Der deutsche Schiffbau

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Köbis17, 16. Oktober 2010.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ein Thema, dass in den letzten Jahren wirtschaftlicher Natur zerschlagen wurde.
    Die Tradion des Schiffbau war der deutschen Nation nicht in die Wiege gelegt, sind doch die geringen Küstenstreifen nicht dem Sinn einer Seeherschaft in jeder Art angemessen.
    Dennoch ist gerade die Qualität dieses Handwerks auch heute noch hoch angesehen.
    Darum möchte ich mit einfachen Worten eine Diskussion über diesen ohne Zweifel zur deutschen Geschichte gehörenden Wirtschaftszweig von der Helling brechen.

    Frühe Tradion?

    • erste Märkte oder die (deutschen) Häfen und Werften der Hanse

    • Friedrich Wilhelm als Peter der Große Brandenburgs?
    Späte Tradion?

    • Schiffe wurden nicht mehr gezimmert, sondern geschmiedet: Vulcan

    • Überseehäfen und die Rolle Hamburgs und Bremens

    • Schnelldampfer für eilige Passagiere, langsame Frachtdampfer für den Gütertransport

    • Der deutsche Schiffbau: entwickelte sich mehr und mehr zu einem Zweig der Rüstungsindustrie?

    • deutscher Schiffbau in einem Jahrhundert zwei mal zerschlagen und dennoch wieder auferstanden, um dem Zahn der Zeit zu unterliegen...Qualität vor Quantität?
    Wer Lust hat, einfach dieses Thema durch meine Anregungen in Beiträge treiben zu lassen, ist herzlich willkommen. Leinen los...

    PS: Geheimnisse und neue Theorien kommen nur durch Gedankenfreiheit zu Tage, dass gilt auch für die Geschichte, die Geschichte ist um Sie in unbekannten Geschichten darzustellen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Oktober 2010
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  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Es gibt eine interessante Arbeit von Flügel zu diesen Bereichen, die versucht, alle Aspekte von den Häfen über Schiffbau bis zu den Reedereien abzudecken: "Die deutschen Welthäfen Hamburg und Bremen" (1914), 395 Seiten.

    Buchform ist zwar schöner, aber die gibt es auch digital hier (22MB):
    Die deutschen welthäfen Hamburg und Bremen .. : Flügel, Heinrich, 1891- : Free Download & Streaming : Internet Archive
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wieviele Eigenbauten der Kurbrandenburger gab es denn? (also bis 1701)
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Da fällt mir nur die in Kolberg gebaute "Große Jacht" ein. Größere Schiffe waren gekaufte oder gemietete holländische Fertigungen. Brandenburg hatte überhaupt nicht das Know-how zum Bau mehrdeckiger Pötte.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2010
  5. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Hier noch ein paar Eigenbauten:

    - Fregatte „Dorothea“ 1678 (bis 1681), Kolberg
    - Fregatte „Dorothea“ 1682, Kolberg
    - Flaggschiff: Fregatte „Friedrich Wilhelm zu Pferde“, 1684, Pillau
    - "Goldene Yacht", 1678, Kolberg
    - Fregatte „Fuchs“, 1678 Kolberg
    - Fregatte „Fuchs II“, 1683 Pillau
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2010
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  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das liest sich schon ganz stattlich.

    Woher kamen die Entwürfe?
     
  7. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Ich kann mir vorstellen, daß der holländische Einfluß nicht gering gewesen ist. Schiffbaumeiser war jedenfalls ein gewisser Peckelhering.

    Nachtrag: Ich lese grad, Peckelhering selbst war Holländer. Na, war ja eigentlich klar.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2010
  8. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Außerdem gab's wohl noch Werften in Havelberg und Berlin (Schiffbauerdamm).
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2010
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  9. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Es ist anzunehmen, dass die damaligen brandenburgischen und russischen Baumeister in Holland lernten. Bekannt ist die Story um Peter den Großen. Der "Erbfeind Schweden" schied als Wissensquelle wohl aus. Die oben erwähnte "Große Jacht" ist jedenfalls ein Nachbau nach holländischem Vorbild. Die Fähigkeit zum Bau eigener sehr großer Schiffe wie der Jesus von Lübeck ging in Deutschland offenbar spätestens im 30.jährigen Krieg verloren und man fing wieder bescheiden an.
     

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  10. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Die Geschichte der Werft in Havelberg ist übrigens sehr interessant. Mitten im Binnenland wurden seegehende Pötte gebaut. Werft und Werftgelände wurden in den 60ern/70ern archäologisch nachgewiesen.

    Den brandenburgisch/preußischen "Seeplänen" fehlte die Nachhaltigkeit. Immer wieder vielversprechende Anfänge, die umgehend abgebrochen wurden.

    OT:
    Zu Deutschland Unglück scheint mir die einzige Nachhaltigkeit Brandenburgs/Preussens eh die Säbelrasslerei gewesen zu sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Oktober 2010
  11. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Yup. An die 15 Schiffe sollen dort gebaut worden sein. Aber immerhin liegt Havelberg am am Zusammenfluß von Havel und Elbe. So konnte man wenigstens erst mal mit den Pötten nach Hamburg schippern.
     
  12. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Guckt Euch mal die Seehäfen in Deutschland an, vor allem die in der Geschichte wichtigen. Was fällt Euch auf?
    Sie liegen an Flüssen, also mehr oder minder im Binnenland, oder an an sehr geschützten Meeresarmen.

    Hamburg - Elbe; Bremen - Weser; Lübeck - Trave; Kiel - Kielerförde; Rostock - Warne u.s.w. .

    Im Ausland: London - Themse, Amsterdam - Zuidersee (bis etwa 1850); Kopenhagen - Öresund; Göteburg - Göta Älv u.s.w. .

    Und wo wurden Schiffe gebaut? An den Orten wo sie gebraucht wurden, also wo Hafenanlagen vorhanden sind.

    Apvar
     
  13. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Genau, Flüsse und Flussmündungen zum Meer. Doch auch die Häfen, im inneren eines Landes konnten dennoch größere Schiffe bauen, die z.B. zur Endausrüstung über die Flüsse ans Meer gelegene Häfen ohne Helling gebracht wurden.
    Und noch ein wichtiger Aspekt für einen Hafen nicht nur am Meer, sondern auch an einem Fluß, war die Materialbeschaffung. Es wurden unmengen an Holz verbaut und wie wurden diese zu den Werften transportiert? Damals war ein Fluß eine wichtiger Transportweg, vor allem für massive Materialien.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das würde ich so nicht unterschreiben.
    Borussozentrische Sichtweise?

    Hamburg, Bremen usw. haben immer Hochseeschiffe gebaut.
    Dass zeitweilig Holländer, Engländer, Franzosen technologisch im Schiffbau führend waren, hat damit weniger zu tun.

    Was sagt denn silesias verlinkter "PDF"?
     
  15. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Nicht nur damals. Das ist auch heute noch so. Ohne passendes Hinterland nützt der beste Hafen nichts. Zum passenden Hinterland gehören und gehörten nicht nur Verkehrswege wie Flüsse und Strassen. Sondern Materialien die verschifft werden können und auch Umland, welches die Landung der ankommenden Schiffe aufnehmen kann und gegebenen falls auch weiterverarbeiten kann. Die weiterverarbeiteten Güter können dann ja weiter versandt werden.
    Eine Ausnahme gibt es dazu. Kriegshäfen. Bei diesen kommt es nur auf eine gute Versorgungslage und gute Transportwege an. Und auch gute Werften. Brest als Kriegshafen in Frankreich ist durch die schlechten Versorgungswege in der Zeit Napoleon's stark beeinträchtigt worden, weil durch die Seeblockade der Engländer der Flottenaufbau und Unterhalt stark erschwert worden ist. Brest war zum damaligen Zeitpunkt stark von der Versorgung auf dem Seeweg abhängig.

    Apvar
     
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  16. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Btw.: ich bin grad über ein anderes großes, in Lübeck gebautes Schiff gestopltert: die "Adler von Lübeck" von 1566 mit 3 Kanonendecks und einer Länge von 78 m.

    Adler von Lübeck ? Wikipedia

    Die Jesus von Lübeck war 91 lübische Ellen lang. Weiß hier zufällig jemand, wieviel cm eine lübische Elle sind?

    Nachtrag: Eine lübische Elle muß etwa 0,5756 cm sein. Danach wäre die Jesus v. Lübeck ca. 52 m lang gewesen. Kann das sein?
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Oktober 2010
  17. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Lt. dieser Seite kommt das wohl hin. Hier sind noch andere Schiffstypen der Hanse aufgelistet.
     
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  18. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Ich habe jetzt nochmals gegoogelt, die Wappen von Hamburg, Wappen von Bremen, Leopold I.,

    Kriegsschiffe der Hansestädte Hamburg und Bremen, erbaut Ende 17. Jahrhundert, alles Kähne um die 40-50m lang.
    Also nix mit Niedergang

    Auch da haben die "Leibdragoner-Historiker" ihre Sichtweise der Dinge hinterlassen.
     
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  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ok, @Repo, ich ziehe meine Aussage damit teilweise zurück, auch wenn diese Schiffe nach holländischen Plänen gebaut wurden.
    Dennoch bin ich der Meinung, dass der 30jährige Krieg eine Zäsur darstellte. Er beendete de facto die Realexistenz der ohnehin schon im Abwärtstrend befindlichen Hanse. Starke Traditionsmitglieder wie Wismar und Stralsund wurden schwedisch und "Pommernland war abgebrannt". Lübeck war auf sich allein gestellt und kein Machtfaktor mehr.
    Hamburg und Bremen waren die inländische Konkurrenz los und konnten sich dank ihrer geographischen Lage eine Scheibe vom Kuchen des Welthandels abschneiden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Oktober 2010
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  20. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Ich denke mal, das kann man so unterschreiben.
     

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