Des Kelten Palast, Galata Seray,gibt es noch Spuren der Kelten in der Türkei?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von askan, 29. März 2004.

  1. askan

    askan Neues Mitglied

    Naja, ein etwas verunglückter Reim als Aufmacher.
    Er hat aber bezug zu meiner Frage.
    Haben die Galaterstämme in Anatolien irgendwelche Spuren hinterlassen? Ausser Erwähnungen in der Literatur, den tendenziell blonden Haaren einiger Zentralanatolier und dem bekannten Istanbuler Stadtteil Galata Seray?
     
  2. askan

    askan Neues Mitglied

  3. maxherbert

    maxherbert Neues Mitglied

    guten tag askan,
    der könig nikomedes I von bythynien worb im jahre 278 vdz. mehrere keltische galaterstämme als söldner an. es handelte sich um kampferprobte speermanner, welche schon in den jahren zuvor in makedonien gekämpft hatten.
    mit einem gewaltigen wagentroß und ihren ganzen familien zogen diese soldaten dann in anatolien ein. große teile dieses trosses wurden dann auch nach den vorliegenden historischen berichterstattern im raume von gordion sesshaft.

    diese ereignisse waren bisher archäologisch nicht nachzuweisen.

    archäologen aus oxford konnten nun im jahre 2001 in gordion in erheblichem maße keltische hinterlassenschaften ausgraben und belegen.

    unmittelbar im historischen stadtgebiet konnten eine große menge von keltischen artefakten entdeckt werden.
    in zusammenhang mit diesen funden steht die entdeckung von einer menge enthaupteter menschlicher reste. festgestellt wurden auch spuren eines möglichen kanibalischen rhytus. diese entdeckungen stehen natürlich in einklang mit funden aus keltischen gebieten. solche praktiken sind ansonsten in anatolien nicht bekannt.
    die forscher gehen davon aus, daß die in gordion ansässigen kelten vor ihrer assimilierung für eine sehr lange zeit ein ausgeprägtes keltischen leben fortführten.
    mit allerbestem gruß max
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Danke, endlich einmal etwas brauchbares. Leider gibt es sehr wenig über die Galater.
     
  5. Vercingetorix

    Vercingetorix Neues Mitglied

    Hallo Askan
    Die Galatoi werden ethnologisch den Volcae zugeschrieben. Sie besaßen ja eine Einteilung in 12 pagi, wobei jeweils zu jedem Stamm 4 pagi gehörten.
    Die Hauptstämme sind:
    Tectosages (Tectosages gab es auch im Schwarzwald und in der Narbonensis)
    Trokmer
    Tolistobogier
    (wohl eine Splittergruppe der Bojer?)
     
  6. artos64

    artos64 Gast

    Wie lebten die Galater?

    Hallo an alle Geschichtsinteressierte,

    ich bin neu in diesem Forum und interessiere mich noch nicht so lange für Geschichte (in der Schule hasste ich dieses Fach), dafür jetzt aber umso mehr :)

    Ich war mir nicht sicher, ob ich ein neues Thema anfangen soll, aber ich entschied mich dann doch, hier anzuknüpfen:

    Ich interessiere mich für die Galater und wollte fragen, ob mir jemand Literatur über sie nennen kann
    Mich interessiert besonders das 2./1. Jahrhundert v.u.Z. (bevor Galatien römischer Klientelstaat wurde).
    Ich weiß, dass sie keltisch sprachen, aber inwieweit lebten sie ihre eigene (keltische) Kultur weiter? Gab es weiterhin Kontakte/Informationsaustausch zur "alten Heimat"? Oder interessierte sie mehr die Kultur/Geschehnisse/Politik ihrer kleinasiatischen Umgebung?
    Kann man sich ihr leben wie in Mitteleuropa zu dieser Zeit vorstellen?

    Vielen Dank schon mal und viele Grüße von Bernhard
     
  7. askan

    askan Neues Mitglied

    Merkwürdig, diese Kelten!
    Das erste Volk Europas die sich kollektiv zum Christentum bekannten waren auch Kelten, nämlich die Iren.

    (Auch wenn es irgendwie bekannt vorher) Im westlichen Anatolien leben häufig Türken blondes und auch rotblondes Haar haben, nach eigener Überzeugung sollen es die Nachkommen der Galater sein. Atatürk selbst hat daraus eine regelrechte Staatsdogma daraus gemacht.
     
  8. artos64

    artos64 Gast

    Wer kennt eines dieser Bücher?

    Hallo,

    wer hat eines dieser Bücher gelesen?

    Friedrich Stähelin, Geschichte der Kleinasiatischen Galater. 2. Aufl. (ND 1973)

    Karl Strobel, Die Galater. Geschichte und Eigenart der keltischen Staatenbildung auf dem Boden des hellenistischen Kleinasien, 1. Untersuchungen zur Geschichte und historischen Geographie des hellenistischen und römischen Kleinasien, Berlin 1996.


    Um welchen Zeitraum geht es bei diesen Büchern? Wie sind sie geschrieben? Wie informativ?

    Viele Grüße,
    Bernhard
     
  9. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Ein sehr berühmtes Zeugnis der Galater ist auch der Pergamonaltar in Berlin. Was vordergründig die Darstellung von griechischen Mythen ist, stellt in Wirklichkeit den Sieg der Pergamener über die Galater dar.
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

    Anhänge:

  11. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Askan, das Bild zeigt meines Wissens einen sterbenden Galater in Anatolien. Das Größte Manko der Kelten wird ihre geringe Volksstärke gewesen sein. Deswegen sind sie auch in vielen Gebieten untergegangen. :thx:
     
  12. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Das Manko war dann aber nicht die mangelnde Volksstärke, sondern ihre geringe zivilitatorische Leistungsstärke.Andere Völker haben als Einwanderer einer vorhandenen seßhaften Mehrheit einen deutlichen Stempel aufgedrückt. Ich möchte dafür zwei Beispiele bringen.
    Die Griechen haben von ca. 350-50 v.Chr. ganz Vorder- und Zentralasien bis Afghanistan hinein hellenisiert, obwohl sie "nur" eine Minderheit darstellten aber eben die Herrschende.
    Die Ungarn sind auch als Einwanderer gekommen, waren aber jahrhundertelang die herrschende Klasse und haben dadurch ihre slawischen Nachbarn und Untertanen weitgehend magyarisiert.
     
  13. askan

    askan Neues Mitglied

    Vielleicht wollten sie einfach nur in ruhe ihren Geschäften nachgehen und wurden dann anch und nach assimiliert.
     
    Pardela_cenicienta gefällt das.
  14. Galati

    Galati Neues Mitglied

    Hallo,
    ich neu und sehr am Thema Galater interesiert.
    "Die Briefe des Apostel Paulus an die Galater" diese Pasage lautet in der italienischen Fassung der Biebel "... Galati" nun habe ich selbst mich auf die Suche gemacht und in Süditalien wenige Km östlich von Reggio di Calabria einen Kleinen Ort namens "Galati" so wie einen Fuß und einen weiteren Ort in Sizilien östlich von Messina gefunden. Meine Vorfahren stammen soweit ich es feststellen konnte aus einem Bergdorf nördlich von Reggio di Calabria namens Melicuccha. Da Reggio und Messina füher zum groß Grischichen Reich gehörten, könnten meine Vorfahren durchaus die Nachfahren der Galater aus Kleinasien sein.
     
  15. Hans Lechner

    Hans Lechner Neues Mitglied

    Spuren der Galater in der heutigen Türkei

    Ich habe einen Artikel in der Zeitung Die Zeit gelesen zum Thema Druidenopfer in Anatolien. Da geht es um Ausgrabungen in Gordion, etwa 100 km südwestlich v. Ankara. Aber noch interessanter ist folgender Hinweis. Ich darf zitieren..
    Sicher ist: Die Galater hielten trotz Hellenisierung,m römischer Einflüsse und Christianisierung an ihren Traditionen fest. Um 400 n. Chr., also 700 Jahre nach Ankunft ihrer Vorfahren, verstand der Kirchenvater Hieronymus sich prächtig mit ihnen: Ihre Sprache ähnelte noch den keltischen Dialekten, die Hieronymus im Raum Trier gelernt hatte. Zitatende
    Wer noch mehr wissen will, ich kenne da einen türkischen Geschichtskenner, der ebenfalls sich mit dieser Thematik beschäftigt.
    Viele Grüße
     
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  16. hyokkose

    hyokkose Gast


    Kein Wunder, die Galater konnten ja griechisch, wie Hieronymus auch. Aber ob Hieronymus eine keltische Sprache gelernt hat?

    Ich glaube eher, daß der ZEIT-Autor ein wenig ins Fabulieren geraten ist, denn der einzige Satz, den Hieronymus in diesem Zusammenhang schreibt, lautet:

    "Galates excepto sermone Graeco, quo omnis Oriens loquitur, propriam linguam eandem paene habere quam Treviros."

    Zu deutsch:
    "Die Galater haben - außer der griechischen Sprache, die der ganze Osten spricht - eine eigene Sprache, fast dieselbe wie die Treverer."
     
  17. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hi,
    um auf die Ursprungsfrage zu kommen:

    Also ich hab in der Türkei direkt keine Erinnerung an größere Zeugnisse direkt von den Galatern; abgesehen von Darstellungen auf röm./griech. Reliefs, Kleinfunde, etc. Weder in Galata, Istanbul, noch sonstwo. Ich war allerdings auch nicht in Gordion. Der Stadtteilname Galata lässt sich übrigens wohl nicht mehr vernünftig herleiten, ohne zu spekulieren (Stand 1974. John Freely, Istanbul. Reclam)


    Schönen Sonntag noch, LG, lynxxx


    PS:
    Ich bin durch die Türkei gereist, wie vielleicht kaum ein anderer hier, was daran lag, dass ich während des Studiums mir die Türkei jedes Jahr ein paar Monate leisten konnte, aber nur ein paar Wochen Italien, Spanien, Großbritannien, usw. Wollte nun nicht angeben, nur verdeutlichen, dass ich nicht nur mal als Pauschaltourist in Antalya war, womit meine Aussage oben kein Belang hätte... :)
     
  18. Galati

    Galati Neues Mitglied

    Spuren der Galater in der heutigen Türkei

    Hallo Hans,
    dieser türkischen Geschichtskenner den du in deinem Beitrag erwähnt hast, ist er auch in diesem Forum tätig oder wie währe er zu erreichen?
    Mich interessieren jegliche Verbindungen zwischen den Galata und Süditalien festzustellen.

    Grüße Galati
     
  19. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Zu dem Zeitpunkt wo die turkmenischen Nomadenstämme Anatolien erobert haben hatte es seit 600-700 Jahren leider keine Galater mehr gegeben. Die wurden vorher völlig assimiliert und nannten sich Rhomäer oder Griechen.
    Das mit den blonden Haaren bei heutigen Türken verstehe ich nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Januar 2007
  20. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Denkste im Ernst, alle Völker, die vor dem Eindringen der Türken in Anatolien lebten, wären ausgewandert? Oder wie darf ich deine letzte Frage verstehen?
     

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