Bürgertum während der Industrialisierung

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von Gast, 25. Januar 2011.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo Leute,
    Ich muss in kürze ein Referat über das Alltagsleben der bürge während der industrialisierunng halten. Ich habe schon einiges recherchiert, aber nur wenig gefunden.
    Ich wäre sehr dankbar, wenn ihr mir etwas zu diesem Thema sagen könnt
     
  2. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Zunächst einmal:

    Wenn wir vom Bürgrtum sprechen, dann dürfte in diesem Zusammenhang die städtische Bevölkerung mit Ausnahme der Arbeiter(klasse) gemeint sein.

    Bürger und Arbeiter waren die treibenden Kräfte der Industrialisierung (mit teilweise entsprechender staatlicher Förderung), während Adel und Landbevölkerung weiterhin den eher traditionellen Linien folgten.

    Während die Arbeiter zur Industrialisierung vor allem ihre (körperliche) Arbeotskraft beitrugen, leistete das Bürgertum seinen Beitrag in Form von Kapital und auch Arbeitskraft, allerdings eher geistiger Natur. Die Industriellen entstammten nahezu? ausschließlich dem Bürgertum. Auch die Angestellten und ein großer Teil der Beamten rechnete sich dem Bürgertum zu.

    Landbevölkerung und Arbeiterschaft dürften wenig freie Zeit gehabt haben, um sich mit "swchönen Dingen" zu beschäftigen. Das Bürgertum war da etwas freier und auch wirtschaftlich i. d. R. besser gestellt, auch wenn es da innerhalb des Bürgertums erhebliche Unterschiede gab.

    Ein Gesichtspunkt, unter dem sich das Bürgertum von der Arbeiterklasse abzugrenzen versuchte, war die Bildung. Zumindest im gehobenen Bürgertum war es nicht unüblich, die Kinder (vor allem die Söhne) auf höhere Schulen zu schicken. Auch zu Hause war sicherlich ein Tel des Alltagslebens darauf ausgerichtet, seine Zugehörigkeit zum "Bildungsbürgertum" zu demonstrieren. Lesen und musizieren waren wohl dazu ganz geeignet. Außerdem war die Bildung für das Bürgertum sozusagen der Weg zum sozialen Aufstieg. Wer es geschafft hatte, z. B. Professor zu sein, der hatte im öffentlichen Ansehen mit dem Adel fast gleichgezugen. Zumindest im Großbürgertum hatte die Bildung somit wohl auch im Alltag einen hohen Stellenwert.

    Wer es sich leisten konnte, hatte ein oder mehrere Dienstmädchen (das war dann aber schon die bürgerliche Oberschicht) für die Hausarbeit und natürlich als Statussymbol. Kleinbürgern war dies eher nicht möglich, aber auch da versuchten viele, sich insbesondere von den Arbeitern abzugrenzen, auch wenn sich deren Leben vielleicht gar nicht so sehr von dem eigenen unterschied. Man versuchte seinen Status halt irgendwie auch äußerlich herauszustellen, und wenn es nur durch eine halbwegs ordentliche Kleidung (möglichst ohne Flicken :D) und Tragen eines Huts an Stelle der Mütze des Arbeiters oder den sichtbaren Besitz einer Taschenuhr war.

    Eine Anekdote noch am Rande:

    Meine Oma war als junges Mädchen Dienstmädchen bei einem Regierungsrat (muss so kurz nach dem ersten Weltkrieg gewesen sein). In der Wohnung wohnte auch der Schwiegervater, ein Baron, die ganze Familie und eben das Personal. Die Zeiten nach dem Krieg waren nicht so einfach, als dass sich die Herrschaften zwei standesgemäße Wohnungen hätten leisten können, aber Personal musste sein.

    Gespart wurde, wo es ging. Das Geld wurde für die spätere Ausbildung der Kinder zurückgelegt. Die Bedeutung einer guten Bildung für den zukünftigen Status der Kinder war bekannt, was auch zur Folge hatte, dass man sich ganz unkatholisch in der Anzahl der Kinder beschränkte. :pfeif:

    Zur Sparsamkeit: Meine Oma musste des Öfteren die kleinen Schrazen der Herrschaft beaufsichtigen und den oder die Kleinsten im Kinderwagen spazierenfahren. Sie hatte gerade meinen Opa (ihren späteren Ehemann) kennengelernt und man nutzte dies zu gemeinsamen Spaziergängen. Der Kinderwagen muss so alt und ranzig gewesen sein, dass sich mein Opa richtig geniert hat (und der war einfachster Herkunft aus dem bayerischen Wald und war somit wirklich nicht verwöhnt, was materielle Dinge betrifft :)).

    Noch was zur Sparsamkeit und zum unkatholischen... Kondome waren wohl seinerzeit nicht so billig, jedenfalls wurden diese nach Gebrauch gewaschen und zum Trocknen zur Wiederverwendung aufgehängt (es ist nicht überliefert, ob meine Oma diese Arbeit machen musste, ich vermute eher nicht). Aufgehängt wurden sie natürlich nur auf der Leine auf dem Dachboden und nicht im Garten. :devil: Sparsam waren sie also wirklich, die großbürgerlichen Herrschaften. :D

    Viele Grüße

    Bernd

    P. S. Was ich noch ganz vergessen habe: Die Geschlechterrollen waren soweit es möglich war, also zumindest im etwas wohlhabenderen Bürgertum ziemlich eindeutig definiert. Die Rolle der Frau war es - zumindest im Idealzustand -, sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern, während der Ehemann als Haushaltsvorstand für das Familieneinkommen zu sorgen hatte und das Familienvermögen verwaltete. Wenn man es sich leisten konnte, war die Frau möglichst nicht berufstätig.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2011
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