Bedeutung des Papsttums

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von ich91, 28. Oktober 2012.

  1. ich91

    ich91 Neues Mitglied

    Hallo,

    kann mir jemand kurz und knapp die Bedeutung des Papsttums im 7. und 8. Jahrhundert erklären? Es reicht wirklich nur stichpunktartig..

    Danke:)
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Schau dir mal das Verhältnis der Päpste Zacharias und Leo III. zu den Karolingern an. Das dürfte schon mal einen Teil deiner Frage beantworten.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Natürlich ist das nur ein Aspekt, und er gehört an das Ende des nachgefragten Zeitraums.

    @ ich91:
    Für die Bedeutung des Papsttums im 7. und Teilen des 8. Jahrhunderts muss man bedenken, dass Rom damals immer noch zum oströmischen/byzantinischen Reich gehörte, und man muss die politische Lage in Italien berücksichtigen, also den Umstand, dass große Teile der Halbinsel von den Langobarden erobert worden waren, aber Teile (insbesondere Ravenna, Rom und verschiedene Küstenstädte) immer noch unter oströmischer Herrschaft standen, was zu häufigen Kriegen Anlass gab. Die italienischen Besitzungen der Oströmer standen unter der Herrschaft eines in Ravenna residierenden Exarchen, der als Vertreter des oströmischen Kaisers fungierte. Da die Oströmer aber in Italien kein geschlossenes Gebiet mehr hatten, waren die einzelnen Städte oft weitgehend auf sich selbst gestellt. Viele wurden von ernannten "duces" regiert; zeitweise auch Rom.
    Da Rom also immer noch unter der Herrschaft des oströmischen Kaisers stand, beanspruchte er auch noch ein Mitspracherecht bei der Wahl des Bischofs von Rom, also des Papstes. (In der Praxis wurde das Recht, den neugewählten Papst zu bestätigen, oft vom Exarchen wahrgenommen.) Daher gab es im 7. und 8. Jhdt. auch noch viele Päpste, die nicht (wie später üblich) aus Italien stammten, sondern aus anderen Teilen des oströmischen Reiches.

    Allerdings konnten sich weder der Kaiser im fernen Konstantinopel noch der Exarch in Ravenna ausreichend um Rom kümmern und es vor den Langobarden schützen. (Lediglich Kaiser Konstans II. kam Mitte des 7. Jhdts. noch persönlich nach Rom, konnte in Italien aber auch nicht mehr viel ausrichten.) Rom war daher oft auf sich selbst gestellt, und die Päpste konnten bzw. mussten diesen Umstand nutzen, um in der Stadt auch zunehmend weltlichen Einfluss zu erlangen. Auf diese Weise konnten sie zu den eigentlichen Machthabern in der Stadt werden. Dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen: Ein unabhängiger Machthaber war der Papst noch lange nicht, so etwas wie einen Kirchenstaat gab es noch nicht. Wenn ein Papst nicht spurte, waren der Exarch bzw. seine Gehilfen immer noch schnell zur Stelle, um ihm zu zeigen, wer sein Herr war.

    Zum Zusammenbruch der oströmischen Herrschaft über Rom kam es Mitte des 8. Jhdts., als die Langobarden Ravenna eroberten und die Oströmer nicht mehr in der Lage waren, Rom zu schützen und ihre Interessen in der Stadt zu wahren. Dennoch bedeutete die Hinwendung der Päpste zu den Franken nicht, dass sie offen mit den Oströmern brachen. Auch Papst Zacharias anerkannte noch die Herrschaft des oströmischen Kaisers. Dass Rom unter fränkischen Einfluss geriet, lag an den realen Machtverhältnissen.

    Das war jetzt die politische Lage des Papsttums in der Zeit vor Zacharias und Leo III. Zusätzlich muss man natürlich auch noch seine kirchliche Stellung betrachten. Dazu ist zu sagen, dass die innerkirchliche Vormachtstellung des Papstes in den katholischen Gebieten Westeuropas bereits anerkannt wurde. Allerdings wurden Bischöfe in der Regel noch nicht wie heute direkt vom Papst ernannt, sondern meist vom regionalen Klerus gewählt oder vom König eingesetzt. Der Papst hatte allerdings in theologischen Fragen das Sagen, und er fungierte mitunter auch als Schiedsrichter bei Streitigkeiten z. B. um die Neubesetzung eines Bischofsstuhls. Einige Päpste dieser Zeit versuchten auch aktiv die Missionierung der noch heidnischen Gebiete voranzutreiben. Rom war auch schon ein begehrtes Ziel von Pilgern, sogar aus England kamen Könige und Prinzen nach Rom.
    Problematischer war das Verhältnis ausgerechnet zum Oströmischen Reich. Dort anerkannte man zwar einen Ehrenvorrang des Papstes, aber praktisch ließ man sich von ihm nicht viel dreinreden, auch nicht in theologischen Fragen. (Aber immerhin unterstellte sich Ende des 7. Jhdts. wenigstens der Erzbischof von Ravenna dem Papst.) Im 8. Jhdt. kam es dann auch kirchlich zu einer weiteren Entfremdung zwischen Kaiser und Papst, als Kaiser Leon III. päpstliche Besitzungen in Süditalien beschlagnahmen ließ und die Bistümer in Sizilien und Griechenland dem Papst entzog und stattdessen dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellte.
     
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