Bündniskonstellationen 1. WK

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von LisaSimpson, 18. März 2009.

  1. LisaSimpson

    LisaSimpson Neues Mitglied

    Hallo Zusammen,

    kann mir bitte jemand die Bündniskonstellationen vor 1914 erläutern? Das Dreier Bündnis Deutschland-Italien-Österreich zum Beispiel war doch erst nach 1914 oder? das französisch-russische Bündnis gab es doch sowohl vor als auch nach 1914, oder?
    Vielleicht wärs am Besten wenn mir jemand nen Überblick der Bündniskonstellation vor und nach 1914 geben könnte.

    DAnke und Viele Grüße
     
  2. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

  3. LisaSimpson

    LisaSimpson Neues Mitglied

    Achja...das hatte ich schon wieder verdrängt :red:
    Vielen Dank!
     
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  4. LisaSimpson

    LisaSimpson Neues Mitglied

    Eine Frage hab ich noch und zwar gab es ja den Dreibund Deutschland-Österreich-Ungarn und Italien und den Zweibund Deutschland Österreich-Ungarn. Wenn ich richtig gelesen habe. Wurde 1915 der Dreibund zum Zweibund weil Italien Österreich den Krieg erklärte oder vorher schon?
     
  5. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Das Verhalten Italiens ist meines Erachtens unrühmlich. Italien war Deutschlands und Österreich-Ungarns Verbündeter. Durch den deutschen Angriff auf das neutrale Belgien gab es für die Italiener einen Grund sich aus dem Krieg vorerst heraus zu halten.

    Generell muss man wissen, dass Italien Gebietsansprüche gegen zwei Nachbarstaaten meinte zu haben:

    Gegenüber Österreich-Ungarn wegen Triest, Trentino und weiterer Gebiete im späteren Jugoslawien.

    Gegenüber Frankreich wegen Nizza und Korsika.

    Eigentlich sah die Kriegsplanung vor, dass sich die Deutsche Mittelmeerdivision, die österreichisch-ungarische Flotte sowie die italienischen Kriegsschiffe bei Kriegsbeginn in Messina vereinigen sollten. Als einzige erschienen die Deutschen, die Österreicher hatten schon durch ausweichende Antworten Italiens von einer Verlegung Abstand genommen. Die italienischen Kriegsschiffe erschienen auch nicht.

    Ab 1915 drohte durch italienische Forderungen an Österreich-Ungarn den Mittelmächten eine weitere Front an der italienischen Grenze. Deshalb bot die K.u.K.-Monarchie den Italienern territoriale Zugeständnisse an, welche jedoch den Italienern nicht weit genug gingen. Der entscheidende Punkt war das deutschsprachige Südtirol. Italien wollte die Brennergrenze (so wie Frankreich immer auf die Rheingrenze pochte), während Österreich nicht bereit war, ihre Landsleute an Italien zu verschachern.

    Da Großbritannien in einem Geheimvertrag seine Unterstützung - als Gegenleistung zu einem Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente - der italienischen Gebietsforderungen an Österreich-Ungarn für den Friedensschluss zugesagt hatte, erklärte am 24.05.1915 Österreich-Ungarn den Krieg. Für die Kriegserklärung an das Deutschen Reich ließen sich die Italiener bis zum 28.08.1916 Zeit.

    Genutzt hat es den Italienern auf jeden Fall. Alle ihre Gebietsansprüche gegenüber Österreich-Ungarn wurden ihnen in den Pariser Vorortverträgen erfüllt. Auch nach dem 2. Weltkrieg konnten sie diese neu erworbenen Gebiete weitgehend halten.
     
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  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Zwischen Österreich und Italien gab es schon vor dem Weltkrieg gewisse Spannungen, gehörte doch "Italia Irredenta", das unbefreite Italien zur Donaumonarchie. Der österreichische Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorff propagierte bereits um 1912 einen Präventivkrieg gegen Italien.

    Die italienische regierung fuhr eine Politik des "Sacro Egoismo" und versuchte von beiden Seiten, von den Alliierten und den Mittelmächten, Zugeständnisse und Territorialforderungen zu fordern. Trotz Zugehörigkeit zum Dreibund hatte Italien schon vor dem Krieg mit der Entente geliebäugelt, und wenn Außenminister Giuliano anfangs einen Sieg der Mittelmächte erwartete, verhandelte man schon im August 1914 über territorialforderungen bei einem Kriegseintritt Italiens. Das Trentino, Istrien, Triest, Südtirol und Dalmation standen bereits auf der Wunschliste der Italiener.

    Die Österreicher waren bereit, den Italienern große territoriale Zugeständnisse zu machen, und die Deutschen wollten sogar als Kompensation einen Teil Schlesiens an die Donaumonarchie zurückgeben, doch trat Italien dann 1915 doch auf Seite der alliierten in den Krieg ein.

    Allerdings waren die militärischen Erfolge der Italiener äußerst bescheiden. In 11 Isonzooffensiven rannten sie immer wieder gegen die Linien an, und im Herbst 1917 gingen Deutsche und Österreicher zum Gegenangriff über und warfen die Italiener bis zur Piave zurück, wo dann die Front gehalten werden konnte. Ernest Hemingway diente als sanitäter auf Seiten der Italiener, Erwin Rommel erhielt 1917 den Pour le Merite für den Sturm auf den Monte Matajur.
     
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  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Auch die Erwartungen an Rumänien wurden enttäuscht, denn immerhin war Rumänien seit 1883 mit Österreich-Ungarn und den Deutschen Reich vertraglich in einen Dreibund verbunden. Wilhelm hatte könig Carol noch extra telgraphiert und mitgeteilt, das er auf dessen "aktive Unterstützung durch Ausführung des geschriebenen Vertrages rechne." (1)

    Die Alliierten haben es verstanden Rumänien auf ihre Seite zu ziéhen, noch dem man monatelang um die territorialen Zugeständnisse verhandelt hat. Rumänien sollte für sein Engagement auf Seite der Allierten Siebenbürgen, des Banat und von Teile der Bukowina erhalten. Am 27.08.1916 erklärte Rumänien den Deutschen Reich den Krieg.

    Auch auf Griechenland setzte man einige Hoffnungen, war doch König Konstantin der Schwager Wilhelms. Konstantin teilte aber mit, das er gedenke strnege Neutralität zu wahren und sich für den Erhalt des Status Quo auf dem Balkan einsetzen will. Wilhelms Begeisterung hielt sich in überschaubaren Grenzen. Na ja, am 29.06.1917 erklärte Griechenland dann den Deutschen Reich den Krieg.
    en dann Griechland


    (1) Röhl, Wilhelm II Der Weg in den Abgrund, S.1167, München 2008
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2009
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich würde anfügen, dass Italien zu dieser Frage der Festlegung auf eine Seite auch innenpolitisch in zwei Lager geteilt war, die das Tauziehen um den Kriegseintritt bestimmten.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Die Italiener waren ja 1918 gar nicht zufrieden, was sie schließlich erhielten, während Rumänien sein Territorium praktisch verdoppeln konnte. Rumänien bestand 1914 praktisch nur aus der Walachei und Moldava, natürlich dazu ein Teil der Dobrudscha, die Rumänien im 2. Balkankrieg von Bulgarien annektierte. 1919 kamen Siebenbürgen (Transsilvanien),das Banat die südliche Bukowina und Bessarabien, das heutige Moldavien dazu. Teile von Nordtranssilvanien mussten die Rumänen 1940 i Wiener Schiedsspruch an Ungarn abtreten und Bessarabien an Stalin.


    Beide, Rumänen wie Italiener taktierten vorsichtig und versuchten zu einem günstigen Zeitpunkt in den Krieg einzutreten. Die Italiener 1915, als Österreich- Ungarn an der Ostfront gebunden war und Rumänien zu einem noch bedrohlicheren Zeitpunkt, als die Ostfront 1916 bei der 1. Brussilowoffensive beinahe zusammenbrach und die Deutschen an der Westfront mit der Sommeschlacht konfrontiert wurden.

    Dennoch haben beide die schlagkraft der Mittelmächte unterschätzt. Trotz anfänglicher Geländegewinne in Siebenbürgen wurde Rumänien relativ schnell besiegt in einem Feldzug, der noch einmal ein klassischer Bewegungskrieg war. Im Dezember 1916 eroberten die Mittelmächte Bukarest und besetzten fast ganz Rumänien
     
  10. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    Günstig war der Zeitpunkt für den Kriegseintritt Rumäniens nicht wirklich. Die Regierung Bratianu hat so lange verhandelt, bis die Brussilov-Offensive ihre Kraft verloren hat. Ebenfalls hatte sich ende August die Lage an der Somme stabilisiert.
    Der rumänische Generalstab hatte auch nicht wirklich einen Plan wie mit der "Kampfgruppe Mackensen" in Bulgarien umzugehen wäre.
    Der wohl einzig günstige Zeitpunkt zum Kriegseintritt wäre im Juni 1916 gewesen.
     
  11. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Haben sie nicht eher ihre eigene Kraft überschätzt? Italien hatte zwar eine hohe Mannstärke, war aber zu keinem Zeitpunkt in der Lage das richtig einzusetzen. Und Rumänien fehlte einfach die nötige Logistik für eine Unterstützung der (wenigen) guten Fronttruppen. Ebenfalls entsprach die Ausrüstung nicht den Anforderungen.

    Solwac
     
  12. Undine

    Undine Gast

    Gab es nicht schon immer eine Anti-Grundstimmung zwischen Österreich-Ungarn und Italien, seit dem Krieg 1866?
    Überhaupt gab es den großen Reibungspunkt zwischen diesen beiden Ländern im Mittelmeerbereich, insbesondere bezogen auf die Adria und die Meerenge bei Lissa.
     
  13. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    Als man Churchill 1940 gesagt hat, dass die Italiener auf der Seite Deutschlands in den Krieg eingetreten sind, hat er gesagt "Ist eigentlich fair. Beim letzten Mal hatten wir sie."
     
  14. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Hast du eine Quelle für diese Äußerung Churchills?

    Am 16.Mai 1940 versuchte Churchill Italien vom Eintritt in dem Krieg auf der Seite des Deutschen Reiches abzuhalten. Zu diesem Zwecke schrieb er an Mussolini einen Brief, in dem er sehr an diesen appelliert, den Kriege fernzubleiben. Auch Rossevelt hat sich in den Bemühungen eingeschaltet, um Italien aus dem Kriege zu halten, aber ohne Erfolg.
     
  15. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    Irgendwann mal irgendwo gelesen. Hab' mir nur den Spruch gemerkt, weil ich ihn so passend und lustig fand.
     
  16. Undine

    Undine Gast

    Wieso hatte es eigentlich einen Dreibund zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien existiert?

    Im Krieg 1866 kämpften die Preußen und Italiener gegen Österreich-Ungarn, in beiden Ländern spielte gerade dieser Krieg insoweit eine Rolle, wie das es um die Einigung in Deutschland sowie in Italien ging.
    Die Italiener wurden in der Lombardei von den Österreichern geschlagen, dafür konnte Preußen mit einem Sieg und der Vormachtsstellung in den deutschen Staatenbund glänzen.

    Als das Deutsche Reich 1871 gegründet wird, kommt auch bald der Bund mit Österreich-Ungarn zustande, aber die Konstellation mit Italien birgt mir ein Rätsel auf. Welche Bedeutung hatte so ein Bündnis, und fanden es die Österreicher genauso wichtig, wie man dies in Deutschland erachtete?
    War es die Bismarcksche Politik, Frankreich weiter innerhalb Europas zu isolieren?

    Hätte Bismarck nicht erkennen müssen, dass ein Bündnis zwischen Italien und Österreich-Ungarn nicht von Dauer sein konnte?
     
  17. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Italien benötige Rückendeckung für seine Expansionsgelüste hinsichtlich Nordafrika. Diese Absichten mussten Italien zwansläufig im Gegensatz zu Frankreich bringen.

    Der Dreibund enthält demzufolge eine antifranzösische Spitze, die auch ganz im Sinne Bismarcks lag.

    Im Artikel IV des Abkommens erklären die Vertragspartner ihre Bereitschaft, selbst dann wohlwollende Neutralität zu bewahren, wenn sich Österreich-Ungarn oder das Deutsche Reich durch die Drohung einer macht genötigt sähen, quasi einen Präventivkrieg zu führen. (1)

    (1) Hildebrand, Das vergangene Reich, S. 79, Stuttgart 1995
     
  18. Es muss kein Widerspruch zwischen diesen beiden Äußerungen des alten Admirals Churchill bestehen.

    Ein kurzer Auszüge aus Paul Kennedy's The Rise and Fall of the Great Powers, Seite 205:

    Die Neutralität Italiens wurde natürlich vorgezogen, aber wenn schon Italien in den Krieg eintritt, kann es genauso gut auf der gegnerischen Seite stehen und dort Probleme schaffen.
     
  19. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Kann ich auch nicht bieten. Aber ich ordne es in einem anderen Zusammenhang ein. 1937 kam es zu einem Treffen von Winston Churchill und Joachim von Rippentrop in London. In diesem Gespräch versuchte Rippentrop Churchills Zustimmung zu einer deutschen Expansion in Osteuropa zu erhalten. Churchill antwortete dann trocken:

    «Wenn Sie von Krieg sprechen, so dürfen Sie England nicht unterschätzen. Es ist ein seltsames Land, und nur wenige Ausländer können seinen Charakter verstehen. Urteilen Sie nicht nach der Haltung der gegenwärtigen Regierung . Wenn sich einmal dem ganzen Volke ein großes Problem stellt, dann könnte gerade diese Regierung oder das britische Volk ganz unerwartet reagieren. Unterschätzen Sie England nicht. Es weiß sich zu wehren. Wenn Sie uns alle in einen neuen Weltkrieg stürzen, wird England die ganze Welt gegen Deutschland einigen, wie das letzte Mal."

    In seiner Antwort hat Rippentrop wohl auf die starke Militärmacht seines Verbündeten Italien hingewiesen. Daraufhin antwortete Churchill dann mit den von Loudon zitierten Satz. Vielleicht ist das in Churchills Buch "the 2nd world war" enthalten. Im Web kann ich es jedoch nicht finden. Aber mehrere deutsche Zeitungsautoren haben sich in Kommentaren oder Beiträgen auf diesen Dialog bezogen.
     
  20. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Bei einem legendenumrankten Mann wie Churchill weiss man nie... Aber es wird z. B. auch hier kolportiert: Churchill and the Italian Campaign - The Churchill Centre.
     

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