Die Befreiungskriege gegen Napoleon & die Entstehung der liberalen Bewegung

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von der_flex, 12. Juni 2007.

  1. der_flex

    der_flex Gast

    Wo ist der zusammenhang, quasi der schnittpunkt zwischen der liberalen bewegung und den kriegen gegen napoleon ? formte sich diese bewegung im zuge gegen napoleon ? finde absolut nichts im web. Im buch das 19te jhdt von Golo mann finde ich auch nichts ausschlagendes.
     
  2. History

    History Neues Mitglied

    Antwort

    Wie du bestimmt bereits weißt, hat Napoleon große Teile Europas erobert bzw. abhängig von sich gemacht. Diese Gebiete standen natürlich quasi unter französischer Herschaft. Das Volk erkannte - unterstützt von aufklärerischen Gedanken und Reformen (z.B. preußische Reformen, die das Ziel hatten, dem Bürger das Vaterland nahezubringen) ihr Vaterland zu beschützen.
    Als Napoleon auf seinem Russlandfeldzug eine sehr empfindliche Niederlange erlitt bot sich die Gelegenheit, sich von der fremder Herrschaft zu befreien (daher Befreiungskriege). Man wollte sein Vaterland sozusagen verteidigen, es von Fremden bewahren. So wurden die Kämpfe mit patriotischer Begeisterung getragen.

    Sie war außerdem ein wichtiger Vorreiter zur Revolution 1848/49, da dort erstmals größere liberalen Bewegungen entstanden.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das ist auch schwierig zu beantworten, da die Definition für liberal von heute nicht mehr auf das liberal von 1813 passen kann. Am ehesten liberal würden wir heute die Demokraten ansehen, welche an der Gesellschaftsordnung im Heiligen Römischen Reich und den einzelnen Staaten darin Kritik nahmen. Diese gingen wie Eulogius Schneider nach Frankreich. Eulogius Schneider - Wikipedia Diese gewissermaßen liberale und demokratische Bewegung ist allerdings entschieden getrennt von den Anhängern der z. T. studentischen Bewegungen ab 1813 zu sehen.

    Im Zuge der Napoleonischen Hegemonie über Europa war das Heilige Römische Reich zerschlagen worden. Über die protestartige Bewegung noch im Jahre 1806 gibt eine Schrift "Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung" Hinweise. Im Zuge, dass das alte Reich beendet worden war, trat recht rasch eine Sehnsucht zu Tage, welche teilweise verklärend das alte Reich betrachtete. Beispiele für das Bewusstsein einer Zusammengehörigkeit und der Suche nach gemeinsamen Wurzeln in Deutschland findet man in "Des Knaben Wunderhorn" einer Sammlung von deutschen Liedern, wie später in der Sammlung deutscher Volksmärchen durch die Gebrüder Grimm. Ein Dichter mit zunehmend deutschnationalen Parolen, Theodor Körner, nahm aktiv an den Befreiungskriegen bei dem Lützower Freikorps ein. Diese Truppe wurde gerade zur DDR-Zeit als besonders liberal glorifiziert. Daher wirst Du dazu einige Literatur finden. Hier wirst Du vielleicht fündig: Lützowsches Freikorps - Wikipedia Beachte wie gesagt die Dichter und "Denker", welche bei dem Freikorps waren!

    Napoleon Bonaparte setzte als Mittel seiner Diktatur auch die Zensur ein, welche als ein Teil konservativer Obrigkeitsmaßnahmen angesehen werden kann. Somit kann man den Gegnern Napoleon I. ein bisschen einen Liberalismus vielleicht unterstellen, da sie ihre Publikationen natürlich gegen Widerstände der napoleonisch bestimmten Rheinbundfürsten veröffentlichen mussten.
    Indirekt musste sich die deutschtümelnde Bewegung des Frühbiedermeier auch gegen die bestehenden Herrschaftssysteme richten, da diese einem deutschen Einheitsstaat gegenüber im Wege standen.

    Vielleicht sind das schon ein paar Hinweise.:winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juni 2007
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nun ja... schwierig zu erklären ist die Diskrepanz zwischen der Liberalität und der Befreiung von Napoleon vielleicht auch deshalb, weil Napoleon für viele Länder Europas erstmals den französischen Code Civil (auch Code Napoleon) mitbrachte und dort einzuführen versuchte. Dieser Code Civil war ein Produkt des französischen Liberalismus, der aber erstmals unter Napoleon allgemeingültig umgesetzt wurde. Die Liberalen in den von Frankreich besetzten Ländern haben sich daraus gerne bedient. Das Problem war wohl eher, dass hier etwas von Außen aufgedrückt wurde und eine der liberalen Vorstellungen schlechthin, der Freihandel, von Napoleon unterdrückt wurde (Kontinentalsperre; eigentlich wollte Napoleon damit England von Versorgungsgütern und Schiffsbaumaterial abkoppeln um es invasionsreif zu machen, die Briten wussten sich aber zu helfen). Zudem war die Besatzung durch fremde Truppen teuer und die vielen Kriege, die Napoleon führte benötigten Soldaten - eben nicht nur französische.
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Der Code Civil ist ein liberaler Aspekt, aber es wäre wohl sehr weit den Begriff gefasst, wenn man Napoleon I. als Liberalen bezeichnen würde.
    Dann doch eher den besagten Herrn Schneider, der am 7. Juni 1791 nach Straßburg emigrieren musste oder Christoph Friedrich Cotta, Anton Joseph Dorsch oder Jakob Koller verließen auch ihre Universitäten um ins französische Elsass zu gehen. Bei Eulogius Schneider, der aus der erst 1786 gegründeten Kölner Universität in Bonn kam, spricht Axel Kuhn von einem ersten Fall von politisch motivierter Professorenentlassung. Schneider endete nach einer Karriere in robespierristischen Bahnen in den Netzen von Saint-Just und in Paris auf dem Schaffott.
    Empfehlenswert zu diesen republikanischen Liberalen der 1790er ist sicherlich von Axel Kuhn das Büchlein "Die Französische Revolution" vom Reclam-Verlag - Stuttgart 1999.

    Ganz im Gegensatz dazu könnte man eigentlich die "Liberalen" der 1813er sehen, allen voran Ludwig Jahn und besagten Körner, zu dem es einen recht kritischen Artikel in der '"Zeit" gab: ZEIT online - Zeitlaeufte : Körner Superstar Die Diskrepanz zwischen angeblich liberalen Denken, einer recht leichten Instrumentalisierung der Schriften Körners im 3. Reich und dem blutlüsternden und fremdenfeindlichen Gehalt der eher bedenklichen Passagen, wird hierbei betont. (Im Wikipediaartikel wird dies übergangen.)
    Ein Beispiel von Max von Schenkendorf ( Max von Schenkendorf - Wikipedia ) für die einsetzende Verklärung des Alten Reiches erst 7 Jahre nach dessen Ende sehe ich hierin:
    Auszug aus "Die Deutschen an ihren Kaiser"
    Zitiert nach: Heiliges Römisches Reich deutscher Nation - Altes Reich und neue Staaten ..." Band 1 - Katalog - Sandsteinverlag, Dresden, 2006
    Für mich steht diese Begeisterung für das Alte Reich, welche einige dieser Generation teilten natürlich in einem gewissen Gegensatz zu den republikanischen Ansichten der früheren Generation der Liberalen der 1790er und ist sicherlich vor dem Hintergrund der aufkeimenden Romantik zu verstehen.:fs:
     
  6. Nereva

    Nereva Gast

    Salut,

    Bin ganz neu hier und ganz gespannt was mich hier wohl erwarten wird!!!

    Tja, den einzigen Beitrag den ich hier liefern kann ist, dass nach den Befreiungskriegen ja der Wiener Kongress folgte.
    Nun, nach der wiedereinsetzung der "alten Norm" - Bourbonen kehrten nach Frankreich zurück etc... - begannen sich ja die ersten liberalen Gruppierungen zu bilden.
    Diese wurden ja zur Zeit Meternichs also dem österreichischen Biedrmaier verfolgt, da sie ja eine Verfassung forderten.

    Das wär wohl der einzige Reihm den ich mir auf "Befreiungskriege" und "Liberalismus" machen kann, da es ja eine Folgereaktion gegen die Unterdrückung der Verfolgung der Zensur etc.. war.

    Hoffe ich konnte helfen ^^

    lg. Nereva
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Die Zensur gab es schon unter Napoleon I. (wieder - sollte man sagen).

    Ich warte mal darauf, welche Art von Liberalen eigentlich der Fragesteller nun meinte.
     
  8. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Hallo,

    unter den Befreiungskriegen versteht man die Kriege, die geführt wurden, um sich von der Unterdrückung von Napoleon I. Bonaparte zu befreien, der eine Großzahl europäischer Länder besetzt und zu seinen Satellitenstaaten gemacht hat und die von seinen Brüdern und seiner Schwester "regiert" wurden.
    Die Befreiungskriege endeten mit der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1814, spätestens jedoch mit der Schlacht bei Waterloo im Juni 1815 und mit der Verbannung Napoleons nach St. Helena.

    Auf dem Wiener Kongress 1815 wurden die Ländergrenzen, die dann bis zum I. Weltkrieg hielten, neu festgelegt.
    Die alten Machtverhältnisse, die Legitimation der Fürsten, wurde wieder hergestellt, also Restauration der alten Mächte, wobei allerdings Ludwig XVIII. von Frankreich den Eid auf die Verfassung ablegen mußte.

    In Österreich wurde von Kanzler Metternich jeglicher Liberalismus und nationaler Gedanke rigoros mittels des Militärs unterdrückt, ebenso in den anderen Staaten.

    Der Liberalismus bedeutet die freie Entfaltung des Einzelnen, keine Bevormundung mehr durch den Staat in geistiger, politischer und wirtschaftlicher Entwicklung, es entstand ein Besitz- und Bildungsbürgertum.

    Am bekanntesten ist wohl das Wartburgfest 1817, dort wurde der patriotische Gedanke wachgehalten.

    Ausgelöst durch den Mord an Kotzebue, verübt von Karl Sand, kam es zu den Karlsbader Beschlüssen, welche die Pressezensur, Auflösung der Burschenschaft, Überwachung der Universitäten, Berufsverbot für politisch auffällige Professoren nach sich zog.

    Gruß....
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Völkerschlacht bei Leipzig war aber am 16. - 19. Oktober 1813.
    Den Auftakt der Befreiungskriege aus preußischer Sicht sehe ich eigentlich in der Konvention von Tauroggen. Friedrich Wilhelm III. erklärte dann 1813 Frankreich den Krieg und erließ den Aufruf "An mein´Volk" Daran erinnert ja auch der Entwurf des Eisernen Kreuzes durch Schinkel. Auf dem EK II ist vorne 1870, 1914, 1939 und hinten 1813 aufgeprägt. Von den Reformen und Versprechungen zur Zeit der Befreiungskriege blieb allerdings nach dem Wiener Kongress fast nichts übrig, kein Wunder, daß Schriftsteller, die sich mit der sozialen Frage, z. B. der erbärmlichen Bedingungen der schlesischen Weber beschäftigten, die Ideale "Für Gott, König und Vaterland" als hohles Pathos karrikierten wie z. B. Heinrich Heine in seinem Weberlied:

    "Im düsteren Auge keine Träne,
    sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne.
    Altdeutschland wir weben dein Leichentuch,
    wir weben hinein den dreifachen Fluch!

    Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten,
    in Winterskälte und Hungersnöten.
    Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
    er hat uns gfoppt, geäfft und genarrt.
    Wir weben, wir weben!

    Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
    den unser Elend nicht konnte erweichen.
    Der den letzten Groschen von uns erpresst
    und uns wie Hunde erschießen läßt.
    Wir weben, wir weben!

    Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
    wo nur gedeihen Schmach und Schande,
    wo jede Blume früh geknickt,
    wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt.
    Wir weben, wir weben!
     
  10. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Hallo Scorpio,

    Du hast mich erwischt. Selbstverständlich war die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, ein Schelm der anderes dabei denkt.

    Zu der Frage, wann genau und mit welcher Schlacht die Befreiungskriege begannen, kann ich leider nichts genaues sagen, da ich mich damit nicht ausführlich beschäftigt habe.
    Ich wollte eigentlich nur den Begriff Befreiungskriege eingrenzen, denn das Wort bezieht sich wohl eindeutig auf die Napoleonische Zeit.

    Dass sich nach dem Wiener Kongress für das Volk nichts zum Guten gewendet hat, sehe ich genauso, die soziale Lage der Bevölkerung war erbärmlich, deshalb ja auch der Weberaufstand.


    Ich habe es aber eher mit Georg Büchner:
    "Krieg den Palästen, Friede den Hütten."
    Gruß.....
     
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  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Und der Begriff ist mit Vorsicht zu genießen:pharao:, da er eine positivistische Darstellung des Vorgehens der Mächte gegen Napoleon I. darstellt. Für Polen bspw. bedeuteten die "Befreiungskriege" einen Rückfall unter russische Bevormundung. Dabei hatte sich das Großherzogtum Warschau unter Leitung von König Friedrich August I. wieder auf dem besten Wege befunden, eine staatliche Eigenständigkeit zurück zu gewinnen, wobei sogar ein polnisches Königtum, prinzipiell eine Idee der polnischen Liberalen von 1791 unter wettinischer Herrschaft angestrebt wurde.

    Nach dem 6. Koalitionskrieg gingen dann viele Polen ins Exil und die Erhebungen, welche es im 19.Jh. gab, führten vorerst nicht wieder zu einem eigenen polnischen Staat. In "Kleider machen Leute" wird das Bild eines polnischen Exilanten ein wenig angerissen.
     
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Wobei der Wenzel allerdings Schlesier ist, und kein Pole.
    Das polnische Volkslied singt er doch ohne die Worte überhaupt zu verstehen.

    Ich hoffe, ich habs noch richtig zusammengebracht. Gutenberg.de funktioniert bei mir heute nicht.
    War bei mir in der Schule einst Zwangslektüre, und ich glaube fast es ist das einzige von Keller, das ich nie mehr gelesen habe. (Die Germanisten können einem manchesmal die Lust auf mehr schon vertreiben)

    NS: Die Grenzstation vor Stein am Rhein trägt den Namen "Moskau" dort ist wohl ein russ. Soldat am Ende der Befreiungskriege hängengeblieben. (Sind hübsche Mädchen, die Schweizerinnen, kann man schon verstehen)
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mir ging es darum, als was Wenzel gesehen wurde, nämlich als Pole, bzw. als polnischer Adeliger im Exil. Ich glaube einmal wird Wenzel in "Kleider machen Leute" auch als Polacke bezeichnet, wobei dies scheinbar damals nicht abwertend gemeint war.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Hmmmmmmmmm
    Aber die Exilanten sind doch meist Habenichtse, und so haben ihn die Leute von Goldach doch eben nicht gesehen.
    Wenn ich die eidgenössischen Wirte heute richtig kenne, mit denen kannst Du machen was Du willst, aber wehe es fehlt Dir ein Fränkli an der Rechnung..........
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1. Eigentlich sind das ja die Grundforderungen schon des Bürgertums während der Englischen Revolution (gerichtet gegen einen Absolutisums) und der Französischen Revolution. Ein Besitz- und Bildungsbürgertum entwickelte sich, meines Erachtens, schon in der 2. Hälfte des 18.Jh. und verdrängte den Adel als Kulturträger. Die Höfe in England, Weimar und andernorts übten sich daher teilw. ebenso in einer Verbürgerlichung. Allerdings wird dennoch das 19.Jh. als das Bürgerliche nach wie vor vom 18.Jh. unterschieden.

    2. Eben bei den Burschenschaften habe ich ja Skepsis angemeldet, ob diese nun Liberale waren. Sicherlich muss man bei ihnen schwer diferenzieren, was zum Glück heute mehr getan wird als vor noch einigen Jahren. Kotzebue war ja ein sehr erfolgreicher deutscher Dramatiker, was auch die Zahl der Aufführungen seiner Stücke beweist. Es wäre also interessant, ob dieser Karl Sand im Sinne einer Mehrheit handelte. Kotzebues Kritik an Jahn bspw. traf ja grundsätzlich einen Schriftsteller, der für sein Werk "Deutsches Volkstum" bekannt war, dessen rassistischer Gehalt noch heute, zumindest mir, ein bisschen Schauder einjagt.:S
    Friedrich Ludwig Jahn - Wikipedia
     
  16. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Hallo Brissotin,

    bei den Burschenschaften bin ich mit Dir einig, dass Skepsis angebracht ist, aber ich wollte nicht in die Tiefe gehen sondern nur eine kurze Erklärung abgeben und das Wartburgfest war mir eben im Kopf. Ich denke, wenn man sich mit der Thematik genauer befaßt, muß man mehr differenzieren.

    Natürlich hat sich auch ein Bildungsbürgertum schon vor der Französischen Revolution entwickelt, aber war das nicht die Aufklärung, ich meine Voltaire und so.

    Übrigens, ich habe gehört, Kotzebue sei ein furchtbar schlechter Schreiberling gewesen, aber bitte das habe ich nur gehört, selbst gelesen habe ich bisher nichts von ihm. Gibt es überhaupt etwas zum Lesen von ihm ?

    Gruß...
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich fand auf die Schnelle auch nur das hier, leider: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek - results/shortlist
    Aus Büchern zur Kulturgeschichte in der Aufklärung und im Empire ist mir allerdings bekannt, dass seine Lustspiele sehr beliebt gewesen sein sollen.
    Bei Wikipedia findet man ja unter den biographischen Angaben zu ihm, eine Liste seiner Werke. August von Kotzebue - Wikipedia Er scheint also ein ungemein vielschaffender Geist gewesen zu sein, wenn man dann den Erfolg der einzelnen Stücke und deren häufige Aufführung zu seiner Zeit bedenkt, dann bekommt man schon einen Eindruck von seiner damaligen Berühmtheit. Im Vergleich dazu liefen gerade Schillers Dramen eher mäßig, aber wir müssen dabei auch die Lebensumstände und den Geschmack des Großteils der Bevölkerung damals betrachten. Unterhaltung war gewünscht. Die Zahl der Aufführungen verschiedener Stücke am Mannheimer Theater, was eher niveauvoll war, nachzuschauen in Michael Norths "Genuss und Glück des Lebens...", verdeutlicht schon die Beliebtheit solcher Lustspiele zu der Zeit und ihren Erfolg im Vergleich zu Dramen.:fs:


    Voltaire ist als Aufklärer meines Erachtens etwas singulär, wenngleich man seine Einzigartigkeit und sein Können schon damals begriff, weshalb er den Artikel zum Gelehrten in der Encyclopédie verfassen durfte. Viele seiner Aussagen stehen in scharfem Kontrast zu den Überlegungen von Diderot oder gar Rousseau, gerade was die Aufgabe und die Selbstständigkeit des Gelehrten (homme littérraire) betrifft. Bemerkenswert im Unterschied vom Bild des Liberalen der Aufklärung im Vergleich zu dem des Biedermeier ist für mich die nationale Komponente, welche ich bei den Aufklärern vor allem denen um die Mitte des 18.Jh. noch nicht so sehe. Vielleicht lobte ein Voltaire bestimmte Vorzüge eines Louis XIV., der "zufällig" auch sein König einmal gewesen war. Aber der Chauvinismus und Nationalismus scheint mir bei den "Liberalen" des Biedermeier schon teilweise sehr ausgeprägt, eben weil sie Kinder ihrer Zeit waren. Das Hambacher Fest, wobei Fahnen verschiedenster Länder den Schlossberg hinauf getragen wurden, kann man dabei vielleicht als rühmliche Ausnahme zumindest in dem Aspekt sehen, dass einige völkerverbindende Ideale über die Grenzen hinweg erkannt wurden.
     
  18. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Probier es mal mit "Die deutschen Kleinstädter". Das Stück ist von 1802, aber manches, was Kotzebue in dem fiktiven Nest "Krähwinkel" ausmacht, ist durchaus zeitlos.
     
  19. 211_211

    211_211 Gast

    Befreiungskriege 1813-1815 und der Wiener Kongress

    Hallo :)

    Ich habe eine Frage zum Thema der Befreiungskriege.
    Verstehe nicht so ganz den Zusammenhang.. hoffe jemand kann mir da weiter helfen..
    Schreibe zur Zeit eine Facharbeit, Thema Befreiungskriege.. die Leitthese ist die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Völkerschichten im zusammenhang der Befreiungskriege.. habe es unterteilt in Reformer, Fürsten+Monarchen, liberales Bürgertum/Aufklärer/Studenten, Bauern und Kaufleute/Handwerker. Ich bin mir nicht sicher welche Ziele bzw. Interessen sie verfolgt haben, im Internet finde ich nichts dazu. Würde mich riesig auf eine hilfreiche Antwort freuen. :)
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du musst dir ein Szenario vorstellen, wo es einerseits um die Aufteilung der Macht zwischen dem Ancien Régime (also der alten Regierung[sform]) ging, die eher für eine absolutistische Ordnung stand (wobei der Absolutismusbegriff z.Zt. debattiert wird) und einem liberalen Bürgertum, zum anderen aber um die Idee der nationalen Selbstbestimmung.
    Die Idee der nationalen Selbstbestimmung war im frühen 19. Jahrhundert zwar einerseits liberal orientiert und eben anti-absolutistisch, andererseits aber eben auch nationalistisch und lehnte daher ein Klientelstaatswesen in Abhängigkeit von der Grande Nation ab. Diese Klientelstaaten hatten zwar i.d.R. eine liberalere Verfassung, als man das zuvor - im Zeitalter des Absolutismus hatte - aber man war nach wie vor fremdbestimmt, eben nicht mehr durch die Fürsten, sondern durch die Franzosen. Und die führten zudem Krieg, was teuer war.
    Um das, was hier stark verkürzt wiedergegeben wurde, im Einzelfall nachvollziehen zu können und sinnvoll darzustellen kommst du im Rahmen einer Facharbeit jedoch nicht umhin, dich in die Fachliteratur einzulesen.
    Suche also eine Bibliothek auf und versuche dort etwas zu Befreiungskriegen und Restauration herauszufinden. Schau bei den verwendeten Büchern (je aktueller desto besser) auch in die Literaturangaben, dort findest du i.d.R. weitere Literatur, die du dir beschaffen kannst.
     

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