Baumanagement für militärische Einrichtungen im 19. Jhr

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Köbis17, 10. Oktober 2011.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Hallo Zusammen,

    Wilhelmshaven ist immerwieder interessant für mich, wurde doch hier Mitte des 19. Jahrhundert eine Kriegshafenstadt aus dem Nichts der Nordseeküste aufgebaut. Doch so ein Aufbau, einer Festung, Kanäle und Hafenanlagen bedarf vieler Arbeitskräfte und moderne Technik, um den Aufbau voranzutreiben.

    Aber wie wurde der Aufbau zu jener Zeit organisiert. Öffentliche Ausschreibung waren da wohl kein Mittel, sich entsprechenden Handwerksfirmen zum Bauauftrag zu bewegen. So kam der Aufbau von Wilhelmshaven, der nach dem Landerwerb 1853 begonnen hatte, vorerst langsam in Gang, wegen Streichungen von Geldern durch den preußischen Landtag. Als Arbeitsmittel dienten Schaufeln und Schubkarren, vereinzelt standen auch schon Dampframmen zur Verfügung.

    Ursprünglich sollte eine Festung um die Hafenanlagen errichtet werden und so begann z.B. der Bau der Heppenser Batterie Dezember 1863, bei dem das Pionierbataillon 7 aus Minden für den Aufbau von Unterkünften herangezogen wurde. Für den weiteren Aufbau der Anlagen wurden aus verschiedensten Regionen Militäreinheiten zusammengezogen, um die Anlagen zu errichten.

    Doch war es grundsätzlich so, daß für solche Anlagen, wie z.B. Wilhelmshaven, das Militär zum Bau herangezogen wurde und wie wurden entsprechende Handwerker in dem Bau einbezogen und wie sah die Verwaltung solcher Baumaßnahmen damals aus?

    Würde mich sehr interessieren, wie die Struktur aussah, im Baumanagement für solche großen militärischen Anlagen, wie dem Kriegshafen, Wilhelmshaven.
     
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  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Mir ist eigentlich über die Frühphase nur folgende Literatur bekannt

    Koop/Galle/Klein: Von der Kaiserlichen Werft zum Marinearsenal Wilhelmshaven
    Koop/Mulitze: Die Marine in Wilhelmshaven

    dazu noch (enthält aber nichts Spezielles zu Wilhelmshaven):
    Sondhaus, Lawrence: Preparing for Weltpolitik - German Sea Power before the Tirpitz Era

    Es gibt wohl auch noch eine Wilhelmshavener Chronik von 1969 zum 100-jährigen, die ist mir aber unbekannt.
     
  3. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Oh ha, natürlich ist das erstgenannte Buch meine Quelle, aber Wilhelmshaven sollte nur als Beispiel dienen. Mir ging es um die allgemeine Struktur der Bauvergabe an Handwerksfirmen oder doch über das Militär mit den Pionieren ...
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein ganz spezielles Thema.

    Vermutlich werden die Hafenstrukturen von Unternehmen errichtet worden sein, ähnlich wie die Erweiterungen in Bremen und Hamburg. Wenn man da aber an Details interessiert ist, geht das wohl nur über Aktenrecherche, siehe hier:

    http://startext.net-build.de:8080/b....htm?kid=04ccbd1c-7166-4404-b579-1dae2c5b662d

    RM 1 Kaiserliche Admiralität, dort unter 5. Erwerb und Aufbau des Jadegebietes

    Dort scheint es beachtliche Aktenbestände zu geben.:pfeif:
     
  5. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Meines Wissens sind solche Maßnahmen mit privaten Vertragsnehmern durchgeführt worden, die von einer Militärkommission überwacht wurden.

    Ich hatte mal einen interessanten Text über den Bau einer größeren preussischen Festung im 19. Jahrhunder gelesen, weiss leider nicht mehr welche. Das Bauvorhaben wurde von Seiten der Obrigkeit offensichtlich auch als Kojunkturmaßnahme für strukturschwache Gegenden angesehen. Es wurden ausdrücklich Überlegungen dazu gemacht, wie viele Handwerker aus der Umgebung dadurch in Lohn und Brot kommen würden.

    Die Festlegung der Garnisonen übrigens auch. Verarmte Gemeinden in Brandenburg bekamen schon im 18. Jahrhundert Regimenter als Garnison zugewiesen um das wirtschaftliche Leben anzukurbeln. Als später, im 19. Jahrhundert Kasernen gebaut wurden, hat dieses sich wirtschaftlich auch positiv auf die lokalen Handwerker und deren Gemeinden ausgewirkt.
     
  6. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Köbis17

    Zu den Pionier- und Ingeniertruppen findest Du hier Informationen:

    http://startext.net-build.de:8080/b...ndex.htm?kid=0846CA7E491A4A7F87AFC7E17DA5094C

    Dort sind auch die Findbücher des Kriegsministeriums sowie weiterer zentralen Behörden aufgeführt, ebenfalls Literatur.

    Mir ist irgendwie erinnerlich, daß es auch eine Festungsbaukommission (?) gab, diese Findbücher habe ich noch nicht gefunden, also wird weitergestöbert.

    M.
     
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  7. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  8. Repo der Aimat

    Repo der Aimat Gesperrt


    Warum in die Ferne schweifen....

    Köbis, das Gute liegt so nah.

    Die Bundesfestung Ulm!
    Du kannst mit dem Fahrrad hin:winke:
    Der Förderverein ist überaus aktiv.
    Die Festung ist recht kpl. (für deutsche Verhältnisse) bis heute erhalten.
    Die Baugeschichte ist mW (habe irgendwo eine Broschüre, aber wo?)recht gut dokumentiert.

    also, Wochenende nach Ulm
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Oktober 2011
  9. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Moin

    Wären die Pionier- und Ingeniertruppen prinzipiell überhaupt in der Lage gewesen, solche Großprojekte durchzuführen?

    Gruß
    Andreas
     
  10. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  11. Repo der Aimat

    Repo der Aimat Gesperrt

    Natürlich nicht.

    aus Wiki:
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  13. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    :weinen::weinen:
    ein Faden, der mit den befestigten Kriegshäfen zu tun hat, und ich sehe ihn über ein Jahr zu spät...

    In der Zeit des Deutschen Bundes und des Kaiserreichs war das Militär im Bereich des Festungsbaus ein beliebter Arbeitgeber: zwar musste ohne unsere heutigen Bagger und Kräne schwer geschuftet werden, aber es wurde auch gut, pünktlich und regelmäßig bezahlt.
    => administrative und finanzielle Maßnahmen, aber auch bautechnische sind bei den Reichsfestungen Köln und Mainz sehr umfangreich dokumentiert.
    ungemein detaillierte bürokratische Akten (Grundstückskäufe, Mittelbewilligungen etc.) zu Mainz finden in den Jahrbüchern und den laufenden Zeitschriften von INTERFEST
    bzgl. Köln ist das exzellente und opulente, seinen Preis wahrlich werte Buch Festungsstadt Köln, das Bollwerk im Westen mehr als nur ergiebig - als kleiner Vorgeschmack, weil sich da ein Bild einer Festungsbaustelle befindet: Grosser Buchband: Die stärkste Festung im Westen | Köln Übersicht- Kölner Stadt-Anzeiger
    (so interessant, da im flachland, köln auch ist, aber die reichsfestung metz war größer, moderner und liegt nach wie vor noch westlicher)

    1.
    über den Ausbau, Neubau, Modernisierung, Armierung aber auch Demolition einer Festung machten höhe Militärs Eingaben, wobei durchaus schon Kostenplanungen mitgeliefert wurde - in aller Regel wurden die Mittel bewilligt (19. bis frühes 20. Jh. ist ja die Ära der wenigen, aber teuren Großfestungen) und auch nachträglich erhöht
    2.
    Gelände vermessen - fortifikatorische Gesamtplanung - fortifikatorische Details besorgten die "Genieoffiziere" -- der oberste Festungsingenieur hatte die Gesamtleitung zu koordinieren
    3.
    Bekanntmachungen über das Arbeitsplatzangebot machten die Runde (es gab quasi Wander- oder Saisonarbeiter, die von Festung zu Festung zogen) und zogen auch die lokale Bevölkerung an.
    ==> auch örtliche Betriebe aller Art wurden engagiert (Handwerker), ja es entstanden sogar neue Privatbetriebe (z.B. Ziegeleien um Köln), für technische Spezialitäten wurden die entsprechenden Betriebe (Elektrik, Tunnelbau, Waffensysteme etc.) herangezogen

    nicht anders verfuhr man beim Bau der befestigten Kriegshäfen (ich würde sie eher Küstenfestungen nennen) wie Cuxhaven, Wilhelmshaven, Helgoland, Kiel oder an der seinerzeit österreichischen Adriaküste Pula und Bucht von Kotor. (freilich kamen Wasserbauingenieure und auch Berater von der Marine hinzu, z.B. brauchte man Feuerleitpläne, welche die im Hafen befindlichen eigenen Schiffe oder anfahrende eigene Schiffe nicht beschädigten; eine komplexe Aufgabe, möglichst geschickt arrangierte feuerfreie Linien und Zonen zu planen, aber auch das Zusammenwirken von Küstenbatterien und Kriegsschiffen)
    ==> zu Helgoland und Pula gibt es Bücher, die auch die Baugeschichte ausführlich erklären
    Helgoland Teil 1
    Erwin A. Gerstenberger: Festung Pola: Die Verteidigungsanlagen des k. (u.) k.Hauptkriegshafens 1823-1918
    Kiel hat einen eigenen umfangreichen Aufsatz in: Nutzung und Erhalt historischer Großfestungen (Tagungsband) - in diesem Band wird auch Cuxhaven behandelt (wobei es auch Bücher zum Fort Kugelbake gibt)
    Kotor findet sich einigermaßen dokumentiert bei INTERFEST
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Dezember 2012
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