Die Architektur der Renaissance - tolle Ästhetik, stockfinstere Innenräume?

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von ketzer97, 25. Dezember 2011.

  1. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Ich bin in letzter Zeit einigen Renaissance-Kirchen über den Weg gelaufen und habe sie besichtigt. Ich bin schon seit langem ein Freund der gotischen Kunst, aber auch die Renaissancebauten haben was. Ohne Frage, besonders in der Ornamentik und im Kuppelbau hat man damals riesige Fortschritte gemacht, und die Fassaden sind beeindruckend in Symmetrie und Gleichmäßigkeit.

    Auch die Dekorationen in den Innenräumen sind ein großer Fortschritt, so realistisch konnte man vorher gar nicht malen.
    Aber: Die Renaissance-Sakralbauten waren erstaunlich duster. Die Fenster kamen mir im Vergleich zur Gotik erstaunlich klein und unbedeutend vor, und die Farben der Fresken konnten in der Dunkelheit gar nicht richtig leuchten. Haben die Architekten der Renaissance Fensterfläche und damit Licht geopfert, um die neuen Stilmerkmale durchzusetzen?

    Insofern wären die Renaissance-Bauten ja eher mit neuartigen und romanisierten Bau- und Dekorationsteilen ausgekleidete romanische Gebäude. :grübel:
     
  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Welche Kirchen sind dir denn über den Weg gelaufen? Mit einem konkreten Beispiel läßt sich das Thema anschaulicher diskutieren.
    Zur Zeit der Renaissance wurde Mitteleuropa durch die Reformation bewegt. Die geistige Auseinandersetzung mit dem Glauben war wichtiger als ein architektonisch neuartiger Kirchenbau.
    Außerdem war Renaissance Rückbesinnung auf die Klassik und da die Romanik sich aus dieser entwickelt hatte, ist die Ähnlichkeit nicht so erstaunlich. Die großen Kuppelbauten Pantheon und Hagia Sophia sind auch nicht gerade tageslichtdurchflutet. Große klare Fensterflächen waren bis in die Moderne ein wenig gebräuchliches Bauelement.
     
  3. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Z. B.:

    Lorenzokirche (Florenz)
    Santo Spirito (Florenz)
    Santa Maria Novella (Florenz)
    Michaelskirche (München)

    Und der Petersdom ist auch nicht gerade himmlisch erleuchtet im Vergleich etwa zu den Kathedralen in Köln, Freiburg oder Paris.

    Noch zu nennen ist die Kathedrale von Florenz, wobei hier nur die Kuppel Renaissance ist. Aber auch das mittelalterliche Schiff ist zappenduster, die Italiener hatten's ja allgemein nicht so mit der Gotik.
     
  4. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    nun das mit den romanisierten Bauten istinsofern schon richtig ,als man sichdamals in Italien ja ganz bewußt von der "Gotik" abzugrenzen versuchte und auf die römische Antike bezog.Hinzu kam,gerade bei den großen Kuppelbauten der Renaissance,daß das Gewicht der Deckenkuppeln keine großflächig durchbrochenen Wände zuließ ,da diese quasi das Fundament für die Kuppeln bildeten und entsprechend Stabil sein mußten.
    Großes Vorbild war das römische Pantheon und das ist nun auch nicht gerade lichtdurchflutet.
    Ausnahmen sind Kirchen der weserrenaissance und der nordischen Renaissance wobei diese auf Grund der späteren Entstehungszeit schon fast barockisierend sind .
     

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