Beförderungen im Zweiten Weltkrieg

W

Weirich

Gast
Mich beschäftigt schon länger die Thematik der Offizierskarrieren deutscher Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs.
Als Beispiel hier genannt Hyazinth Graf Strachwitz - Wikipedia, als Rittmeister d.R. ging er in den Zweiten Weltkrieg und wurde als ranghöchster deutscher Reserveoffizier kurz vor Kriegsende Generalleutnant d.R.. Dies stellt nach heutigen Maßstäben eine unmögliche Karriere dar, war damals aber keine Seltenheit.
Auf welcher Grundlage wurden damals diese steilen Karrieren realisiert (ging es lediglich um den Personalersatz?), welche Vorschriften lagen zugrunde und kennt jemand die eine oder andere handfeste Quelle zu dieser Thematik?
 
Strachwitz Karriere - der "Panzergraf" - dürfte besonders mit den erhaltenen Auszeichnungen und den zT überraschenden militärischen Erfolgen der von ihm geführten Panzertruppen zusammenhängen.

Er kommandierte u.a. das Panzerregiment der PGD "Großdeutschland", und einen nach ihm benannten Panzerverband "Strachwitz", der die abgerissene Verbindung zur Heeresgruppe Nord bei Tukkum wiederherstellte, unter persönlichem Einsatz von Strachwitz. Die Division "GD" war auch bei der Schlacht um Charkow 1943 beteiligt.

Ich meine gelesen zu haben, dass solche steilen Karrieren ausdrücklich von Hitler erwünscht waren, um das "alteingesessene" Offizierskorps zu ersetzen, und was die Geschwindigkeit der Aufstiege neben dem ersatz von Verlusten ermöglichte. Quelle weiß ich leider nicht mehr, vielleicht finde ich es wieder. Die Abneigung Hitlers gegen das alte Offizierskorps ist bekannt. Zum Offizierskorps im Dritten Reich gibt es mE eine Dissertation, die sich auch mit diesen Aufstiegen beschäftigt.

Strachwitz soll Kontakte zum Widerstand um Treskow gehabt haben.
 
Das wäre gut, ich suche schon einige Zeit erfolglos. Sollte es wirklich auf Weisung Hitlers geschehen sein, erübrigen sich ja Vorschriften und dergleichen, aber handfeste Quellen wären sehr hilfreich.
 
Das wäre gut, ich suche schon einige Zeit erfolglos. Sollte es wirklich auf Weisung Hitlers geschehen sein, erübrigen sich ja Vorschriften und dergleichen, aber handfeste Quellen wären sehr hilfreich.

"Hitler hatte schon früh über das System der Beförderungen andere Vorstellungen716, und obwohl er während der Winterkrise 1941/42 ebenfalls Änderungen im Offizierkorps wünschte717, gelang ihm erst im Oktober 1942 der Einbruch in die Domäne des Militärs. Indem Hitler seinen Chefadjutanten General Schmundt zum Chef des Heerespersonalamtes machte, brachte er dieses Amt verstärkt unter seine Kontrolle. So wurden auf direkten Befehl Hitlers vom November 1942 die sieben Kriterien,
nach denen Offiziere befördert werden sollten, und die den eigentlichen Frontoffizier kaum berücksichtigten, völlig verändert718:
„Jeder Offizier der am Feind eine Truppe erfolgreich führt, [...] (ist) zu dem Dienstgrad (zu) befördern, der seiner von ihm ausgefüllten Dienststelle angemessen ist [...]. Offiziere mit außergewöhnlichen Leistungen (sollen) [...] erfaßt und gefördert werden. Eine gleichmäßige Beförderung aller widerspricht dem Leistungs- und Führerprinzip [...]. In erster Linie (sind) Frontoffiziere herauszustellen. Diese Offiziere sind dem Tode am nächsten, ihnen sollen auch als erste diese Beförderungsmöglichkeiten
zugute kommen“719.
714 HDv 291: Bestimmungen über Aufstellung und Vorlage der Beurteilungen des Heeres vom 11.5.1936.
715 Hofmann: Beurteilungen, S. 23f u. Anhang D, S. 78-81.
716 Bemerkungen Hitlers über Beförderungen im Kriege, wobei er eine vorzugsweise Beförderung zunächst von Leutnanten und Oberleutnanten wünschte, die sich als Kompanieführer bewährt hätten. Notiz des Adjutanten der Wehrmacht beim Führer Engel vom 3.10.1939, in: BA-ZNS Offizierbeförderungsbestimmungen I
717 So schrieb Hitler am 29.12.1941 an Mussolini, er gedenke „alle jene Offiziere vorzuziehen, deren
Führerfähigkeit sich im Kriege erwiesen hat.“ in: ADAP Serie R (E) Bd. 1, S. 104-118.
718 Vfg. Hitlers zur Förderung von Führerpersönlichkeiten vom 4 und 5.11.1942 in: Untersuchungen
zur Geschichte des Offizierkorps. Anciennität und Beförderung nach Leistung, hrsg. v. H. Meier-Welcker, S. 86 Dok. Nr. 20 weitere Hinweise S. 290.
719 OKH/HPA 1. Staffel Nr. 21/42 v. 4.11.1943. Vgl.: HM 1943 S. 65 Nr. 98, S. 67, Nr. 99 und
Merkblatt 14/2 I. Teil v. 1.7.44; Zusammenfassung von grundsätzlichen Vfg. der Offizierpersonalien,
hg. v. OKH/HPA Neudruck mit Beiheft I (Änderungen und Ergänzungen) bearb. im BA. Abt. ZNS,
Kornelimünster 1957."


aus:
Auswahl und Ausbildung junger Offiziere 1930–1945
Zur sozialen Genese des deutschen Offizierkorps
Dissertation von Dirk Richhardt, Marburg 2002

Das Buch von Meier-Welcker und das Engel-Tagebuch sind hier weiter zitiert.
 
War keine besondere Mühe, ich habe die Diss vor einigen Monaten im Internet gefunden, sie steht zum Download zur Verfügung. Das Problem ist immer nur, die Anhaltspunkte aus dem Gedächtnis zuzuordnen. Dabei hilft dann die Explorer-Suche auf der Festplatte.:winke:
 
Zurück
Oben