Bahnbrechende Erfindungen 15./16.Jh.

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von Laura123, 28. März 2019.

  1. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Welches sind eurer Meinung die wichtigsten Erfindungen des 15. und 16. Jahrhunderts?
    Mit fällt ein:
    - Buchdruck
    - Globus
    - der nautische Quadrant
    - Astrolabium
    - Schießpulver
    - Taschenuhr (? oder war das früher)

    Was fehlt eurer Meinung noch?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eindeutig der Buchdruck. Weil mit dem Buchdruck und der allmählichen Durchsetzung des Papiers gegenüber dem teuren Pergament - ähnlich wie heute bei der digitale Revolution - es zu einer Wissensexplosion und der Möglichkeit der Wissensdemokratisierung kam. Aber genauso wie die digitale Revolution hatte der Buchdruck auch seine negativen Seiten. Denn da es un billiger war, Bücher zu produzieren, wurde auch jeder Blödsinn publiziert. Manche Bücher des 16. Jhdts. erinnern vom Niveau her an die Social Media-Diskussionen von heute ;)
    Das Astrolabium gab es im Übrigen schon früher, ebenso das Schießpulver, letzteres wurde nur erst langsam militärisch genutzt.

    Dass der Globus als potentiell wichtige Erfindung geführt wird, impliziert wohl, dass vorher eine flache-Erde-Vorstellung geherrscht habe, welches ein allgemeines Klischee über das Mittelalter ist, welches aber auch im Mittelalter von der Gelehrtenschaft (also gewissermaßen der Kirche) abgelehnt wurde. Das Mittelalter vertrat ein geozentrisches Weltbild, welches dann durch ein heliozentrisches Weltbild ersetzt wurde. Die TO- oder Radkarten des Mittelalters sollte man nicht für Scheibendarstellungen halten.
     
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  3. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Vielen Dank für die Antwort. Das mit der nachträglichen "Scheiben-Unterstellung" wusste ich. Das Thema klingt vielleicht etwas zugespitzt, aber es ist für die Schule und für eine 6. Klasse. Ich wollte gerne etwas zu Erfindungen&Erfindern in diesen zwei Jahrhunderten machen, aber bin mir unsicher bei der Auswahl.
    - Gutenberg und Buchdruck sind also sicher. Aber was noch?
    Ich hätte gerne 5-6 Personen mit Erfindungen im 15./16. Jahrhundert.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    6. Klasse und da schon 15./16. Jhdt.? Die 6. Klasse macht doch normalerweise Steinzeit, Neolithisierung, Frühe Hochkulturen (meist am Bsp. Ägyptens), attische Demokratie und - wenn sie es denn bis dahin schafft - noch römisches Weltreich und Entstehung Deutschlands im FrühMA.
     
  5. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Ist ein Pilotprojekt für Hochbegabte
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich verstehe ja, dass man auch im Geschichtsunterricht Hochbegabung fördert. Aber da würde ich doch tiefer in den jahrgangsstufenspezifischen Stoff eindringen (gerade im Geschichtsunterricht geht so viel interessantes verloren) anstatt schneller durch die Geschichte zu preschen.
     
  7. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Ich verstehe was du meinst, allerdings hab ich keinerlei eigene Verursachung für das Projekt.
    Hat den jemand Ideen zu meiner geschichtlichen Frage :-/
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn du das Thema erweiterst von Erfindungen zu "Findungen", kannst du Kartoffel, Paprika, Tabak, Kakao, Ananas, Tomate etc. hinzufügen. Pommes mit Ketchup ohne Entdeckung Amerikas?
     
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  9. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Wenngleich es schon, von wenigen früheren Zeugnissen über optische Hilfsmittel abgesehen, ab dem 13. Jh. konvex geschliffene Sehhilfen gab die Weit- und Alterssichtigkeit mildern konnten, so ist das Schleifen konkaver Linsen für besseren Durchblick kurzsichtig veranlagter Menschen eine Erfindung des 16. Jahrhunderts.
    Brille – Wikipedia
    Wie hoch der Anteil kurzsichtiger Menschen einst war, dürfte schwer zu ermitteln sein, heute liegt er allerdings so um die 25%, meines Wissens mit in jüngster Vergangenheit deutlich steigender Tendenz.
    Bei der Annahme auch einst 25% Betroffener wäre die Erfindung der Brille für Kurzsichtige durchaus als eine bahnbrechende Erfindung des 16. Jahrhunderts einzustufen. Uneingeschränkt massenhafter Einsatz fand wohl nicht sogleich statt, womöglich eine Frage des Preises? Jedenfalls hätte sich solchermaßen sehkraftverstärkt Gustav Adolf, der sicher nicht zum knausern verdammt war, noch hundert Jahre später bei Lützen vielleicht nicht derart verhängnisvoll vergaloppiert. Eitelkeit?
     
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  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Vielleicht sollte man sich auch Gedanken machen, wie man die "Hochbegabten" am Ende des Unterrichts, mit dieser "spannenden" Aufzählung von "Entdeckungen" aus dem Tiefschlaf wieder aufweckt. Um dann im anschließenden "Report" zu erklären, dass das "Pilotprojekt" ein voller Erfolg war. :D

    Ansonsten würde ich empfehlen mal Vocelka (S. 252ff) anzusehen, allerdings gibt es eine ganze Reihe von Büchern, die sich mit dem Thema beschäftigen; meistens auf Englisch. Dort titelt er: "Die Scientific Revolution im Barockzeitalter" und bezieht es im wesentlichen auf die Erkenntniszuwächse in der Astronomie.

    Allerdings: "Die vermutlich größte Entdeckung der Zeit machte der englische Arzt William Harvey, der den Blutkreislauf entdeckte." (ebd. 256)

    Wichtig jedoch ist - auch um unsere Hochbegabten nicht zu unterfordern - die Einbettung der Wissenschaften zunehmend in eine institutionelle Struktur, die durch die absolutistischen Höfe gefördert wurde. Somit eine wichtige strukturelle Voraussetzung für das zunehmende säkular geprägte Weltbildung bildete.

    Vocelka, Karl (2010): Geschichte der Neuzeit 1500-1918. Wien: Böhlau
     
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  11. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Die Taschenuhr gab es meist in der Form von Sonnenuhren.
    Was in deiner Aufstellung fehlt ist das mechanische Uhrwerk (Dondi, Turmuhren) und die Brille.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    (Nautik) Navigation + Schifffahrt.

    Die "Findungen" als Ergebnis sind von ElQ schon indirekt angesprochen worden. Die Fortschritte hier, eher längere Prozesse als (nur) ein handfester Durchbruch, leiteten die europäische Expansion über den Globus ein. Mit allen Folgen.
     
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  13. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Und den komplexen Voraussetzungen.

    Ich persönlich finde es "erstaunlich", wie gering das Interesse an der Diskussion ist, wenn man offensichtlich eine "Lehreinheit" für "Hochbegabte" vorbereiten muss.

    In einer Zeit, in der wir uns zunehmend bewußt werden, dass die "Great Divergence" sich ihrem Ende zuneigt und China wieder in seine historische Position eintritt, die es bis ca. 17. Jahrhundert innehatte, wäre es sinnvoll, das Bewußtsein für diesen Wandel zu schärfen.

    Das kann man sicherlich sehr gut - als neues Beispiel - an der zeitlichen Abfolge der Erfindung des Papiers in China (vgl. Monro) und der Entdeckung des Buchdrucks durch Gutenberg und der Folgen, die wir rückwirkend als "Medienrevolution" bezeichnen und nachhaltig unsere Gesellschaft verändert hat (vgl. Wittmann).

    Dabei ist sogar zu dem Thema Buchdruck eine "Unterrichtseinheit" auf dem Markt (vgl. Schleider)

    Diese Vorgehensweise schafft ein Bewußtsein, die Leistungen anderer Kulturkreise anzuerkennen ohne die Leistungen des eigenen Kulturkreise zu überhöhen oder gering zu schätzen.

    Dieses Muster ließe sich analog auch auf andere Erfindungen und Prozesse anwenden, um den geschichtlichen Wandel im Rahmen der Great Divergence zu erklären und die Frage aufzuwerfen, was die Situation im Europa der FNZ so "einzigartig" machte in der Konstellation komplexer Faktoren.

    Das kann man auch für die 6. Klasse leisten und schafft dennoch eine Sicht auf die Welt, die den realen historischen Entwicklungen angemessen ist.


    Monro, Alexander (2015): Papier. Wie eine chinesische Erfindung die Welt revolutionierte. München: Bertelsmann,
    Schleider, Dorothea (2007): Gründe, Durchsetzung und Folgen der Erfindung des Buchdrucks. Eine Unterrichtseinheit für den Sachunterricht unter besonderer Berücksichtigung des Lernens an Stationen. München: GRIN Verlag GmbH.
    Wittmann, Reinhard (2018): Geschichte des deutschen Buchhandels. München: C.H.Beck.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. März 2019
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  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    GRIN-Verlag ist natürlich ambivalent zu betrachten. Die Unterrichtseinheit könnte eine eher theoretisch Studienarbeit sein ohne praktische Relevanz für den echten Unterricht. GRIN ist, was früher Hausarbeiten.de war.
     
  15. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Sägemühlen fehlen noch. Werden meist unterschätzt. Aber so konnten plötzlich sehr viel schneller Bretter gesägt werden. Das hat vor allem im Schiffbau einen unglaublichen Effizienzschub gebracht.
     
  16. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Wie kommst Du auf die Sägemühlen? Laut Wikipedia wurde die Sägetechnik im 13. Jahrhundert wieder entdeckt.
     
  17. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Vielen Dank für eurer Fachwissen und eure Anregungen.
    Das tut mir leid, wenn dieser Eindruck entstanden ist, ehrlich gesagt hab ich die Ideen mit Interesse weiterverfolgt, aber da das Thema ja eher eine Aufzählung ist, habe ich gedacht ich lese erst mal mit.

    @ thanepowers: Genau, am Ende sollte eine Bewertungsphase stehen. Welche Bedeutung haben die Erfindungen für die Menschen damals und welche Folgen und Entwicklungen stoßen sie an? Welche Bedeutung haben sie in unserer Zeit?

    Unklar ist mir auch noch der Einstieg: Eine Frage nach den wichtigsten Erfindungen aus Sicht der Schüler, führt wohl eher in die Moderne (Eisenbahn, Auto, Computer, Internet etc.)

    Das mit dem Blutkreislauf ist auch sehr interessant. Auf dem Gebiet Medizin bin ich wenig bewandert, führte die Entdeckung zu weiteren medizinischen Neuerungen/Entwicklungen?

    @ ArmerKonrad: Wann gab es denn die erste Taschenuhr? Kann man einen Erfinder zuordnen?

    @ silesia: den Gedanken der europäischen Expansion finde ich sehr interessant, allerdings ist das Thema nur auf Erfindungen eingegrenzt worden. Es handelt sich nämlich um eine "Forscherklasse" da soll dieses geschichtliche Projekt scheinbar auch an die Naturwissenschaften angelehnt sein. Aber wie gesagt ich bin nur Ausführer nicht Verursacher ;-)


    Danke an alle Helfer! :)
     
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  18. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Ist ja auch nicht überraschend. Zum einen hat die Geschwindigkeit bei den Erfindungen massiv zugenommen, d.h. in den letzten 30 Jahren ist so viel neues und die Gesellschaft umwälzendes entwickelt worden wie zuvor, in den 30 Jahren konnte man das auch schon sagen usw.
    Und zum anderen faszinieren die neuen Dinge immer und auch schon Eisenbahnen (obwohl ja nicht mehr wirklich neu) lösen alleine durch die Größe Interesse aus, Modelleisenbahn hingegen inzwischen weniger als noch vor 50 Jahren.
     
  19. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Das besondere der Niederländer war die Antriebstechnik. Erst war Wasserkraft und Vieh der Antrieb. Die Niederländer haben den Wind dazu genutzt. Der Vorteil hierbei, an braucht kein gestautes Fliessgewässer und such kein Gelände für Futterpflanzen der Pferde oder Ochsen.

    https://www.geschichtsforum.de/them...um-selbsttaetig-zu-saegen-saegemuehlen.30440/
     
  20. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    OK, diese Einschränkung auf Wind als Antrieb der Säge hatte ich nicht gesehen.
     

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