Datenbank und Karte Römischer Münzfunde

Eisbaer

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Hallo allerseits,

vielleicht ist es ja für jemanden interessant (fall nicht, bitte einfach ignorieren):
Charta thesauri

Aktuell sind knapp 75.000 Münzen und 2300 Horte eingetragen.
Weitere Quellen werden kontinuierlich eingebunden...(Kontaktaufnahme zu verschiedenen Behörden bezüglich Daten nach OdbL-Lizenz hat bereits stattgefunden).
 
Um räumliche Verteilungen in Bezug auf Jahreszahlen (Münzprägezeiträume) erstellen zu können wurde nun eine
25km-Gitterzellensuche integriert. Als "direkt-indirekte" Folge kann dieses (ggf.) ein Indiz dafür liefern, wo die Römer gewesen sein (können).
"Verfälschungen" entstehen natürlich durch Handel, Raub etc.

Man kann sich nun also anzeigen lassen, in welchen Gitterzellen wie viele Münztypen (abhängig vom Prägezeitraum) gefunden wurden.
Im Anhang ein Beispiel dafür.

Leider: Aktuell sind nur 75.000 Münzfundorte in der Datenbank. Das ist für eine belastbare Ableitung von "Bewegungen" natürlich viel zu wenig.
In den nächsten Monaten/Jahren werden somit (europaweit) Museen, Behörden etc. angeschrieben, um (hoffentlich) an weitere freie Daten zu gelangen.
In gewisser Weise verfolgt das Projekt also eine Vision.

Wer römische Münzfunde gemacht hat und die Standorte/Münztypen, ggf. Münzprägezeiträume übermitteln möchte (natürlich wird von hier die Quelle benannt)
gerne eine Mail schreiben, siehe:

Die Bitte wäre allerdings, dass die Daten unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden können,
z.B. Open Data Commons Open Database License (ODbL), CC0, CC BY 3.0 (ähnlich wie im Projekt https://nomisma.org/datasets)

verteilungscluster.png
 
Gemäß "Cui honos, honorem" (sinnbildlich etwa "Ehre, wem Ehre gebührt") werden in dem Projekt natürlich immer auch die Datenersteller als Quelle benannt:


quelle_1.png


quelle_2.png


quelle_3.png
 
Kritik/Anregung

Also zunächst einmal: Ich finde das Projekt toll, ich warte seit Jahren auf so etwas. Dass das viel Arbeit bedeutet, ist auch klar. Daher bitte Kritik nicht im umgangssprachlichen Sinne als negativ deuten, sondern als Anregung. Vielleicht ist die Kritik auch gegenstandslos.

1.) Mir fehlt ein Impressum (vielleicht ist es auch da und ich bin zu doof, es zu finden), ich würde einfach gerne wissen, wer dahinter steht. Damit meine ich jetzt nicht Michael Mustermann und Muriel Musterfrau, sondern halt interessierter Laie, professioneller Archäologe/Numismatiker/Historiker etc.
2.) Die Suche nach Jahren: Also angenommen ich habe einen Fundplatz A, und ich suche jetzt Münzen bis zu einem bestimmten Jahr und bekomme die dann ausgespuckt.... begehe ich da nicht evtl. Fehlschlüsse, wenn ich aufgrund der ausgespuckten Münzen taq/tpq-datiere, obwohl es spätere Münzen gibt, die mir aufgrund meiner Suchbeschränkungen nicht angezeigt werden? Oder wird dann automatisch angegeben, ja, in dem Hort sind Münzen republikanische Münzen, aber eben doch auch welche bis in Regierungszeit von Kaiser Hadrian...?
 
Hi El Quijote,

danke für Deine Anregungen. Die Kartenseite Charta thesauri ist nur eine Unterseite. Auf der Hauptseite Charta thesauri findest Du weitere Seiten, z.B. das Impressum unter Contact + Legal notice (Impressum) oder auch "About the project" unter About the project .

Hinter der Seite steckt ein begeisterter Geograph und Geoinformatiker (professionell), aber als Archäologie nur ein Laie/Hobbyforscher.

Zur Suche nach Jahren: Das ist in der Tat ein Knackpunkt und sowohl technisch als auch inhaltlich ziemlich komplex (fürchterlich komplex).
Im Augenblick ist es nur möglich zu suchen nach: Münztypen. Gibt man ein "Suchjahr" ein, dann wird in der Datenbank geschaut: "Liegt das eingegebene Jahr zwischen "Prägezeit Datum von" bis "Prägezeit Datum bis". Die entsprechenden Münztypen werden dann ausgegeben. Im Suchergebnis wird in der Tat nicht dargestellt: "An dieser Stelle wurden aber auch Münzen eines späteren Zeitraumes gefunden".
Dennoch gibt es dafür eine Lösung in der Karte:

Die aktuell vorhandene Münztypus-Suche (Punkt-Suche) liefert also Treffer in der Karte als "gelbe" Objekte aus (Suchtreffer des Layer "Coin Search Results"). Du kannst in der Kartenanwendung zu den jeweiligen "Treffer-Orten" navigieren, dann rechts oben in der Karte den Layer Coin Search Results temporär deaktivieren und anschließend auf die roten Punkte (hoards) an der jeweiligen Stelle klicken (sofern vorhanden, die Karte unterscheidet zwischen "hoards" (rot) und "einzelmünzen" (orange)). Dann werden Dir ALLE Münztypen, die in dem Hort lagen, gezeigt. Ist etwas umständlich, geht aber...

Wenn man also recherchiert, dann wird man aktuell (vermutlich) in der Kartendarstellung zwischen "Coin Search Results", "Grid Search Results" und Darstellung "Roman CoinHoard finds" wechseln und per Mausklick zusätzliche Infos zu den Lokalisierungen anklicken. Dann weiss man genau, ob an dem Ort auch Münzen früherer oder späterer Prägezeit gefunden wurden. Generell gilt in der aktuellen Karte schon jetzt: Klickt man mit der Maus auf ein "rotes Symbol" (Hort), dann wird in der Ausgabe ein "Date range" ausgegeben, z.B. Date range: -10 to 392.

Deine Idee finde ich aber gut. Ist allerdings technisch ziemlich anspruchsvoll. Im Prinzip müsste ja nach einem "Münztypus-Treffer" (egal ob "Gitterzellen-Suche" oder "Punkt-Suche") zusätzlich in den Suchergebnissen geprüft werden: "Gibt es an dieser Stelle auch noch Münztypen einer früheren/späteren Münzprägespanne" und dieses als Hinweis auf den Gesamthort ausgegeben werden. Ich schaue mal, ob sich das technisch irgendwie realisieren lässt. Wird aber sicherlich 3-4 Wochen dauern, im Augenblick tickern hier viele Münzmeldungen rein, die in einer bestimmten Struktur in die Datenbank gebracht werden wollen.

Achtung: Die Seite sucht generall nach gefundenen Münztypen und enthält keine Angabe zu der gefundenen Anzahl der Münzen. Eine Info: "Dieser Hort enthält 67 Münztypen" sagt nur aus: Hier wurden 67 unterschiedliche römische Münzen (Münzarten) gefunden. Es sagt nichts darüber aus, wie viele Exemplare von einem Münztypus gefunden wurden. Warum? Die Datenlage dazu ist ganz fürchterlich schlecht. Insgesamt ist die Datenlage eh "so la la", weil allgemein fürchterlich viel (z.T. sehr alte) Sekundärliteratur bei Münzfunden ausgewertet wird, die Datenbanken der unterschiedlichen Qellen (z.B. OCRE, CRRO etc. etc.) unterschiedlich konzipiert wurden und und und...
 
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Zumächst einmal gilt, dass es nicht darum gehen sollte, eine neue Datenbank aufzubauen, keine Daten hin und her zu kopieren, sondern darum, bereits vorhandene Datenbanken zu integrieren und für den interessierten Anwender zugänglich zu machen.
Es gibt eine ganze Anzahl wissenschaftlicher Datenbanken, z.B.:


Ich habe früher selber Datenbanken programmiert und verwaltet, mit der Datenbankprogrammiersprache SQL.
Und da gilt: Daten nicht mehrfach speichern, sondern Daten eineindeutig (schrecklicher Begriff) zuzuordnen, wie auch der Name relationale Datenbank sagt.

Die Anwender haben Nutzen dann, wenn sie einen Blick auf (und das schimpft sich dort View) bzw. leicht anwendbare Benutzeroberfläche für bereits vorhandene Daten erhalten.
 
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Hi "Pardela_cenicienta", ja, in der Theorie hast Du schon Recht, in der Praxis ist es jedoch (leider) anders.

Die meisten Datenbanken (egal ob numismatische Kommission, CCRE, OCRE etc.) bieten keinerlei externe Schnittstellen zu SQL-Befehlen (auch im Charta-thesauri-Projekt wird mit SQL gearbeitet). Sie bieten (wenn überhaupt) "Teilschnittstellen" (oft defekt) zu einem Output über REST- oder SOAP-Schnittstelle. Ein Beispiel dafür ist dieses hier: Nomisma.org Data

Will sagen: Es ist technisch (im Augenblick) leider nicht realisierbar eine Suche basierend auf mehreren verteilten Datenbanken durchzuführen, zumal dieses mit einer sehr hohen Wartezeit (so langsam wie der langsamste Server in dem Datenkonstrukt) verbunden wäre. Dazu kommt: Viele Daten sind in Bezug auf die unterschiedlichen Datenbanken redundant oder nicht vergleichbar (aufgrund unterschiedlicher Datenmodelle).
Es werden zudem bei den vorhandenen Datenbanken teilweise ganz unterschiedliche Technologien eingesetzt (von Oracle über Access bishin zu MariaDB), was in unterschiedlichen SQL-Dialekten mündet.
Nomisma.org z.B. basiert nicht auf einer klassischen relationalen Datenbank (wie MySQL/PostgreSQL), sondern primär auf einer RDF-/Linked-Open-Data-Struktur – also einer Graphdatenbank bzw. einem sogenannten Triplestore.

Will man Informationen über EINE Plattform einheitlich darstellen, so kommt man also nicht umhin, Daten zunächst zu bündeln (sofern es die Lizenzmodelle ermöglichen).

Das hat hier ganz schön ins Schwitzen gebracht (und bringt es immer noch). In diesem Falle gilt jedoch leider: Will man eine saubere objektrelationale Datenbank haben, die eine Vielzahl von unterschiedlichen Datenquellen integriert, die zudem auch die klassischen Normalisierungsregeln beachtet (1., 2. und 3. Normalform) und dieses zudem noch mit einer angemessenen Geschindigkeit kombinieren, so bleibt leider nur der Aufbau einer einheitlichen neuen Datenbank, die zudem auch über räumliche Indizes verfügt (sonst wäre die Karte grottenlangsam).
 
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Wer hätte das gedacht...
Es sind so viele Datenbanken/Meldungen/digitale Dokumente hier eingereicht worden, dass
es die nächsten Monate gesichert nicht langweilig wird. Und der Strom reisst nicht ab...

Es ist sehr wahrscheinlich, dass wohl deutlich über 20.000 Hortfunde (und zigtausende Einzelmünzen) hier als geolokalisierte Einträge übertragen werden können.
Dier Gesamtzahl der Münzen wird sicherlich im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Heute einige Tausend Einträge in die Karte aus Polen und der Ukraine eingebaut. Ist schon beeindruckend, wo die Münzen überall gefunden wurden.
Ist immer ein ziemlicher Akt, weil die Daten natürlich "so gut wie möglich" überführt werden sollen (Valide, möglichst keine Redundanzen etc. etc.)
und jede eingereichte Datenbank ihre eigene Struktur/Logik hat (man muss aufpassen, dass nicht Äpfel und Birnen verglichen werden).

Ja, und dann gibt es noch die Meldungen aus Deutschland bzw. der eigenen Region (teilweise mit Quellenangaben (Fund) bis ins 18. Jahrhundert), die einen regelrecht in einen Bann ziehen...
Bei einigen Details bleibt einem die Spucke weg. Wenn das alles aufgearbeitet ist, dann landen auch diese Einträge in der Datenbank.
Werde heute wohl mal meine verstaubte Metallsonde vom Dachboden holen und mir einiges mal genauer ansehen...

Trotzdem gilt (generell): Bei allen Daten sind natürlich auch mal Irrläufer dabei.
 
Werde heute wohl mal meine verstaubte Metallsonde vom Dachboden holen und mir einiges mal genauer ansehen...
Laaaaangsam! Wenn die Metallsonde "verstaubt" ist, dann hast du vermutlich keine aktuelle Sondelerlaubnis. Also bitte erst mit den jeweiligen Behörden oder Körperschaften und den Landbesitzern sprechen. I.d.R. ist es relativ leicht möglich, kartiertes Gebiet bei den entsprechenden Körperschaften oder Behörden einzureichen, wenn man auch mit dem Landbesitzer gesprochen hat, dann kann man auch auf den Acker (wenn da nicht gerade das Getreide steht). Also bitte die Regeln einhalten und Fund vorlegen!!!

Ich wäre auch vorsichtig mit den älteren Angaben. Gerade dort, wo die Münzen nicht erhalten und über den Verbleib nichts bekannt. Da werden Münzen, die gar nicht römisch sind, als römisch geführt und durch die ostwestfälische Literatur geistern auch ein paar Münzfunde, die als Hoax anzusprechen sind, getrieben von dem Wunsch, die Varusschlacht im Eggegebirge zu verorten. Da sollen dann auch Funde von Münzen eines ARMINIUS mit Porträt und Suebenknoten gemacht worden sein, die angeblichen Funde sind aber nicht auf uns gekommen und außer dort ist diese angebliche Münze - oh Wunder! - unbekannt geblieben.... Trotzdem geisterten sie mindestens bis in die 1990er Jahre durch die pseudeowissenschaftliche Literatur.
 
Da mach Dir man keine Sorgen, selbstverständlich habe ich eine Sondelgenehmigung und kenne die Regeln!!

Ja, mit älteren Angaben ist das so eine Sache, letztlich eigentlich mit fast allen Angaben. Überall kann (theoretisch) eine "politische Motivation" zur Verortung von historischen Begenheiten stecken. Interessant wird es jedoch dann, wenn ähnliche Ergebnisse in unterschiedlichen Quellen auftauchen (am besten mit langen Zeiträumen dazwischen), die dann noch räumlich nah beinander liegen. Kann was heissen, muss aber nicht...
 
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