Die Entstehung der Franken

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von beorna, 16. Juli 2005.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das hängt mit mehreren inzwischen gelöschten Beiträgen und dem extremen Hin- und Hergehüpfe durch die Weltgeschichte gepaart mit haltlosen bis absurden, teils rassistischen Behauptungen zusammen.

    Die römische Annektion Galliens begann bekanntermaßen 58 v. Chr. und kann mit dem Jahr 50 als weitgehend abgeschlossen gelten (wenn da nicht ein kleines gallisches Dorf in Aremorica wäre...) ;). Seitdem beginnt die Romanisierung und Latinisierung Galliens. Das ist natürlich ein schleichender Prozess. Noch im 4. Jahrhundert haben wir durch Hieronymus Nachricht (Kommentar zum paulinischen Galaterbrief), dass er sowohl bei den Galatern, als auch in Trier das keltische Idiom gehört habe. Diese Stelle wird gemeinhin als Beleg für das Überleben des Keltischen im Raum Trier und in Galatien bis ins 4. Jahrhundert angesehen. Ich bin skeptisch, ob Hieronymus überhaupt die Kompetenz hatte, das Keltische von anderen Sprachen zu unterscheiden, was ich aber besonders auf die Galater bezogen wissen will. Auch nach Gregor von Tours gab es vereinzelte keltische Sprachreste im fränkischen Reich, als noch im 6. Jahrhundert. Ein Substratwortschatz hat sich jedenfalls im Frz. erhalten. Neben diesen 'Belegen' für das Überleben des Keltischen in Frankreich von außen, fehlen aber die Belege für das Überleben von Innen. Diese brechen ab dem 4. Jahrhundert ab.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. August 2009
  2. Huhu1

    Huhu1 Gast

    Kamen die Franken aus dem heutigen Franken?

    Guten Tag,

    Meine einfache Frage ist ob die Franken (wie Karl der Große) aus dem heutigen Franken stammen.

    Wenn nicht wieso heißt dann das Gebiet Franken?


    mfg
     
  3. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Früher nahm man an, dass der Name der Franken etymologisch mit dem Begriff frank (= 'frei', heute noch gebräuchlich in der tautologischen Wendung "frank und frei") zusammenhinge. In wie weit das heute noch angenommen wird, weiß ich jetzt nicht. Das Gebiet Franken, welches zum Bundesland ('Tschuldigung, Freistaat) Bayern gehört, heißt so, weil die Franken irgendwann mal auch dieses Gebiet besiedelt haben.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich würd ja gern wissen, wo. Suitbert, der selber Missionar war, erst unter Willibrord und dann unter Bonifatius, hat uns meines Wissens nichts überliefert. Mal abgesehen von Wikipedia, welches die gleiche Behauptung aufstellt, Suitbert hätte die Brukterer missioniert, scheint das eher eine Legende gewesen zu sein, die im 19. und frühen 20. Jhdt. aufkam, als man das Missionsgebiet Suitberts zwischen Ems und Ruhr einfach analog zum 1. Jhdt. den Brukterern zuschlug. Das würde jedenfalls zur Kossinna-Ideologie passen, wonach Ethnien gewissermaßen am Boden klebten.
     
  6. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Aus der Karolingerzeit als ist der Name Pagus Boroctra überliefert. Dieser Name wurde spätestens im 19. Jahrhundert als Brukterergau (pseudo)etymologisch gedeutet und schon war die Konstruktion von Brukterern im Frühmittelalter in der Welt, die noch immer durch die Literatur, Wikipedia usw. geistert.
     
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  7. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Beda war es, der von der Unterwerfung der "Boructuari" durch die Sachsen spricht. Also nicht Brukterer, sondern Leute, die im Brukterergebiet wohnen oder daher kamen*. Zumindest dann, wenn die kleine Verballhornung nicht stört, auf die auch der Gauname zurückgeht. Im 4. Jahrhundert wurden mehrfach Brukterer als Franken erwähnt, was keine große Überraschung ist. Ulrich Nonn vermutet, dass es Brukterer waren, die auf hunnischer Seite als Franken erwähnt an der Schlacht auf den katalaunischen Feldern teilnahmen. Aber eigentlich werden bis Mitte des 4. Jahrhunderts Brukterer erwähnt und dann kommt Beda.

    Es kann - als Vermutung - sogar sein, dass der Frankenname sich durchgesetzt hatte, und, als man eine Bezeichnung für die Einwohner der Gegend brauchte, sich der Brukterer in seltsamer Volksetymologie erinnert hat. (Vielleicht war da auch noch die Übertragung in Bedas Dialekt oder seine lateinische Umsetzung produktiv. Ich habe kein großes Problem damit, weil die Schreibung von Völkernamen in der Merowingerzeit doch sehr fehlerbehaftet ist. Im Übrigen sei hierzu auch an die teils verstümmelten kontinentalen Namen im Widsith erinnert.)

    Gregor von Tour hat dann allerdings den Namen der Brukterer als Franken gerettet. Ihm ist vielleicht zu verdanken, dass Karl der Große Brukterer umsiedeln konnte. ;) (Allerdings geht Nonn davon aus, dass die Kleinen Brukterer an der Lippe geblieben sind. Trifft dies zu und wurde der Name irgendwie tradiert, kann auch ein solcher Bezug nicht zu 100% verneint werden.)

    Schon zuvor dürfte der Name Retter gehabt haben. Wenn sich die Brukterer tatsächlich Ende des ersten Jahrhunderts in Nähe des Rheins ansiedeln durften, werden sie keine besseren Bedingungen erhalten haben als andere Gruppen, die die Einmischung Roms selbst bei ihren Versammlungen dulden mussten. Damit wird die Ethnizität bis ins 3. Jahrhundert hinein römischen Ordnungsvorstellungen gefolgt sein und dadurch in diesem Fall tatsächlich an der jweiligen Region, in der nach römischer Vorstellung ein bestimmter Stamm zu wohnen hatte, festgemacht worden sein.

    *vari- Ethnonyme sind bekanntlich mit Flussnamen (Amsivarier -> Ems, Chasuarier -> Hase) oder Ethnonymen (Chattuarier-> Chatten, Baiovarier->Böhmen/Bojer) gebildet und auch im zweiten Fall geographisch zu verstehen. Gut, die Angrivarier geben uns ein Rätsel auf, doch kennen wir weder alle Ethnien noch alle Flußnamen Germaniens.
     
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