Aztlán - mythischer Herkunftsort der Azteken

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von El Quijote, 10. August 2020.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zur Identifikation von Aztlán gibt es mehrere Ideen. Manche halten ja die Einwanderung der Azteken an sich für einen Mythos, dementsprechend gibt es auch kein Aztlán. Eine Variante dieser These ist, dass Tenochtitlán selbst Aztlán war. Grund dafür sind die auffälligen Parallelen zwischen Aztlán und Tenochtitlán.

    Hier die Darstellung Atzláns als eine Insel auf einem See und (ganz süß) die Fußabdrücke der abgewanderten Azteken:

    [​IMG]

    Codex Buturini, Datierung umstritten, manche meinen, dass er vor der Conquista, andere, dass er erst nach der Conquista entstanden sei. Die Schreibunterlage ist Amate/Amatl. Da ich von aztekischer Hieroglyphen-Paläographie keine Ahnung habe (mangels Ahnung in Mesoamerikanistik) unterstelle ich mal, dass er post-Conquista ist, weil es da notwendig wurde, Wissen zu bewahren, ob das ein hinreichender Grund ist, mag jeder selbst entscheiden.

    Andere, die die Wanderung der Azteken für mehr als einen Mythos halten, für eine im Kern richtige historische Überlieferung, haben natürlich auch ein Interesse, den Ausgangspunkt dieser Wanderung zu finden. Physisch-geographisch haben sie dafür - und das ist wohl der Ort den User Netze-Tahuatl mit seiner Beschreibung "Fischerdorf an der pazifischen Seite Nord-Mexikos" anspricht - in der Lagune von Mexcaltitán gelegene Insel, wo das Dorf Mexcaltitán liegt. Bei der Lagune handelt es sich um eine Brackwasserlagune, etwa sieben Kilometer vom Pazifik entfernt. In den 1960er Jahren war es recht populär hier das mythische Aztlán zu vermuten (aufgekommen war die Idee aber schon im 19. Jhdt.), vor allem nachdem Guitierre Tibón Aztlán mit Azutlán gleichsetzte.

    Im Prinzip basiert die Gleichsetzung Mexcaltitáns mit Aztlán letztlich auf der vagen Aussage, dass die Azteken aus Nordwesten gekommen seien und der Insellage Mexcaltitáns.
    Mexcaltitán.jpg

    Archäologische Funde gibt es hingegen keine.
     
    Ugh Valencia und schwedenmann gefällt das.
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Die deutsche wiki sagt, der Codex sei zwischen 1530 und 1541 entstanden. Die englische wiki beschreibt sowohl eine post- als auch eine prä-conquista Theorie. Die spanische wiki vermutet, dass der uns vorliegende (post-conquista) Codex, die Kopie eines älteren Werkes sei. Die Bildergalerie der 22 Tafeln* lässt auf einigen auch kurze lateinische Texte erkennen. Die können natürlich auch erst nach der Eroberung eingefügt worden sein.
    *Bei der von El verlinkten ersten Tafel ist der Text in der Mitte, rechts vom Boot, schwer zu erkennen. In den Tafeln danach (bei Tafel 3 etwa) sind die Texte etwas deutlicher.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    codex Aubin.jpg

    Der hier dargestellte Berg ist in Mexcaltitán nicht zu finden.
     
  4. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo


    @EQ
    Das kann aber auch eine Namensglyphe sein, hat also ev. gar nichts mit einem vorhandenem Hügel oder Berg zu tun.

    Im Codex Mendoza gibt es eine ganze Reihe von Namensglyphen,bei denen in den Städtenamen tepec vortkommt und die Glyphe für diese Orte einen Hügel + Attribut aufweisen (z.B. Tepettitlan, Tezcatepec,Acotepec, usw.), aber es gibt auch Namensglyphen ohne tepec im Namen, die Glyphe weist aber trotzdem einen Hügel auf (z.B. Quaquauhcan, Uitzquilocan,Acayocan).
    Angaben aus : Kurt Ross,Codex Mendoza,1984, S.40ff

    mfg
    schwedenmann
     
  5. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    1) dazu aus Wikipedia:
    und ergänzend ebenso WIKIPEDIA:
    Die Vermutung von
    García Cubas und Alfredo Chavero
    hat wegen der Namensgebung für Mexcaltita de Uribe durchaus eine gewisse Berechtigung. In der Lagune von Mexcaltitán leben die weißen Reiher oder Kraniche. Google Maps
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Weiße Reiher verschiedener Form und Größe sind doch recht weit verbreitet. Dies ist kaum belegkräftig für irgendeinen Ort, mit Ausnahme von Arktis, Antarktis und absoluter Trockenwüste. Und selbst wenn Aztlán eine Deformation von Aztatlan wäre, dann wüssten wir immer noch nicht sicher, wo dieser Ort gelegen hätte. Es gibt auch Thesen, dass Aztlán identisch mit Tenochtitlán gewesen sei, die Azteken sich also ihre Hauptstadt als Vorbild für den imaginierten Herkunftsort gewählt hätten.
     
  7. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    In meinem vorhergehenden Posting hatte ich die verschiedenen Thesen zitiert
    Es gibt für alle diese Thesen gute Argumente.
    Die schlechteste These ist die Identität von Aztlán mit Tenochitlàn. Denn in der Wandersage der Azteken wird u.a. Teotihuacan als verlassener Ort erwähnt, der auf der Wanderung passiert wurde, und die Niederlassung in Tenochitlan sowie der Aufbau der Stadt sehr detailliert geschildet.
    Ich halte im Übrigen recht viel von solchen legendären Sagen. Es ist immer wieder überraschend, wie Archäologen, die der Sage folgen, dann tatsächlich entsprechende Funde bekommen - hier sei etwa an die Wikingersiedlung in Neufundland erinnert. Solche Sagen enthalten zumindest einen "wahren Kern" - und je detaillierter die Beschreibungen sind, desto konkreter wird auch der "Kern" fassbar.

    Was nun die Reiher betrifft: Mexico ist nach Norden zu im zentralen Hochland absolut trocken. Reiher siedeln aber an Gewässern, sei es Flüssen, Seen oder Lagunen. Damit wird die Auswahl schon enger. Und große Reiherkolonien finden sich vor allem an Lagunen.

    Für die (Halb-)Insel Mexcaltitán spricht neben den weißen (Silber-)Reihern, die sich dort in der Lagune massenhaft fanden, auch die Namensgebung "Mexcalitán" als Ursprungsort einer der drei Teilstämme oder Teilvölker der Mexi'ca.
    Es wäre allerdings Sache der Linguisten, die Sprachentwicklung in den hunderten von Jahren zwischen diesem legendären Ursprungsort und der ersten Niederschrift aus spanischen Quellen nachzuprüfen.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Teotihuacán liegt 40 km vom Zentrum des alten Tenochtitlan entfernt. Das sind etwa zwei Tagesmärsche. Fitte Läufer schaffen das auch in einem Tag, bzw. Marathonläufer können das in dre bis vier Stunden schaffen. Dass Teotihuacán in die Wanderungslegende der Azteken mit einfloss, ist also zunächst einmal überhaupt nicht verwunderlich.

    Wie dem Lago Texcoco?

    Ich möchte dich noch einmal daran erinnern, dass Aztlán keineswegs mit Ort der Reiher zu übersetzen ist, sondern dass das eine etymologische Hypothese ist, wonach Aztlán ein defektiertes Aztatlán sei. Es ergibt überhaupt nur dann Sinn, nach Aztatlán zu suchen, wenn man akzeptiert, dass Aztlán ein defektiertes Aztatlán ist.

    Und dagegen spricht, dass in Mexcaltitán, welches ein überschaubares Örtchen ist (siehe Satellitenfoto oben), archäologische Funde völlig fehlen.
     
  9. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    zum letzten Satz eine ganz einfache Anmerkung:
    nach übereinstimmender Entstehungslegende wie auch der archäoloigischen Forschung waren die Chichmeken (Sammelbegriff) als Vorläufer der Azteken bis zu ihrer Einwanderung und Sesshaftwerdung im Hochtal von Mexiko (Stadt) ein "unzivilisiertes Volk" von Jägern und Sammlern, den verwandten Shoshone (s.u.) nicht unähnlich. Wo sollen da großartige archäologische Funde herkommen?
    Erst mit der Niederlassung haben die späteren Azteken, die mit ihnen verwandten Tolteken u.a. die dort heimische "Vorläuferkultur" aufgesogen und weiter entwickelt.
     
  10. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Zum zweiten Satz muss ich etwas weiter ausholen:
    • Der mythische Geburtsort "Aztlán" ist nur ein Herkunftsort der Entstehungslegende, speziell der Azteken als einem von mehreren Teilvölkern. Behauptet wird, das es in diesem diesem "Land der Reiher" angeblich einen See mit einer Insel gab, eine Beschreibung, die auch (!) auf die Umgebung von Mexcaltitán passt.
    • Andere Überlieferungen verweisen auf Chicomoztoc, den "Ort der sieben Höhlen". In diesen Höhlen lebten angeblich sechs verschiedene Stämme: die Xuchimilca, die Chalca, die Tepaneca, die Culhua, die Tlahuica und die Tlaxcalteca. Nacheinander verließen sie die Höhlen, als letzte die Azteken. Das spiegelt sich auch in der im 16. Jhdt. entstandenen Legende von "Cibola" als dem Namen einer von sagenhaften Sieben Städten wieder. Bereits eine der Gründungslegenden der (Sammelbegriff) Chichimeken enthält also die Differenzierung in mehrere (sechs oder sieben) verschiedene "Teilvölker".
    • Ein dritter erwähnter Ort schließlich ist Colhuacan ("Krummer Berg"), das auch aus späterer Zeit historisch bezeugt ist und etwa 270 km nordwestlich der heutigen Stadt Mexiko vermutet wird (dazu die in #3 gezeigte Namensglyphe). Das kann - wie das Aztlán der Azteken - der Ursprungsort eines der sieben Teilvölker gewesen sein.
    Alle drei Ursprungslegenden sind miteinander verwoben, lassen sich aber noch gut differenzieren. Die Region von Aztlán bezeichnet wie die von Colhuacan eine der "sieben Ursprungshöhlen".

    Wenn man nun diese Ortsbezeichnungen aus den Legenden verifizieren will, dann könnte man (mangels einschlägiger archäologischer Funde) mit der Linguistik anfangen.
    Wie ich schon schrieb, gehören die Azteken der Uto-Aztekischen Sprachfamilie an, die vom Großen Becken und östlich angrenzend der Norden der Great Plains (Shoshone) bis nach Honduras und Nicaragua verbreitet ist und erst am Ende des ersten Jahrtausends im Hochland von Mexiko einsickerte. In einem anderen Strang schrieb ich dazu
    Die vorher im Hochland siedelnden Zapoteken und andere "klassische" Völker wie die Mixteken aus dem Hochland von Zentral-Mexiko gehören dagegen zu den Oto-Mangue-Sprachen.
    Oto-Mangue-Sprachen – Wikipedia

    Die Sprecher dieser mesoamerikanischen Sprachgruppe wurden etwa ab 750 n. Chr. durch die Gruppierungen der Uto-Azteken (unter dem Sammelnamen "Chichimeken" für unzivilisierte Stämme der Gruppe mit den später "zivilisierten" Teilvölkern der Azteken, der Tolteken oder der Tlaxcalteken) verdrängt.


    Das wird auch schön durch die (Fremd-)Bezeichnung "Mixteken" (diese aus der Oto-Mangue-Sprachgruppe) verdeutlicht. Deren Bezeichnung ist aus der Nahuatl-Sprache von Mixtecapan = „Leute aus dem Wolkenland“ oder Mixtecatl = „Wolkenvolk“ abgeleitet (Zitat aus Wikipedia) - und damit sprechend für ein Volk, das in den von Wolken umhüllten Bergen wohnt. Die Einwanderer, die den Mixteken diesen Namen gaben, verwendeten eine Definition der ihnen fremd und einzigartig erschien. Sie stammten offenbar aus einer Region, die eben nicht "wolkenverhangen" - möglicherweise sogar nicht einmal "bergig" war (dass in der dritten Variante der Ursprungslegende vom "krummen Berg Colhuacan" gesprochen wird, ändert insofern nichts an der Einzigartigkeit von "wolkenverhangenen Bergen" in denen die Mixteken wohnen. Die Berge im nördlichen Mexiko (Staat) und den Südweststaaten der USA sind jedenfalls nicht "wolkenverhangen". Diese Erscheinung muss für die Einwanderer also einschneidend bemerkenswert gewesen sein.

    Die Tolteken gründeten um 856 Tollan (Tula) mit der Blütezeit zwischen 900 und 1300 und erhielten Einfluss bis zur Halbinsel Yucatan (Chichen Itza).

    die kriegerischen Azteken gründeten im 13. Jahrhundert Tenochtitlan und bauten dieses in nur 200 Jahren zum Zentrum eines Bundes von Stadtstaaten aus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2020
  11. Erich

    Erich Aktives Mitglied


    Nahuatl ist - ich wiederhole mich - eine Ausformung der Uto-Aztekischen Sprachfamilie. Diese Sprachfamilie endet aber nicht - wie der Begriff glauben macht - bei den Azteken im Hochtal von Mexiko.
    • Sie ist einmal aufgrund der Hegemonie des Aztekenreiches als Handels- und Verständigungssprache weiter verbreitet worden. Selbst im Quiché-Reich (Maya-Volk) im heutigen Guatemala war Klassisches Nahuatl ein allgemein bekanntes Verständigungsmittel.
    • Nahuatl hat sich aber auch über die Wanderung der Sprecher dieser Sprachgruppe weiter verbreitet. Unter dem Begriff "Nahua" finden sich Angehöriger der Sprachgruppe bis nach El Salvador sowie angrenzende Gebiete Guatemalas und Honduras (die so bezeichneten "Nawat" bei den Pipil-Indianern, die sich der Legende nach von den Tolteken ableiten).

    (Zitat aus Wikipedia 1)
    Die Tlaxcalteken erkannten in den Pipil-Sprechern also eine (kindliche, nicht weiter entwickelte) "Urform" der eigenen Sprache.
    Dass (relativ) isolierte Sprachinseln eine "veraltete Form" ihrer Sprache beibehalten, während sich die "Hochsprache" weiter entwickelt, kennen wir auch aus anderen Weltgegenden.

    Das wird auch durch die Linguistik bestätigt.
    Zitat aus Wikipedia 2)

    Die Nawat und die Nahuatl haben sich also schon sehr früh räumlich getrennt. Es ist durchaus möglich, dass die Trennung bereits vor der ersten Jahrtausendwende bzw. (s.o.) vor 900 n. Chr. erfolgte.
    Wenn es also Übereinstimmungen gibt, dann müssen diese bereits vor dieser Trennung bestanden haben.

    Wir haben nun zu Differenzieren zwischen den unterschiedlichen Stämmen oder Völkern (Azteken, Tolteken, Tlaxcalteken, Pipil …), die eine im Wesentlichen gemeinsame Sprache sprechen und der Sprache selbst.
    Die Sprache mit ihren unterschiedlichen Dialekten, das Nahua(tl), wird von seinen Sprechern oft als Mexicatlatolli oder Mexicano („Mexikanisch“) bezeichnet. (Zitat aus Wikipedia):

    Es ist dann doch erstaunlich, dass die Sprache "Nahua(tl)" im gesamten o.g. Sprachgebiet als "Sprache der Mexika" oder "mexikanisch" bezeichnet wird.
    Und das dann genau die Ortsbezeichnung eines der Ort ist, auf den speziell die Ursprungslegende der Azteken hinweist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2020
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Selbst wenn die Legende von der Wildheit stimmte: auch Jäger- und Sammlerkulturen hinterlassen archäologische Spuren. Aber: Jäger- und Sammlerkulturen haben selten feste Siedlungplätze.
    Neolithische Kulturen hinterlassen noch viel mehr archäologische Überreste. Wer daran festhält, dass Mexcaltitán das mythische Aztlán ist, muss zwingend die Frage beantworten, warum man dort keine archäologischen Funde gemacht hat.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Ortsname Mexcaltitán lautet laut übersetzt "Haus des Mondes", der Name der Mexica ("Meschika") stammt vom Mexico-Tal ab, in dem Tenochtitlán oder Mexico ("Meschiko") lag. Hierin steckt das Wort xīc(tli) für "Nabel", sich wahrscheinlich auf die Insellage im See beziehend. Es ist zwar in den 1960er Jahren von dem Juristen Alfonso Caso Andrade, der für seine archäologischen Leitsungen den Dr. honoris causa bekam, behauptet worden, dass Mexico "Nabel des Mondes" heiße, dies wird aber von mex. Linguisten aus zweierlei Gründen zurückgewiesen, nämlich dass Nabel des Mondes wenig Sinn ergäbe und, schwerwiegender, dass dies mit den Ablautregeln des Nahuatl nicht vereinbar sei.
     
  14. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    fehlende Funde müssen nicht zwingend eine "Fundleere" beweisen. Sie können auch auf fehlende bzw. unzureichende archäologische Forschung zurück zu führen sein.
    Wer These vertritt muss auch erklären, wieso alle (!) Sprecher des Nahuatl, die ja bis Guatemala siedelten, ihre Sprache "mexicanisch" nach dem zentralen Hochtal von Mexiko-Stadt benennen sollten - zumal gerade die südlichsten Vertreter der Sprachgruppe wohl schon vor 900 n. Chr. weiter gezogen waren (wenn deren Wanderung tatsächlich auch über dieses Hochtal führte), zu einer Zeit also, zu der die Azteken gerade erst mit dem Aufbau ihres Gemeinwesens begonnen hatten.
    Die Bezugnahme auf die "mexicanische Sprache" scheint deutlich älter zu sein als Tenochitlan, das spätere Mexiko (Stadt).
    Sie kann wohl eher auf eine gemeinsame, "vor-aztekische" Quelle zurück geführt werden und dient daher doch wohl - als Eigenbezeichnung der Sprecher der Sprache Nahua(tl) ("die verständlich sprechen") - als Umschreibung einer gemeinsamen Ursprache, die eben als "mexicanisch" nach der ursprünglichen Entstehungsregion bezeichnet wird.
    zitiert aus History – Que Onda?
    vgl. https://geographical.co.uk/places/cities/item/698-an-aztec-Island
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2020
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es sind mexikanische Archäologen, die aufgrund der Fundleere (und geringen Größe) den im 19. Jhdt. aufgestellten und in den 1960er Jahren modisch gewordenen Zusammenhang von Aztlán und Mexcaltitán zurückweisen.

    Also mal im Ernst: Wir reden hier über eine Insel von 350 m x 400 m.
     
  16. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Ich mach das folgende (englisch) in einem eigenen Posting, weil ich mit einer unzulänglichen Übersetzung nicht verfälschen will:
    Quelle: history | Geo-Mexico, the geography of Mexico - Part 3

    In dem Zusammenhang ist auch das auf dem Weg zwischen Mexcaltitán und Tenochitlan gelegene Etzatlan von Interesse:
    Correspondence Analysis and West Mexico Archaeology: … (S. 17 ff [19 f])
    und weiter, dass das bei Etzatlan gesprochene Caxan als "mexicano rustico" bezeichnet wird.
    Wir sehen daraus, dass die Region von Verwandten bzw. Vorfahren der späteren Azteken besiedelt war, die aber nicht in das spätere Aztekenreich eingegliedert wurden und nicht an der Entwicklung des Aztekenreiches (und seiner Sprache) teil hatten.
    Warum - um alles in der Welt - sollten die Azteken einen "Ursprungsort" nennen, der weit ausserhalb ihres eigenen Machtgebietes lag?
    Und btw.:
    Warum sollten die Tlaxcalteken, eingeschworene Feinde der Azteken aber mit diesen Nahuatl-Sprecher, sich als Sprecher der "mexicanischen Sprache" bezeichnen, wenn es nicht den gemeinsamen Ursprung gegeben hätte?
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2020
  17. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    nein, auch im Ernst - wir reden von einer größeren Region, deren Zentrum diese dämliche Insel war. Und mindestens sechs weiteren Ursprüngen eines Stammes oder Volkes, das sich in -zigjähriger Wanderung (mit vielen verwandeten Stämmen und Völkern) zu den originären Vorläufern der Azteken entwickelt hat.

    Du bist doch ausgewiesener Kenner der Völkerwanderung
    wie groß sind die mythischen Herkunftsgebiete der
    Ambronen (Amrum)
    Angeln (an de Ostsee)
    Burgunder (Bornholm)
    Goten (Gotland)
    Rugier (Rügen)
    … und welche Reiche haben diese Stämme trotz massiver Wanderungskriege und -verluste aufgebaut?
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2020
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich wüsste nicht, dass ich ein "ausgewiesener Kenner der VWZ" sei. Bornholm, Rügen und Gotland sind wesentlich größer als 350 x 400 m.Was man auch immer von diesen Orten als Herkunftsorten entsprechender Stämme halten soll.
    Wir haben hier ein unbedeutendes Inselchen, das man innerhalb von elf Minuten umrundet hätte (wenn es nicht heute total zugebaut wäre) (5 km/h, etwa 1.180 m Umfang).
    Dieses Inselchen trägt heute den Namen Mexcaltitán. Dieses Mexcaltitán hängt etymologisch laut mexikanischen Linguisten NICHT mit Mexico zusammen. Darauf basiert aber die Hypothese, das Mexcaltitán das mythologische Aztlán sei.
    Da man Aztlán etymologisch nicht erklären kann, hat man Aztlán zu einer Kontraktion von Aztatlán erklärt, gewissermaßen "Haus des Reihers".
    Wir haben also zwei etymologische Hypothesen, von denen die eine nicht haltbbar, die zweite nicht beweisbar ist, die man kombinieren muss, um auf diesen Ort als mythischen Herkunftsort der Aztken zu kommen. Eine Gegenprobe (archäologische Funde) ist mangels archäologischer Funde nicht möglich. Darauf weisen mexikanische Archäologen hin.

    Das ist so, als würdest du ohne Besitz und ohne Bürgen zur Bank gehen und einen Kredit erbitten, weil du ja hypothetisch einen Wald besitzen könntest und hypotetisch ein Verwandter mit seinen Millionen für deine Kreditwürdigkeit bürgt. De facto hast du aber nichts und deine Idee überzeugt die Bank auch nicht. Wie sieht es da mit deiner Chance auf einen Kredit aus?
    Genauso ist es mit der These Mexcaltitán=Aztlán.
     
  19. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Sorry - aber der Vergleich ist sowas von daneben. Liest Du denn überhaupt meine Begründungen und Zitate, oder willst Du mit aller Gewalt Deine Meinung verteidigen?

    Ich wiederhole mich ungern.
    Aber schon Wikipedia (soweit man dem vertrauen kann) schreibt:
    Der Begriff "Mexi'ca" wird also als Ort oder als Region, in der dieser Ort liegt, bezeichnet. Und die Azteken sind - wie viele andere Stämme oder Völker - erst nach der Jahrtausendwende im Hochtal von Mexiko (Stadt) eingewandert.
    Ihnen gleich waren etwa die Tepaneken, die Tolteken und weitere Stämme oder Völker die zur Sprachgruppe der "Nahua(tl)-Sprecher" gehören - aber nun weiter im Zitat:
    Nun wird die "Sprache der Mexica" eben nicht nur von den Azteken gesprochen, sondern von mehreren (die Legende spricht von mindestens sieben) eng verwandten Stämmen, die unter dem Sammelbegriff der "Chichimeken" nach Süden vorgedrungen (eingewandert) sind.
    Quelle: Wiki
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2020
  20. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    (Teil 2)
    Einen Teil dieser "Mexika-Sprecher" haben wir bereits genannt:
    Quelle: Wikipedia
    Diese "Unzivilisiertheit" trifft auch auf die nomadisierenden Einheimischen zu, die bei Etzatlan und - noch weiter westlich - in der Region von Mexcaltitán das Caxcan (als "mexicano rustico") , also ein "Ur-Nahuatl" sprechen.

    Aus diesen Chichimeken haben sich dann die - nach ihren Stadtstaaten - unterschiedlich bezeichneten Stadtkulturen entwickelt.

    Quelle: Wikipedia
    Quelle: Wikipedia

    Quelle: Wikipedia

    Quelle Wikipedia und
    Quelle: Wikipedia


    Es gibt keinen Grund warum die traditionellen Feinde der Azteken, die Tlaxaltecen, oder die eng verwandten Pipil aus Guatemala/Honduras oder die Sprecher des "mexicano rustico" ihre gemeinsame Sprache als "Sprache der Mexikaner" im Sinne des aztekischen Tales von Mexiko-Stadt bezeichnen sollten.
    Die "Sprache der Mexikaner" kann sich nur auf das gemeinsame Uto-Aztekische "Ur-Nahuatl" beziehen. Und das liegt nicht nur der Sage nach sondern auch aufgrund der Sprachforschung nordwestlich des Tales von Mexiko (Stadt), etwa bei Etzatlan und in der Region von Mexcalitan.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2020

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