Die europäische Bündnispolitik vor dem Ersten Weltkrieg

W

Walli

Gast
Hallo zusammen,

im Titel steht ja bereits das Thema. Da es ja allerdings sehr umfassend ist und ich schon zig Artikel und Bücher gelesen hab fällt es mir schwer eine kurze Zusammenfassung mit dem wichtigsten Punkten zu schreiben. Vielleicht kann mir einer von euch Tipps geben,was auf jeden Fall rein sollte,oder wie eine Zusammenfassung aussehen sollte.

Ich danke euch schonmal im Voraus!
 
...,was auf jeden Fall rein sollte,oder wie eine Zusammenfassung aussehen sollte...


Ich unterstelle, es geht um die deutsche Perspektive!

1. Teil: Das Bündnissystem Bismarcks (zur Isolation Frankreichs),

2. Teil: Der "neue Kurs" Kaiser Wilhelms II, d. h. die Auflösung des Systems Bismarcks und die deutsche Selbstisolation
sowie die Überwindung der britisch-französischen (Kolonial-)Differenzen hin zur Entente Cordiale und die Einbeziehung Russlands zur Triple Entente.
Dazu gehörten dann auch noch die gescheiterten deutsch-britischen Flottenverhandlungen.
 
Hallo zusammen,

im Titel steht ja bereits das Thema. Da es ja allerdings sehr umfassend ist und ich schon zig Artikel und Bücher gelesen hab fällt es mir schwer eine kurze Zusammenfassung mit dem wichtigsten Punkten zu schreiben. Vielleicht kann mir einer von euch Tipps geben,was auf jeden Fall rein sollte,oder wie eine Zusammenfassung aussehen sollte.

Ich danke euch schonmal im Voraus!


Wenn du schon zig Bücher und Artikel gelesen hast, bin ich doch einigermaßen irritiert, das du keine Vorstellung davon hast, was in deiner kurzen Zusammenfassung hinein gehört; es sei denn, du willst uns hier auf die Schippe nehmen und wir sollen deine Hausaufgabe mehr oder weniger erledigen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Grüß dich,

wenn du soviel darüber gelesen hast, müsste dir eine Zusammenfassung eigentlich relativ leichter fallen als mir, trotzdem wage ich hier den Versuch. Ich bitte meine Kollegen hier im Forum um Berichtigungen meiner Fehler und ergänzungen meiner Ausführung, speziell von jenen, die mit dem Thema besser vertraut sind. Danke.

Die Zeit vor dem 1. Weltkrieg ist ein verworrenes Konstrukt, mit wechselnden Einflüssen, Interessen und vielen Konflikten.

Ich möchte hierbei am Anfang des 19. Jahrhunderts beginnen, weil ich glaube, dass sich die Fäden von dort aus am besten nachverfolgen lassen. Wir haben also das besiegte Frankreich, mit der Batavianischen Republik und die große Koalition von Großbritannien, Russland, Österreich-Ungarn, Preußen und dem übergelaufenen Rheinbundstaaten, sowie Spanien.

Am 26.04.1828 erklärt Russland dem Osmanischen Reich den Krieg. Der Auftakt des sechsten russisch-türkischen Krieges. Russland möchte seine Stellung auf dem Balkan ausbauen. Die aktuelle schwäche des Osmanischen Reiches ist die Triebfeder loszuschlagen.
Am 14.09.1829 beendet der Friede von Adrianopel (Edirne) diesen Krieg. Russland erringt fast die gesamte Donaumündung und weite Teile Armeniens. Die Fürstentümer Moldau und Walachei bleiben unter russischer Militärverwaltung.

Am 05.07.1830 intervenieren französische Truppen in Algerien um der Piraterie einhalt zu gebieten.

Am 20.01.1831 garantieren die Großmächte England, Frankreich und Russland die Unabhängigkeit Belgiens von der Batavianischen Republik. Ein herber Gebietsverlust für die Niederlande, nach der Belgischen Revolution von 1830.
Am 19.04.1939 garantieren die Mächte Preußen, Österreich, Russland, Frankreich, die Niederlande und Belgien im Londoner Protokoll, die Unabhängigkeit und Neutralität Belgiens.

1832 wählt die grichische Nationalversammlung Otto, Sohn des bayerischen Königs, Ludwig I, zum König der Hellenen. Ganz im interesse der grichischen Schutzmächte, England, Frankreich und Russland, welche den grichischen Freihheitskampf gegen das Osmanische Reich unterstützten.
Am 24.10.1862 putscht das grichische Militär gegen den wittelsbacher Otto I, der seine Königskrone niederlegen und ausser Landes flüchten muss.

Um 1839 intervenieren britische Truppen in Afghanistan, welches aufgrund seiner Lage nördlich von Britisch-Indien von großer strategischer Bedeutung ist. Die Osmanen werden sich sicherlich von dieser einkesselung bedroht gefühlt haben. (Der letzte Satz ist lediglich eine Mutmaßung meinerseits).
1842 kapituliert Großbritannien in Afghanistan.

Am 13.04.1841 bewahren die Großmächte der Londoner Viererallianz das Osmanische Reich von seiner Vernichtung. Der ägyptische Statthalter Mohammed Ali willigt in die von der Viererallianz gestellten Friedensbedingungen ein, und beendet damit die zweite Orientkrise. Frankreich und Russland sehen sich gezwungen ihren Kolonialen Ambitionen zurückzustecken. Das Osmanische Reich verliert weitere Gebiete, da Ägypten seine Unabhängigkeit erhält.

1843 kommt es zur ersten Annährung Frankreichs und Englands seit 1530. König Louis Philippe von Frankreich empfängt Königin Viktoria von England.

1853 besetzen russische Truppen die Donaufürstentümer Moldau und Walachei, um die Grenzen zum Osmanischen Reich zu verschieben. Das Osmanische Reich erklärt daraufhin Russland den Krieg. Das Osmanische Reich erhält die Unterstützung von England und Frankreich, welche an einer weiteren Ausdehnung Russlands kein Interesse haben. Erst als auch Österreich droht an der Seite von Frankreich und England in den Krieg einzutreten gibt Russland bei und unterzeichnet den Pariser Friedensvertrag.

Um 1856 nutzen nahezu alle europäischen Großmächte, die durch den Lorchakrieg (2. Opiumkrieg), entstandene Schwäche Chinas aus, um dort Kolonial Fuß zu fassen.

1857 übernimmt Großbritannien die direkte Macht in Indien infolge der Unruhen zum Sepoy-Aufstand.

Am 08.02.1863 vereinbaren Russland und Preußen militärische Zusammenarbeit zur niederschlagung des ponischen Aufstands (auch Januaraufstand genannt) in der Alvenslebenschen Konvention. Bismarck erhofft sich Rückendeckung vor seine Bestrebungen einer Führungsrolle Preußens.

Am 10.01.1864 wird Erzherzog Maximilian, Bruder von Franz Joseph I von Österreich, auf französisches bestreben hin Kaiser von Mexiko.

Am 04.10.1865 erklärt Frankreich informell seine Bereitschaft, im Falle eines Kriegsausbruchs zwischen Preußen und Österreich, Neutral zu bleiben.

Am 23.02.1865 wird Fürst Alexander Ioan I. Cuza durch einen Militärputsch vom rumänischen Thron vertrieben. Sein Nachfolger wird am 20. April Karl I. von Hohenzollern.

Am 14.06.1866 bricht der preußisch-österreichsche Krieg aus.

18.08.1866 gründet sich der Norddeutsche Bund, der Vorläufer des 1871 gegründeten Kaiserreichs, aus Preußen und den mit ihm gegen Österreich verbündeten Staaten.

Am 04.07.1870 beschließt die Spanische Regierung den hohenzoller Leopold als Anwärter für den vakanten spanischen Thron, dem Parlament vorzuschlagen. Frankreich legt dagegen Widerspruch ein. Leopold verzichtet daraufhin auf den spanischen Thron.

Durch eine gewagte Täusung, Emser Depesche, zwingt Bismarck Frankreich dazu, Preußen den Krieg zu erklären. Nach der Niederlage Frankreichs wird Wilhelm I. von Preußen zum deutschen Kaiser ausgerufen.

Das Osmanische Reich nutzt im Oktober 1871 die militärische Schwäche Frankreichs um Tunesien zurückzuerobern, welches faktisch unter französischer Kontrolle stand.

Am24.04.1877 erklrät Russland dem Osmanischen Reich den Krieg, um möglicherweise den Pariser Frieden zu revidieren. Der Seinerzeit den 1. Krimkrieg beendet hat.

1882 besetzen Frankreich und England faktisch Ägypten, nachdem sich die Ägypter gegen den wachsenden Einfluss der Briten und Franzosen gewehrt hatten.

Am 21.08. 1886 überfallen russische Agenten den rumänischen Fürsten Alexander I und verschleppen ihn auf russisches Gebiet. Nach seiner Freilassung flüchtet er nach Darmstadt. Die Aktion löst eine internationale Krise aus.

1888 Wilhelm II übernimmt den Thron von seinem am 15.06. verstorbenem Vater Friedrich III, im Alter von 29 Jahren.

1890 Bismarck tritt als Reichskanzler zurück.

Am 17.08.1892 kommen Frankreich und Russland in einer geheimen Militärischen Konvention darüber ein, im Falle eines deutschen Angriffs einander beizustehen. Diese Konvention gipfelt 1893/94 in einem russisch-französischen Bündnis. Mit diesem Bund hebt sich die europäische Sicherheitspolitik Bismarcks auf. Dem russisch-französischen Bündnis steht Deutschland, Österreich und Italien als Dreibund gegenüber. Europa ist in zwei Lager gespalten.

1904 schließen Frankreich und England das Bündnis "Entente Cordiale" welches Deutschland politisch weiter Isoliert.

19.05.1906 der Reichstag genehmigt die "Flottennovelle".

31.08.1907 Im petersburger Vertrag entsteht die Tripelentente aus Großbritannien, Frankreich und Russland.

01.07.1911 Der "Panthersprung nach Agadir" löst fast einen Weltkrieg aus.

29.09.1911 Das Königreich Italien erklärt dem Osmanischen Reich den Krieg und nimmt Lybien ein.

08.10.1912 Das Königreich Montenegro, gefolgt von Bulgarien, Griechenland und Serbien, erklärt dem Osmanischen Reich den Krieg. Der 1. Balkankrieg bricht aus.

29.06.1913 Nach Ende des 1. Balkankrieges im Londoner Präliminärfrieden bricht der 2. Balkankrieg aus, als Bulgarien Serbien angreift um die Gebietsverteilung nach dem Londoner Präliminärfriedens nach seinen Gunsten zu korrigieren.

Nach dem Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 und dem verstrichenen Ultimatum, erklärt Österreich-Ungarn am 28.07.1914 Serbien den Krieg, und zieht seinen Bündnispartner Deutschland mit hinein. Als das europäische Bündnissystem zu greifen beginnt, reiht sich eine Kriegserklärung an die andere. Den Mittelmächten steht die Entente gegenüber.

(Quelle dieser vorläufigen Zeittafel: Das Jahrtausendbuch Band 2 1001-2000; ADAC-Verlag GmbH München. Auflage 2001)

Es zeigt sich, das zum Ausklang des 19. Jahrhunderts, die von den europäischen Großmächten angestrebte Weltordnung, mit keiner zu starken Partei/Nation aufgrund der verworrenen Bündnispolitik nicht greifen konnte, und dieses Ungleichgewicht zu diesem Krieg führen musste.

Daraus entwickelte sich zunächst ein Lokalkrieg zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien. Durch die gegenseitigen Bündnisverpflichtungen und die deutschen militärischen Planungen (Schlieffen-Plan) eskalierte der Lokalkrieg innerhalb weniger Tage zum Kontinentalkrieg unter Beteiligung von Frankreich und Russland. Die politischen Konsequenzen des Schlieffen-Plans führten zudem zum Kriegseintritt von Großbritannien und seiner Dominions, somit zum Weltkrieg zwischen den Mittelmächten und der Entente.
(Quelle: Erster Weltkrieg ? Wikipedia)

Wir haben also Österriech, verletzt in Ehre und Stolz, welches sich an Serbien rächen möchte. Österreich kann bei seinem Ultimatum auf Deutschlands Unterstützung gegen eine eventuelle Intervention Russlands bauen. Serbien steht unter dem Schutz von Russland. Russland und Frankreich sind seit 1894 verbündet. Folglich macht Frankreich mobil, als Russland mobil macht. Deutschland macht mobil als Russland mobil macht um gegen Österreich zu kämpfen.
Wir haben das Osmanische Reich, welches seine Chance sieht seine Alten Gebiete von Russland zurückzugewinnen und sich somit den Mittelmächten anschließt. Wir haben die Ägypter etc, die sich den Entente anschließen um nicht erneut vom Osmanischen Reich dominiert zu werden. Durch die Bündnisverpflichtungen von Russland und Frankreich war Deutschland auch im Kriegszustand mit Frankreich, welches die schmach von 1871 nicht vergessen hatte, und sich an Deutschland rächen wollte. Der Schlieffen-Plan sah die schnelle niederwerfung Frankreichs vor. Unglücklicherweise erforderte dieser Plan den Durchmarsch durch die neutralen Benelux-Staaten. Diesen Neutralitätsbruch nutzte England als Begründung um den Schutzverpflichtungen der Triple Entente gerecht zu werden, und gegen die deutsche Flottenpolitik, die England schon lange ein Dorn im Auge und als Bedrohung der Seemacht angesehen wird, aktiv zu werden. Mit England folgte das britische Commonwealth, sowie die zig Kolonien der einzelnen Staaten.
Ein Stecknadelgroßer Konflikt wucherte innerhalb von Tagen zu einem Weltenbrand aus.

Während des Ersten Weltkriegs blieben die Vereinigten Staaten bis 1917 formal neutral, unterstützten aber die Entente vor allem durch Nachschublieferungen. Am 1. Februar 1917 erklärte Deutschland als Gegenmaßnahme den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, woraufhin die USA am 6. April Deutschland den Krieg erklärten und am 5. Juni die Wehrpflicht einführten. Das Deutsche Reich sandte nach seinem Sieg über Russland die freigewordenen Truppen an die Westfront und trat im Frühjahr 1918 ein letztes Mal zu einer vergeblichen Offensive an. Die in Frankreich eintreffenden amerikanischen Truppen verschoben die Kräfteverhältnisse endgültig zugunsten der Alliierten.
(Quelle: Vereinigte Staaten ? Wikipedia)

Die zahnräder von Konflikten und Bündnissen eines Jahrhunderts leifen um die Jahrhundertwende herum an, und triben die Welt nahezu Chancenlos in diesen Krieg hinein.

Soweit hier und heute von mir.

Grüße
WW
 
Am 17.08.1892 kommen Frankreich und Russland in einer geheimen Militärischen Konvention darüber ein, im Falle eines deutschen Angriffs einander beizustehen. Diese Konvention gipfelt 1893/94 in einem russisch-französischen Bündnis. Mit diesem Bund hebt sich die europäische Sicherheitspolitik Bismarcks auf. Dem russisch-französischen Bündnis steht Deutschland, Österreich und Italien als Dreibund gegenüber. Europa ist in zwei Lager gespalten.

Ob es zu diesem Zeitpunkt schon tatsächlich gespalten war?

Eine kleine Begebenheit soll meine Frage illustrieren.
Der russische Botschafter in Berlin Osten-Sacken traf auf seiner Rückreise von Petersburg nach Berlin, in Wien mit dem dortigen deutschen Botschafter Eulenburg zusammen. Osten-Sacken hatte im diesem Gespräch folgende bemerkenswerte Ausführung getätigt:

"Russland folgt mit dem äußersten Interesse den Kampf, den Kaiser Wilhelm in kraftvoller Art gegen die destruktiven Elemente in Deutschland führt. Die der zivilisierten Welt durch die Sozialdemokratie drohtenden Gefahren erkennt Russland und das Schicksal der Monarchien - speziell seines großen deutschen Nachbarn - kann ihm nicht gleichgültig sein. Russland würde selbst unter einer Änderung in Deutschland leiden. Hält Kaiser Wilhelm seine dominierende Stellung aufrecht - zugleich als Hort des Friedens (denn dieser ruht ja ganz wesentlich, ja fast ausschließlich in seiner Hand) - dann garantiert Russland den Frieden an Deutschlands Grenze."

Osten Sacken wird sicher von Lobanow beauftragt worden sein, dieses zu übermitteln. Nachzulesen in GP Band 9, S. 349
 
Durch eine gewagte Täusung, Emser Depesche, zwingt Bismarck Frankreich dazu, Preußen den Krieg zu erklären. Nach der Niederlage Frankreichs wird Wilhelm I. von Preußen zum deutschen Kaiser ausgerufen.

Hierzu ein paar Anmerkungen.

Beachtenswert ist in diesem Kontext, das die spanische Regierung am 10.Juli damit einverstanden war, Leopold zum Verzicht auf die Thronkandidatur aufzufordern. Damit war das eigentliche Problem gelöst, aber der französische Außenminister Gramont war aber damit durchaus nicht zufrieden.
Warum? Ein freiwilliger Rücktritt Leopolds würde Preußen nicht demütigen. Und genau dies war die Absicht von dem französischen Außenminister.
Gramont setzte also Benedetti in Marsch, den er permanent mit immer neuen Depeschen zur Eile aufforderte. Leopold sollte von Wilhelm I. zum Verzicht auf die Kandidatur aufgefordertwerden, das war es was Gramont unbedingt wollte.

Gramont kabelte an seinem Botschafter Benedettti in Berlini, "Ich muss Sie wissen lassen, dass Ihre Sprache, was die Festigkeit betrifft, nicht mehr der von der Regierung des Kaiser eingenommenen Stellung entspricht. Sie müssen heute einen schärferen Ton anschlagen. [...] Wir verlangen, dass der König dem Prinzen von Hohenzollern verbiete, auf seine Kandidatur zu beharren, und wenn wir morgen nicht eine entscheidende Antwort haben, so werden wir das Schweigen oder die Zweideutigkeit als eine Weigerung betrachten, zu tun was wir verlangen. Auch eine Entschuldigung wurde verlangt.

Das konnte man schon als Drohung auffassen.

Benedetti eilte nach Ems. Wilhelm I. servierte Benedetti zunächst das Argument der Familienangelegenheit. Bismarck war zu jener Zeit in Varzin und wurde vom Auswärtigen Amt auf dem Laufenden gehalten. Er kabelte nach Berlin, " Inhalt vollkommen gleichgültig. Lassen Sie geschehen, was geschieht." Erst am 12.Juli traf Bismarck dann in Berlin, dem Tag, an dem Fürst Karl Anton für sein Sohn den Verzicht erklärte, da dieser in den Alpen herumkraxelte. In Berlin setzte Bismarck sich zunächst mit Roon und Moltke zusammen. Er traf dann auch noch den russischen Staatskanzler Gortschakow und den englischen Botschafter. Bismarck war vorbereitet.

Der französische Regierungschef Ollivier verteidigte seinen Entschluss zum Kriege mit der Ausführung, das die preußische Regierung die Verhandlungen in Ems den europäischen Kabinetten bekanntgegeben habe. Ollivier hatte also die Notifikation der Emser Depesche als den entscheidenden Kriegsgrund gesehen. Die Kandidatur spielt keine Rolle mehr; sie war ja auch bereits liquidiert worden. Die Kammer erfuhr zwar, das Wilhelm I. den Verzicht zwar gebilligt habe, aber eben nur in entstellter, für Parlament und Öffentlichkeit so nicht zufriedenstellender Form.

Spannend wurde es abends am 14.07. und morgens am 15.07. . Pariser Zeitungen brachten die zutreffende Information: „Nach anderen Informationen aus Ems soll der König Benedetti gesagt haben, das er den Verzicht seines Vetters auf dem spanischen Thron gebilligt habe, und dass er den Konflikt als beendet ansehe. (1)

Nun war der Widerspruch zwischen der Emser Depesche und der Meldung des französischen Blätter offenkundig.

Ein Antrag Favres die diplomatischen Aktenstücke offenzulegen wurde abgelehnt. Das Parlament beschloss ein Ausschuss einzurichten, der die Akten prüfen sollte. In diesem Ausschuss verbog Gramont die Wahrheit, das die Balken sich bogen. Beispielsweise wurde die Frage gestellt, ob die Forderungen an Preußen immer dieselben gewesen waren. Gramont führte aus, das die Forderungen, als Verzicht der Kandidatur und königliche Befehl zum Verzicht an Leopold. Explizit wurde die verlangte Garantieerklärung nicht erwähnt. Und das geforderte Entschuldigungsschreiben von Wilhelm I. blieb ebenfalls seitens Gramonts und Olliviers unerwähnt. Oder die Frage, ob Frankreich über Bündnisse verfüge. Gramont antwortete, die Botschafter Italiens und Österreich-Ungarn wären bei ihm gewesen und er hoffe nicht mehr ausführen zu müssen.

Wir wissen, dass es Gramont um den vollständigen diplomatischen Triumpf, der Demütigung Preußens, gegangen war. Natürlich wurde das nicht zugegeben.

Der Temps berichtete, dass ein Telegramm, dessen offizieller Text der Kammer nicht einmal vorgelesen worden ist, genügte der Regierung, um das Land in den größten Krieg des 19.Jahrunderts hineinzuziehen.

Jules Favre trieb seine Opposition so weit, dass er meinte, die Depesche Bismarcks gebe es gar nicht; sie sei eine Erfindung der Regierung, um den Krieg entsprechend zu begründen.

Die französische Regierung empfand offenbar selbst, wie schwach ihre Argumentation war und brachte nunmehr eine gefälschte, erheblich verschärfte Version des Bismarckschen Schreiben an einige in- und ausländische Zeitungen. (2)

(1) Brase, Olliviers Memoiren und die Entstehung des Krieges, S.144

(2) Les origines diplomatiques de la guerre 1870/71
 
29.06.1913 Nach Ende des 1. Balkankrieges im Londoner Präliminärfrieden bricht der 2. Balkankrieg aus, als Bulgarien Serbien angreift um die Gebietsverteilung nach dem Londoner Präliminärfriedens nach seinen Gunsten zu korrigieren.

Bulgarien war nicht die einzige Macht, die Korrekturen verlangte. Rumänien beispielsweise verlangte von Bulgarien territoriale Kompensation, gedacht war u.a. an Silistra, dafür, das man im Ersten Balkankrieg die Füße stillgehalten hat. Hierfür wollte Rumänien belohnt werden und des Weiteren war es für Bukarest nicht akzeptabel, das Sofia einen großen Machtzuwachs verbuchen konnte und Rumänien nichts erhalten hatte. Rumänien wollte sich gewissermaßen als Vormacht auf dem Balkan verstanden wissen. Entsprechend trat man auf.

Griechenland und Bulgarien waren sich nicht einig über Saloniki.

Gemäß des Bündnisvertrages vom 13.März 1912 hatte Bulgarien Anspruch auf einen Anteil am eroberten Makedonien. Dieser wurde mit Nachdruck, vor allem vor dem Hintergrund, das die Serben die dortige bulgarische-makedonische Bevölkerung verfolgten. Belgrad wollte aber den Bündnisvertrag nicht einhalten. Der serbische Ministerpräsident Pasic äußerte in einer Note vom 29.01.1913, das der Bündnisvertrag einer Revision unterzogen werden müsse und dies auf der Londoner Botschafter Konferenz durchgesetzt werden sollte. Das Bulgarien das nun nicht einsah, ist nachvollziehbar. Immerhin hatte man eine Vertrag abgeschlossen.

Griechenland unterstützte die Haltung Belgrads, da es Bulgarien nicht als neuen Nachbarn haben wollte. Bulgarien hätte sich dann bis in das Hinterland von Saloniki ausgedehnt.

Wenn wir also zusammenfassen, dann war Serbien nicht willen den mit Bulgarien geschlossenen Vertrag einzuhalten. Athen unterstützte diesen Vertragsbruch Belgrads. Bukarest stellte Kompensattionsansprüche u.a. auf Silistra, dort war die Bevölkerung bulgarisch.

Am 30.April 1913 baten die Bulgaren den russischen Zaren um ein Schiedsspruch. Dieser verweigerte den Wunsch und bezog Partei für Serbien. Dadurch wurde natürlich auch die Bereitschaft den rumänischen Wünsche nachzukommen deutlich vermindert.

Formal haben die Bulgaren den Krieg begonnen, aber Bukarest hat nun nicht die alleinige Verantwortung dafür zu tragen. Alleine das Petersburg ganz offen den Rechtsbruch Belgrads unterstützte, wird in Bukarest bestürzt haben.
 
1890 Bismarck tritt als Reichskanzler zurück.

Bismarck war von Wilhelm II. entlassen worden. Der Kaiser hatte den Kanzler befohlen den Rücktritt einzureichen.

01.07.1911 Der "Panthersprung nach Agadir" löst fast einen Weltkrieg aus.

Weltkrieg?
Ich empfehle dringend die Lektüre dieses Fadens:

Die Marokko-Krisen

Da wird doch ersichtlich, das es nicht ganz so einfach ist, wie von dir dargestellt.

904 schließen Frankreich und England das Bündnis "Entente Cordiale" welches Deutschland politisch weiter Isoliert.

Die Entente Cordiale war kein Bündnis, sondern zum Zeitpunkt des Abschlusses ein kolonialpolitischer Interessenausgleich zwischen Frankreich und Großbritannien. Die Entente enthielt keine militärischen Absprachen; das kam erst später.

In der Liste fehlt beispielsweise der Krimkrieg und der deutsch-dänische Krieg. Beide Kriege waren für de weiteren Verlauf der europäischen Geschichte nicht unwichtig.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der damalige britische Außenminister Lord Lansdowne betrachtete die Entente, um den vorhandenen Reibungen mit Frankreich aus der Welt zu schaffen. Er war sich auch absolut darüber bewußt, das er mit dem Abschluss dieser Entente Rechtsbruch begann, denn durch die Auslieferung Marokkos an Frankreich wurde der Madrider Vertrag vom 03.Juli 1880 gebrochen. Die 13 Mächte, die den Vertrag unterzeichnet hatten, haben sich zur vollen Wahrung der volle Souveränität des Sultans und den Grundsatz der Handelsfreiheit verpflichtet gehabt.
Lansdowne war das unangenehm, deshalb schlug er vor, das die "Liquidierung" Marokkos in einem separaten und geheimen Dokument vereinbart würde, um zu verhindern, das diese Abmachung vor dem britischen Parlament offen gelegt wird.

Der damalige französische Außenminister Delcassé sah vor allem die künftigen Perspektiven und führte ein paar Tage vor der Unterzeichnung aus: "Meine lieben Freunde, was für schöne Horizonte würden sich für uns auftun. Überlegen Sie! Wenn wir uns sowohl auf Russland wie auf England stützen können, wie stark werden wir im Verhältnis zu Deutschland sein." (1)

(1) Gooch, Before the War. Studies in Diplomacy, Band 1, S.153
 
Griechenland unterstützte die Haltung Belgrads, da es Bulgarien nicht als neuen Nachbarn haben wollte. Bulgarien hätte sich dann bis in das Hinterland von Saloniki ausgedehnt.

Wenn wir also zusammenfassen, dann war Serbien nicht willen den mit Bulgarien geschlossenen Vertrag einzuhalten. Athen unterstützte diesen Vertragsbruch Belgrads. Bukarest stellte Kompensattionsansprüche u.a. auf Silistra, dort war die Bevölkerung bulgarisch.

Zu den Hintergründen: Wie verhielt sich denn Sofia eigentlich in der Durazzo Krise?

Es gab ja Abreden zwischen Belgrad und Athen über die Teilung der albanischen Gebiete (Athen schielte ja durchaus auch auf "Nord-Epirus", also die südalbanischen Grenzgebiete).
Nun ist mir aber nicht bekannnt, ob das rein separate Abreden zwischen Greichenland und Serbien waren oder ob es da ein Abkommen auf Ebene der gesamten Balkanliga gab, dass auch Sofia auf die Unterstützung Belgrads und Athens bei der Gewinnung dieser Territorien eingeschworen hätte?

Im Hinblick auf die makedonischen Gebiete, stelle ich mir durchaus die Frage, ob Belgrad da von Anfang an incht daran dachte diese Territorien vertagsgemäß zu räumen oder aber, ob es sich zu dieser Haltung erst entschied, nachdem es damit gescheitert war seine Position in Albanien durchzusetzen, möglicherweise in dem diffusen Gefühl hier vom bulgarischen Bündnispartner im Stich gelassen worden zu sein und deswegen auf Kompensation für entgangene Expansionsziele dort zu bestehen, auf Kosten Bulgariens, dass zwar aus Adrianopel wieder abziehen musste, sonst aber seine Expansionsziele erreicht hatte.
Für Athen (das durchaus auch Interessen an Makedonien hatte, auch das war neben Thessaloniki und Westthrakien) eine Reibungsfläche mit Bulgarien), würde sich eine ähnliche Frage in abgeschwächter Form, denke ich, auch stellen.

War man von Beginn an nicht bereit die Beute zu teilen oder trug hier neben dem Wettrennen der Griechischen und Bulgarischen Streitkräfte bei der Eroberung von Thessaloniki (möglicherweise nich gannz unberechtigte Zweifel Athens, dass die Bulgaren da wieder abgerückt wären, wenn ihnen die Einnahme vor den griechischen Truppen gelungen wäre) auch bei dass Athen sich in Sachen "Nord Epirus" nicht durchsetzen konnte und Bulgarien vor allem deswegen die Umsetzung fast aller Expansionsziele missgönnte?
 
Nun ist mir aber nicht bekannnt, ob das rein separate Abreden zwischen Greichenland und Serbien waren oder ob es da ein Abkommen auf Ebene der gesamten Balkanliga gab, dass auch Sofia auf die Unterstützung Belgrads und Athens bei der Gewinnung dieser Territorien eingeschworen hätte.

Anfang Juni 1912 wurde zwischen Serbien und Bulgarien eine Militärkonvention abgeschlossen.

Am 29.Mai 1912 haben Bulgarien und Griechenland einen Bündnisvertrag geschlossen.

Im Juni 1912 haben Serbien. Montenegro und Griechenland mündlich Bündnisvereinbarungen abgeschlossen.

Am 05.Oktober 1912 schlossen Bulgarien und Griechenland eine Miltärkonvention ab.

Am 06.Oktober 1912 Bündnis zwischen Serbien und Montenegro.

Bulgarien hatte beispielsweise die serbische Forderung nach einem Hafen loyal unterstützt.

Ab 1911 wurden die Gespräche zwischen Bulgarien und Serbien intensivier. Motor war der serbische Außenminister Milovanovic. Mit ausdrücklicher russischer Billigung bemühte er sich Sofia für ein Bündnis zu gewinnen. Der bulgarische Außenminister Geschoss hatte bedenken hinsichtlich einer Aufteilung Makkedoniens. Diese wurden durch Milovanovic mit dem Hinweis zerstreut, dass das vorrangige Kiegsziel Belgrads Bosnien und die Herzegowina sei,. Serbien wolle bei einem Zusammenbruch der Monarchie und/oder der Türkei die genannten Provinzen. Hierdurch falle ein Verzicht auf Makedonien leichter. Der Vertrag wurde trotzdem erst am 13.März 1912 geschlossen und sollte bis zum 13.Januar 1921 gelten.
In einer geheimen Absprache wurden dann die Abmachungen für einen Angriffskrieg gegen das Osmanische Reich fixiert. Als erstes verpflichtete man sich zu einer vorhergehenden Verständigung und zu einer Mitteilung an Petersburg.
Zu den wichtigen Abmachungen zählten die territorialen Absprachen. Bezüglich Mazedonien wurde vereinbart, wenn es nicht gelingen sollte dies als autonomes Gebiet zu organisieren, dann wollte sich Serbien auf die Linie nördlich von Kriva Palanka bis zum Südwesten des Ohridsees zu bescheiden. Bulgarien akzeptierte dies unter der Prämisse, das der Zar Nikolaus zustimmt.
Wichtig ist es auch zu erwähnen, das Serbien und Bulgarien sich darauf einigten, alle territorialen Eroberungen, die sich aus gemeinsamen Aktionen ergaben, als Eigentum beider Verbündeter betrachten würden.

Makedonien war auch Gegenstand der Verhandlungen zwischen Bulgarien und Griechenland. Athen war von vornherein nicht mit einer Autonomie Makkedoniens einverstanden. Sofia und Athen konnten sich hier nicht einigen, so das die Frage offenblieb. Vereinbart wurde letzten Endes "nur" ein Defensiv- oder Schutzbündnis für den Fall, das einer der beiden Partner vom Osmanschen Reich angegriffen werden würde. Erst am 05.Oktober, nachdem in beiden Ländern die Generalmobilmachung lief, wurde eine Miltärkonvention abgeschlossen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bulgarien hatte beispielsweise die serbische Forderung nach einem Hafen loyal unterstützt.

Auch noch während der Durazzo-Krise oder nur im Vorfeld des Krieges?

Fände ich doch ganz interessant um das serbische Handeln hinsichtlich der Makedonischen Angelegenheiten zu verstehen.
Denn auffällig ist ja doch, dass das Ergebnis des ersten Balkankriges dahingehend ausfällt, dass Serbien gewissermaßen der Verlierer der ganzen Angelegenheit ist, weil der Sieg über das Osmanische Reich zwar errungen werden konnte, Serbien aber im Gegensatz zu Bulgarien und Griechenland, die einen Großteil ihrer Kernziele durchsetzen können, aber im Grunde nur sekundäre Ziele erreicht, weil weder Albanien noch ein sonstiger Adria-Hafen gewonnen werden konnten.

Ich könnte mir vorstellen, dass dadurch für Belgrad die Makedonischen Angelegenheiten an Brisanz gewannen und möglicherweise einen Kurswechsel herbei geführt haben könnten.

In jedem Fall war der Ausgang der Durazzo-Krise mit dem eigenständigen albanischen Staat auch als Puffer zwischen Serbien und Griechenland, in seinen Auswirkungen für Bulgarien ein außenpolitisches Desaster, weil dass dafür sorgte, dass sich in Ermangelung einer längeren Genze keine größeren Reibungsflächen zwischen Serbien und Griechenland ergaben, was denn Weg für die serbisch-griechische kooperation gegen Bulgarien entscheidend mit geebnet habenn dürfte.

Makedonien war auch Gegenstand der Verhandlungen zwischen Bulgarien und Griechenland. Athen war von vornherein nicht mit einer Autonomie Makkedoniens einverstanden. Sofia und Athen konnten sich hier nicht einigen, so das die Frage offenblieb.

In Ioannis Zelepos "Kleiner Geschichte Griechenlands" (zugegeben, nicht unbedingt Fachliteratur für die Balkankriege) wird das so dargestellt, dass Anhänger der Konzeption eines "Großgreichenlands"/neuen Byzantinischen Reiches oder was auch immer man unter "Megali Idea" sonst noch so subsummieren konnte, wohl dazu tendierten sich für die maedonischen Gebiete außerhalb der griechischen Grenzen besonders zu interessieren, weil sich bei den Makedonen selbst im ausgehenden 19. Jahrhundert wohl noch keine wirklich starke nationale Eigenidentität durchgesetzt hatte und man sie daher wohl für in die griechische Nation integrierbar hielt.

Das möglicherweise auch als Kompensat dafür, dass mit dem mittlerweile entstandenen Bulgarien klar war, dass aus Sicht derer, die so etwas wie eine Wiedererrichtung des Byzantinischen Reiches als ihr Ziel betrachteten, ein beträchtlicher Teil der ehemals griechisch-byzantinischen Einflusszone am Balkan für das neuzeitliche Griechenland dauerhaft verloren sein würde.

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Wenn dass einigermaßen hinkommt, dürfte es in Griechenland von Seiten expansionistischer Strömungen zunehmenden Druck auf Athen gegeben haben in den außerhalb der griechischen Grenzen liegenden makedonischen Territorien selbst einen Fuß in die Tür zu bekommen und der damalige griechische Ministerpräsident Venizelos, war ja nun nicht unbedingt ein Gegner expansionistischer Politik.

Unter diesen Umständen würde ich sagen, deckte Athen nicht einfach nur die Vertragsverletzung Serbiens, was die makedonischen Gebiete betrifft, weil man Bulgarien nicht als Nachbar wollte, sondern viel eher war man wohl an einer Zuspitzung des serbisch-bulgarischen Gegensatzes im Hinblick auf Makedonien interessiert, weil das einen möglichen Hebel für Griechenland darstellte im südlichen und zentralen Makedonien auf Bulgarische Kosten Boden gut zu machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Fände ich doch ganz interessant um das serbische Handeln hinsichtlich der Makedonischen Angelegenheiten zu verstehen.
Denn auffällig ist ja doch, dass das Ergebnis des ersten Balkankriges dahingehend ausfällt, dass Serbien gewissermaßen der Verlierer der ganzen Angelegenheit ist, weil der Sieg über das Osmanische Reich zwar errungen werden konnte, Serbien aber im Gegensatz zu Bulgarien und Griechenland, die einen Großteil ihrer Kernziele durchsetzen können, aber im Grunde nur sekundäre Ziele erreicht, weil weder Albanien noch ein sonstiger Adria-Hafen gewonnen werden konnten.

Der innenpolitische Druck in Serbien war erheblich. Auch die Bevölkerung war mit dem Erreichten alles andere als zufrieden. Pasic musste sich einiges anhören unter anderem, das er fehlerhaft (mit Bulgarien) verhandelt hätte.


Wenn dass einigermaßen hinkommt, dürfte es in Griechenland von Seiten expansionistischer Strömungen zunehmenden Druck auf Athen gegeben haben in den außerhalb der griechischen Grenzen liegenden makedonischen Territorien selbst einen Fuß in die Tür zu bekommen und der damalige griechischer Ministerpräsident Venizelos, war ja nun nicht unbedingt ein Gegner expansionistischer Politik.

Unter diesen Umständen würde ich sagen, deckte Athen nicht einfach nur die Vertragsverletzung Serbiens, was die makedonischen Gebiete betrifft, weil man Bulgarien nicht als Nachbar wollte, sondern viel eher war man wohl an einer Zuspitzung des serbisch-bulgarischen Gegensatzes im Hinblick auf Makedonien interessiert, weil das einen möglichen Hebel für Griechenland darstellte im südlichen und zentralen Makedonien auf Bulgarische Kosten Boden gut zu machen.

Das kann sehr gut so sein.
 
Noch eine Ergänzung:
Der k.u.k. Botschafter in Belgrad, Ugron, berichtete unter dem Datum des 13.Januar 1913, das Pasic wegen angeblicher Nachgiebigkeit in der albanischen Frage heftig angegriffen wird. Ein Ministerrat hat auch vorgestern beschlossen, ein Communiqué auszugeben, welches die bekannte Publikation des Reuterischen Bureaus dahin richtig stellen soll, das die Evakuierung Albaniens erst nach Regelung aller mit dem Friedensschluss zusammenhängenden Fragen erfolgt. Das entsprach nicht den Beschlüssen der Botschafterréunion.

Also auch Unzufriedenheit bezüglich Albanien.

Bittner, Uebersberger: Österreich-Ungarns Außenpolitik 1908-1914, Band 5, S.439
 
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