Chronodistichen: Zahlencodes lateinischer Inschriften in Renaissance und Barock

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von El Quijote, 27. Juli 2011.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die hier gezeigte Tafel befindet sich an einem Haus einer norddeutschen Kleinstadt angebracht, welches nach der Zerstörung des Vorgängerbaus im Dreißigjährigen Krieg an dieser Stelle errichtet wurde. Was mich irritiert, das ist der doppelt hervorgehobene Zahlencode. Kann jemand etwas damit anfangen?

    zahlen hervorgehoben.jpg

    SanCtI Matthael sanCto
    LVX praeVIa festo
    HaeC teCta In Cineres

    LVXIt abIre sVos
    E CInerIs LVCtV
    Präsens hIC aLLeVat annVs

    Vera sIt aeterno LaVsqVe
    DeCVsqVe Deo.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Juli 2011
  2. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Durch eine Umrechnungsmaschine gejagt ergibt sich die Dezimalzahl: 2012 :grübel:
     
  3. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Habs noch von Hand versucht, kam aber auf keinen grünen Zweig - bisher. Allerdings stimmt deine Abschrift nicht ganz @El, ich habe mir erlaubt, das zu korrigieren (blau hervorgehoben)
     
  4. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Ok, ein Versuch:

    Nimmt man die ersten beiden Zeilen (im verlinkten Bild) zusammen ergibt sich die Zahl: 1646,
    für die beiden letzten Zeilen ergibt sich 1648.

    Da es sich um einen Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg handelt, könnte es sich um die Bauzeit von 1646-1648 handeln.

    Edit: http://de.wikipedia.org/wiki/Chronodistichon
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Juli 2011
    1 Person gefällt das.
  5. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Also bei mir ergeben die ersten 3 Zeilen 1624 und die letzten 5 Zeilen 1721

    wer übrigens zum Treffen nach mainz kommt kann fleissig Chronogramme üben-wir haben da jede Menge davon.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Super, so langsam blicke ich durch. Egal in welcher Reihenfolge die Zahlen im Text auftauchen, einfach addieren, ja?
    Ich geh's gleich mal überprüfen.

    Interessant, dass das gleich eine ganze Literaturgattung ist. Wieder was gelernt. Super!
     
  7. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Wenn du die Zeilenaufteilung auf dem Bild nimmst, das El verlinkt hat, dann kommst du auf meine Zahlen.
     
  8. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Jein!

    Du musst nur aufpassen, ob irgendwo die Subtraktionsregel eingesetzt werden muss. Kommt zwar selten bei Chronodistichen vor, ab und an hat es aber ein Meister mal eingebaut. Ansonsten kannst du einfach aufaddieren.
     
  9. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Ja,so wird ein Schuh draus.:) :yes:
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Woran erkenne ich das denn? Hier wird ja nicht gemäß der uns bekannten Schreibung römischer Zahlen gearbeitet, IV ist 4 und VI ist 6. :confused:
     
  11. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied


    Am sichersten gehst du so vor, dass du alle Ziffern der Reihe nach aufschreibst und zu gültigen römischen Zahlen gruppierst. Für die beiden ersten Zeilen sieht das so aus:

    CI - MI - CLV - XVI
    CCI - CI - LV - XII - V

    Bis auf eine Stelle (rot) ist es ja eigentlich ganz eindeutig. Bei der markierten Stelle könnte es theoretisch auch XI und IV heißen, also 11 + 4 anstelle von 12 + 5. Hier bin von der ersten, weil einfacheren Variante ausgegangen. Das stimmt dann in aller Regel so.

    Wenn die Subtraktionsregel zum Einsatz kommt, müsste sie normalerweise sehr eindeutig zu erkennen sein, z.B. am Anfang einer Zeile.

    Gültig sind übrigens nur:
    I vor V oder X: IV (4), IX (9)
    X vor L oder C: XL (40), XC (90)
    C vor D oder M: CD (400), CM (900)


    Zu (gefühlten) 99% (bitte bitte keine Belege fordern :S) kann man die Ziffern, so wie sie erscheinen einfach aufaddieren. Mir ist bislang aber ein Beispiel untergekommen, bei dem das nicht ging. Leider weiß ich nicht mehr genau, wo das war.
     
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  12. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    bitte Belege dafür :devil::D
    Nee,aber da hast Du Recht.Die Subtraktionsregel kommt mehr als selten vor.
    Selbst am Satzanfang kann man normalerweise getrost aufaddieren.
    Im Nördlichen Seitenschiff des Mainzer Dome befindet sich der Epitaph der Familie Brendel von Homburg mit folgender schöner Inschrift über Margarethe geb.Riedesel zu Bellersheim, die das Wesen des Chronogramms erklärt:

    sI tIbI neC VItae nec fatI teMpora Constant
    CoLLIge per LongIs arte notata notIs

    luces adde decem iani septemque calendis
    utque animus vivat ,saepe precare deo

    (wenn du weder die Zeiten des Lebens noch die des Todes kennst,erschließe sie aus dem,was kunstvoll mit langen Buchstaben hervorgehoben ist.Füge den Kalenden des Januar 17 Tage hinzu und bete oft zu Gott,dass ihre Seele lebt)

    Wann ist die gute Frau also gestorben ?
    MIt DeInem LeXIkon müßtest du es erraten können.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juli 2011
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hier noch zwei weitere Chronodistichen:

    Bild0072.jpg

    HaeC saCrata Petro beLLI rVIt IgnIbIs aeDIs eXVstVM pIetas paXoVe refeCIt opVs.
    =
    1952?!?!? Das kann eigentlich nicht sein.
    CCL + LVIIII + DI + XV + V + MI + XV + CI + V:
    250 + 59 + 501 + 15 + 5 + 1001 + 15 + 101 + 5
    Bild0074.jpg

    Pro perennI Verae MIserICorDIae sIgno eXpensIs sVIs erIgebat AVgVstVs BaVarIae PrInCeps Pater PatrIae.
    =
    1751 - würde zumindest passen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juni 2013
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn man den Text zur Kenntnis nimmt, passt es dann doch: belli ruit ignibis aedis exustum ... refecit opus. Die Kirche ist 1952, nachdem sie in den Flammen des Kriegs verbrannt worden war, wieder aufgebaut worden.
     

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