Der Einfluss des "Buzza di Biasca" auf die Schlacht von Marignano

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von Naresuan, 15. August 2021.

  1. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Im Mai 1515, just zu dem Zeitpunkt, als die Eidgenossen beschlossen Truppen nach Mailand zu schicken, brach ein durch einen Bergsturz gebildeter Damm bei Biasca und ein gewaltiger See entleerte sich in das Gebiet des heutigen mittleren Tessins. Die Flutwelle verwüstete alles und zerstörte die Brücken bei Bellinzona. Die Aufmarschwege über St. Gotthard, Lukmanier, San Bernardino dürften nur noch schwierig passierbar gewesen sein. Auch allfällig gebildete Waffenlager in Bellinzona (seit 1500 wieder eidgenössisch) könnten betroffen gewesen sein.
    These: der Aufmarsch der Eidgenossen für Marignano war erschwert. Schweres Gerät (vielleicht auch Artillerie) musste zurückgelassen oder umgeleitet werden. Verspätung des dritten Auszugs, welcher zu Beginn der Schlacht erst in Domodossola war.
    Kennt jemand Anhaltspunkte dafür in Quellen?

    Dagegen spricht: Die Brücken wurden erst 1813 wieder aufgebaut, scheinen also nicht oder nicht mehr wichtig gewesen zu sein.
    Bonnard, Christophe: "Buzza di Biasca", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.11.2004, übersetzt aus dem Französischen. Online: Buzza di Biasca , konsultiert am 15.08.2021.
    Bergsturz von Biasca
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Ich habe mal in meiner Literatur die ich zu Hause habe gesucht, leider wurde ich nicht fündig.

    Evt. müsstest du in den Staatsarchiven nachschauen ob es Quellen gibt.
     
  3. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    In der Frage bin ich noch ein Stück weitergekommen:
    In einem Missale secundum ordinem sancti Ambrosii machte der Zuger Chronist Werner Steiner (1492-1542) handschriftliche Einträge zu seiner Teilnahme bei Marignano.
    Nach ihm verliess das 1. Vexillum des Zuger Kontingents am 8. Mai Zug und marschierte über Arth, Brunnen, Altdorf, Silenen, Wassen, Andermatt, St. Gotthard, Airolo, Monte Piottino, Faido, Giornico, Pollegio, Claro, Bellinzona, Monte Ceneri, Lugano, Capolago, Como, Varese und Monza nach Mailand.
    Das 2. Vexillum verliess Zug am 25. Juni, das dritte am 27. August. Alle drei vereinigten sich am 2. September in Varese.
    Der dritte Auszug brauchte demnach für die ca. 250km 7 Tage, was einer Tagesleistung von 35km entspricht.
    Auf diesem Weg müssen die Brücken über den Ticino nicht benützt werden. Warum man aber über Como nach Varese musste, ist mir ein Rätsel.

    Er erwähnt hier weder die Verwüstungen im Tessin, noch bei welchem Auszug er dabei war (vermutlich beim dritten), noch wo die anderen eidg. Kontingente marschierten.
    Jedenfalls soll sich die Flutwelle am 20. Mai ereignet haben, also zwischen dem 1. und 2. Abmarsch in Zug.
    Werner Steiner und die Schlacht bei Marignano, Jean-Pierre Bodmer, 1965
    http://www.zwingliana.ch/index.php/zwa/article/download/1088/998
     

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