Brandenburgs Kurfürsten 1640-1713

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Louis le Grand, 13. November 2004.

  1. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Wenn Lukrezia über Bayerns Könige schreibt, dann muss der Preuße natürlich etwas entgegensetzen. ;) :bussi: ;)

    Brandenburgs Kurfürsten von 1640 bis 1713: Friedrich Wilhelm „der Große Kurfürst“ und sein Sohn Friedrich III.




    Vorgeschichte:

    Die Hohenzollern stammten aus einer schwäbischen Familie, denen Kaiser Sigismund aus dem Haus Luxemburg 1415 Brandenburg, eine Grenzmark, übertragen hatte. Die eigentliche Belehnung erfolgte am 17. April 1417. Der Kurfürst von Brandenburg trat im 16. Jhr. zum Luthertum über und säkularisierte die Kirchengüter. Zudem wurde ein Prinz aus der jüngeren Linie des Hauses Hohenzollern, Albrecht von Brandenburg, im Jahr 1511 Großmeister des Deutschritterordens, der sich einst die Urbarmachung Preußens zum Ziel gesetzt hatte. Auch er trat 1525 zum lutherischen Glauben über und wurde, nachdem er die Besitzungen des Ordens säkularisiert hatte, weltlicher Herzog von Preußen unter der Lehnshoheit des Königs von Polen. Schon in diesem Augenblick waren die Ziele der Familie klar abgesteckt: die Vereinigung Brandenburgs und Preußens, die Eroberung der Gebiete, die beide Länder voneinander trennte und schließlich die Befreiung Preußens aus der polnischen Lehnsherrschaft, die seit der Niederlage des Deutschritterordens bei Tannenberg im Jahr 1410 bestand. Die Verwirklichung dieser hochfliegenden Pläne beanspruchte allerdings noch zwei Jahrhunderte.

    Im Jahr 1609 starb der Herzog von Kleve-Jülich. Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg trat Weihnachten 1613 öffentlich und aus innerer Überzeugung vom Luthertum zum Kalvinismus über. Der Vertrag von Xanten sprach nun 1614 dem Markgrafen von Brandenburg das Herzogtum Kleve sowie Mark und Ravensberg zu. Auf diese Weise gelang es ihm, in Nordwestdeutschland Fuß zu fassen. 1618 erbte er nach dem Tod des schwachsinnigen Sohnes Albrechts von Brandenburg, der kinderlos starb, das Herzogtum Preußen. Der König von Polen erklärte sich mit der Erblichkeit des Lehens einverstanden. Im Westfälischen Frieden 1648 wurden Friedrich Wilhelm dem Großen Kurfürsten von Brandenburg, der an der Seite Frankreichs zeitweise gegen den Kaiser gekämpft hatte, Hinterpommern nebst Cammin, Minden und Halberstadt sowie die Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg zugesprochen. Der Westfälische Friede machte die deutschen Fürsten zu unumschränkten Herren ihrer Länder. In diesem Augenblick entstand der erste brandenburg-preußische Staat. Vor den Augen der Hohenzollern, deren Besitz durch den Erwerb der niederrheinischen Gebiete mit ihren reichen Städten seinen ehemals provinziellen und ländlichen Charakter verloren hatte, taten sich neue Möglichkeiten auf. Ihr Staat bildete um seinen Mittelpunkt, die Kurmark mit Berlin, eine geschlossene Einheit. Im Osten und im Westen waren Gebiete vorgelagert, welche die Hohenzollern Brandenburg noch angliedern wollten. Sie besaßen im übrigen den Vorteil, Anrainer an allen großen Flüssen von der Oder bis zum Rhein zu sein.



    Friedrich Wilhelm "der Große Kurfürst"

    Noch ein gutes Bild:
    http://www.preussen.de/Bilder/Geschichte/kurfuerst_friedrich_wilhelm/friedrich_wilhelm_grosser_kurfuerst_2_JK.jpg

    Friedrich Wilhelm, der ab 1640 die Kurwürde besaß, begann als zäher und weitblickender Herrscher sofort nach dem Westfälischen Frieden, seine Pläne zu verwirklichen. Er war mit dem Kurfürsten von der Pfalz und der Familie Oranien-Nassau in den Niederlanden verwandt, die beide kalvinistisch waren. Seine erste Entscheidung nach dem Friedensschluss war die Auflösung des alten Feudalheeres und die Aufstellung einer zwar zahlenmäßig schwächeren, aber besser bewaffneten und disziplinierteren Armee. Auf militärischen Gebiet genoss in Norddeutschland die schwedische Armee bei weitem das höchste Ansehen. Friedrich Wilhelm übernahm ihre Gesetzgebung, ihr Versorgungssystem und ihren Aufbau in einem 30.000 Mann umfassenden Heer. Schließlich schuf er einen geheimen Staatsrat, um die einzelnen Zweige der Regierung, die sich teilweise in den Händen des Adels befanden, unter seiner Führung zu vereinheitlichen. In Berlin entstand eine durch und durch bürokratische Regierung. Die Hauptstadt eines Staates von 600.000 Untertanen zählte bei Ende seiner Regierung nur 15.000 Einwohner, in Königsberg, der Hauptstadt Ostpreußens, lebten dagegen 22.000 Menschen.

    Die Landwirtschaft war wenig erträglich. Die Hohenzollern hatten stets den grundbesitzenden Landadel unterstützt, dessen Bauern meist Leibeigene waren. Die Ostgebiete waren, mit Ausnahme der Städte, dünn besiedelt. Trotz hoher Steuern musste der Staatshaushalt durch ausländische Unterstützung ausgeglichen werden. Friedrich Wilhelm verstand es vorzüglich, die jeweilige politische Lage auszunutzen. Aus Misstrauen gegen das Haus Habsburg verbündete er sich zunächst mit Frankreich und Schweden. Als nach 1658 die Gefahr von Seiten des Reiches und der Katholikin ausgeschaltet war, kehrte Brandenburg zur Neutralität zurück. Im Krieg Frankreichs gegen die holländischen Generalstaaten kämpfte Friedrich Wilhelm auf Seiten des Kaisers gegen den frz. König und besonders gegen Schweden, das Pommern und Niedersachsen bedrohte. Während der ersten Kriegsjahre (1672-1673) behielt Louis XIV. jedoch in allen Schlachten die Oberhand. Mit der Wendigkeit, die eines der Kennzeichen der brandenburgischen Diplomatie bleiben sollte, unterzeichnete Friedrich Wilhelm einen unumgänglich notwendige Separatfrieden mit Frankreich, griff aber unter dem Eindruck des Widerstands der Niederlande 1674 wieder gegen Louis XIV. und die Schweden zu den Waffen. An der Ostsee kämpfte er erfolgreich gegen die schwedische Armee Karls XI., der in die Mark Brandenburg eingefallen war und Berlin bedrohte. Am 28. Juni 1675 schlug er bei Fehrbellin, nicht weit von seiner Hauptstadt, die Schweden vernichtend, vertrieb sie aus Brandenburg, aus Schwedisch-Pommern und aus Stettin, dem lebenswichtigen Ausfuhrhafen seines Landes. Durch diesen Sieg wurde er zum „Großen Kurfürsten“.

    Geschwächt durch eine französische Großoffensive in seinen westfälischen Besitzungen im Jahr 1679 musste Friedrich Wilhelm aber seine Ansprüche auf die eroberten schwedischen Gebiete aufgeben. Gegen eine entsprechende Kriegskostenentschädigung verbündete er sich erneut mit Louis XIV., schwenkte aber 1685 nach der Aufhebung des Edikts von Nantes wieder auf die kaiserliche Seite über. Der Kurfürst starb 1688 und sein Sohn Friedrich III. machte sofort Front gegen Frankreich. Die Regierung des Großen Kurfürsten hatte reiche Früchte getragen. Er hatte viele Flamen und Holländer in sein Land geholt, um Sümpfe trockenzulegen. Ein Verbindungskanal zwischen Oder und Elbe machte den Umweg über die Ostsee überflüssig und ersparte gleichzeitig die Zahlung von Zöllen an die Schweden. Der Erlass von Potsdam des Jahres 1685 lud emigrierende frz. Protestanten nach Brandenburg ein. Die ersten Anfänge waren schwierig, denn die Hugenotten zogen das reichere England oder die Niederlande dem ärmeren Brandenburg vor. Die Zahlung der Reisekosten, die Schenkung von Grund und Boden und geldliche Unterstützung bewogen jedoch viele, diese Einlandung anzunehmen. Um 1700 hatten sich 25.000 Franzosen in Brandenburg niedergelassen. Sie bauten Seiden- und Tuchweberei und eine Luxusindustrie auf, die sich vor allem mit der Herstellung von Spiegeln, Papier, Uhren und Schmuck befasste. In einem Berliner Stadtviertel, das den biblischen Namen Moabit trägt, gaben sie den Ton an. Von den 15.000 Berlinern waren 4000 Franzosen. Hunderte von frz. Adeligen traten als Offiziere in brand. Dienste und wirkten am Aufbau der Armee mit.

    Der Große Kurfürst samt Familie:
    http://web.ics.purdue.edu/~mbishop/frames/images/great_elector.jpg


    Weltgeschichte Band 13:
    „Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) Sohn des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg. Friedrich Wilhelm folgte im Jahre 1640 auf seinen Vater und wurde wegen seiner Aufbauarbeit und seiner diplomatischen Gewandtheit der Große Kurfürst genannt. Er nutzte klug die Gegensätze zwischen dem Reich, Schweden und Polen aus und unterhielt zeitweise ausgezeichnete diplomatische Beziehungen mit Kardinal Mazarin. Im Westfälischen Frieden von 1648 erhielt er Hinterpommern und die Anwartschaft auf Magdeburg. Dann ergriff er nacheinander die Partei der miteinander verfeindeten Schweden und Polen, um seine eigene Stellung in Brandenburg zu festigen. Die beiden Gegner erkannten im Jahr 1660 im Vertag von Oliva seine Souveränität im Herzogtum Preußen an. Schließlich benutzte er die Kriege Ludwig XIV. und einen Rückgang der militärischen Macht Schwedens, das er bei Fehrbellin im Jahr 1675 geschlagen hatte, um an der Ostseeküste und in Pommern neue Gebiete zu erobern. Die Aufhebung des Ediktes von Nantes durch Ludwig XIV. im Jahr 1685 wusste der Große Kurfürst zu seinem Vorteil auszunutzen, indem er den Hugenotten in seinen Ländern Schutz bot. Auf diese Weise vergrößerte sich Berlin schnell, und durch den Zustrom der Franzosen, die neue Industriezweige, wie Webereien, aufbauten, wurde die Wirtschaft des Kurfürstentums Brandenburg in ihrem Gefüge verbessert. Sein zweiter Sohn Friedrich wurde sein Nachfolger.“
     
  2. Livia

    Livia Mitglied

    Die Frauen Friedrichs III./I.

    Die erste Ehe: Elisabeth Henriette von Hessen Kassel
    Es handelte sich um eine Liebesheirat, die der 22jährige Kurprinz 1679 gegen den Willen seines Vaters durchsetzte. Das Paar zog in das alte Jagdschloss bei Köpenick, das Friedrich zwischen 1677 und 1681 zu seinem Kurprinzensitz umbauen ließ.
    Am 19. September kam die Tochter Louise Dorothea Sophie zur Welt, die das einzige Kind des Paares bleiben sollte. Elisabeth Henriette starb am 27. Juni 1683 im Alter von 21 Jahren an Windpocken.

    Die zweite Ehe: Sophie Charlotte von Braunschweig-Lüneburg
    Bereits 15 Monate nach dem Tod Elisabeths heiratete Friedrich erneut, auch seine zweite Frau suchte er selbst aus. Der Große Kurfürst missbilligte auch diese Wahl und blieb der Hochzeit, die am 28. September 1684 in Herrenhausen stattfand, fern – aus gesundheitlichen Gründen, wie es offiziell hieß.
    Sophie Charlotte (* 30.10.1668 ) entstammte einem alten Geschlecht: väterlicherseits war sie eine Nachfahrin Heinrichs des Löwen, ihre Mutter (Sophie von der Pfalz) war die Tochter von Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (dem „Winterkönig“) und der englischen Königstochter Elisabeth. Über diese weibliche Verwandtschaftslinie gelangten die Welfen auf den englischen Thron, den Sophie Charlottes Bruder 1714 als Georg I. bestieg.
    Die Heirat hatte politische Hintergründe: Friedrich versprach sich Rückhalt bei der Erbfolge (Friedrich Wilhelm hatte vor, seine Söhne aus zweiter Ehe an der Thronfolge zu beteiligen); Sophie Charlottes Vater, Ernst August, seit 1679 Herzog von Hannover, strebte nach der Kurfürstenwürde und suchte Freunde und Befürworter im Kurfürstenkolleg (1692 wurde der Herzog von Hannover mit Unterstützung aus Brandenburg in den Kurfürstenstand erhoben).
    Sophie Charlotte fühlte sich am Berliner Hof nicht wohl: der Große Kurfürst begegnete ihr mit offener Ablehnung, die Lebensweise am Hof war nicht französisch – modern, sondern altmodisch (in einem Brief an ihre Mutter beklagt sich Sophie Charlotte besonders über die Tischzeremonie) und das Verhältnis zu ihrem Ehemann gestaltete sich schwierig.
    Das Paar hatte nur zwei Kinder: Friedrich August (* 6.10.1685, † 31.1.1686) und Friedrich Wilhelm (*4.8.1688), der spätere Thronfolger.
    In den Anfangsjahren der Ehe reisten Friedrich und Sophie Charlotte noch gemeinsam: 1689 nach Bonn, 1690 nach Ostpreußen, später häuften sich die räumlichen Trennungen. Bis 1700 versuchte Sophie Charlotte auch, politischen Einfluss zu nehmen. Sie trug 1697 zum Sturz Danckelmans bei, konnte sich dann aber gegen dessen Nachfolger, Kolbe von Wartenberg nicht mehr durchsetzen.
    In dem 1699 eingeweihten Schloss Lietzenburg, nach ihrem Tod in Charlottenburg umbenannt, verbrachte Sophie Charlotte die Sommermonate (sie lud Gäste ein, wie Gottfried Wilhelm Leibnitz, veranstaltete Feste und Opern mit Hilfe italienischer Künstler), den Winter verbrachte das Paar gemeinsam in der Residenz – auch dort ging man sich aus dem Weg. Um die Wintermonate zu verkürzen, reiste Sophie Charlotte jährlich zum Karneval nach Hannover, dort starb sie auch, an den Folgen einer verschleppten Erkältung , am 1. Februar 1705 im Alter von 37 Jahren.


    Die dritte Ehe: Sophie Luise von Mecklenburg – Schwerin
    Für die dritte Ehe waren wohl dynastische Gründe ausschlaggebend: Friedrich hatte aus der Ehe mit Sophie Charlotte nur einen Sohn und der bis dahin einzige Enkel starb am 23. Mai 1708 im Alter von sechs Monaten. Die Wahl fiel auf Sophie Luise von Mecklenburg – Schwerin, Schwester des regierenden Herzogs. Durch die Heirat geriet der preußische König in den Besitz des mecklenburgischen Herzogtitels.
    Am 28.11.1708 heiratet Friedrich die „mecklenburgische Venus“ . Die Prinzessin, erzogen in familiärer Harmonie, in aller Abgeschiedenheit in Grabow auf dem Lande, ist auf das intrigenreiche Leben bei Hofe wenig vorbereitet. Sophie Luise schlüpft schnell in die Rolle der treusorgenden Hausmutter, als treu ergebene und sich unterordnende Frau ist sie das Gegenteil Sophie Charlottes - die Anerkennung des Hofes bleibt ihr jedoch versagt.
    Sophie Luise flüchtet sich in die Religion, wird zur besessenen Pietistin. Nach dem Tod des Königs 1713 wird sie zurück zu ihrer Familie nach Grabow geschickt, 1735 stirbt sie im Alter von 50 Jahren in Schwerin.

    (Quelle: Ines Elsner, Friedrich und die Frauen. In: Preußen 1701. Eine europäische Geschichte. Katalog zur Ausstellung, Bd.II, Berlin 2001, S.79 - 89.)
     
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  3. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    @Livia
    Ein sehr guter Einwurf.

    Da du das schon mal angeschnitten hast, muss ich noch was sagen. Schloss Köpenick ist einen Besuch wert. Dort befindet sich heute das Kunstgewerbemuseum: Wohnkultur an Europas Fürstenhöfen während der Renaissance, des Barock und des Rokoko.

    Wer sich für diese Epochen begeistert, der bekommt den Mund dort nicht mehr zu. Ich war hochgradig begeistert von soviel exquisiten Stücken. Die gesamte Anlage ist in den barocken Urzustand von etwa 1685 rückrestauriert worden, als Friedrich III. noch Kurprinz war und das Schloss seine Hauptresidenz. Allein die Anlage wäre auch ohne Ausstellung völlig sehenswert. Allein die barocken Fresken und Deckengemälde könnten mich stundenlang begeistern, so schön sind diese gelungen. Mehr unter: http://www.smb.spk-berlin.de:8000/smpk/de/standorte/index.jsp?n=6&objID=26&typeId=2&p=2




    Friedrich III.

    Friedrich in jüngeren Jahren:
    http://www.kipar.org/period-galleries/engravings/1700/electeur_1714.jpg

    Friedrich III., der Sohn des Großen Kurfürsten, kämpfte im Krieg der Augsburger Liga gegen Louis XIV. Er hatte ehrgeizige Pläne, denn der Herzog von Hannover hatte auch sein Land mit einer neuen und zentral ausgerichteten Verwaltung ausgestattet. Dazu war der von einem prunkvollem Hof umgebene Herzog Friedrich August (August der Starke) von Sachsen 1697 als August II. gegen den Kandidaten Louis’ XIV. zum König von Polen gewählt worden. Die Königskrone Friedrich Augusts und die Kurwürde des Herzogs von Hannover ließen Friedrich III. nicht ruhen. Er wollte eine Krone als Symbol seiner Überlegenheit. Kaiser Leopold I. war auf seinen Bundesgenossen im Spanischen Erbfolgekrieg angewiesen und unterstütze notgedrungen Brandenburgs Ansprüche. Die deutschen Fürsten erkannten ihm schließlich das Recht auf den Titel „König in Preussen“, also zunächst nur in dem formell nicht zum Reich gehörigen Herzogtum Preußen zu, und im Januar 1701 fand in Königsberg die feierliche Krönung des Königs Friedrich I. statt. Das „in“ des Titels war übrigens nur ein Lippenbekenntnis, den sowohl Friedrich selbst als auch die europäischen Fürsten begannen ihn unverzüglich „König von Preussen“ zu titulieren.

    Der neue König erlebte aber das Ende des Krieges zwischen den Alliierten und Louis XIV. sowie Karl XII. von Schweden gegen Peter I. von Russland nicht mehr. Als Verbündeter der Russen erhielt sein Sohn, König Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, Vorpommern bis zur Peene und Stettin nach der militärischen Niederlage Karls XII. im Jahr 1720 durch den Friedenschluss in Stockholm.


    Weltgeschichte Band 13
    „Friedrich III. von Brandenburg (1657-1713) Als Friedrich I. König in Preussen. Er war der zweite Sohn des Großen Kurfürsten, dem er 1688 als Kurfürst folgte. Friedrich hatte die politische Begabung seines Vaters geerbt. Er setzte sie umgehend zu seinem eigenen Vorteil in die Praxis um. Der Spanische Erbfolgekrieg gab ihm die Möglichkeit, sich gleich zu Beginn des 18. Jhr. zum König krönen zu lassen, nachdem ihm Kaiser Leopold I. diesen Titel als Gegenleistung für seine militärische Hilfe gegen Ludwig XIV. zuerkannt hatte. König Friedrich I. war ein umsichtiger Landesvater. Er baute die militärische Macht seines Landes aus, förderte die Wirtschaft von Brandenburg und Pommern, vergrößerte und verschönerte Berlin und war ein ebenso großzügiger wie kluger Mäzen.“

    ENDE :)
     
  4. Livia

    Livia Mitglied

    Klingt ja gut. Im Kunstgewerbemuseum war ich bis jetzt noch nicht, werde ich aber bestimmt in nächster Zeit nachholen.:yes:
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das ist aber auch eine Problematik der Sprache. Man führte doch in der Zeit zunehmend einheitlicher die Konversation im Französischen ein "Roi en Prusse" gab es eigentlich nicht, auch wenn heute die Bezeichnung vielleicht auch in der französischen Geschichtswissenschaft Einzug hielt. In deutschsprachigen Dokumenten tauchte das "in Preußen" aber noch auf. (wohl bis 1772)
     
  6. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Schon - aber ein "König in Preußen" gab es bis dahin in der deutschen Sprache eigentlich auch nicht, die Formulierung ist ja schon recht eigenartig.
    Wenn man also den mit dieser Formulierung gesuchten diplomatischen Kompromiß akzeptiert, hätte man dies auch auf französisch tun können.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe aber auch schon manchmal von einem "König in Polen" im Falle August des Starken gelesen, müsste aber nachschauen, ob sich das auch in zeitgenössischen Quellen des späten 17. bzw. frühen 18.Jh. findet oder sich vielleicht nur bei manchem Historiker eingebürgert hat. Ich nehme aber auch an, dass da die Polenkenner kompetenter sind, auch wenn die Bezeichnung "in" in diesem Kontext wohl hauptsächlich wegen der Befindlichkeiten innerhalb des HRR gewählt wurde.
     

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