Buchdruck, eine deutsche Spitzentechnologie wird verbreitet...

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Techniker, 4. April 2011.

  1. Techniker

    Techniker Gast

    Wie wurde der Buchdruck in der Welt verbreitet? Welche Wege wurden dafür gewählt?

    Wo waren die Ausgangspunkte?
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  3. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Bis ca. 1500 wurde der Buchdruck in ungefähr 270 europäischen Städten praktiziert. Federführend waren zunächst deutsche Drucker, die die schwarze Kunst in alle Himmelsrichtungen verbreiteten. Vor allem auch nach Italien, das schnell zum zweiten Zentrum der Buchdruckkunst anwuchs. Es wird geschätzt, daß mehr als zwei Drittel aller im 15. Jahrhundert gedruckten Bücher entweder in Deutschland oder Italien produziert wurden. Die deutliche Mehrzahl war in Latein (70%), nur 30% verteilten sich auf die europäischen Volkssprachen.

    Auslöser des Exodus war übrigens ein weltliches Ereignis: die Eroberung von Mainz noch zu Lebzeiten Gutenbergs. Die vor den Landsknechten fliehenden Drucker trugen ihre Kenntnis zuerst in andere deutsche Städte, dann aber schnell auch nach Süd-, West- und Osteuropa.

    Insgesamt wurden je nach Schätzung zwischen 7-9 und 15-20 Mio. Bücher in den ersten 50 Jahren gedruckt. 500.000 Exemplare, sogenannte Inkunabeln, existieren davon heute noch. Sie sind ausgesprochene Prestigeobjekte für die besitzenden Bibliotheken.

    Die Zahl der bekannten Drucker beläuft sich auf 1.100. Jeweils zwei arbeiteten im Tandem und konnten bis zu 240 Drucke in der Stunde produzieren. Aufgrund des hohen Mechanisierungs- und Rationalisierungsgrads gilt Gutenbergs Buchdruck auch als das erste proto-industrielle Massenfertigungsverfahren.
     
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  4. Techniker

    Techniker Gast

    Kann man dabei von der Dominanz des Heiligen Römischen Reiches sprechen?

    Wie gingen die beteiligten damit um? War man Stolz darauf, führend auf dem Gebiet der Informationstechnologie zu sein oder sah man es eher als eine Art anrüchiges Geschäft?

    Welche politischen Positionen hatten die Drucker? Lehnten sie Werke aus Gewissensgründen ab?

    Wer kaufte Bücher damals eigentlich, eher die Könige und Fürsten, der Adel, das aufsteigende Bürgertum oder nur Geistliche? Angeblich sollen die diese Kunst ja schon früh als Chance erkannt haben.

    Interessant. Hatte Mainz vorher ein Monopol auf die Druckereikunst?

    Wie muss man sich das vorstellen, haben die Autoren extra für die Druckereien geschrieben oder wurden einfach bisher handschriftlich verbreitete Werke nun gedruckt?
    Gab es dabei auch Bewusst den Gedanken, dass Redundanz, wie man heute sagen würde, Sicherheit schaft? Dass die Bücher so also nicht mehr in Vergessenheit geraten konnten?

    Wie wurden die Bücher damals behandelt?

    Naja, nicht jeder Drucker hatte einen eigenen Arbeitsplatz, nehme ich an.

    Cool!

    P.S.: Ich habe hier im Forum einmal die Bemerkung gelesen, ursprünglich haben einige Herren lieber auf handgeschriebene Bücher zurückgegriffen, weil ihnen die Massendrucke zu unseriös schienen. Stimmt das?
    Und wenn ja, ist das mit der Haltung einiger heutiger Personen zum Internet vergleichbar? ;-)
     
  5. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Ziemlich eindeutig, vor allem quantitativ

    Hier wird gerne der Kolophon von Johannes Balbus' "Catholicon" ziziert, dem letzten großen Druck Gutenbergs:
    "... ist im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1460 in Mainz, der Mutterstadt der glorreichen deutschen Nation, ...., dieses vortreffliche Buch Catholicon, nicht mit Hilfe von Schreibrohr, Griffel und Feder, sondern mit der wunderbaren Harmonie und dem Maß der Typen und Formen gedruckt und vollendet worden."

    In so manchen Inkunabeln sind Kaufeinträge der Besitzer eingetragen, aus denen sich entnehmen läßt, daß das Hauptpublikum in den Bildungsschichten und im gehobenen Bürgertum zu finden war. Dies lag auch an den Preisen. Das Berliner Exemplar der Gutenbergbibel kostete 100 Gulden, was dem Preis für ein Patrizierhaus entsprach.



    Gedruckt wurde das was nachgefragt wurde: Theologische Werke, Klassikerausgaben, Juristisches. Überwiegend griff man erst auf schon vorhandenes zurück, aber der Markt an neuer Literatur erweiterte sich schnell, bis hin zur Schedelschen Weltchronik, dem umfangreichsten Werk der Inkunabelzeit.

    Stimmt, der italienische Fürst und Bibliophile Federico da Montefeltro duldete kein gedrucktes Buch in seiner Bibliothek.
    Und wenn ja, ist das mit der Haltung einiger heutiger Personen zum Internet vergleichbar? ;-)[/QUOTE]
     
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