Beschaffenheit von Kampf- und Turnierschilden im Hoch- und Spätmittelalter

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von Tekker, 6. Januar 2009.

  1. Tekker

    Tekker Gast

    Beschaffenheit von Kampf- und Turnierschilden im Hoch- und Spätmittelalter

    Dazu habe ich dieser Tage leider nichts Vernünftiges finden können. Wie und woraus wurden die Schilde, insbesondere die, welche ein Wappen enthielten, gefertigt? Wie wurde das Wappenbild aufgetragen?
    Hauptsächlich beschäftigt mich die Frage, ob die Schilde eben waren oder das Wappenbild gleichsam als Relief darauf war. :confused:

    Bislang hatte ich ersteres angenommen, gestützt durch Literatur zur Heraldik. Nun wurde ich mit einer gegenteiligen Aussage konfrontiert und mußte feststellen, daß ich die Angaben seinerzeit recht unreflektiert hingenommen hatte und nicht wirklich sattelfest in der Thematik bin. :rotwerd:
     
  2. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

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  3. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

  4. Tekker

    Tekker Gast

    Super, danke Gis! :friends:

    Demnach is da nix mit Relief.

    Ja, Bernhard kenne ich persönlich, wir sind in der Sache nicht uneinig. ;)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Januar 2009
  5. KvdL

    KvdL Neues Mitglied

    Wenn ich die Frage richtig verstehe, dreht´s sich darum, ob auf Schilden das Wappenbild in "erhabener" Form angebracht werden konnte?

    Bei den Marburger Schilden (Elisabethkirche) ist das teilweise der Fall. U.a. der Schild des Landgrafen von Thüringen, der Grafen von Arnsberg, des Landgrafen von Hessen, der Herren von Welfenberg.

    Hervorzuheben ist allerdings der Schild von Raron (Liebfrauenkirche in Valeria ob Sitten, Schweiz), mit dem fast schon skulptösen Adler.

    Neben wirklich guten Abbildungen, Erläuterungen, findet man eine mehr als nur ausführliche Anleitung zum Nachbau in:

    KOHLMORGEN, Jan: „Der mittelalterliche Reiterschild – Historische Entwicklung von 975 bis 1350 und Anleitung zum Bau eines kampftauglichen Schildes.“; Karfunkel Verlag, Wald-Michelbach 2002 ISBN 3-935616-10-4
     
  6. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Literatrtipp:

    "Der mittelalterliche Reiterschild" von Jan Kohlmorgen aus dem Karfunkel Verlag für 24€


    • ISBN-10: 3935616104
    • ISBN-13: 978-3935616102
     
  7. Tekker

    Tekker Gast

    Interessanter Zufall, sowohl das Buch von Kohlmorgen als auch die Marburger Schilde waren Gegenstand eines am Samstag geführten Telefonats.

    Was nun diese Schilde angeht, muß man tatsächlich bemerken, daß es plastisch gearbeitete Schilde durchaus gab. Jedoch scheint nicht nur mir das eher die Ausnahme gewesen zu sein, da es auch eine Frage des Geldes gewesen sein dürfte. Welcher "normale Ritter" konnte sich schon leisten, daß ein teurer Reliefschild nach der nächsten Schlacht auf den Müll wanderte? Die waren dann doch wohl mehr etwas für reichere Territorialfürsten. Außerdem, was mir noch wichtiger erscheint, war der Schild nicht zuletzt so konzipiert, daß Schwerthiebe abgleiten sollten. Hiefür scheint mir ein "Reliefschild" aber denkbar ungeeignet. :grübel:
     
  8. KvdL

    KvdL Neues Mitglied

    Stimmt schon. Bei den Marburger Schilden handelt es sich wohl auch eher um standesgemäße Präsentationen, obwohl sie durchaus einsatzfähig konstruiert wurden.

    Plastische Heraldik dürfte mit dem üblichen Hang zur Selbstdarstellung der höfischen Kultur in Zusammenhang stehen. Im Fall der Marburger Schilde als hochadelige Markenbeschilderung "mit dem Prädikat besonders wertvoll".

    Ob solche Schilde tatsächlich auch eingesetzt wurden?
    Ich möchte es, angesichts der - manchmal schon an Verschwendungssucht grenzenden - Eigeninszenierungen, vor allem im Turnierwesen, nicht gänzlich abstreiten. Inwiefern sie auch als Kriegswaffe Nutzung fanden, kann ich nicht sagen. Die Vorstellung eines herausgeputzten Heerführers erscheint mir nicht unbedingt unwahrscheinlich.
    Und Prunksucht blieb nicht auf die höchsten Kreise beschränkt.
     
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