Das Germanische Massengrab von Alken Enge und die Knochengruben von Kalkriese

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Hermundure, 16. Juni 2019.

  1. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Bei Alken Enge wurden in den Zeitraum von 2009 - 2014 ein germanisches Massengrab des 1. Jh. n. Chr. systematisch untersucht und vollständig ausgegraben. Das Ergebnis wurde bereits 2018 veröffentlicht. Was mich dabei überrascht hat ist die Tatsache, dass es Parallelen zu den Menschenopfern im Opfermoor von Niederdorla (8 km von der Werra/Visurgis) gibt. An den menschlichen Überesten, man geht von über 380 Individuen aus, wurden zum Teil kultische Handlungen vorgenommen. Auch an den Gefangenen und Gefallenen der Varusschlacht wurden laut Tacitus kultische Handlungen vollzogen. Das lässt sich für Kalkriese bisher jedoch nicht bestätigen. Auch die Überreste von Alken Enge lagen eine Zeit lang noch an der Oberfläche bis man diese wieder begrub. Man hat bei den Toten auch keinen einzigen metallenen Gegenstand gefunden.

    https://www.spektrum.de/news/im-massengrab-einer-germanen-armee/1566884

    https://www.spektrum.de/news/archaeologen-entdecken-vier-aufgespiesste-beckenknochen/1303135
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juni 2019
  2. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    In Kalkriese wurde ja bisher auch keine der beschriebenen Martergruben gefunden. Diese dürften erheblich tiefer gewesen sein, als die gefundenen Knochengruben. Und dort wären vielleicht heute noch Knochen mit charakteristischen Spuren von Folter aufzufinden.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vorsicht, das ist die Übersetzung von Sontheimer. Im Text steht:

    Lucis propinquis barbarae arae, apud quas tribunos ac primorum ordinum centuriones mactaverant. et cladis eius superstites, pugnam aut vincula elapsi, referebant hic cecidisse legatos, illic raptas aquilas; primum ubi vulnus Varo adactum, ubi infelici dextera et suo ictu mortem invenerit; quo tribunali contionatus Arminius, quot patibula captivis, quae scrobes, utque signis et aquilis per superbiam inluserit.
    Scrobis ist eigentlich die 'Grube' oder auch das 'Grab'. Dass Sintheimer scrobes mit 'Martergruben' übersetzt hat, ist bereits Interpretation, beeinflusst durch patibula captivis: 'Galgen' oder 'Marterpfahl der Gefangenen'. Sontheimer fügt das zu einer Sinneinheit zusammen, was zwar durchaus vertretbar aber keineswegs zwingend ist. Er übersetzt:

    wie viele Galgen für die Gefangenen, was für Martergruben er habe herstellen lassen
    Grün: Tacitus Originaltext, rot: die Hinzufügungen Sontheimers.

    Das Problem, vor welches Tacitus den Übersetzer hier stellt, ist, dass er an dieser Stelle kein Verb einsetzt, wo wir gerne eines oder zwei hätten.
     
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  4. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Ungeachtet der Übersetzung: wäre denn eine Martergrube im Gegensatz zu einem Marterpfahl technisch sinnvoll? Gibt es analoge Überlieferungen aus der römischen Geschichte? So richtig konnte ich mir die Marter in einer Grube nie so recht vorstellen, mal ausgenommen, man hätte sie mit Wasser gefüllt.
     
  5. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Wenn ich "Marterpfahl" lese, dann habe ich vor dem geistigen Auge Filmausschnitte aus diversen Karl-May-Verfilmungen, wo Winnetou und Old Shatterhand am Marterpfahl stehen, oder Lucky-Luke-Comics, wo der Marterpfahl auch gelegentlich vorkommt.

    Patibulum ist laut Wörterbuch das Marterholz (auch der Querbalken bei der Kreuzigung) oder der Galgen.

    In der Tat habe ich auch Schwierigkeiten, mir vorzustellen, wozu diese Gruben benutzt worden sein sollten. Aus dem Kontext läßt sich natürlich schließen, dass es etwas unangenehmes ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juni 2019
  6. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Aus der Formulierung, dass berichtet wurde, wie viele Gruben es gegeben hätte, kann man nur schlussfolgern, dass es sich um Vorrichtungen für jeweils einzelne Gefangene gehandelt haben müsse. Massengruben in größerer Anzahl scheiden wohl aus. Trotzdem bleibt es beim Rätseln.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    quae scrobes nicht quot.
    Aber so oder so kann ich deinen Gedankengängen nicht folgen: Wo steht etwas von einzelnen Gefangenen?
    Wieviele Gefangenengalgen (ob an einem Galgen einer hing oder zwanzig, wird nicht gesagt), was für Gruben - das ist der Text. Man könnte eher anders herum argumentieren, das die Gruben groß gewesen seien. Aber auch da würde man sich in Gefahr geben den Text zu überstrapazieren.
     
  8. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Stimmt. Ich habe die Anzahl fälschlicherweise auch auf die Gruben übertragen. Aus der Formulierung "was für Gruben" könnte man natürlich vermuten, dass es bezüglich Form und oder Größe unterschiedliche Ausführungen gegeben haben wird, die wohl damals auch allgemein bekannt waren. Umso mehr wundert es mich, dass darüber nichts in den Quellen zu finden ist. Es bleibt also die reine Information, dass es Gruben gab. Und diese müssten irgendwann einmal gefunden werden. Schließlich lautet der bekannte Spruch in der Archäologie: "Nichts ist so dauerhaft, wie ein Loch im Boden"
     
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