Die Entwicklung zum Investiturstreit

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von fingalo, 8. März 2005.

  1. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Im Investiturstreit wurden Texte aus der Frühzeit der Kirche als Argument herangezogen.
    Aber an einen Investitur"streit" als Machtkampf dachte zur Zeit ihrer Abfassung noch niemand. Man dachte und schrieb unter ganz anderen Gesichtspunkten. Erst unter Gregor bekamen die Texte plötzlich rückblickend eine andere Bedeutung und konnten im neuen Zusammenhang für die eigenen Positionen instrumentalisiert werden.
    Nehmen wir Gelasius. Der schrieb an Kaiser Athanasius: "Denn ihr wißt es, allergnädigster Sohn: wohl überragt Ihr an Würde das ganze Menschengeschlecht; dennoch beugt Ihr fromm den Nacken vor den Amtswaltern der göttlichen Dinge und erwartet von ihnen die Mittel zum Seelenheil. Ebenso erkennt Ihr, daß Ihr beim Empfang der himmlichen Sakramente, wenn sie geziemend ausgeteilt werden, nach geheiligter Ordnung eher der demütig Nehmende, nicht aber der Befehlende seid. In diesen Dingen seid Ihr demnach vom Urteil der Priester abhängig und dürft sie nicht Eurem Willen unterjochen wollen. Wenn nämlich im Bereich der staatsrechtlichen Ordnung auch die Vorsteher der Religion willig anerkennen, daß Euch die kaiserliche Herrschaft durch göttliche Anordnung übertragen ist und deshalb auch sie Euren Gesetzen Gehorsam zu leisten haben, um nicht etwa in weltlichen Dingen Eurer einzig maßgeblichen Befehlsgewalt entgegen zu sein - wie freudig, so frage ich Euch, muß man denen gehorchen, die zur Austeilung der geheimnisvollen Mysterien gesetzt sind?"
    Das Gelasius-Zitat ist in seinem Original kein Machtmittel, das für einen Investiturstreit entwickelt wurde.
    Wenn man nach dem Einsatz von Mitteln im Investiturstreit fragt, dann muss man die Texte des konkreten Investiturstreites selbst nehmen und fragen, woher diese ihre Zitate genommen haben, mit denen sie operierten, und nicht, wie die zitierten Stellen selbst entstanden sind. Der Streit des Gelasius darüber, wer in theologischen Fragen zur Einheit der Kirche das Sagen hat, ist nicht Thema des Investiturstreites. Auch das Verhältnis Theoderichs zu Johannes I. ist kein Thema des Investiturstreites. Thema ist: Wer bestimmt mit welcher Kompetenz, wer welchen Posten zu bekleiden hat. Innerhalb dieses Themas werden dann theologie-politische Ereignisse und Positionen ausgegraben, die nicht selbst Gegenstand des Streites sind, sondern nun als Argumentationsbestandteil in neuer Problemstellung verwendet werden.
    Im übrigen hat nicht Theodosius den Cäsaropapismus erfunden, sondern wohl schon Konstantin.
    Dabei kommt natürlich auch die Frage auf, wie es zu diesem Streit kommen konnte und warum es in Ostrom nichts vergleichbares gab.

    Fingalo
     
  2. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    Liegt wohl auch an den ganz unterschiedlichen Konzeptionen der christl. Rom-bzw. Byzanzidee .
    Die antike Romidee war religiös untermauert. Nicht der Kaiser oder der Senat sind seine Erfolgsgaranten , sondern die alte Götter Roms; Jupiter, Vesta, Appollo,Venus....
    Diese antiken Götterer hat das Christentum abgelehnt, nicht aber die Struktur und verchristlichte diese Idee. Die Hardware,sprich Tempel und Altäre wurden z.T. fleißig wiederverwendet und umgebaut-umgemeißelt.
    Mit Ambrosius ("Der Kaiser seht innerhalb der Kirche, nicht über ihr.")
    beginnt die politische Entfaltung der schon älteren christl. Romidee.; Die Kirche sei der wahre Repräsentant Roms -nicht der Kaiser . Später wird dieser polit. Gedanke von der Kirche monarchisch abgewandelt und sieht den röm. Bischof als den eigentlichen Nachfolger der röm.. Imperatoren und damit als Caput mundi.
    Der lateinische Westen hat diese Idee übernommen, während der Osten diese völlig ablehnte.
    Die christl. Byzanzidee sieht im Kaiser das Abbild des göttl. Urbilds.
    „Gott hat Dich gegeben, Gott wird Dich beschützen „ heißt die byzant. Kaiserakklamation.
    Die christl. Byzanzidee gipfelt in der polit.-mystisch-christlichen Kaiseridee .
    Den Christen bedeutete es offenbar keine Schwierigkeit den verherrlichenden Kult Konstantins zu tragen, sahen sie in ihm doch den Vertreter der „Sache Gottes“ in der Welt.
    Eine Grenze bleibt doch; Abbild ist nie Urbild . Kein byzant. Kaiser ist als neuer Christus
    begrüßt oder angebetet worden.
    Es gibt in Byzanz keine Kirche ohne den Kaiser-und keinen Kaiser ohne die Kirche. Kein säkularer Raum spaltet - wie dann im abendl. Mittelalter gipfelnd im Show-Down der Protagonisten des Investiturstreits - das byzant. Reich ,dies hat so bis in die letzte Palaiologenzeit hinein bestand.
    In der künstler. Hinterlassenschaft Byzanz können wir noch heute in ihren Mosaiken die Transzendenz der mystisch-platonischen Idee erkennen. In den durch den Beobachter,über den Dingen sehenden großen Augen mit der scheinbaren Starre, verbirgt sich eine ganz andere Botschaft als die gegenständlich werdende, individualisierende Entwicklung von Darstellungen im röm. Westen .
     
  3. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    An den schönen Beitrag von Arcimboldo anknüpfend möchte ich noch ein paar Aspekte ins Spiel bringen:
    Die geographische Abschichtung des Westens durch die schrittweise territoriale Abtrennung des Westens vom Osten und die Bedrohung des Imperiums Romanum durch den Vorstoß slavischer Völker waren ene nicht unwesentliche Voraussetzung für die wachsende Einheit und das steigende Selbstbewußtsein der lateinischen Kirche, deren prägnantester Ausdruck der römische Primatanspruch und die sich intensivierende Spaltung bis zum Großen Schisma 1054 wurde. Dieser Anspruch Roms war gegenüber Jerusalem nicht leicht durchzusetzen.Zrwar hatte bereits das Konzil von Konstantinopel 381 den Primat indirekt anerkannt, indem es für die östlichen Metropolien den zweiten Rang nach Rom festlegte, und im 5. Jh. kam es zu einer Reihung "Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Auch im lateinischen Westen gab es Widerstand, indem das Metropolitanbistum Arles einen Sonderstatus gegenüber Rom zu sichern versuchte.
    Hinzukam das Machtvakuum in Rom durch den Wegfall der kaiserlichen Präsenz in Rom, der im 6. Jh. zum Machtzuwachs des kirchlichen Roms.
    Seit der Mitte des 8. Jh. kam es dann zu einer straffen fränkisch-karolingischen Oberhoheit über den Machtbereich der Päpste, was aber deren Aufstieg auf die Dauer nicht bremsen konnte.
    Mit Hilfe des Petruskultes untermauerte das Papsttum seine hierokratische Oberhoheit über die westlichen Reiche Europas. Das führte fast zwangsläufig zu einer durch den Primat in jurisdiktionellen und Glaubensfragen erzeugten Schiedsrichterrolle in der politischen Welt Europas. Das ist die kirchen- und staatsrechtliche Doktrin der "Zwei-Schwerter-Lehre". Damit hatte ja schon Gelasius eingesetzt. Die Entwicklung führt dann zur konfrontativen Auslegung des Gelasius-Zitates durch Gregor VII. im Investiturstreit.

    Fingalo
     
  4. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Entwicklungen im Mittelalter

    Eine weitere Ursache der geistlich-weltlichen Bipolarität im Verhältnis Kaiser / Papst war die wachsende Bedeutung der Bischöfe in der Völkerwanderungszeit. Er war „pastor bonus“ seiner bedrängten Herde und gleichzeitig meist Stadtherr. Dann unterstand ihm die Stadtbevölkerung geistlich und politisch. Das führte zur kichlich-herrschaftlich geleiteten Bürgerstadt, die dann ihre eigene emanzipatorische Entwicklung nahm. So entstanden die mächtigen italienischen Kommunen und die deutschen Gewerbebürgerstädte. Sie traten dann sebständig neben die traditionellen Herrschaftsformen von Adel und Fürsten. Die Kirche hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des europäischen Stadtewesens.
    Fingalo
     
  5. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Ein weiterer Aspekt ist der Übertritt Chlodwigs zur römischen Kirche. Wenn damit auch. und auch mit dem fränkischen Reichskonzil 511, noch keine organisatorische Verflechtung mit Rom eingetreten war, die Verbindung vielmehr eher nur formal war, so entstand doch durch den Einfluss des Heiligenkultes Italiens im fränkischen Reich eine starke kultische Annäherung. Hinzukam die stark zentralistisch ausgerichtete Missionsidee Gregors des Großen, die ihren Ausdruck in der Angelsachsenmission durch Bonifatius und Willibrord, aber auch in der Slawenmission fand. Dadurch kam es zu einer weiträumigen kultischen Einheit unter der lateinischen Liturgie. Dadurch kam es weiterhin zwangsläufig zu einer immer stärkeren Bindung der fränkischen Reichskirche und der Klöster an Rom. Sie erreichte ihren ersten Höhepunkt in dem Bündnis zwischen Frankenkönig und Papst, das 751 dem Karolinger Pippin die kirchliche Legitimation brachte, und eine weitere Steigerung mit Karl dem Großen, als Ober- und Mittelitalien Teile des fränkischen Reiches wurden und damit die Kulturtraditionen dieser Gebiete unmittelbar auf die Gebiete nördlich der Alpen einwirken konnten. Wallfahrt und Heiligenkult führten zur Intensivierung dieser Verbindungen.

    Fingalo
     
  6. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    :hoch:
    Die Rolle Bischöfe und Kardinäle ist auch im unmittelbaren Vorfeld des Investiturstreits interessant . Ich spring da jetzt mal rein.
    Es fällt auf, daß die Päpste von GregorVII./Hildebrand / bis Calixt II. ,den Papst des Wormser Konkordats alle sog. Mönchspäpste sind.
    Die Ausbreitung des Reformmönchtums hatte wohl seit Leo IX. einen entscheidenden Kick bekommen. Kaiser Heinrich III. hatte durch seine reformfreudige Einstellung aus Überzeugung diesen Wirkmechanismus auf die Reichskirche zugelassen.
    Heinrich III. hatte ja auch eine pers. Verbindung zum Reformkloster Cluny. Seine Frau stammt aus der herzogl.Gründer-Familie des Klosters, Heinrich III. bat den Abt Hugo v. Cluny um die Übernahme der Patenschaft seines Sohnes Heinrich.
    Seit Kaiserin Adelheids (Gattin OttoI.) Zeiten und über Heinrich II. hinaus gab es immer schon eine Förderung der cluniazensischen Reformen und Weltsicht. Nachdem die Kirche,besser gesagt deren hochrangige Verwalter zu reichen Lehensherren und Pfründenbesitzer geworden sind ,wurde die klerikale Seite des am Horizont erscheinenden Invetiturstreits also auch noch ideologisch „unterwandert“ mit Idealen, gegen die moralisch gesehen Niemand etwas entgegenzusetzen vermochte- wie auch bei verbreiteter Simonie und
    anderen unpassenden Latern.
    Insgesamt hatten die Reformideen eine starke Anziehungskraft auf den Klerus und dieser stand nun ideell und materiell hochgerüstet ....auch durch die Gegenseite, bestens präpariert für die kommenden Auseinandersetzungen in den Startlöchern .Wen wunderts ,daß der Papst dann seine Muskeln spielen läßt :D
     
  7. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Das geht jetzt ein bisschen flott, wenn Du Gregor VII. + seine Nachfolger ins Spiel bringst. Ich bin noch 300 Jahre davor! Selbst Leo IX. ist schon zu weit gegriffen.
    Das geht ja mal zunächst los mit dem Conconcilium germanicum 743. Die Beschlüsse zeigen, dass bis dahin offenbar adelige Laien die Bistümer leiteten. Das ging auf eine entsprechende Belehnung durch Karl Martell zurück. Dieses radikale Reformkonzil hatte Karlmann einberufen und seine Beschlüsse verkündete er als Kapitular. Beginn der karolingischen Kirchenherrschaft

    Fingalo
     
  8. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Das sind die 300 Jahre vom Illig ? =)

    Du hast natürlich recht. Immer gemach, spannend ists allemal..... :angeln:
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2005
  9. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Bekehrung reichte wohl nicht immer aus . Gegenseitige machtpolitische Interessen beflügelten beide Seiten. Die Lombarden drangen in ein Machtvakuum ein nach dem Zerfall des röm.Imperiums, gleichzeitig verlor Byzanz Einfluß in Italien, während die Folgen der Völkerwanderung Italien erschütterten. Alle diese Faktoren trugen dazu bei, daß Rom "staatliche" Aufgaben und Verantwortlichkeiten zuwuchsen: die Versorgung der Bevölkerung und der militärische Schutz.
    Auch wenn die Lombarden im 6. Jahrhundert zum Katholizismus vom Papst Gregor dem Großen bekehrt wurden, wurden sie von den späten Päpsten immer als unangenehme Gäste betrachtet. Papst Stephan II bat die fränkische Streitmacht um Hilfe, um die Lombarden wegzujagen. Deswegen stellte sich Pipin der Kleine 754 an der Spitze seines fränkischen Heeres und erreichte mit seiner erfolgreichen Aktion die Nobilitierung seiner Dynastie. Unter Karl d.Gr. wurden die Lombarden für eine Weile in ihrer Einmischung in den neuen päpstl. Terretorialstaat niedergehalten.
     
  10. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Richtig.
    Ich fahre fort mit Heinrich dem I. (dem Vogler). Der ist insofern in diesem Zusammenhang von Interesse, als er bewusst auf die kirchliche Salbung zum König verzichtete, um den kirchlichen Einfluss auf das Königtum zurückzudrängen. Er wollte kein "Pfaffenkönig" sein. Heinrich I. wollte das sakral legitimierte „Priesterkönigtum“ durch ein sächsisches „Heerkönigtum“ ersetzen. Die wechselseitigen Einflüsse von weltlicher und geistlicher Herrschaft wurden also schon damals problematisiert.
    Sein Nachfolger Otto I. hatte da keine Berührungsängste. Im Gegenteil. Nachdem er seine Macht gegen die Sachsenhrzöge gefestigt hatte, dehnte er diese durch Heirat der langobardischen Königswitwe Adelheid von Burgund auf die Lombardei aus und wurde schließlich auf dem 2. Italienfeldzug 962 vom Papst zum Kaiser gekrönt. Umgekehrt setzte er zur Festigung seiner Herrschft nicht nur seine Verwandten in Herrschaftspositionen ein, sondern auch Bischöfe und Äbte durch Belehnung, so dass sie den Herzogsrang kamen. Das hatte den Vorteil, dass diese keine dynastische Hausmacht aufbauen, sondern die Lehen nach deren Tod neu und frei vergeben werden konnten. Er gründete sogar selbst neues Bistum im Osten (Merseburg) für die Slawenmission und setzte den Aufstieg Magdeburgs in Gang. Hier hatte also der Kaiser in kirchlichen Organisationsfragen das Sagen, wenn er selbst auch - anders als Heinrich der Vogler - sich sein Kaiswertum vom Papst übertragen ließ.

    Fingalo
     
  11. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Hallo,

    eine kurze Anmerkung meinerseits dazu - und damit es nicht beim Dialog bleibt ;)

    Ab bzw. nach Otto I. spricht man vom Ottonischen Reichskirchensystem, durch welches die geistlichen "Fürsten" als Verbündete der Zentralgewalt fungier(t)en. Dieses System kann als in sich sehr stimmig bezeichnet werden, ist aber später dann - in der Salierzeit - ein bedeutender Reibepunkt. Doch ich glaube, ich greife da schon ein bißchen voraus...

    Viele Grüße

    Timo
     
  12. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Dennoch gab es schon im 10.Jahrh. Anzeichen dafür, daß sich Rahmenbedingungen im mönchischem Leben veränderten . Eine verselbstständigende Kraft ,hier durch Cluny, die Schon durch Adelheid gefördert wurden. Sie vermittelte zwischem dem Hof der Ottonen und Cluny. Es gelang im Laufe des 10.Jahrh. den Mönchen von Cluny unabhängig von weltlicher und kirchlicher Gewalt selbstbestimmt zu agieren und mit Zustimmung des Papstes auch andere Klöster zu reformieren ,falls die jeweiligen Klosterherren dies zuließen.
    Sie scherten quasi aus dem "Reichsmönchtum" aus.
    Es ist wohl davon auszugehen, daß diese Selbstbestimmung eines sich erneuern wollenden Mönchtums die wesentliche Vorraussetzung für die absichtliche -oder unbeabsichtigte Beeinflussung von Reich und Kirche darstellt.
    Interessant in dem Zusammenhang ist m.E. auch die Tatsache,daß es anfangs nicht etwa die Äbte von Cluny waren,die ihre Klosterreform ins Reich trugen, sondern das vom Kaiserhof (Otto II. )
    das Angebot an Maiolus v.Cluny herangetragen wurde, Abt über alle Klöster Deutschlands und Italiens zu werden. Obwohl Maiolus alle Angebote ausschlug,um bei seinen Schäfchen zu bleiben ,verfestigten sich die persönlichen Beziehuingen zwischen den Ottonen und Cluny. :rolleyes:
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. März 2005
  13. Livia

    Livia Neues Mitglied

    Das Recht, neue Bistümer zu gründen, wurde Otto I. im Jahr 955 von Papst Agapet II. übertragen. Die Errichtung des Bistums Merseburg (tatsächlich errichtet 967/68) gelobte Otto I. bereits am Morgen des Laurentiustages (10. August) 955, dem Tag der Lechfeldschlacht - falls Christus auf Fürbitte des heiligen Laurentius dem König Heil und Sieg in der Schlacht verleihen wolle (Grundsatz "eine Hand wäscht die andere", wäre die Bitte ohne Erfolg geblieben, hätte Laurentius auch kein Kloster bekommen).
    Die für die Slawenmission entscheidende Schlacht fand dagegen erst zwei Monate später am 16. Oktober an der Recknitz (Mecklenburg) statt - Otto I. besiegte hier die Elbslawen, erhob von ihnen Abgaben und verbreitete das Christentum. Dazu dienten - in ottonischer Zeit - die Bistümer Havelberg, Brandenburg, Zeitz und Meißen. Merseburg gehörte zwar auch zur Magdeburger Diözese, umfasste aber weitgehend sächsisches Altsiedelland.

    (Gerhard Streich, Bistümer, Klöster und Stifte im ottonischen Sachsen. In: Otto der Große, Magdeburg und Europa. Bd.1, Mainz 2001, S.75 - 81.)
     
  14. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Cluny wird immer als der griffigste Angelpunkt der Klosterreform besonders in den Vordergrund gestellt. Dabei hatten die Augustiner-Chorherren mindestens den gleichen Anteil an der Kirchenreform ( Chrodegang -> Konzil zu Aachen 817 -> Ordo novus unter Gregor /Hildebrand). Aber das sind in Bezug auf den Investurstreit eher Randbereiche.

    Fingalo
     
  15. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Ist zwar richtig. Aber ich erwähne nur diejenigen Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem Investiturstreit wirklich Bedeutung haben. Sonst ufert das von Hölzchen auf Stöckchen aus.

    Fingalo
     
  16. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Das ottonisch-salische Reichskirchensystem beinhaltete keineswegs ein Recht des Kaisers zur Investitur. Vielmehr hatte er in vielen Fällen auf Klerus und die kanonischen Vorschriften der Bischofswahl Rücksicht zu nehmen. Oft hatten die Mönche auch verbriefte Rechte der freien Abtwahl. Manchmal hatte der Kaiser nur ein Einspruchsrecht gegen einen ihm nicht genehmen Kandidaten. Die königliche Mitwirkung bei der Bischofswahl wurde erst unter Heinrich dem III. zu einem echten Besetzungsrecht. Zuerst fand der Handgang und der Treueid statt, dann übergab der König Ring und Stab. Damit wurde der Bischof quasi Vasall des Königs. Das bedeutete, dass der Bischof nicht nur die Gewere vom König erhielt (den kirchlichen Besitz), sondern auch das Amt. Petrus Damiani bezeugt, dass der König die Worte "accipe ecclesiam" sprach.
    Das setzt eine theokratische Verfügungsgewalt voraus. Der König sah sich als "rex et sacerdos". Er hatte auch eine niedere Weihe als Chorherr seiner Hofkapelle. Vorbild war das sakrale Priester-Königtum Melchiseks im AT (Gen 14, 18). Das entspricht dem alten Erbkönigtum, dem das Erbcharisma zukommt, das Königsheil innerhalb eines königlichen Geschlechtes. Deutsche Könige oder Kaiser sind als unbestrittene Herren der Kirche anzusehen, als caput ecclesiae, das die Verantwortung für das Heil der Christenheit trägt.

    Heinrich der III. nun, ein tiefreligiöser Mann, hat diese Stellung total verinnerlicht. Er nimmt nicht nur die Investitur ganz selbstverständlich vor, sondern dehnt seine Ansprüche auf den Papst aus. Auf den Synoden von Sutri und Rom unter Vorsitz des Königs werden die drei schismatischen Päpste Gregor VI., Silvester III. und Benedikt IX. abgesetzt. Gewählt wurde nun der deutsche Suitgert von Bamberg als Clemens II. Das hatte sicher der König bewerkstelligt. Denn der populus Romanus hätte sicher nicht von sich aus einen Deutschen gewählt.
    Sein Vorgehen wurde von den Zeitgenossen überwiegend gebillgt. Allerdings gab es auch Gegenstimmen. Bischof Wazzo von Zürich bestritt dem Kaiser jegliches Recht zur Entscheidung in kirchlichen Dingen.
    Das universalistische Weltbild der damaligen Zeit, in welchem König und Papst einander ergänzen, bestimmte das Denken. Es kommt sinnfällig im Verhältnis zwischen Heinrich III. und Leo IX zum Ausdruck: Der Kaiser unterstützt nach besten Kräften die Reformbestrebungen Leos und Leo stützt mit seiner Autorität die Macht des Kaisers.

    Fingalo
     
  17. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    .... es folgen dann noch weitere gut-kaiserliche, einige deutsche Päpste ,die es ausgerechnet sind, die den größten Feind des Kaisers aufbauen.
    Der mit Heinrich III. verwandte Leo IX. übernimmt der Papst die Führung der Reformbewegung. Innerhalb weniger Jahre reformiert Leo den röm. Stadtklerus, macht die Kardinäle zu einer Art päpstlichen Senat. Berufen werden hochintelligente Köpfe , wie der der zum Kardinalbischof von Silva -Candida erhobene Humbert aus Lothringen. Ein gelehrter Theoretiker und gewiefter Jurist :D , zunächst in untergeordneter Funktion ,dann als Archidiakon schon mal Papstvertreter in anderen Ländern, Hildebrand, der spätere Grepor VII.
    Humbert legt ein kirchenpolitisches Manifest vor ,welches das "röm. System " für die Zukunft festschreiben soll ; das Papsttum als Quelle und Norm allen Rechts, oberster Instanz. Es richtet ohne von jemandem gerichtet zu werden. " Zum Staat verhalte sich die Kirche , wie die Sonne zum Mond oder die Seele zum Leib-oder das Haupt zu den Gliedern."
    Eine neue Weltanschauung- oder Revolution von Oben. Die röm. Vertreter verstanden die se Auffassung auch für den Osten als gültig, kein Wunder , daß die Ostkirche wenig begeistert war durch diese erneute imperiale Anmaßung in Glaubens-und Politikfragen, die noch immer
    zusammengehörten. Humbert war es dann persönlich als Legat, der 1054 den zutagegetreten ,seit längerem entwickelten Bruch jetzt vollzieht, provoziert...wie auch immer. Jedenfalls steht die sich jetzt progressiv entfaltende Autorität der röm. Papstkirche in völligem Widerspruch zur orthodoxen ,eigenkirchlichen Tradition Konstantinopels.
     
  18. PUSTEKUCHEN

    PUSTEKUCHEN Neues Mitglied

    Investiturstreit

    abend :)

    ich bräuchte dringend eure Hilfe. Ich hab da so ein Arbeitsblatt bekommen und da steht: ,,Der kaiser wollte das recht der einsetzung der bischöfe und äbte nicht verzichten.begründe"

    könnt ihr mir bitte paar stichworte geben, weil ich echt keine ahnung davon habe!
    wäre nett
    lg
     
  19. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Google mal unter "Investiturstreit", da kannst Du es nachlesen :devil:

    Nun, Bischöfe waren halt nicht nur oberste Seelsorger sondern Landesherrn mit erheblicher weltlicher Macht und ,zumindest was die Erzbischöfe von Mainz,Köln und Trier betrifft , auch Königsmacher.(google "Goldene Bulle", nicht "goldenes Kalb" obwohl beides zusammenhing :D) ´
    Außerdem bildeten sie die Grundpfeiler der Verwaltung und hatten über Klöster und kirchliche Universitäten Einfluss auf die Intelligenzia....oft war der Burgkaplan der einzige im ganzen Stall der schreiben konnte.
    Und außedem hatten sie Macht über die Seelen der Untertanen des Kaisers.

    Kurz gesagt,die Bischöfe bildeten eine politisch und gesellschaftlich höchst einflussreiche Gruppe und deshalb wollte der Kaiser hier durch das Recht der Investitur seinen Einfluss behalten.´
     
  20. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

    http://www.geschichtsforum.de/f44/gregor-vii-und-heinrich-iv-25316/

    Siehe es ist schon mal da gewesen :grübel:
     

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