Außenpolitik Stresemanns und Hitler

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von black, 16. Dezember 2006.

  1. black

    black Neues Mitglied

    hi,

    kann mir jmd sagen, was die unterschiede zwischen der aussenpolitik stresemanns und hitlers waren und ob die grundlage, die stresemann gebildet hat ausreichend war?

    gruss
     
  2. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

  3. black

    black Neues Mitglied

    das habe ich natürlich schon gemacht. bin nur auf der suche, nach einigen präzisen schlüssen.
     
  4. amicus

    amicus Gast

    Pauschal würde ich sagen , das Stresemann eine Revision des Versailler Vertrages mit friedlichen Mitteln erreichen wollte und Deutschland wieder zu einer Großmachtstellung verhelfen wollte und seine Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen.
    Dawesplan,
    Räumung des Ruhrgebiets,
    Locarno Abkommen,
    Beitritt zum Völkerbund,
    Diverse Handelsverträge
    Youngplan
    Vereinbarung über die Räumung des Rheinlandes und
    Verhandlungen über das Saarland.
    Stresemann hatte eine schwierige Aufgabe in instabilen politischen Verhältnissen zu bewältigen. Noch unmittelbar vor seinem Tode hat Stresemann vor den Gefahren die von Hitler ausgehen gewarnt.

    Hitler wollte im Gegensatz zu Stresemann Deutschland nicht zur Groß- sondern zur der Weltmacht machen und zu diesem Zwecke bediente er sich anfangs einer unaufrichtigen verlogenen Außenpolitik, damit er im Inneren in Ruhe die Voraussetzungen (Aufrüstung) für den nächsten großen Krieg schaffen konnte. Diesen Zweck diente beispielsweise wohl auch das Abkommen mit Polen im Jahre 1934.
    Als die Wehrmacht stark genug war, drohte Hitler zur Realisierung seiner außenpolitischen Ziele auch mit Krieg (siehe beispielsweise die Sudetenkrise). Hitler hat den Krieg ganz bewußt riskiert und später dann herbei geführt.

    Grüße
    Amicus
     
  5. steff88

    steff88 Neues Mitglied

    Stresemann wurde nach dem 1.Weltkrieg zum Vernunftrepublikaner oder auch Vernunftpolitiker. Sein Ziel war natürlich die Revision des Versailler Vertrages, wusste aber das Deutschland für dieses Ziel sicher erstmal in der Völkergemeinschaft stabilisieren müsse.
    deshalb war für Stresemann auch der Beitritt im Völkerbund sehr wichtig.
    andererseits hat Stresemann in einem Brief an den Kronprinzen versichert, dass er weiterhin an den Anschluß Österreichs glaube und allgemein im Osten neue Gebietsgewinne angestrebt werden.
    Hitler jedoch hätte eine Revision des Versailler Vertrages nie gereicht. Die Grenzen vor 1914 wären ihm nicht genug gewesen. Deshalb betrieb er eine relativ agressive Politik, die durch die britische Appeasementpolitik begünstigt wurde.
    Der Bruch des Versailler Vertrages auf die Weise wie Hitler es getan hatte, wäre für den vernünfigen Stresemann kein Weg gewesen.
     
  6. amicus

    amicus Gast

    Stresemann sind am Ende aber doch immer mehr Zweifel gekommen, ob eine Vereinigung mit Österreich wünschenswert sei (Erhebliches Konfliktpotential mit Frankreich).
    Grüße
    Amicus
     
  7. Kaiser Wilhelm

    Kaiser Wilhelm Neues Mitglied

    Wollte Hitler anfangs wirklich DIE absolute Weltmacht? Soweit ich weiß waren seine Ziele zuerst die Lebensraum Gewinnung im Osten (sprich Polen, Balkan, Russland etc.) und die deutsche Hegemonie in Europa. Den Westen musste er danach nur zügig unterwerfen und unter Kontrolle bringen, weil sie ihm nach dem Angriff auf Polen den Krieg erklärt hatten.
    Er hätte es meiner Meinung nach nicht getan, wenn ihm Frankreich und vor allem England die Lebensraum Gewinnung im Osten zugelassen hätten.
    Da er England nicht bezwingen konnte, hat er sich Russland zugewendet, was wahrscheinlich sein größter Fehler war.
    Dazu gehörte natürlich auch die Germanisierungspolitik, die sich aber gegen Ende des Krieges verschärfte und immer mehr aus der Kontrolle geriet.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Was ist das denn für eine Verniedlichung? Wäre eine kontrollierte Gemanisierungspolitik besser gewesen? Oder sollte Hitler mal wieder von nichts gewußt haben?

    Ansonsten ist der militärische/gewalttätige Aspekt der Großmacht- und Revisions- sowie Lebensraumpolitik Hitlers nicht diskutabel und seit langem geklärt.
     
  9. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Wer außer der Führer selbst wusste denn genau, was er wirklich wollte?

    Seine geschriebenen und gesprochenen Worte künden jedenfalls davon, dass er die Weltgeschichte als beständigen Kampf der Rassen auffasste, den er persönlich durch die Erringung einer arischen Vorherrschaft beenden lassen wollte.

    Ob das Dir jetzt absolut genug ist, weiss ich nicht. Mir reicht's.
     
  10. Kaiser Wilhelm

    Kaiser Wilhelm Neues Mitglied

    @silesia: Hitler hat die Judenvernichtung weitläufig geplant, als Teil der ideologischen Rassenpolitik. Vielleicht hätte ich lieber sagen sollen "immer mehr ausuferte".
    @Pope: Mit absolut meine ich nicht nur auf Europa beschränkt, sondern noch umfassender. Sprich man weiß nicht, ob Hitler von Anfang an vorhatte, auch Afrika und ggf. noch andere Kontinente anzugreifen. Deshalb habe ich das mit einem Fragezeichen hervorgehoben. Die Rede war von der Lebensraumgewinnung im Osten, der weitläufigen Judenvernichtung und Germanisierung der eroberten Gebiete, abgesehen von den Weststaaten, die nicht germanisiert werden sollten, sondern nur wirtschaftlich und politisch kontrolliert werden sollten.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das ist nach meiner Einschätzung eine Scheindiskussion. Richtig ist folgendes:

    Das bedingt jeweils die Niederwerfung der Westmächte (wie Hitler selber resümiert hatte: "erst im Osten, oder erst im Westen" ... da hatte er bereits den Konflikt mit den Westmächten wegen Polen).

    Diese Machtpolitik sollte man nicht mit zuviel Logik betr. des Verhaltens der anderen europäischen Mächte belegen, die halte ich bei Hitler und Ribbentrop für nicht gegeben.

    Schließlich: dass die Niederwerfung Rußlands die Hegemonialstellung im Europa bringt, war ihm wohl klar. Hinsichtlich der USA hat sich Hitler nur in Richtung der Verschaffung einer unangreifbaren Position Deutschlands geäußert.
     
  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Tatsächlich spielten die USA in den Planungen der NS Führung kaum eine Rolle. Die wirtschaftlichen Eroberungen in der SU solltem dem Reich die nötigen Ressourcen verschaffen, um in Zukunft mit den USA konkurrieren zu können. Wie man dem neuen Kriegsgegner wenigstens den ein oder anderen Schlag zufügen wollte, war vollkommen vage, und Hitler tat Roosevelt prompt den Gefallen, den USA den Krieg zu erklären. Die Lieferungen, die über das Pacht und Leihgesetz GB und der SU geliefert wurden, waren gigantisch. Dabei gab es in den USA, verglichen mit Europa, kaum Rationierungen. 1942 profitierten die deutschen U- Boote davon, daß der Staat Florida wegen der Touristensaison nicht auf Neonbeleuchtung verzichten wollte. In seiner Posener Rede geht Himmler ausführlich auf die Kriegslage und die Gegner ein. Die Amerikaner kommen in seiner Option fast gar nicht vor. Bei den Erfolgen der Alliierten in Nordafrika und Italien erwähnt er fast nur die Briten. Die Bombardierungen werden vor allem ihnen zugeschrieben. "Der Amerikaner" sei ein gut ausgerüsteter, aber kein guter Soldat". Der Krieg sei in den USA unpopulär, außerdem hätten die USA schon immer eine "brutale plutokratische Wirtschaft" und eine "enorme Judenheit" gehabt.
     
  13. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Allerdings glaube ich mich an Aussagen in "Mein Kampf", Band 2 erinnern zu können, in denen Hitler auch von der Hegemonie Deutschlands in der Welt und vom Kampf gegen die USA sprach.
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Politisch ist in den diplomatischen Briefwechseln und Erklärungen mehrfach das Bild von der Monroe-Doktrin für Europa gegenüber Einmischungen der USA benutzt worden.
     
  15. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Das Register hat unter "vereinigte Staaten" keinen Verweis, der solch eine Passage vermuten lässt. Zu einer intensiveren Suche fehlt mir die Zeit.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    ein Literaturhinweis:
    Saul Friedländer, Auftakt zum Untergang - Hitler und die USA, aus 1965, 282 Seiten
     
  17. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Ich meine das zweite Buch, das zu Hitlers Lebzeiten nie veröffentlicht wurde (aus dem Jahr 1928): Institut für Zeitgeschichte, Hitlers Zweites Buch, Stuttgart, 1961.

    Genaue Stellen muss ich aber erst nachlesen.
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Im zweiten Buch beschäftigte Hitler sich eingehend mit der USA, die nach seiner hierin formulierten ideologischen Auffassung dem "alten Europa" in der Zukunft entgegen treten werde. Es gelte für europäische Staaten, sich so vorher aufzustellen, dass sie der USA "die Stirn bieten" könnten. Deutschland solle sich für diese Aufgabe "auf das Äußerste stärken und vorbereiten". Die Konfrontation ist damit durchaus frühzeitig in Hitlers Gedanken enthalten. Dennoch orientierte sich die NS-Außenpolitik zunächst "europäisch"-regional, auf Versailles-Revision und Gebietsandsprüche in Mitteleuropa orientiert, wenn man einmal von Ausnahmen wie den Z-Plan der Kriegsmarine absieht (der eine atlantische-überseeische Komponente enthält, allerdings wohl vorwiegend gegen England gerichtet).

    Setzt man den Übergang zur raumgreifenden Politik etwa ab 1937 an, muss für Hitler bis zum Wendepunkt 1940 eine Rolle gespielt haben, wie die USA auf diese expansionistische Politik und die angestrebte Errichtung der deutschen Hegemonie in Mittel-/Osteuropa reagieren werden, da viele ernste diplomatische Warnungen (seit 1937) über eine bevorstehende Aufgabe der isolationistischen US-Politik vorlagen bzw. sich dann im Kriegsverlauf verstärkten. Der Wendepunkt wurde bereits vor Kriegsausbruch in Europa dahin gehend prognositiziert, dass eine existentielle Bedrohung Englands zum aktiven unmittelbaren Eingreifen der USA als Kriegsgegner Deutschlands führen würde. Als Vorbereitung für einen solchen Anlauf wurden 1-1,5 Jahre angegeben, danach werde die militärische Kapazität der USA jeden anderen Staat weit übertreffen.

    Eine Folge in Hitlers "Logik" war das Werben um Verbündete gegen die USA (z.B. Japan), eine weitere Folge das Streben nach einer unangreifbaren Position in Raum und Ressourcen für diesen Fall.

    Dazu: Hillgruber, Hitlers Strategie, ab S. 192: Die USA und Japan in Hitlers Strategie und Kriegführung.

    Grüße
    Thomas
     
  19. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Danke, Silesia, brauch ich nicht mehr so viel zu suchen ;)

    Auch in Ralph Giordano, Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte ... gibt es ein Kapitel über die Haltung und Pläne bzgl. den USA.
     
  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Noch einige Hinweise zu den USA:

    1937
    In der Hossbach-Niederschrift, die als eine Art politisches Testament angelegt war, spielen die USA keine Rolle, der Fokus liegt selbst in interkontinentalen/überseeischen Bezügen nur auf England. Hitler: "Die Entwicklung großer Weltgebilde gehe nun einmal langsam vor sich, das deutsche Volk mit seinem starken Rassekern finde hierfür die günstigsten Voraussetzungen inmitten des europäischen Kontinents."

    Mai 1939:
    Im Schmundt-Protokoll übersieht Hitler bei den angedeuteten "kraftvollen" Schlägen gegen Großbritannien die aus den USA dazu über dei deutsche Botschaft und die Geschäftträger ergangenen Warnungen. Für die Dauer der Kriegführung, auch beim Abschneiden der Seefuhr gegen GB, wird mit den USA nicht gerechnet.

    August 1939:
    Auch bei der Rede vor der Wehrmachtsführung am 22.8. fehlt der Hinweis auf die USA als möglicher Gegner (deshalb, weil ein vorheriges Eingreifen der Westmächte als unwahrscheinlich angesehen wird).

    Kordt: Wahn und Wirklichkeit, Die Außenpolitik des Dritten Reiches:
    "Wohl über kein Land vertrat Hitler abwegigere Ansichten als über die Vereinigten Staaten.
    Ein Staat, der den letzten Weltkrieg entschieden hatte, ohne auf der Friedenskonferenz sichtbar Gewinn einzustreichen, der zunächst den Völkerbundgedanken propagiert, dann aber als erster fallen geelassen hatte, der schließlich in einer Art Selbstentmündigung seine Handlungsfähigkeit für die Zukunft theoretisch einschränkte, mußte Hitler innerlich fremd bleiben. Der Schluß, der aus dem Neutralitätsgesetz von ihm gezogen wurde, war, Amerika sei ein Völkergemisch ohne innere Stärke, in Wohlleben erschlafft und unfähig, brennende soziale Fragen zu lösen. Dabei ersticke es in natürlichem und angesammeltem Reichtum.
    Als politischen Faktor hat Hitler die Vereinigten Staaten vom Tage seiner Machtergreifung an nie gewertet."
    (Kordt war in verschiedenen Ämtern im Außenministerium)
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. März 2007

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