Das Wunder von Bern.

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von heinz, 26. April 2004.

  1. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Bern, 4.Juli 1954, Wankdorf-Stadion. Fußballspiel um die Fußballweltmeisterschaft zwischen Ungarn uns Deutschland.Nach einer 2:0 Führung durch Ungarn hatte Deutschland bis zur Halbzeit ausgeglichen und Helmut Rahn hat Deuschland mit 3:2 in Führung gebracht.. Da schießt der Major Ferenc Puskas den Ball ins Netz. Kein Tor. Abseits. Wirklich Abseits?
    Es fand sich nichts, was die Abseitsentscheidung des Linienrichters fotografisch widerlegte.. Nur der deutsche Ersatzspieler Alfred Pfaff schwört vor der Kamera: "Es war ein einwandfreies Tor". Deutschland gewann 3.2.
    Die Bilder machen klar, wie deutlich die Schatten des Krieges über dem eigentlichen freudigen Ereignis immer noch lagen.
    So traurig ist in Deutschland nie gesiegt worden.Wenn Fritz Walter als Kapitän den Cup entgegennimmt, dann wirkt das, als werde dort jemand zur Schlachtbank geführt. Wie brave Soldaten, stumm und Hand in Hand, lassen die Helden von Bern das damals gesungene "Deutschland, Deutschland, über alles" über sich ergehen. Und Sepp Herberger, im durchweichten Kleppermantel auf die Schultern seiner Spieler gehoben, scheint die Ehrung abzuwehren, als sich wie ein Triumphator durch die Menge tragen zu lassen.

    Die Erweckung der Nachkriegsjugend aus der Enge von strengen Vätern("Sitz gerade") und kuschenden Müttern (" Tu, was der Vater sagt") hat in Bern stattgefunden- zumindest als Fluchtmöglichkeit in das Reich der Fantasie. Danke, Boss, danke, Fritz. Sorry, Puskas, aber der Schiedsrichter entscheidet.
     
  2. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    6 Minuten noch im Wankdorfstadion in Bern, keiner wankt, der Regen prasselt unaufhörlich hernieder....es ist schwer, aber die Zuschauer, sie harren nicht aus....wie könnten sie auch, eine Fußballweltmeisterschaft ist alle 4 Jahre und wann sieht man ein solches Endspiel? So ausgeglichen, so packend, jetzt Deutschland am linken Flügel, durch Schäfer....Schäfers Zuspiel zu Morlock wird von den Ungarn abgewehrt und Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball....er hat den Ball....verloren...diesmal gegen Schäfer...Schäfer nach innen geflankt....Kopfball.....abgewehrt....aus dem Hintergrund müßte Rahn schießen....Rahn schießt.....TOR!TOR!TOR!TOR!...............Tor für Deutschland, Linksschuss von Rahn, Schäfer hat die Flanke nach innen geschlagen, Schäfer hat sich gegen Bozsik durchgesetzt...3-2 für Deutschland 5 Minuten vor dem Spielende...halten sie mich für verrückt, halten sie mich für übergeschnappt, ich glaube auch Fußballlaien sollten ein Herz haben, sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft und unserer eigenen Begeisterung mitfreuen und sollten jetzt Daumen halten. Viereinhalb Minuten Daumen halten in Wankdorf.

    (...)

    3-2 für Deutschland nach dem Linksschuß von Rahn, der flach im linken Eck einschlug....und Schuß von Ottmar Walter auf das Tor der Ungarn aber Grosics rettet. 3-2 für Ungarn, aber jetzt wie von der Tarantel gestochen...für Deutschland, ich bin auch schon verrückt, entschuldigung, 3-2 für Deutschland und die 45. Minute ist vollendet. Es kann nur noch ein Nachspielen von einer Minute sein. Jetzt hat Fritz Walter den Ball über die Außenlinie ins Aus geschlagen, wer will ihm das verdenken....die Ungarn erhalten einen Einwurf zugesprochen, der ist ausgeführt...kommt zu Boszik....AUS!AUS!AUS! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister schlägt Ungarn mit 3-2 Toren im Finale in Bern....
     
  3. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Zitat Heinz :
    ...das damals gesungene "Deutschland, Deutschland, über alles" über sich ergehen. Und Sepp Herberger, im durchweichten Kleppermantel auf die Schultern seiner Spieler gehoben....
    ------------------------------------------------

    Haben die tatsächlich damals die erste Strophe der Hymne gesungen ? :rolleyes:
     
  4. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Eines der düstersten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Deutschland war auf die neutrale Hilfe eines Engländers, eines Walisers und eines Italieners angewiesen.
     
  5. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied




    Ich kenn das so: Die Hymne wurde gespielt, ohne dass (wie heute Unsitte) ein Sänger irgendeinen Text gesungen hätte. Meines Wissens haben das die "Fans vor Ort" gemacht. Die haben dann aber tatsächlich die 1. Strophe gesungen.
     
  6. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied



    (aus der Süddeutschen Zeitung)


    Der größte Skandal der Fußballgeschichte war viel eher die Fehlleistung eines Schweizers und eines Russen......
     
  7. Alexandros

    Alexandros Neues Mitglied

    genau Leopold! Wembley werden wir nie vergessen. Nach dem Spiel hätte man eigentlich die Schweiz annektieren müssen. Und wieso bekommt Russland überhaupt noch Wirtschafthilfe von uns?
     
    1 Person gefällt das.
  8. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Gottfried Dienst blind wie ein Fisch läuft zu Tofik Bachramow und erkundigt sich...der sagt Ball drin....

    Jahre später gibt er zu:

    Schön, kompetente Unparteiische auf dem Feld zu wissen....
     
  9. okmokm1

    okmokm1 Gast

    Ein wahrer Fußballkrimi: Im tiefsten Innern weiss jeder: es war kein Abseits; das 1954-er WM Endspiel steht bis heute 3:3. Es fanden sich doch noch Beweisaufnahmen nach sovielen Jahren, obwohl 23 der 24 deutschen Kameraaufnahmen auf wundersame Weise verschwanden.

    Zu den neuen Farbaufnahmen des angeblichen "Abseitstors": Der NDR hatte sie einmal gezeigt (Das Trauma von Bern). Die Ballabgabe sieht man zwar nicht, aber Puskas hätte mit doppeltem Salto rückwärts fliegen müssen, um bei einem Abseits in diese Position zu kommen. Demnach wars nicht nur kein Abseits: es war überhaupt kein Abseits! In den ZDF-Sendungen wurde aber eben diese Szene unterschlagen. Sogar in der 40-minütigen "Rekonstruktion" am 20.5. wars nicht drin. Ja wieso nur?

    Zum Zitat: der Schiedsrichter hatte bereits auf das Mittelfeld gezeigt, allerdings begann plötzlich der Linienrichter mit der Fahne zu fuchteln. Laut Zeitzeugen:"..wie bei einem Faschingsumzug".
     
  10. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Wenn der Schiri und sein Linienrichter sagen, es war Abseits, dann war es Abseits. Und es ist dann müßig zu spekulieren ob es nun 3-3 geheißen hätte oder nicht. Vielleicht hätten die Deutschen dann noch das 4-3 gemacht....
     
  11. okmokm1

    okmokm1 Gast

    Ja OK, es geht ja nicht nur um die Frage des Spielausgangs, sondern um die Frage der Manipulationen beim Sport allgemein und in der Berichterstattung. Ist heute leider schon Gang und Gäbe. Wo bleibt die objektive Berichterstattung? Boxkämpfe schaue ich aus diesem Grund schon lange keine mehr.
     
  12. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Dahingehend gebe ich dir natürlich recht. Nur würde ich nicht so weit gehen wollen, den Linienrichter gleich der Bestechlichkeit verdächtigen zu wollen. Strittige Entscheidungen gibt es in jeder Sportart und bei der einen eben mehr und bei der anderen weniger. Und weil das Spiel gottseidank 3-2 ausgegangen ist, wurds halt zur Legende. Meines Erachtens hat das zu viel mehr beigetragen als nur zu sportlichem Erfolg.
     
  13. okmokm1

    okmokm1 Gast

    Ich beschuldige niemanden. Ich will nur den Film sehen, der alles genau zeigt! :motz:

    Ja, ich bin ja auch im Konflikt wenn es um dieses Thema geht. Das 'Wirtschaftswunder war es "wert" aus unserer Sicht, und Stalin hätte geerntet, ohne gesäht zu haben ( wie immer). Die Ungarn waren mal wieder unter die Mühlen geraten, aber darum geht es auch nicht: es geht um die aufrichtige Berichterstattung. Ich fühle mich zunehmends von manipulierten Medien in meiner Meinungsbildung entmündigt. Jetzt, fünfzig Jahre später, könnte man mal eben eine solide und vertrauenserweckende Berichterstattung erwarten, und Manipulationen von damals nicht weiter verstecken. Mal ehrlich: wo gibt es noch sowas wie ein umfassendes und objektives Medium?
    Und wenn das Dreamteam der Ungarn unbesiegt war, dann soll es eben so sein. Wir haben schon alles gewonnen (Wirtschaftswunder, Identität, Fußballgrößen, etc.). Die Ungarn haben alles verloren. Sogar den Fußball bis in die heutige Zeit.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 4. Juni 2004
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Vorhin haben sie die Szene im ARD auch gezeigt, leider nur aus der seitlichen Hintertorperspektive. Dazu den Radioreporter live sprechen lassen. Der sagte, bevor das Tor fiel, bereits "Abseits", kommentierte aber die Szene weiter, bis zum "Tor", nach dem Tor dann noch einmal "Abseits". Also hatte er den Linienrichter wedelnd sein Fähnchen schon gesehen.

    Was dieses "Wunder" betrifft. Bis heute leidet der Nationalstolz der Deutschen daran, Kriege verloren zu haben. Seltsam, selbst nach 50 Jahren wird dieses Fußballspiel als Synonym für Auferstehung Deutschlands im Fernsehen gepredigt. "Deutschland ist wieder wer".
    Statt im Heute zu leben, die Toten der Vergangenheit ruhen zu lassen, wird immer wieder auf dem Friedhof der Geschichte gebuddelt. Und wenn schon Kriege verloren, dann eben Fussball-Weltmeister.
    "Aus aus aus - der Krieg ist aus. Deutschland hat gewonnen."

    Leider dauert das 50-jährige Jubiläum des "Wunders von Bern" noch das ganze zweite Halbjahr an.
     
  15. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Das mag das eine sein. Gut. Andererseits ist das aber eben auch ein Mythos geworden, weil Deutschland damals nicht der Favorit war (Ungarn galt als weltbeste Mannschaft und war 4 Jahre lang ungeschlagen) und weil sich die Menschen mit der Mannschaft identifiziert haben.
     

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