Denunziationen gegen Richter und Henker

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von paracelsus, 7. April 2006.

  1. paracelsus

    paracelsus Neues Mitglied

    Was ich mich immer frage: Warum gab es eigentlich nicht viel mehr Besagungen gegen das Gerichtspersonal selbst? Das wäre doch die beste Möglichkeit für die Angeklagten gewesen, sich für ihre Verurteilung zu rächen. Mir ist klar, dass man es wohl besser unterließ, den Henker unmittelbar auf der Folter anzuzeigen, denn dann hätte er gewiss vor Zorn nur noch fester angezogen. Aber danach, zur einer Zeit, da das Urteil bereits feststand?
    Verhängte man gegen solche Besagungen irgendwelche spezifischen Maßnahmen (dass man zum Beispiel die jeweiligen Denunzianten dafür bei lebendigem Leibe verbrennen ließ) oder gab es tatsächlich einige dergleichen, die nur von den Gerichtsteilnehmern (verständlicher Weise) vertuscht wurden und so nie an die Öffentlichkeit gerieten?
    LG, paracelsus
     
    1 Person gefällt das.
  2. Simonn

    Simonn Neues Mitglied

    Das hat es sicher mal gegeben, und dann ist man danach gegangen, ob der Richter, Henker etc. ein wichtiger Mann war (z.b. der Großinqiusitor) oder nur ein einfacher Mann war. Der "Hexe" hat man dann natürlich geglaubt, was sie gesagt hat, denn sie war ja ganz sicher auf dem Hexensabbat.:hmpf: (Allerdings nur, wenn der Richter einfach war.)
    Ich hoffe ich habe dir geholfen.
     
    1 Person gefällt das.
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mir sind aus dem Spätmittelalter und Frühneuzeit Klagen gegen Henker bekannt, die aber weniger aus so verqueren Motiven wie aus den Verfolgern die Verfolgten zu machen, sondern aus ökonomischen Motiven heraus geboren sind. Dazu muss man sich zunächst einmal die mittelalterliche Rechtspraxis vor Augen führen:
    Weshalb folterte man? Es ging darum, Geständnisse zu erhalten und möglicherweise Details eines Verbrechens zu erfahren, was sonst nicht zu beweisen war, weil die kriminologischen Mittel eben noch nicht soweit waren. Deshalb durfte die "peinliche Befragung" angewandt werden, um so an die Wahrheit zu kommen. Manchmal soll schon das Zeigen der Instrumente, was in einem rechtmäßigen Prozess der peinlichen Befragung voraus ging, die Zunge schon zuvor gelöst haben. Was passierte aber nun, wenn ein Delinquent sich weigerte zu gestehen und sich schließlich als unschuldig heraus stellte? Nachdem er gefoltert worden war?! Er durfte keine dauerhaften Spuren der Folter haben, musste also gesund gepflegt werden. Dies taten die Henker (die neben dem "Amt" als Henker noch viele weitere Aufgaben z.B. der Stadthygiene übernahmen). Die Scharfrichter entwickelten sich daher durch ihre medizinische Praxis mit zu den erfolgreichsten Ärzten, die auch von der städtischen Bevölkerung gerne in Anspruch genommen wurden, statt der quacksalberischen studierten Mediziner, trotz ihres Status' als "Unehrliche". Und hier sind wir wieder am Anfang angekommen: Die Chirurgen sahen ihre ökonomische Existenz durch die Scharfrichter bedroht und brachten dies wiederum gegenüber den Behörden zur Anzeige.

    Nowosadtko, Jutta: Scharfrichter und Abdecker. Paderborn 1994.
    Frank Meier: Gaukler, Dirnen, Rattenfänger. Außenseiter im Mittelalter. Ostfiltern-Ruit 2005.
     

Diese Seite empfehlen