Augenlicht

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Nergal, 29. April 2017.

  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Wieso hat sich eigentlich die Idee vom Augenlicht, also dem Aktiven sehen durch aussenden einer Art Sehstrahl, so lange gehalten?
    Wie erklärte man sich damals eigentlich dass man im Dunkeln, also ohne Lichtquelle nichts mehr sehen konnte, da ja doch das Auge als Quelle des zum Sehen nötigen Lichst angenommen wurde?
    Oder habe ich diese Idee falsch verstanden?
     
  2. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Vermutlich. »Licht« bezeichnet nicht unbedingt eine Energiequelle (die im Dunkeln leuchtet), sondern schlicht ›etwas Erhellendes‹, das Dinge erkennbar macht (d.h. auch eine Fensteröffnung). Außerdem kann »Licht« auch für ›Helligkeit‹ stehen (Bsp.: sie hatte kaum Licht beim Lesen). Auch beim Ausdruck »Augenlicht« handelt es sich um ›Helligkeit‹, welche das Gehirn die Umgebung wahrnehmen lässt; verliert man die, wird’s dunkel, man ist blind.

    Ich wüsste von keinem Augenarzt in der Geschichte, der unter »Augenlicht« ein aktives Leuchten verstand.(einzig Alkmaion soll behauptet haben, das Auge werfe beim Schlag darauf Funken, womit er wohl die ›Sterne‹ meinte, die man bei mechanischer Einwirkung u.U. wahrnehmen kann.)

    Ansonsten aber wurde das Auge und ihre Funktion schon im MA und in der frühen Neuzeit recht gut beschrieben: z.B. durch Averroes im 12. Jh., oder durch Georg Bartisch im 16. Jh.[1]; bereits ersterer kannte die Funktion der Retina, oder zumidest, dass das Auge das Licht empfängt (und nicht ausstrahlt)[2].


    1. Georg Bartisch, Ophthalmoduleia, Dresden, 1583; @ Bayerische Staatsbibliothek.
    2. S. Finger, Origins of Neuroscience: A History of Explorations Into Brain Function, OUP, 2001, S. 71; @ Google Books.
     
  3. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Hm, habe mir den Artikel in der Wikipedia angesehen und ich erinner emich an eine frühe Fragestellung zur Lichtgeschwindigkeit. Dabei soll ein bekannter Philosoph gemeint haben die Lichtgeschwindigkeit müße unendlich sein da wir die Sterne etwa sofort sehen. Er meinte das so dass das Licht von unseren Augen zu den Sternen hin und dann wider zurück kommt, und nicht wie wir heute wissen, von den Sternen bereits seit Äonen unterwegs sein kann.

    Ich müßte nachsuchen Wer genau das war, jedenfalls ist die Idee mit dem Augenlicht wirklich so verstanden worden.
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Hier wirst Du fündig:
    http://www.wilbourhall.org/pdfs/hero/Heronis Alexandrini opera quae supersunt VOL II.pdf
     
  5. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Danke!
    btw.:Hast Du das so aus dem Kopf heruas gewußt, oder ganz schnell gefunden?
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nein, mit dem Stichwort "bekannter Philosoph" wäre ich nie auf Heron gekommen.

    Ich musste Google & Wikipedia bemühen. Mit dem Namen "Heron" konnte ich dann gezielt weitersuchen.
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

  8. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Wie ich Herons Theorie verstanden habe, hat sie mit der Eingangsfrage wenig zu tun, da Heron nicht über leuchtende Sehstrahlen schrieb. Im Gegenteil: mit seinem Spiegelexperiment bewies er selber, dass die (angeblichen) Sehstrahlen nicht leuchten: wenn der Spiegel im Dunkeln ist und die Person in einem anderen, erleuchteten Raum, dann ist nur das Spiegelbild der Person, nicht aber der Spiegel sichtbar. Oder hab ich jetzt was falsch verstanden?
     

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