Brandbestattung der Römer

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von El Quijote, 10. Oktober 2008.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Anlässlich der momentanen Entwicklung einer der Kalkriesediskussionen hier im Forum habe ich mal eine allgemeine Frage zu den Bestattungsriten und -vorgängen der Römer. Es ist unstreitig, dass die Römer in der frühen Kaiserzeit vorwiegend Brandbestattungen durchführten. Mich interessiert, wieso. Waren das rituelle Gründe oder eher pragmatisch-hygienische Gründe? Weiß man da genaueres? Gibt es Quellen, die das eine oder das andere berichten?
     
  2. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    @El Quijote: Ich glaube nicht, dass nach generationenlangem Gebrauch einer bestimten Bestattungsart, man dies primär darum so macht um den unangenehmen Folgen der Verwesung zu entgehen. Es warhalt üblich Tote in einer bestimmten Art und Weise zu bestatten.
    Zu Zeiten von Varus war eine Bestattung halt Tradition. Der praktische Zweck dahinter war da unbedeutend. Germanicus ging es wohl eher um den religiösen und/oder symbolhaften Zweck.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Könntest Du Quellen nennen?
     
  4. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 10. Oktober 2008
  5. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Und warum ausgerechnet Brandbestattung? Warum reichte einfnaches verbuddeln in der Erde nicht?
    Musstre der weltliche Körper erst vernichtet werden, damit die Seele in das Jenseits übergehen konnte?
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Offensichtlich reichte die Erdbestattung aus, auch wenn Feuerbestattung seit der späten Republik wohl üblich war. Ich bin seit gestern Abend dabei, eine entsprechende Passage aus Ciceros de legibus zu übersetzen.
     
  7. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    es gibt nen buch, rome in the making oder sowas, darin wird die frühgeschicht Roms recht gut erklärt. Leider ist mir sowohl der Titel als auch der Autor entfallen, da ich nur spntan drüber geschmökert habe.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Cicero schreibt in seiner rechtsphilosophsichen Schrift de legibus, II, 22 - 23 folgendes:


    Aufgrund dieser Ausführungen Ciceros komme ich zu dem Schluss, dass die Brandbestattung keinen zeremoniellen Hintergrund hatte, sondern andere Gründe. Kann man vom Usus, wie in Marcus Tullius beschreibt, auf das Verhalten des Germanicus schließen? Bedingt. Zu Octavians Programm der staatlichen Erneuerung gehörte neben Investitionen im edifikatorischen Bereich auch die Rückbesinnung auf das Kultische. Eine Wiederaugnahme von vernachlässigten Kulten geht aber häufig auch mit Neuerungen einher, so wie Octavian ja auch nicht der restitutor re publicae sondern zum princeps wurde. Insofern ist natürlich vom ciceronischen Text her nicht völlig auszuschließen, dass aus der zunächst pragmatisch veranlassten Feuerbestattung eine zeremonielle Handlung wurde. So ähnlich wie das Zölibat im Mittelalter zwar aus ökonomischen Gründen eingeführt, heute aber aus theologischen Gründen beibehalten wird. Nach Cicero reicht also zur pietas die Erdbestattung, allerdings sagt er auch, dass – heute – also ca. 50 v. Chr. eine Bedeutungsübertragung stattgefunden habe, dass alle Bestatteten als Beerdigte (Humati) bezeichnet würden. Dennoch ist die Verbrennung offensichtlich nicht notwendiger Bestandteil der Kulthandlung.



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    Zuletzt bearbeitet: 11. Oktober 2008
  9. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Hmm :grübel:

    Gibts denn Quellen zu eventuellen Seuchen oder Epidemien in Rom? Das wäre so ein Grund, warum Brandbestattungen vielleicht "in Mode" gekommen sind. Zudem war es auch früher schon recht warm in Italien nehme ich an, von daher könnte es auch geschehen sein, um wie du schon oben erwähntest, den Verwesungsvorgang gar nicht erst zuzulassen (also hygienische Gründe).

    Wenn ich die Quelle von Cicero richtig verstanden habe, ist jede Art der Bestattung genehm, solange der Körper, bzw. dessen Überreste nicht an der freien Luft liegen.
     
  10. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    In Rom selbst dürfte es bei Körperbestattung auch ein Platzproblem gegeben haben. Andererseits war Feuerholz auch nicht überall unbegrenzt vorhanden. Könnte das mögliche regionale Unterschiede erklären?
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Am Platz wird es nicht gelegen haben. Schließlich kam es seit dem zweiten Jahrhundert wieder vermehrt zu Niederlegungen und mit dem sich durchsetzenden Christentum stiegen die Zahlen der Körperbestattungen immer weiter an. Und an der Via Appia gab es raumgreifende Grabmähler.
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    Cicero schreibt noch etwas von sechzig Fuß, die eine Grabstätte nach dem Zwölftafelgesetz von einem Wohnhaus entfernt sein müsse.
     
  12. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Die Armen wurden unmittelbar nach dem Wehklagen, der Waschung und Herrichtung verbrannt.

    Anders bei den Wohlhabenden. Bis zu 7 Tagen wurde der Leichnam im Atrium des Hauses aufgebahrt. In dieser Zeit kümmerte sich ein libitinarius, ein Bestattungsunternehmer, um den Toten und ließ ihn durch Salber (pollinctores) herrichten. In der Zeit brannten Lampen neben dem Toten und er wurde mit Blumen, Laub und Kränzen bedeckt. Das dürfte wohl der Geruchsentwicklung entgegengewirkt haben.

    Schon aus Gründen der Bodenverunreinigung sollen die Bestattungen grundsätzlich außerhalb der Orte stattgefunden haben.
     
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  13. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Sämtliche Straßen die nach Rom hinein führten wurden von, teilweise sehr opulenten, Gräbern flankiert.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das hat jetzt nichts mehr mit den Römern zu tun, fällt mir aber hierbei ein: Als das andalusische Kalifat zusammenbrach, kam es häufiger vor, dass gestürzte Kalifen umgebracht wurden. Sie wurden enthauptet und die Schädel wurden rumgereicht, um zu zeigen: der Kalif ist tot. Die Schädel wurden nach Auskunft der Quellen gewaschen und parfümiert. Dies war natürlich keine Geste der Wertschätzung gegenüber dem Schädel sondern sollte den unangenehmen Geruch überdecken.
     
  15. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    Ich hab das Buch gefunden das ich meinte:
    The Beginnings of Rome von Tim Cornell, geht bis zu den punischen Kriegen. Gibts auch bei Google Books, jedoch fehlen ein zwei wichtige Seiten.

    Für die Bestattungen bei Schlachen fehlt meines Wissens eh jeder Vergleich. Spontan fällt mir die Niederlage des Crassus bei Carrhae ein. Wie wurde da mit den Toten verfahren?
     
  16. Ogrim

    Ogrim Aktives Mitglied

    Bei den Steppenvölkern war es Brauch, den Leichnam durch sein gesamtes Herrschaftsgebiet zu tragen. Dabei gab es einen alten Zeitraum, der angeblich "indogermanisch" sein soll, die Leiche 90 Tage lang zu erhalten. Erst dann wurde die Bestattung ausgelöst. Das muss schon ein komischer Anblick gewesen sein, wenn ein solcher König einem nach 89 Tagen vorgeführt wurde. Die Verwesung wird trotz aller Gegenmassnahmen weit vortgeschritten sein.

    Ich würde keine allzugrossen Unterschiede zwischen Körper- und Brandbestattung ziehen, dazu war beides in der Geschichte zu oft nebeneinander verbreitet.
     
  17. Vatrenus

    Vatrenus Gesperrt

    Ich sehe hier allerdings doch einen Unterschied, selbst wenn beide Bestattungsformen parallel existierten.

    Kulturen, die an die Auferstehung des Leibes glauben, wollen den Körper als Ganzes und möglichst vollständig beisetzen. Im jüdischen Glauben zählt sogar das Blut zum Körper, daher sieht man häufiger auch Rabbiner die vergossenes Blut von Unfall- oder Attentatsopfer aufzunehmen versuchen.

    Kulturen, die Brandbestattungen durchführen, wollen damit (vermutlich) die Seele der Toten "zu den Göttern" schicken und nicht einfach nur den Leichnam entsorgen.

    Man kann den Toten mit der Bestattungsform auch gezielt und bewusst entehren und posthum demütigen. So z.B. den getöteten Feind, der nach seiner Religion / Kultur als Körper bestattet werden muss, verbrennen und ihm damit die Auferstehung / den "Einzug ins Himmelreich" verbauen.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei Cicero, dessen Text ja eine - ich nenne es mal so - meta-normative Quelle ist (es handelt sich nicht um ein Gesetz, sondern um einen Kommentar dazu) sehen wir allerdings, dass es sich bei der Brandbestattung weniger um eine kultische Handlung handelte, da auch See- und Erdbestattung zulässig waren. Anders, als dass es sich um hygienische Gründe handelte, ist trotz anderer Praktiken an anderen Orten, zumindest nach dem cicerianischen Zeugnis, kaum vorstellbar.
     
  19. Water

    Water Neues Mitglied

    Außerdem war Rom meines Wissens zu Ciceros Zeit doch noch gar nicht so groß und innerhalb des Pomeriums durfte eh keiner bestattet werden. Außen gab es ja noch genug "Platz", aber der wurde ja dann in der Kaiserzeit geringer, weil die Stadt wuchs und deshalb entschied man sich vielleicht auch für eine platzsparendere Bestattung?
    Aber eigentlich ist es auch egal, die Bestattungen fanden immer irgendwo außerhalb statt und da den Römern da alles gehörte, konnten sie sicher ihre "Friedhöfe" ausdehen, wie sie wollten... also Platzmangel kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

    Vielleicht hatten sie wirklich nur Schiss vor Leichenschändung, wie Cicero es ja auch schreibt? ;)
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie schon in einem obigen Beitrag gesagt: Die Grabmale wurden meist entlang von Straßen in Stadtnähe aufgebaut. Im antiken Glauben war es so, dass ein Verstorbener so lange weiter lebe, solange er noch im Gedächtnis der Menschen war. Römische Familien stellten aus diesem Grunde die Masken ihrer Verstorbenen in ihren Häusern auf und Grabmale wurden mit Details aus dem Leben der Verstorbenen geschmückt - durch Inschriften oder durch Reliefs. Grabmale sollten gesehen und gelesen werden.
     

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