Der Ba'al-Melkqart bzw. Herkules-Tempel bei Gadir/Gades

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Carolus, 18. Dezember 2021.

  1. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Wie werden die denn eigentlich datiert, weißt du das zufälligerweise? Mein Besuch des Museums (und der herrlichen Stadt – ach ja, der Corona-Blues :confused:) ist leider schon wieder ein paar Jahre her. Beim Herkules gibt es eine höchst bizarre/amüsante chronologische Kontroverse 5. Jh. v. Chr. (in diesem Fall natürlich mit sekundärer Inschrift) vs. 2. Jh. n. Chr.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Einer ins 8. oder 7. Jhdt.
    http://www.museosdeandalucia.es/web...TANCE_GRnu6ntjtLfp_cur=3&inheritRedirect=true
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    [​IMG]

    Frappierend:

    hercgad.png

    Auch mal auf due Inschrift im Unterbauch achten: HC - Hercules Gaditanus
     
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  4. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Putzig fand ich dass die Beschreibung von der rechten Hand spricht, die die Äpfel der Hesperiden hält. Es ist die linke... Klaro, Herkules ist Linkshänder, wie ich. Und dass die Staue in einem sehr schlechten "estato de conservación" sei. Hier ist sogar das Lippenrot und das Weiß der Augen sichtbar! Eine exzellente römische Kopie, vielleicht schon in der Antike abgegriffen durch die Berührungen der Gläubigen.
    Sind die kleinen markierten Rechtecke und die Aufstempelung "H G" Restaurierungen der Renaissance?
    Interessant auch: sowohl die Statue als auch die Goldmünze des Traian haben wechselseitige Bezüge zur Ikonographie des Herkules und der Selbstdarstellung des Kaisers. Herkules in der Überformung durch die Portraits des 2. Jahrhunderts, Traian wiederum in der Selbstdarstellung als Herkules.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2022 um 04:03 Uhr
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  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das ist Kaiser Hadrian: Imp. Caesar Traian(us) Hadrianus Aug.
    Nach seiner Adoption hieß er Traianus Hadrianus.
    Er sieht auch optisch aus wie Hadrian. Traian sah ganz anders aus.
     
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  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da hat er Verfasser wohl nicht vom Objekt aus beschrieben, sondern von sich aus. Klassischer Anfängerfehler (war wohl ein Praktikant).

    Man hält die Figur für eine einigermaßen exakte Kopie der Tempelfigur, die als Votivstatuette geopfert wurde. Daher auch die Darstellung der Münze, die wiederum die Tempelstatue darstellt. Dort sehen wir, dass Herkules sich mit der rechten auf seine Keule stützt.

    Als Votivstatuette wohl eher nicht.


    Die Figur wurde 1984 von Locals (Sondengänger?) gefunden und 1992 dem Archäologischen Museum vermacht.
    Ramón Corzo Sánchez: Sobre la imagen de Hercules Gaditanus. In: Romula 3, 2004:

    Junto con el lote de bronces fenicios aparecidos en 1984 en Sancti-Petri, se encontró otra escultura de bronce, de estilo completamente distinto, que pasó varios años en manos de aficionados locales hasta que fue entregada hacia 1992 al Museo de Cádiz. En este caso, no hay ninguna duda de que se trata de una representación de Heraklés, tanto por el tipo físico como por los frutos que sostiene en la mano izquierda, pero la calidad de la figura y sus rasgos iconográficos son verdaderamente excepcionales.
    Sobre la imagen de "Hercules Gaditanus" | ROMULA


    Auf der Münze sehen wir das Tempelgebäude mit der Herkulestatute, darunter eine Darstellung von Neptun-Poseidon, auf einer sehr ähnlichen Silbermünze sieht man noch Schiffsrümpfe, eine Leiter(?) und einen Rammsporn.


    [​IMG]


    Hier offenbar flankiert von zwei Priestern:


    [​IMG]

    Links ein Teil eines Schiffes, Mitte die Leiter(?) und rechts wohl Neptuns Kopf. Was mich wundert, ist dass die mutmaßlichen Priester genauso groß dargestellt sind, wie die Tempelfigur. Selbst wenn diese nur menschengroß gewesen wäre, hätte man doch sicherlich bedeutungsperspektivisch gearbeitet.
     
  7. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Die Bronzepflaster sind Teil einer/von antiken Reparatur(en); antik ist auch die geritzte Inschrift, sicherlich H(erculi) G(aditano) im Dativ. Dass die unmittelbar auf den Statuenkörper gesetzt wurde, ist nicht ganz so unüblich wie es vielleicht scheint. In der Archaik war das eine v.a. im ionisch-kykladischen Raum verbreitete Praxis, die in der Kaiserzeit verschiedentlich als Archaismus wieder aufgegriffen wurde (s. zB Jüngling vom Magdalensberg – Wikipedia ). Die Statuette muss in der Tat einst ein exzellentes Stück gewesen sein, deswegen wohl auch die konservatorischen Bemühungen.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Als würdest du mir widersprechen, wenn ich annehme, dass die Statuette als Votivgabe dem Zugriff der Gläubigen eher entzogen war?
     
  9. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Ich vermute, es handelt sich um die Hesperiden, ich mag mich aber auch täuschen.

    Gute Frage, die Statuette war sicherlich gesockelt und damit jedenfalls kein Objekt, das ständig in die Hand genommen wurde. Also nein, ich widerspreche nicht, würde mir nicht einfallen ;) Möglicherweise rühren die Pflästerchen auch vom Fertigungsprozess her, dann gab es beim Guss viele Lufteinschlüsse, die man ausbessern wollte – erscheint mir nun fast wahrscheinlicher.

    N.B. Wie so eine Kultstatue realiter aussah, illustriert übrigens vorzüglich der sog. Hercules Aemilianus vom Forum Boarium in Rom (Hercules of the Forum Boarium - Wikipedia ).
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich frage nach, weil ich mich aus dem PS Alte Geschichte erinnere, dass (nichtessbare) Votivgaben idR vergraben wurden, sobald kein Platz mehr war. So habe ich auch die Fundumstände verstanden. Daher ist mir die Vorstellung, dass die Figur nach dem Kauf beim Devotionalienhändler und ihrer Opferung im Tempel noch dem Zugriff von Gläubigen ausgesetzt war, fremd. Du könntest hier ein falsches Bild, welches ich 24 Jahre konserviert und gepflegt habe, korrigieren.
     
  11. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Herausragende Votivgaben und Gaben von Prominenten wurden durchaus ausgestellt. Denk nur an Delphi. Und Geschichtsschreiber erwähnen ja solche prominenten und alten Kultgeräte, Votiv- und direkte Opfergaben mitunter. Und ich meine mich zu erinnern, dass andere Votivgaben zumindest eine festgelegte Zeit lang vor dem Vergraben ausgestellt wurden. Da gab es aber natürlich auch große Unterschiede von Kult zu Kult.
     
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  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich nehme an, dahinter verbirgt sich in erster Linie Pausanias?
     
  13. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Auch Herodot und andere. Im Zuge der Christianisierung müssten auch zerstörte Gaben erwähnt werden. Selbst in der Bibel werden sichtbar auszustellende Votivgaben erwähnt und zwar nicht nur für 'heidnische' Tempel. Die berühmten goldenen und bronzenen Schilde etwa. Ich habe die Stellen aber nicht im Kopf.
     

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