Code Civil-Frauenrechte

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von rosahotti, 12. Februar 2012.

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  1. rosahotti

    rosahotti Neues Mitglied

    Hi,
    im Code Civil wird den Bürgern Gleichheit und Freiheit für alle versprochen. Zählen die Frauen auch dazu oder bilden sie wieder eine eigensständige Gruppe?
     
  2. excideuil

    excideuil unvergessen

    Der Code Civil war das erste bürgerliche Gesetzbuch auf dem Kontinent und wird gern als eine der größten Errungenschaften des Konsulates bezeichnet.
    Eine Gleichberechtigung von Mann und Frau sah dieses Gesetzbuch nicht vor:

    Dazu der Amerikaner Herold:

    "Der Code Napoléon wurde aus mancherlei triftigen Gründen kritisiert. Einige seiner fragwürdigen Züge lassen sich auf Bonapartes Einfluss zurückführen. Sie sind ohne Ausnahme antiliberal, um nicht zu sagen: reaktionär, und haben das Sozialgefüge Frankreichs für alle Zeit schwer beeinträchtigt. Dem vater wurde fast despotische Gewalt in der Familie zugesprochen, einschließlich des Rechts, sein Kind für einen Monat einzusperren; uneheliche Kinder wurden von der Erbschaft ausgeschlossen, oder hatten, im Falle ihrer Anerkennung, nur auf einen kleinen Teil Anspruch; die äußerst freizügigen Ehecheidungsgesetze der revolutionären Ära wurden beträchtlich eingeengt, in dem Bemühen, anstelle des Einzelmenschen die Familie als Grundeinheit der Gesellschaft wiederherzustellen.

    Was die Stellung der Frau betraf, so bedeutete der code einen enormen Rückfall.
    "Eine Braut", äußerte Bonaparte vor dem Staatsrat, "muss klargemacht werden, dass sie von der Stunde an, da sie der elterlichen Vormundschaft entschlüpft, unter jene ihres Gatten fällt."
    Dieser Grundsatz wurde im Code Napoléon voll ausgeschöpft: Ehefrauen unterstanden ihren Gatten, hatten kein Verfügungsrecht über das gemeinschaftliche Hab und Gut, durften keinen Besitz verschenken, veräußern oder verpfänden und solchen nur mit der schriftlichen Zustimmung des Gatten erwerben.

    Unter dem ancien régime hatten sich die verheirateten Frauen weitgehender Freiheiten, getrennter Eigentumsrechte und eines einflussreichen Platzes im Gemeinwesen erfreut. Die Revolution hatte ihre Rechte noch erweitert. Bonaparte zwang der französischen Gesellschaft seinen Standpunkt auf, dass Frauen ihr Leben lang als unverantwortliche Minderjährige behandelt werden sollten.
    "Die Frauen sollten bei ihrem Strickstrumpf bleiben", sagte er einmal zum Sohn Mme de Staëls, von der man nicht behaupten kann, sie habe viel gestrickt. Vor dem Staatsrat erklärte er: "Der Ehemann muss das absolute Recht besitzen, zu seiner Frau zu sagen: "Mme., Sie werden heute nicht ausgehen. Sie werden nicht ins Theater gehen. Sie werden die und die Person nicht in ihrem Salon empfangen; denn die Kinder, die Sie tragen sollen, werden mir gehören." Ein französischer Ehemann unter dem ancien régime wäre mit so einem Spruch nicht weit gekommen." [1]

    Und so findet sich mehr korsische Tradition im Code Civil als gemeinhin gedacht wird.

    Fast wäre der Code Civil Napoléon selbst auf die Füße gefallen:
    Nach Artikel 277 war die Trennung einer Ehe unmöglich, wenn die Frau bereits das 45. Jahr überschritten hatte. [2] Bekanntlich hatten bei der Trauung beide, Napoléon sein Alter nach oben, Josephine ihr Alter nach unten "korrigiert". Eitelkeit hat so ihre Tücken.
    Tatsächlich stand das kaiserliche Hausgesetz, namentlich der § 7 im Weg: "Die Scheidung ist den Mitgliedern der kaiserlichen Familie ohne Rücksicht auf Geschlecht und Alter untersagt." [2]
    Keine Frage, er wurde aufgehoben.

    Grüße
    excideuil

    [1] Herold, Christopher: Der korsische Degen – Napoleon und seine Zeit, Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin, Darmstadt, Wien, 1968 (1966), Seite 149
    [2] Wertheimer, Eduard von: „Der Herzog von Reichstadt – Ein Lebensbild“, J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1913, Seite 3
     
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