Benjamin Franklins Rassentheorie: "Deutsche sind dunkelhäutig"

Maglor

Aktives Mitglied
Dass Menschenrassen ein soziales Konstrukt sind und sich die Rassentheorien über die Jahrhunderte nicht unerheblich verändert haben, ist mir schon lange bewusst. Ganz neu für mich ist hingegen die ganz alte Rassentheorie von Benjamin Franklin. Jener amerikanische Politiker, Erfinder, Naturwissenschaftler, Publizist u.a. hatte anscheinend eigene Vorstellungen. Laut Franklin seien nur die Angelsachsen weiß. Die Franzosen, Deutschen (mit Ausnahme der Sachsen!), Russen und Schweden wären hingegen "swarthy", d.h. dunkelhäutig.
Franklin unterschied "black" ("schwarz"), "swarthy" (dunkel), "tawny" (gelbbraun) und "white".
Constructing the White Race - JSTOR Daily

Franklins Schrift stammt aus dem Jahr 1751. Den genauen Kotext kenne ich leider nicht.

Franklin lebte zu der Zeit in Philadelphia, Pennsylvania. In den Region lebten zur der Zeit tatsächlich viele deutsche, niederländische und schweizerische Einwanderer (Germantown), inbesondere Quäker und Mennoniten. Franklin wird also durchaus schon ein paar Deutsche aus der Nähe gesehen haben.

Zur wissenschaftsgeschichtlichen Einordnung: Carl von Linné veröffentlichte eine "naturwissenschaftliche" Rasseneinteilung nach Hautfarben 1735, erst 1775 folgten Blumenbach und Kant mit eigenen Rassentheorien. Alle drei hatten bzgl. der Deutschen eine ganze andere Einschätzung. Für Linné und Kant waren die Deutsch Weiße, für Blumenbach Kaukasier.
 
Laut Franklin seien nur die Angelsachsen weiß. Die Franzosen, Deutschen (mit Ausnahme der Sachsen!), Russen und Schweden wären hingegen "swarthy", d.h. dunkelhäutig.
Solche Konstrukte sind ja im 19. Jahrhundert gerne mal recht willkürlich gebraucht worden um gemäß persönlichen Ressentiments bestimmte Gruppen abzuqualifizieren.
In den USA, war es ja in diesem Zusammenhang z.B. auch Mode Iren in ähnlichem Sinne als "dunkelhäutig" abzuqualifizieren, nachdem im Zuge der Aufklärung das in England und der Einwanderungsgeschellschaft in den USA virulente antikatholische Ressentiment keine hinreichende Begründung mehr lieferte irgendwen abzuqualifizieren.

Wenn Franklin da zwischen "Sachsen" und anderen Deutschen unterschied (seine genauen Einlassungen dazu kenne ich nicht, dass er mal was in die Richtung abgelassen hat, war mir bekannt) mag dass sein, dass er den süd- und westdeutschen Katholizismus mit als Zielscheibe auf dem Schirm hatte.
Könnte natürlich auch Pragmatismus gewesen sein, weil er sich irgendwo der sächsichen Einwanderung auf die britischen Inseln bewusst war, aber andererseits, dann hätte er wahrscheinlich auch Bewohner der Normandie von den übrigen Franzosen unterschieden.
 
warum sollten wir zulassen, dass die Pfälzer [Deutschen] in unsere Siedlungen strömen und durch ihre Zusammenkunft ihre Sprache und Sitten unter Ausschluss unserer eigenen durchsetzen? Warum sollte Pennsylvania, von den Engländern gegründet, zu einer Kolonie von Fremden werden, die bald so zahlreich sein werden, dass sie uns germanisieren, anstatt dass wir sie anglisieren, und die niemals unsere Sprache oder Sitten annehmen werden, so wenig wie sie unsere Hautfarbe annehmen können?
https://explorepahistory.com/odocum...ds me to add,Partiality is natural to Mankind.
 
Tatsächlich stammten die meisten deutschen Einwanderer Pennsylvania aus der Pfalz und gehörten verschiedenen protestantischen Splittergruppen an. "Pennsylvania Dutch" basiert auf pfälzischen Mundarten. Der einst weit verbreitete deutsche Dialekt ist heute nur noch unter wenigen Mennoniten und Amish gebräuchlich.

Interessant ist, dass Benjamin Franklin das Wort "Complexion". Der Begriff stammt aus der Temperamenten- und Säftelehre und bedeutete auch so viel wie Gesinnung. Erst später wurde der Begriff auf Teint oder Hauptfarbe übertragen. Ähnliche Farbsymboliken gibt es auch in der Rassentheorie von Linné und Kant.
Schwarze und weiß kann auch im übertragenen Sinne für andere Dichotomien wie gut und schlecht, sauber und schmutzig usw. gemeint gewesen sein.
 
Zurück
Oben