnen dann zum Aufschwung aus den dark ages geholfen hat?

    Lg
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um aus Naturphänomenen Götter zu machen und diese allmählich zu personifizieren braucht es doch keinen Anstoß von außen.
     
  8. Arthur Dent

    Arthur Dent Neues Mitglied

    Das stimmt natürlich, aber die Mykener verehrten nicht die klassischen griechischen Götter. Ich frage mich, wann diese das erste mal aufgetaucht sind und wo sie her kamen. Haben z.B die Dorier sie mitgebracht? oder sind sie tatsächlich abwandlungen der Götter aus Mesopotamien oder Ägypten.
     
  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Bei der Entstehung von Göttern muss man in die Steinzeit zurückgehen, was weit außerhalb der Zeit liegt, die dieser Thread umfasst.

    Was die Griechen aus Vorderasien übernahmen, habe ich oben in Beitrag # 4 ausgeführt. Darüber hinaus sind keine wesentlichen weiteren Einflüsse bekannt.

    Nach den Dark Ages, die etwa von 1100 bis 800 v. Chr. währten, erfolgte zunächst nur ein langsamer, wenn auch stetiger Aufschwung. Mit Einflüssen aus dem Orient hat das wenig zu tun. Seit Mitte des 8. Jh. werden in der gesamten Mittelmeerwelt und dem Schwarzmeergebiet viele griechische Städte gegründet. Damit verbunden ist ein Aufschwung des Handels und der Wirtschaft, der Rechtsprechung und Gesetzgebung. Zugleich erfolgt ein kultureller Aufbruch, der Philosophie, Lyrik und Architektur umfasst. Das mündet dann im 5. Jh. v. Chr. in die Phase des klassischen Griechenlands.
     
  10. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Götter wie Zeus, Hera oder Athena sind bereits für mykenische Zeit gesichert.
     
  11. Arthur Dent

    Arthur Dent Neues Mitglied

    Ahhh, das wusste ich nicht, aber wann die das erste mal auftauchten, darum ging es mir. danke
     
  12. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Wie vermutlich alle Götter aller Religionen: als Synkretismus.

    Ein zweite wichtige "Quelle" für die griechische Götterwelt waren die Indogermanen. Der Name "Zeus" bspw ist vom Wortstamm her verwandt mit dem lateinischen "Deus" (=Gott) und dem germanischen Tyr. Allerdings auch mit dem hethitischen "Schiusch", wo wir dann wieder in Kleinasien wären...

    EDIT
    Nicht? :S

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mykenische_Religion
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2013
  13. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Im Einzelnen ist so etwas schwer zu sagen. Einflüsse lassen sich, insbesondere wenn sie in einer noch schriftlosen Zeit geschahen, kaum direkt belegen. Wer Beeinflussungen einer Kultur durch eine andere sehen will (z. B. eine Übernahme von Göttern), wird immer irgendwelche Parallelen finden, die er dann als "Beweise" für Einflüsse werten kann. Wer Beeinflussungen abstreiten will, wird aber auch genug finden, was gegen sie spricht. Außerdem handelt es sich nur selten um 1:1-Übernahmen. Inwiefern einheimische Entwicklungen sich durch Einflüsse von außen veränderten, ist erst recht schwer festzumachen. Z. B. gilt der griechische Gott Dionysos oft als Übernahme aus dem Orient, und tatsächlich ist er einer der "orientalischsten" griechischen Götter, allerdings gibt es Hinweise, dass er eventuell schon von den Mykenern verehrt wurde, also müsste eine Übernahme zumindest sehr früh erfolgt sein; später erfolgte vielleicht eine Veränderung durch neue Einflüsse aus dem Osten.

    Allerdings übernahmen die Griechen ihre Abwandlung schon lange ehe die Phönizier unter babylonische Herrschaft kamen. Da die Phönizier ebenso wie die Griechen eifrige Seefahrer und Händler waren, wird es viele direkte Kontakte der beiden Völker gegeben haben, wenngleich nicht genau bekannt ist, wann und wo die Griechen das Alphabet übernahmen.
     
  14. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Die Levante als Mittler zwischen Orient und Europa

    Ich würde „orientalischen Einfluss“ auch eher weniger an religiösen Einflüssen festmachen wollen, denn da gelten eigene Gesetze…

    Bestimmend waren im Ägäisraum vor den „Dark Ages“ die minoischen- und die mykenischen Kulturen, die immer auch eng verbunden waren in den damaligen Wirtschaftskreislauf der Bronzezeit und daher auf Handel mit der Levante ausgerichtet. Etwas vereinfacht waren ihre Zentren die Paläste mit ihrer Palastwirtschaft und zentraler Verwaltung. Hierin ähneln sie schon den damaligen Zuständen auch in der Levante und dem Kupferdrehkreuz Zypern. Die Levante selbst war inspiriert durch die beiden bedeutendsten, frühzeitlichen „Hochkulturkreise“ (Mesopotamien & Ägypten) und bildete deren Drehkreuz zueinander, wie zu den notwendigen Rohstoffen und so kam es auch wieder zu Beginn der Eisenzeit, als sie langsam begannen einen weiter führenden Fernhandel in den Mittelmeerraum zu etablieren, im Zuge dessen es auch zur Kolonisation der Phönizier in Nordafrika und Südspanien der Klassischen Antike kommen sollte.

    Frühe Belege über/für levantinische Einflüsse auf den griechischen Raum finden sich bereits in der Ilias. Etwa bei den Leichenspielen für Patroklos, wo ein sidonesisches Silbergefäß beschrieben wird. Derartige Kunstwerke finden sich zwischen Mesopotamien bis hin nach Süditalien und zeugen vom hohen ideellen wie materiellen Wert der Gegenstände. In der Ägäis stehen sie wohl am Anfang der sogenannten „orientalisierenden Periode“, welche der Archaik voranging. Die verwendeten Themen der orientalischen Handwerkskunst finden sich wieder in der Ilias, wenn das Schild des Achilles beschrieben wird. Echte Löwen sind der griechischen Lebenswelt immer fern geblieben! Über den phönizischen Mittelmeerhandel verbreiteten sich Bilderwelten und Handwerkstechniken des alten Orients nach Westen, so etwa die Elfenbeinschnitzerei. Ganz wichtig für die Levante war auch das Mittel für den Fernhandel selbst: Das Schiff. Es waren wohl zuerst die Levantiner, die anstelle der alten Handelsschiffe mit Ruder- und Segelantrieb der Bronzezeit seetüchtigere runde Segelschiffe konstruierte. Diese Schiffe werden Gauloi genannt, wurden nur gesegelt und konnten auch über das offene Meer eher navigiert werden. Ihr Einfluss auf die Navigation zeigt sich auch im noch von den Römern „Stella Phoenicia“ genannten Stern im Sternbild „Kleine Waage“.
    Herodot versucht alte Legenden zu rationalisieren und schreibt von einer phönizischen [V 57] Vorherrschaft schon in mykenischer Zeit für die griechische Landschaft Boiotien – was Geschichtlich eher unwahrscheinlich sein dürfte… Er ist es auch, der die Erfindung des modernen Alphabets den Phöniziern zuschreibt. Eine in um 500 datierte, kretische Inschrift handelt von der Verpflichtung eines „phoinikistas“ für die schriftliche Abfassung von Rechtssatzungen der Stadt. Hier schlägt sich wohl der Einfluss der Phönizier auf die Verschriftlichung im alten Griechenland nieder. In vielerlei Hinsicht nahmen die Griechen Einflüsse aus dem Osten auf und entwickelten sie kreativ weiter zur Archaik.

    Die von den Phöniziern verbreitete Lautschrift stammt wohl aus dem syrischen Raum und kaum aus Mesopotamien. Die dort entwickelte Schrift war die Keilschrift, die in Tontäfelchen eingeritzt Basis für alle Schriftformen blieb. Diese Tradition hielt sich sowohl für offizielle, als auch für private Überlieferungen und Geschäftsnotizen bis hinein in hellenistische Zeit. So hat man noch im Uruk der Seleukidenzeit, das damals einen gewissen Neuaufschwung zu verzeichnen hatte, weiterhin an der Keilschrift festgehalten. Man hat Keilschriftarchive zweier „Ärzte“ jener Zeit gefunden, obwohl parallel mit den Griechen damals auch das Griechische Alphabet seinen Siegeszug antrat.
     
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