Außenpolitik Karls des Großen

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Schmettermotte, 13. Januar 2012.

  1. Schmettermotte

    Schmettermotte Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    ich studiere im ersten Semester Geschichte und mein Proseminar Thema ist die Außenpolitik Karls des Großen.
    Für die Semesterarbeit können wir uns ein Thema aussuchen, das mit unserem vorher gehaltenen Referat zutun haben kann. Da sich mein Referat aber um die Voraussetzunge gedreht hat, die Karls Vorfahren für seine Herrschaft geschaffen haben, muss ich mir etwas vollständig neues ausdenken.

    Im Moment bin ich frei von jeglicher Kreativität und frage deswegen einfach mal in die Runde:
    Was haltet ihr innerhalb des Thema der Außenpolitik Karls des Großen für interessant?
    Es sollte eine konkrete, nicht allzu allgemein formulierte Frage sein. Hat jemand Vorschläge, in welche Bereiche man gehen könnte, was interessant sein könnte?
    Mir fehlen derzeit einfach Anstöße, in welche Richtung man überhaupt nachlesen könnte.

    Gruß
    Motte
     
  2. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Motte

    das ist nicht simpel. Ich würde als Studi, wenn ich so ein Thema auf dem Tisch hätte, das Verhältnis Karls zur Kirche wählen.

    Die "Kaiserkrönung" als enormes Präjudiz, mit großer Ausstrahlung in die abendländische Geschichte und der Abgrenzung zu Byzanz. Allerdings hättest Du da ein Problem, und zwar, war das "politische" Verhältnis zwischen Karl und der abendländischen Kirche schon "Außenpolitik"?

    Nur so als Denkansatz, zur Überbrückung "kreativer Blockaden".

    M.
     
  3. Empedokles

    Empedokles Gesperrt

    Ein interessantes Thema!

    Das ist ein interessantes Thema!

    Folgendes fällt mir dazu ein:

    - da Karl der Große (KdG) eine Expansionspolitik betrieben hat (als Belege erwähne ich hier die Sachsenkriege, die Einnahme des Langobardenreiches und die Annexion Bayerns (Herzog Tassilo)), ist die Grenze zwischen Außen- und Innenpolitik schwimmend:

    Sind die Sachsenkriege Kriege gegen eine fremde Macht oder Aufstände einer Volksgruppe des Imperiums?

    - Kooperation mit Rom (Kaiserkrönung)

    - die Überwindung des Langobardenreiches

    - die Absetzung des bayerischen Herzogs Tassilo

    - die spanische Expedition (Roncevalles)

    - als exotische Zugabe: Karl unterhielt Kontakte zu Kalif Harun al Raschid. Dieser sandte Karl einen Elefanten (Abul Abbas, gestorben 810).

    Empedokles
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Januar 2012
    1 Person gefällt das.
  4. Schmettermotte

    Schmettermotte Neues Mitglied

    Melchior, das war für mich auch das naheliegenste. leider für 5 andere auch, denn das Thema haben sich gleich die Leute geschnappt, die auch das Referat darüber gehalten haben. Außer ich könnte mit einer sehr spezifischen Frage aufwarten, aber dafür müsste ich mich erst tiefer in die Materie lesen.

    "Sind die Sachsenkriege Kriege gegen eine fremde Macht oder Aufstände einer Volksgruppe des Imperiums?"

    Das in Verbindung mit den Stichpunkten klingt für mich ganz interessant. Insbesondere weil ich dort auch aus meinem Vorwissen schöpfen könnte, dass sich durch das Referat mit Karl Martell und seinen Kriegen gegen die Araber usw beschäftigt hat.
    Und das ist für eine Ausarbeitungsfrage glaube ich konkret genug.

    Ein Bekannter hat mich auf das Thema Heirat gebracht. Wäre das Thema der Verheiratung der Herrscherkinder nicht auch außenpolitisches Thema?
     
  5. Empedokles

    Empedokles Gesperrt

    Heirat

    @Schmettermotte:

    Sicher ist die Heiratspolitik Karls (insbesondere gegenüber den Langobarden) Außenpolitik.

    Als Thema fällt mir noch die "Vita Caroli Magni", die Biografie Einhards über Karl d. G. ein.

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  6. Schmettermotte

    Schmettermotte Neues Mitglied

    Die kenn ich und die gebraucht man ja auch penetrant in den ersten Semestern Mittelalter. Schwebt dir da eine konkrete Frage vor?
     
  7. Empedokles

    Empedokles Gesperrt

    Spontan

    Spontan fällt mir dazu folgendes ein:

    es gibt ja kein Portrait von KdG. Welche Beschreibung liefert da Einhard über die Statur von KdG? Welchem Portrait KdGs kommt die Beschreibung am nähesten?

    Oder:

    Idealisiert Einhard KdG?

    Empedokles
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Vor tausend Jahren :D habe ich mal eine Semesterarbeit geschrieben mit dem Titel:

    Karl der Große - vom "Sachsenschlächter" zum "Vater Europas"

    Verfolgt habe ich in diesem Referat den Wandel in der historischen Beurteilung von Karls Wirken, wobei es erforderlich war, in die negative Literatur der Nazi-Zeit einzusteigen, den Wechsel zu einem positiven Bild nach 1945 zu skizzieren und jeweils die Hintergründe für das spezifische Geschichtsbild zu analysieren.
     
  9. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Ich weiß ja nicht ,ob die Sachsenkriege schon so weit abgegrast sind
    Aber für Karl z.T. Innenpolitik Westfalen?? sicher Ostfalen/Okertal und z.T. Außenpolitik Nordelbien/Ostelbien /Hadeln.
    Da könnte man Karls Reichsverständnis und das der Betroffenen durchaus SEHR umfangreich darstellen.
     
  10. rinoabutzile

    rinoabutzile Neues Mitglied

    Was ist mit seinem umfangreichen Reformwillen in der Innenpolitik? Klosterschulen, karolingische Minuskel, Verschriftlichung der Verwaltung etc.

    Nur als Anschub für deine Kreativität. :)
     
  11. Schmettermotte

    Schmettermotte Neues Mitglied

    Das sind schon einige gute Vorschläge! Da muss ich aber erstmal jeden ein wenig durchdenken und schonmal Literatur suchen, dazu sag ich dann lieber erst Morgen was, nur zum Portrait von KdG, in welche Verbindung könnte man das zur Außenpolitik bringen?
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Motte

    O.k., Kirche geht offensichtlich nicht. Was meine Mitdiskutanten weiter oben vorschlugen, ist vollkommen i.O. Vllt. noch als Anregung, die abendländische Kaiseridee in Abgrenzung zu Byzanz.

    Aber Vorsicht, das rutscht etwas in Richtung Geschichtsphilosophie, das muß Dir liegen.

    M.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Oh doch, es gibt da tatsächlich etwas einigermaßen zeitgenössisches, ein Mosaik (das leonische Triclinium), welches noch zu seinen Lebzeiten angefertigt wurde und ein kleines Reiterstandbild, welches unter der Herrschaft seines Enkels Karls des Kahlen entstand. Beide zeigen Karl mit einem ziemlich runden Kopf, einer Art Topfschnitt und mit Schnurbart.

    Ich finde das aber relativ langweilig für eine Hausarbeit und das hat auch herzlich wenig mit der Außenpolitik zu tun.
     
  14. Empedokles

    Empedokles Gesperrt

    Porträt KdG

    Vielen Dank für den Hinweis auf das leonische Triclinium:

    Datei:Triclinum-mosaik.jpg ? Wikipedia

    Das kannte ich noch nicht. Allerdings kann man von KdG nicht allzuviel sehen.

    Das Reiterstandbild meine ich zu kennen.

    Langweilig finde ich das nicht, einmal zu klären, wie eigentlich KdG höchstwahrscheinlich ausgesehen hat. Mit Außenpolitik hat das freilich wenig zu tun ...

    Empedokles
     
  15. Empedokles

    Empedokles Gesperrt

    Hier ist ein Porträt von KdG: viel ist nicht zu ersehen: kurzes Haar, großer Kopf.

    Empedokles
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2012
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gut, ob das langweilig ist, oder nicht, ist allein subjektives Empfinden. Ich würde es aber auch nicht als besonders relevant ansehen.
     
  17. Empedokles

    Empedokles Gesperrt

    Portraits

    Nun, wenn Portraits nicht relevant sind, warum wurden dann so viele davon gemacht? Ist es nicht so, daß die Persönlichkeit eines Herrschers eine große Rolle spielt? Und kommt die Persönlichkeit nicht gut zum Ausdruck in dessen eigenem Gesicht?

    Empedokles
     
  18. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Findest du es nicht etwas platt die Persönlichkeit über das Aussehen eines Herrschers in Portraits abzuleiten? Natürlich wurden Portraits gemacht, genau wie es heute offizielle Fotos zur Darstelllung von Politikern gibt, aber jetzt aus solchen Bildern Rückschlüsse über eine Person herzuleiten halte ich für gewagt. Man sollte sich in dieser Hinsicht doch eher auf schriftliche Quellen und Bodenfunde verlassen, als auf eine solche Darstellung.
     
  19. Empedokles

    Empedokles Gesperrt

    Physiognomie

    Durchaus nicht. Warum sind in Geschichtsbüchern Porträts von Regenten?

    Aus der Physiognomie Rückschlüsse auf den Charakter zu ziehen ist Aufgabe von Physiognomen.

    Empedokles
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Naja, nicht ganz.

    Zunächst einmal muss man die Funktion von Portraits betrachten: Handelt es sich um Propagandabildnisse?
    Wenn wir mittelalterliche Herrscher in Betracht ziehen, wird das nicht die Regel gewesen sein. Hier, vor allem im Spätmittelalter und der frühen Frühen Neuzeit waren Bilder häufig dazu gedacht, Hochzeitsverbindungen zu stiften, Interesse zu wecken.
    Neuzeitliche Herrscherbilder sind natürlich häufig unter propagandistischen Gesichtspunkten gestaltet, über den tatsächlichen Charakter eines Herrschers Rückschlüsse zu ziehen, ist daraus nicht möglich, allenfalls wie er gesehen wollte, von seinem Gegner, von seinem Volk etc.
    In Geschichtsbüchern sind solche Bilder im schlechteren Fall zu Illustration, im besseren Fall zur Analyse.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2012

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