Das wäre gut, ich suche schon einige Zeit erfolglos. Sollte es wirklich auf Weisung Hitlers geschehen sein, erübrigen sich ja Vorschriften und dergleichen, aber handfeste Quellen wären sehr hilfreich.
"Hitler hatte schon früh über das System der Beförderungen andere Vorstellungen716, und obwohl er während der Winterkrise 1941/42 ebenfalls Änderungen im Offizierkorps wünschte717, gelang ihm erst im Oktober 1942 der Einbruch in die Domäne des Militärs. Indem Hitler seinen Chefadjutanten General Schmundt zum Chef des Heerespersonalamtes machte, brachte er dieses Amt verstärkt unter seine Kontrolle. So wurden auf direkten Befehl Hitlers vom November 1942 die sieben Kriterien,
nach denen Offiziere befördert werden sollten, und die den eigentlichen Frontoffizier kaum berücksichtigten, völlig verändert718:
„Jeder Offizier der am Feind eine Truppe erfolgreich führt, [...] (ist) zu dem Dienstgrad (zu) befördern, der seiner von ihm ausgefüllten Dienststelle angemessen ist [...]. Offiziere mit außergewöhnlichen Leistungen (sollen) [...] erfaßt und gefördert werden. Eine gleichmäßige Beförderung aller widerspricht dem Leistungs- und Führerprinzip [...]. In erster Linie (sind) Frontoffiziere herauszustellen. Diese Offiziere sind dem Tode am nächsten, ihnen sollen auch als erste diese Beförderungsmöglichkeiten
zugute kommen“719.
714 HDv 291: Bestimmungen über Aufstellung und Vorlage der Beurteilungen des Heeres vom 11.5.1936.
715 Hofmann: Beurteilungen, S. 23f u. Anhang D, S. 78-81.
716 Bemerkungen Hitlers über Beförderungen im Kriege, wobei er eine vorzugsweise Beförderung zunächst von Leutnanten und Oberleutnanten wünschte, die sich als Kompanieführer bewährt hätten. Notiz des Adjutanten der Wehrmacht beim Führer Engel vom 3.10.1939, in: BA-ZNS Offizierbeförderungsbestimmungen I
717 So schrieb Hitler am 29.12.1941 an Mussolini, er gedenke „alle jene Offiziere vorzuziehen, deren
Führerfähigkeit sich im Kriege erwiesen hat.“ in: ADAP Serie R (E) Bd. 1, S. 104-118.
718 Vfg. Hitlers zur Förderung von Führerpersönlichkeiten vom 4 und 5.11.1942 in: Untersuchungen
zur Geschichte des Offizierkorps. Anciennität und Beförderung nach Leistung, hrsg. v. H. Meier-Welcker, S. 86 Dok. Nr. 20 weitere Hinweise S. 290.
719 OKH/HPA 1. Staffel Nr. 21/42 v. 4.11.1943. Vgl.: HM 1943 S. 65 Nr. 98, S. 67, Nr. 99 und
Merkblatt 14/2 I. Teil v. 1.7.44; Zusammenfassung von grundsätzlichen Vfg. der Offizierpersonalien,
hg. v. OKH/HPA Neudruck mit Beiheft I (Änderungen und Ergänzungen) bearb. im BA. Abt. ZNS,
Kornelimünster 1957."
aus:
Auswahl und Ausbildung junger Offiziere 1930–1945
Zur sozialen Genese des deutschen Offizierkorps
Dissertation von Dirk Richhardt, Marburg 2002
Das Buch von Meier-Welcker und das Engel-Tagebuch sind hier weiter zitiert.