Benedict Anderson: Nation

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von castello, 8. März 2015.

  1. castello

    castello Neues Mitglied

    Hallo,
    zumal ich mich gerade mit dem Thema Nation beschäftige, kommt man natürlich über Benedict Anderson nicht herum... Allerdings stellt sich mir folgende Frage, und vielleicht könnt ihr mir hier weiterhelfen:

    Geht man von der Unterscheidung zwischen Kultur- und Staatsnation aus, lassen sich die 4 Merkmale von Nation (vorgestellt, souverän, begrenzt, Gemeinschaft) von Anderson der Staatsnation zuordnen, also dem Nationalstaat?

    vielen Dank für eure Hilfe!
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Anderson ist, neben Deutsch, Gellner und A.D. Smith wohl der international am stärksten wahrgenommene Theoretiker zu Erklärung der Entwicklung von Nationalstaaten, wie wir sie heute kennen.

    Bei Anderson entsteht der Nationalstaat ursächlich aus der Entwicklung des Kapitalismus und vor allem sieht er im "Drucken" und dem entsprechenden Gewerbe ein zentrales, dynamisches Element für die Entwicklung von Nationalstaaten.

    Die These von Anderson, dass Nationalstaaten "Imagined Communities" sein sollen ist jedoch nicht im Sinne einer ausgedachten bzw. erzeugten "Ideologie" zu verstehen, sondern er interpretiert es als ein komplexes kulturelles Muster, das einer interaktiven Ausdeutung durch die "Sinnproduzenten" in einem kontingenten historischen und geographisch definierten Raum unterliegt. Im Prinzip ist es in seiner integrierenden Funktion vergleichbar zu der Rolle des Christentums oder des Islams im Mittelalter.

    In diesem Sinne unterliegt die Ausdeutung dieser kulturellen Muster einem permanenten Konflikt und reibt sich gerade an der Rückwirkungen der Globalisierung auf die Nationalstaaten. Somit läßt sich das Argument von Anderson verlängern, da die kulturellen Muster, die die nationale Identität bestimmen, auch der "kreativen Zerstörung" der funktionalen Erfordernisse der globalisierten Wirtschaft unterliegen.

    Dieses ließe sich natürlich sehr schön anhand beispielsweise der Diskussion "erwünschter" und "nicht erwünschter" Migration verdeutlichen und wie sich das kulturelle Konzept der ursprünglichen Idee des Nationalstaates unter den Bedingungen der Globalisierung anpassen wird oder muss, um diesen wirtschaftlichen Erfordernissen gerecht zu werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. März 2015

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