chinesische Hausierer im deutschen Reich ?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von zaphodB., 30. Mai 2021.

  1. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Ich bin hier auf was seltsames gestossen:
    In einem Verzeichnis des Amtsgerichtes Lampertheim/Südhessen ist für das Jahr 1935 ein Strafverfahren 4 PLs 1296/35; Cs 1044/36 des Finanzamts Worms vertreten durch Steuerinspektor Weissenfeldt gegen den Li Tsing Hum, Hausierer aus Tschekiang zu Köln wegen
    Übertretung und Vergehen gegen die Gewerbeordnung aufgeführt.(Die Akte dazu gibt es wohl nicht mehr)
    Tschekiang ist aber eine chinesische Provinz ,bekannt wegen ihrer Seidenproduktion.
    Die Frage ,die sich mir stellt ist,ob es in Köln zu dieser Zeit eine chinesische Händlerkolonie gab und welche Details dazu bekannt sind.
    Ich hab nix dazu gefunden, kann mir aber nicht vorstellen, dass sich die Kreisfinanzbehörden mit einfachen Hausierern beschäftigt haben .Das waren eher ortspolizeiliche Aufgaben.
    Könnte es sich möglicherweise um einen Handlungsreisenden einer chinesischen Im- undExport-Firma mit Sitz in Köln handeln, den man abschätzig als Hausierer bezeichnet hat ? Und wie sahen diese Handelsbeziehungen aus ? Vielleicht wissen Kölner Forenmitglieder da ja mehr
     
  2. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Eine Publikation die dir vielleicht weiter helfen könnte:
    Friedrich, K.-P. (2015): Chinesische Handelsreisende im Kreis Frankenberg unter dem Nationalsozialismus. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte u. Landeskunde, Band 120. S. 169-188
    Chinesische Handelsreisende im Kreis Frankenberg unter dem Nationalsozialismus - PDF Kostenfreier Download

    "Die in Deutschland tätigen chinesischen Handelsreisenden kamen fast sämtlich aus Südchina, entstammten überwiegend der Provinz Zhejiang. In den 1920er- und 1930er-Jahren hielten sie sich regelmäßig in Hamburg auf. Über den Hafen erwarben sie von chinesischen Importeuren Waren zum Weiterverkauf; zudem standen die Großstadt und ihr Umland bei den chinesischen »Hausierern« in dem Ruf, für ihre Waren bequeme Absatz- und Verkaufsmöglichkeiten zu bieten. Diese chinesischen Straßenhändler waren unter der Bezeichnung »Kofferchinese« bekannt."
    (S. 172)

    Im Folgenden wird meiner Erinnerung nach auf einzelne dieser Händler eingegangen, sehr interessant alles in allem, und mindestens ein "Rendezvous" mit dem Zoll war glaube ich auch dabei. Ist aber schon etwas her dass ich das komplett gelesen habe. Hier noch eine Übersicht über die Inhalte des oben genannten Sammelbandes, nebst Download-Option:
    Politik gegen „Zigeuner“ und „Landfahrer“ in Kassel im 20. Jahrhundert. Überblick und Forschungsperspektiven
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Mai 2021
    hatl, Scorpio, Maglor und 3 anderen gefällt das.
  3. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Danke für den Tip, das ist ein hochinteressanter Artikel.
    Mir war bisher unbekannt,dass es in unserem ländlichen Raum überhaupt chinesische Händler gab.
    Allerdings besitzt meine Familie ein von der Urgrossmutter geerbtes "chinesisches (dem Stempel nach aber japanisches !)Porzellanteeservice" von Anfang des 20.Jhdts(1900-1920) bei dem nicht klar ist ,wie es in die Familie gekommen ist.
    Möglicherweise kam das von einem chinesischen Händler.
    Was mich allerdings wundert ist, dass diese chinesischen Händler in den Erzählungen von Zeitzeugen aus der zahlreichen Verwandtschaft die ich noch kannte schlicht nicht vorkamen.
    Vor dem Hintergrund, dass Lampertheim, obwohl Unterzentrum und Gerichtsort, in jener Zeit noch ein Dorf war in dem jeder jeden kannte hätte das Auftauchen fremder Menschen aus "exotischen" Gegenden eigentlich Ortsgespräch sein und sich auch in den Erzählungen niederschlagen müssen.
    Ich erinnere mich selbst noch an "Kofferhändler" aus dem Odenwald, die bis Ende der 60er ein bis zwei Mal im Jahr kamen und in Heimarbeit gefertigte Handwerksprodukte und Strickwaren feilboten. Aber die waren ortsbekannt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2021

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