Brotpreise im Merkantilismus

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Gwada, 9. Dezember 2007.

  1. Gwada

    Gwada Gast

    Hallo , ich habe große Probleme follgendes zu verstehen:
    ich lese in so mancher Literatur das Merkantilismus darauf aufbaut das es dem Volk gut geht d.h. es genügend zu essen hat. daher waren die Brotpreise staatlich reguliert.

    Auf der anderen Seite liest man nun das eben diese Brotpreise kurz vor der Revulotion geradezu explodierten.

    Die einzige erklärung die ich mir dafür zurechtzimmern konnte war das Ludwig XVI. dazu gezwungen war um die hohen Staatsschulden durch Kriege abzubauen. Aber man liest auch einiges über Spekulanten ???

    Stelle ich mir den Eingriff in die Wirschaft durch den Merkantilismus zu radikal vor?

    Bin für jede Hilfe / Hinweis dankbar.
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Brotpreise waren abhängig von der Ernte. Viele Fürsten legten zwar Getreidespeicher an und gaben in Notzeiten verbilligtes Getreide aus. Eine soziale Fürsorge und staatliche Regulierung der Getreidepreise wie im Imperium Romanum gab es allerdings nicht. Ich weiß nicht, wie es in Frankreich war, aber in den deutschen Ländern waren die Getreidepreise von Angebot und Nachfrage ab. Ein Simmer ( ca 270 l), der jährliche Bedarf eines Erwachsenen an Brotgetreide kostete normalerweise 6-7 fl. Während der Hungerkatastrophe von 1770/71 explodierten die Preise bis zum 10 fachen, 1771 kostete der Simmer Roggen 72 fl, ehe die Preise durch die gute Ernte von 1772 und die noch bessere des Jahres 1773 wieder Normalmaß erreichten.

    Die Menschen aßen Gras, viele hätten gerne mit Kleie gestrecktes Brot gegessen, wenn sie nur welches hätten bekommen können. Der Heißhunger diktierte die Preise, obwohl viele Fürsten Ausfuhrverbote von Getreide verhängten und verbilligtes Getreide auf den Markt warfen.


    Unruhen wie 1763 bei einer Teuerung blieben übrigens während der Hungerkatastrophe von 1770/71 aus. Nur Verelendung sorgt für Unruhen, völliges Elend aber lähmt.
     
  3. Mercy

    Mercy unvergessen

    In Frankreich sah das ähnlich aus:
    Der großbürgerliche Teil des Bürgertums
    "war zwar durch die Wirtschaftspolitik des Merkantilismus reich geworden, forderte aber gerade aus dieser wirtschaftlichen Machtstellung heraus um so mehr politische Mitwirkung. Der kleinbürgerliche Teil (Handwerker und Kleinhändler) litt unter dem von den Großbürgern ausgehenden Konkurrenzdruck und trug vor allem an den allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der 1780er Jahre.
    ...
    Zu diesen Spannungen traten die politischen Gedanken der Aufklärung, wie sie wenige Jahre vorher in der Verfassung der Vereinigten Staaten formuliert wurden. Sie stilisierten die Reformunfähigkeit des Königtums unter Ludwig XVI. zur absolutistischen Tyrannei hoch, obwohl gerade dieses Königtum durch eine Fülle von Instanzen (Gerichtshöfe, Provinzialstände etc.) daran gehindert war, eine absolute Macht im Stil der Denker des 16. und frühen 17. Jahrhunderts zu errichten.
    ...
    Bei den städtischen Unterschichten, den kleinen Handwerkern und Ladenbesitzern wirkte sich die "Schere" zwischen Preis- und Lohnsteigerung besonders gravierend aus. In Zeiten der Teuerung, d.h. der Ernährungs- und Versorgungskrise, hervorgerufen durch die (das Großbürgertum begünstigende) Freigabe der Getreideausfuhr, durch Mißernten und Viehseuchen, verschlang allein der Brotpreis bereits bis zu 80% des Familieneinkommens. Er erreichte am 14. Juli 1789, am Tag der Erstürmung der Bastille, den höchsten Stand des Jahrhunderts.
    ..."
    Französische Revolution
     

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