Das legendäre Atlantis

Von der tartessischen Kultur sind bislang recht wenige Spuren ans Licht gekommen. Insbesondere der Goldschatz von Carambolo wird mit ihr in Verbindung gebracht. Die tartessische Kultur kennen wir aus griechischen - und vielleicht auch biblischen - Quellen und eines ist sicher: Tartessos ≠ Atlantis. Als Nachfolgekultur der tartessischen gilt die turdetanische. Die Turdetanier sollen nach Strabon die weisesten der Iberer gewesen sein mit einer alten Schriftlichkeit/Dichtung und sehr alten Gesetzestraditionen, sie seien aber gleichzeitig - zumindest die Bewohner im Baetis(Guadalquivir-Tal - auch vollkommen romanisiert worden. Sie hätten die Römer bei sich aufgenommen und deren Sprache vollkommen zu ihrer eigenen gemacht.

Es ist immer wieder das biblische Taršiš mit Tartessos in einen Topf geworfen worden. Im 19. Jhdt. hat man sogar eine Minensiedlung in der Sierra Morena Tharsis genannt, allerdings gibt es eine punische Inschrift aus Sardinien, die eine Seeschlacht BTRŠŠ nennt. Wenn man das als bə-Taršiš auflöst ('in' oder 'bei Taršiš'), dann wäre zu vermuten, dass Taršiš, wenn der Ortsname nicht mehrfach vorkam, eher auf Sardinien oder Korsika zu suchen ist, als in Andalusien bzw. an der Algarve oder im Alentejo.
 
Daß das von Plato im großen und ganzen erfunden ist mag ja sein, aber für mich ist die Süd-Spanien-Hypothese doch sehr herausragend.
Auch diese Hypothese zeigt wieder einmal die ganze Krux: Wenn man Platons Berichte genügend abstrahiert, interpretiert, mit Hilfsthesen versieht und alles Störende weglässt, kann man jeden beliebigen Ort als Atlantis "identifizieren".

(Wie wäre es z.B. mit Grönland? Jenseits der Säulen der Herakles, ziemlich groß. Mit den bei Platon erwähnten Elefanten sind die Moschusochsen gemeint. Die zentrale Ebene ist der Eisschild. Die Kanäle sind abrinnendes geschmolzenes Gletscherwasser und/oder Fjorde. Sonderlich fruchtbar ist Grönland heutzutage zwar nicht, aber das lässt sich sicherlich mit einem Klimawandel erklären. Jahrtausende altes Rätsel gelöst!)

Zurück zu Südspanien: Platon "meinte" mit Atlantis Land, das den Griechen (bis zur "Enthüllung" in seinen Dialogen) nicht bekannt war - nicht einmal den Athenern selbst, die sonst so stolz auf ihre angebliche ruhmreiche Vergangenheit waren und so ziemlich jede kulturelle Errungenschaft (einschließlich Erfindung der Landwirtschaft) und so ziemlich jeden bedeutenden frühen Literaten (einschließlich Homer und Tyrtaios) sich selbst zuschrieben.
Damit scheiden alle den Athenern des 5./4. Jhdts. bekannten Gebiete aus.

Natürlich kann man spekulieren, dass Platon für seine Geschichte durch irgendetwas Reales vage "inspiriert" wurde. Aber selbst wenn, macht das diese Vorlage nicht zu "Atlantis". (Ebensowenig wie man aus dem Umstand, dass bei den Klingonen in "Star Trek" manches offenkundig von Wikingern oder Samurai inspiriert ist, schließen kann, das Klingonische Reich würde im Skandinavien des späten ersten Jahrtausends oder im feudalen Japan liegen.)
 
Ich weiß, das sind Hypothesen; ich finde es jedoch schön, gerade in solchen Diskussionsforen so seinen Gedanken spinnen zu können...

Naja, man kann das ganze auch genießen, wenn man Atlantis im Bereich der Fiktion belässt.

Aber für dich vielleicht interessant: Gestern hat Quarks ein You Tube Video zu Atlantis gemacht.

Hat es Atlantis wirklich gegeben? | Quarks Dimension Ralph

Außerdem scheint Atlantis (Dame vom See) in der neuen Fantasy Serie eine Rolle zu spielen. Hab aber erst die erste Folge gesehen.

The Pendragon Cycle: Rise of the Merlin
 
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