Bischof adlig???

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von gaston, 3. September 2009.

  1. gaston

    gaston Gast

    Hallo

    Ich wollte fragen, ob man Bischöfe (im 13. Jahrhundert) als adlig bezeichnete?

    Vielen Dank für eine Antwort
     
  2. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Das kommt darauf an, von welchem Land wir hier sprechen, denn quer durch Europa gab es Unterschiede.
    Dazu stellt sich die Frage, ob die Aristokratie allgemein gemeint ist, oder titulierter Adel.
    Iso von Wölpe zum Beispiel entstammte den Grafen von Wölpe. Interessant dazu sicher folgendes Buch
    http://www.landschaftsverband-stade.de/isovonwoelpevogtherr.html
     
    1 Person gefällt das.
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich wüsste jetzt nicht, wo in Europa Bischöfe im Mittelalter nicht adelig gewesen wären.
    Nicht die theologische Qualifikation war im MA ausschlaggebend, sondern die Herkunft, der Bischof war schließlich auch Landesherr. Das heißt im Umkehrschluss natürlich nicht, dass man nicht für die theologische Qualifikation gesorgt hätte. Dies geschah unter Ottonen und Saliern z.B. in der Hofkapelle, wo die für den theologischen Dienst bestimmten hochadeligen Kinder und Jugendlichen zusammengefasst und ausgebildet wurden, theologisch, wie im Urkundenwesen. Später bekamen sie dann meist Bistümer zugewiesen, in denen sie keine Hausmacht hatten, oder die von den Gebieten, in denen ihre Brüder als Grafen o.ä. die Hausmacht besaßen, weiter entfernt lagen; so sollte die Königstreue gewährleistet und verhindert werden, dass Königsgut in adeliges Familiengut überginge.
     
  4. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    In England jedenfalls galt nur der Titelträger selbst als Adlig, die Gattin hatte den Ehrentitel Lady, und später dann der Erbe.
    Die Kinder und auch die jüngeren Geschwister des Erben galten formell als bürgerlich.

    Deshalb wurde der jüngere Sohn eines Earls, der Offizier in der Armee war eben auch z.B. Colonel Fitzwilliam genannt und nicht Lord Fitzwilliam.

    In England war es deshalb üblich die eigene Kirchenpatronage an jüngere Söhne weiterzugeben oder sie zum Militär zu schicken, wo sie sich eigene Sporen (Titel!) verdienen konnten.

    Bezüglich Irland und Schottland kenn ich mich nicht so gut aus ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. September 2009
  5. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Die Gattin vom Bischof? :D



    Sorry fuer's Spæssle, es ist Wochenende.

    Gruss, muheijo
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Folgendes Beispiel:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_(Mainz)
    Wäre eigentlich der Erstgeborene gewesen, aber als Thronfolger bei einer Küchenmagd als Mutter natürlich undenkbar. Solche Fälle waren wohl eher Regel als Ausnahme, als Geistliche waren diese potentiellen "Unruhestifter" dann kalt gestellt. Siehe auch die Nachkommen Karl des Großen unter Wiki.
     
  7. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Hast ja recht. Hab mich blöd ausgedrückt. :red:

    Die Gattin eines adligen trug auch nur den Ehrentitel einer Lady und war ihm NICHT ebenbürtig. Ebensowenig, wie die Söhne, respektive die Jüngeren.

    Anders als bei uns, wo jeder Sohn eines Grafen als "junger Graf" betrachtet wurde und jede Tochter eines Barons als "kleine Baroness" und die auch das Recht hatten ihre Titel im Schriftverkehr zu benutzen.

    Allerdings tragen die Bischöfe (außer den Erzbischöfen, die echte Titel erlangen) den Ehrentitel eines Lords (ohne Inhalt) und einen Sitz im House of Lords
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. September 2009
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das mag ja in Barock und Klassizismus (und später) richtig sein, aber gilt das auch für das englische Mittelalter?!
     
  9. Kirlon

    Kirlon Aktives Mitglied

    Um wieder auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen:
    Nein, grundsätzlich musste ein Bischof im Mittelalter nicht adlig sein.

    Es gilt bei dieser Fragestellung zu beachten, welche Periode des Mittelalters gemeint ist.

    Im Frühmittelalter wurden bspw. Mönche, die als Missionare eingesetzt waren, später zu Bischöfen berufen. Diese entstammten in der Regel nicht dem Adel.

    Im Hoch- und Spätmittelalter wurde es zur Gewohnheit, die Bischofsstühle mit Sprösslingen des Adels zu besetzen. Dies war jedoch formal betrachtet keine Bedingung. Ob es in diesem Zeitraum aber auch tatsächlich nicht-adlige Bischöfe gab, müsste ich nachschlagen.

    Der Vollständigkeit halber: Nach der Säkularisation war es in einigen deutschen Staaten (z.B. Bayern, Württemberg etc.) üblich, Bürgerlichen, denen ein Bistum übertragen wurde, den Amtsadel zu verleihen, so geschehen beispielsweise bei Michael von Faulhaber.

    Am Rande frage ich mich übrigens, was das ganze Thema im Pfad "Papsttum" zu suchen hat...
     
    2 Person(en) gefällt das.
  10. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Also bestes Beispiel für einen nichtadeligen Bischof im Mittelalter ist der Mainzer Erzbischof Willigis. Willigis wurde um 940 in Schöningen (Niedersachsen) als Sohn freier, aber nichtadeliger Eltern geboren. Sein Vater soll, schenkt man der Legende Glauben, Wagner von Beruf gewesen sein. (Daher soll angeblich das Rad im Mainzer Wappen gekommen sein)
    Er kam ca.um 969 an den Kaiserhof wo er ab 971 unter Otto I und Otto II das Amt des Kanzlers ausübte. 975 erfolgte seine Wahl zum Erzbischof von Mainz.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2009
    1 Person gefällt das.
  11. Mercy

    Mercy unvergessen

    "Komm, Maler, male mir
    auf jeder Tür dahier
    ein weißes Rad auf rotem Feld,
    darunter sei der Satz gestellt:
    Willigis, Willigis,
    denk, woher du kommen bist!"

    Schön war die Zeit. :winke:
     
    1 Person gefällt das.
  12. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich habe mal gelesen, das grundsätzlich jeder katholik Papst werden darf.
    So war das wohl schon immer. Wo ist das Problem?

    Natürlich haben die da etwas rumgepampert. Das
    brachte ja auch eine Machtstellung mit sich.
    Wenn ich da heute etwas drüber lese, kommen mir die Bischhöfe und Kardinäle nicht alle ganz geheuer vor.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2009
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wenn im Heiligen Römischen Reich - d.h. im Deutschen Reich des Mittelalters - ein Bischof investiert und vom König mit den Regalien belehnt worden war, zählte er automatisch zu den geistlichen Reichsfürsten und damit zum Hochadel - auch wenn er nicht adliger Geburt war!

    Er regierte fortan sein Fürstbistum (z.B. Hildesheim, Würzberg, Regensburg, Bamberg, Münster, Augsburg u.a.) als weltlicher Herrscher und war zugleich das geistliche Oberhaupt seiner Diözese, die sich nur teilweise mit seinem weltlichen Herrschaftsbereich deckte.

    WEitere Informationen findest du hier:

    Fürstbischof ? Wikipedia
     

Diese Seite empfehlen