Aus welcher Bevölkerungsgruppe rekrutierte sich der einfache Fußsoldat ?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Mittelwalter, 9. Januar 2013.

  1. Mittelwalter

    Mittelwalter Mitglied

    Hallo zusammmen,

    die hochmittelalterlichen Heere bestanden ja zu einem kleinen Teil aus adeligen gut gerüsteten Truppen und deren Hilfskräfte und zu einem großen Teil aus einfachen Fußsoldaten. Klar diese Ausführung ist jetzt stark vereinfacht, aber darum geht es mir hier nicht.
    Woher, also aus welcher Bevölkerungsgruppe, rekrutierten sich die einfachen Fußsoldaten eines hochmittelalterlichen Heeres genau? Da unfreie Bauern, die ja zum Hochmittelalter die Mehrzahl der Landbevölkerung bildeten, nicht für den Kriegsdienst eingezogen wurden, wenn ich mich richtig entsinne, überlege ich, wie ein großes mittelalterliches Heer seine Fußsoldaten rekrutieren sollte.
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das Mittelalter ist eine lange Periode und da gab es zeitliche und geographische Unterschiede. In früheren Perioden waren es oft bäuerliche Aufgebote wie z.B. die angelsächsischen Firds. Auch die späteren walisischen und englischen Langbogenschützen waren Bauern, so wie auch die schottischen Krieger die im Shiltron kämpften oder die Irischen Söldner.

    Später bestanden die Kontingente an Fusssoldaten oft auch aus Milizen aus den Städten, wie z.B. die Norditalienischen Armbrustschützen, die Flamen die in der Schlacht der goldenen Sporen siegten, die kastilischen und Aragonesischen Milizen die bei den Navas de Tolosa kämpften, oder die Aufgebote der Preussischen Städte die bei Tannenberg dabei waren. Die Mitglieder der Katalanischen Kompanien, die Almogavaren, waren dagegen ländliche Grenzbewohner, keine Städter.

    Kämpfer aus bäuerlicher Herkunft hat es jedoch vermutlich zu jeder Zeit gegeben, sie waren schlicht die größte soziale Gruppe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Januar 2013
  3. Mittelwalter

    Mittelwalter Mitglied

    Jetzt stellt sich mir aber eine Frage: Wenn im Hochmittelalter ein sehr großer Anteil der Bauern hörig waren und so keinen Kriegsdienst leisten mussten, wieso gab es dann jederzeit Bauern in den hochmittelalterlichen Heeren ?
     
  4. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Weil es auch einen kleineren Anteil an Bauern gab, die nicht Hörig waren. Dazu gab es immer Bauernsöhne ohne Land, die sich als Söldner verdingten. Sie wanderten als reisige Kriegsknechte durchs Land und suchten nach Arbeitgebern.
     
  5. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    naja, Hörigkeit im MA ...
    Bauern im MA ...
    Da es keine Bauern gab, gabs auch keine hörigen Bauern. Es gab Freie und zinspflichtige Landbesitzer auf der einen Seite und Leibeigene, die das Land ihrer Herrschaft bewirtschafteten. Auf manchen Gehöften wohnte der Besitzer, auf manchen sellten und auf manchen garnicht.
    Und welche großen Haufen Fußkämpfer meinst Duim HoMi?? Die einzige wirklich große Truppe ist der "sächsische Heerbann". Und in dem sind für den Fall des Aufgebots im späten HoMi Pächter, Altfreie, belehnte Dienstmannen adliger, Adlige und Hochadlige vertreten. Wobei dann bis auf die ärmeren Pächter alle noch Dienstmannen zu stellen hatten. Und Dienstmannen konnten sowohl Freie als auch Nachkommen von Leibeigenen werden. (Also der Landarbeiter mußte auch noch mit im Zweifel)
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gab keine Bauern? Du irritierst mich. Könntest du bitte darlegen, was du als Bauer definierst, um zu dieser Irritationen hervorrufenden Aussage zu kommen?
     
  7. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Vielleicht ist der Begriff "Bauer" inzwischen mit negativen Konnotationen belegt? Sollte es vielleicht besser "Landwirt" heissen?
     
  8. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    nun, da so ziemlich alle vom Land lebten .....
    Natürlich gab es eine Menge Landwirte, auch selbständige, auf eigene Rechnung wirtschaftende.
    Karl der Große, Heinrich der Löwe, gut , das sind jetzt berühmtere Gutsbesitzer....
    Es macht wenig Sinn, und man tat es auch erst später, zwischen Landwirten und nicht landwirten zu unterscheiden. Somit gab es weder den "unfreien Bauernstand" noch den "freien Bauernstand". Es gab laten/liten, Freie und adlige unterschiedlichen Ranges.
    Bauern waren es alle
     
  9. Mittelwalter

    Mittelwalter Mitglied

    Also bleibt festzuhalten, dass hörige Bauern bzw. Unfreie (Ich kann mich für meinen Teil nicht davon lösen, den "Bauernstand" gesondert zu betrachten) nicht in das Heer rekrutiert werden durften, da sie vom Heeresdienst befreit waren. Das Groß der Infanterie bildete sich also aus Stadt-Milizen, Söldnern und Begleitpersonal der Adligen (Seargents at Arms etc. ). Regionale Ausnahmen gab es natürlich trotzdem (Almogavaren, Englische Langbogenschützen).
     
  10. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Es kommt natürlich sehr stark darauf an, wer da ein Heer aufstellt. Stadt-Milizen, mWn meist üer Zünfte uä organisiert, gab es nur in Heeren, an denen sich Städte beteiligten. Wenn ich das richtig erinnere, bestand die Dienstpflicht für Stadtbürger oder Zunftmitglieder va in der Verteidigung der Mauern bzw des städtischen Territoriums.

    Die theoretische Pflicht zur Heerefolges galt in verschiedenen Ländern ziemlich lange, auch wenn sie (grob gesagt) ab dem Hochmittelalter kaum noch militärische Bedeutung hatte. Oft (sp bspw in England) verlagerte sich die "Wehrpflicht" zu einer Abgabe oder Steuer.

    Die berühmten Langbogenschützen in englischen Diensten (ob nun Engländer, Waliser oder whatever) waren mWn bezahlt Spezialisten, also Söldner/"Berufssoldaten".

    Anderswo überlebte die Pflicht zur Heeresfolge, so bspw im Alpenraum, wo die Schweizer auf der Grundlage mit den Habsburgern fertig wurden.

    Interessant fand ich diese Darstellung von Delbrück über die Schlacht bei Döffingen; hier werden einige tausend Bauern als Kampfteilnehmer erwähnt.

    Schlacht bei Döffingen ? Wikipedia

    Delbrück, Hans, Geschichte der Kriegskunst, 3. Teil. Das Mittelalter, 5. Buch. Die Schweizer, 5. Kapitel. Die Schlacht bei Döffingen - Zeno.org
     
  11. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Hängt auch etwas von der Größe der Stadt ab. Die berühmten Genuesischen Armbrustschützen stammten nicht alle aus der Stadt selbst, sondern aus dem ländlichen Umland der Stadt.
    Bei Venedig war es ähnlich und das Einzugsgebiet noch größer. Die Venedig unterworfenen Gebiete in Dalmatien mussten z.B. eigenen Kontingente stellen, darunter viele Ruderer für die Galeeren, die aber im Notfall auch mitkämpften. Der Begriff Söldner ist hier problematisch, denn sie wurden zwar für ihren Dienst entlohnt, mussten diesen andererseits erbringen. Es war also mehr eine Entschädigung die in Jahren mit schlechten Ernten gerne in Anspruch genommen wurde.

    Es kann auch sein, dass bei einigen Städten die Pflicht der Bürger sich auf die Verteidigung der eigenen Mauern bzw. eines konkreten Abschnits davon beschränkte, die Ostpreussischen Städte schuldeten jedoch m.W. dem Deutschen Orden die Heerfolge. Bei Tannenberg waren u.A. Kontingente aus Königsberg, Danzig, Elbing und anderen Städten präsent, wobei nicht alles davon Infanterie war, da es auch berittene Kämpfer aus den Städten gab. Daneben gab es auch zum Kriegsdienst herangezogene Bauernsiedler die Länder des deutschen Ordens bewirtschaften und dafür Heerfolge leisten mussten.

    Ebenso war es bei den kastilischen Städten, wie z:B. Medina del Campo, Segovia oder Avila, die teilweise sehr kampfkräftige Milizen hatten die dem König Heerfolge schuldeten und dazu gelegentlich lange Feldzüge mitmachten. Bei der Schlacht der Navas de Tolosa bildeten diese Milizen einen wichtigen Teil des Christlichen Heeres und hatten sich dafür ziemlich weit von ihren Heimatstädten bewegen müssen.

    In Aragon, Katalonien und Valencia war es ähnlich, dort wurde aber ein Teil des Dienstes zur See wie bei den italienischen Stadstaaten geleistet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Januar 2013
  12. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Streng genommen war alles Begleitpersonal, bis auf speziell angeworbene Söldnerkontingente Teil der Lanze eines Adeligen. Zu einer Lanze gehörte immer ein Ritter, einige berittene Gefolgsleute (Edelknechte, Trabanten, usw.), dazu kamen Infanteristen. Diese bestanden zu einem Teil aus Söldnern, (Schwertkämpfer, Spießträger) und zu einem anderen Teil aus sonstigen gefolgschaftspflichtigen Männern aus dem Herrschaftsgebiet des Adeligen, die dann zumeist, je nach Stand und Einkommen, Plänkler, Bogenschützen oder Spießträger waren.

    Das Heer von Städten oder landständige Verbände waren natürlich wieder anders organisiert. So setzten die Flamen noch vor den Schweizern große Formationen von Spießträgern ein. Dies waren allerdings die schon genannten Milizen, die sich vor allem in den Städten rekrutierten.
     
  13. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Nun wir reden über die Zeit von ~1050-~1250 n.Chr
    Städte werden erst zu Städten durch Verleihung des Stadtrechts, dieses passiert ~ im groben in dieser Zeit.
    Also , die Menge der "Bürger" hält sich noch in Grenzen. Die Ministerialen (unfreie, die für ihre Herrschaft auch Wehrdienst leisten) steigen in höhere Verwaltungs und ähnliche Funktionen auf, die freien Landbewohner verlieren so Stück für Stück ihre Freiheiten. Und so entsteht im späten HoMi übers Spätmittelalter der Bauernstand, der dann auch Bauernkriege in der Neuzeit führt.
    Im Hochmittelalter sind alle Landbesitzer noch wehrpflichtig.
     
  14. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nicht nur Stadtbürger oder Zunftmitglieder . Es gab sogenannte Mauerbürger, deren Aufgabe in der Verteidigung bestimmter Abschnitte der Stadtmauern bestand.
    Dazu zählten neben Stadtbürgern und Zunftmitgliedern auch die Bewohner umliegender Dörfer,die dafür im V-Fall in der Stadt Schutz bekamen sowie andere Gruppen . So zählten z. B . in den Städten Worms und Speyer die Juden und die Friesen zu den Mauerbürgern.
     

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