Die Frauen und Kinder des Spartakusaufstandes.

uffo

Neues Mitglied
Moin. Ich hätte da mal eine Frage bezüglich der Frauen und Kinder, die mit Spartakus gezogen sind. Spartakus und seine Männer wurden ja allesamt getötet. Was aber passierte mit den Frauen und Kindern? Machte die Römische Republik da keine Unterschiede?
 
Bei Livius (Periochae), Appian und Plutarch (Leben des Crassus), steht, soweit ich das sehe, nichts über das Schicksal der Frauen und Kinder. Appian berichtet über die Ehefrau des Spartacus, die eine Seherin gewesen sei und Spartacus bei seiner Gefangennahme vorausgesagt habe, dass er noch mal großes leisten würde. Sie sei bei seiner Flucht dabei gewesen. Mehr ist von Frauen und Kindern - soweit ich das überblicke - nicht die Rede.

Also ob in diesem Sklavenheer Frauen und Kinder dabei waren, wissen wir de facto nicht. Wir können dies allenfalls für unwahrscheinlich oder wahrscheinlich erachten.
Wie die Römer dann mit den Frauen und Kindern umgegangen wären, ist wiederum dann basierend auf unserer Spekulation, ob wir die Anwesenheit von Frauen und Kindern im Sklavenzug für wahrscheinlich/unwahrscheinlich erachten, zu bewerten. Bei der Belagerung von Alesia nahm Caesar etwa auf die gallischen Frauen wenig Rücksicht. Die wurden von den Männern aus der Stadt geworfen und saßen zwischen Stadtmauer und Belagerungsgraben fest.
In anderen Fällen wissen wir, dass die Römer Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauften. Ob sie das auch getan hätten, wenn diese Frauen vorher Teilnehmerinnen an einem Sklavenzug waren, der Rom gefährlich wurde ist wiederum eine Frage, über die man wohl spekulieren muss.
 
Im Magazin G/Geschichte wird erwähnt, dass sich Sklaven, verarmte Freie, darunter auch Frauen, Kinder und auch Alte Spartakus angeschlossen haben. Darum dachte ich, dass das belegt ist.
 
Im Magazin G/Geschichte wird erwähnt, dass sich Sklaven, verarmte Freie, darunter auch Frauen, Kinder und auch Alte Spartakus angeschlossen haben. Darum dachte ich, dass das belegt ist.
Manchmal ziehen sich auch Faktoide* durch die Darstellung. Ich befürchte, dass unser Bild vom Sklavenkrieg (vulgo Spartacus-Aufstand) sehr stark durch den Film mit Kirk Douglas beeinflusst ist. Dabei will ich aber gar nicht ausschließen, dass sich dem Zug NIchtsklaven angeschlossen, und dass Frauen und Kinder dabei waren, würde ich sogar für einigermaßen wahrscheinlich halten. In den Quellen werden sie aber - abgesehen von Spartacus' eigener Frau bei Plutarch (nicht Appian, wie ich heute morgen fälschlich schrieb)- nicht erwähnt.

Wie gehen wir nun mit Plutarch um?
Ein Problem, dass für alle historiographischen Quellen gilt (also für Geschichtsschreibung) ist, dass sie Narrationen sind und Narrationen (Erzählungen) haben nun mal gewisse Gesetzmäßigkeiten: Der Erzähler/Historiograph versucht eine stimmige Geschichte zu erzählen. Gehen wir mal von einem Erzähler aus, der uns nicht bewusst und absichtlich belügt: Auch der wird u.U. nicht sagen "ich weiß es nicht so genau" (solche Stellen gibt es in den Quellen sicher auch, auch wenn mir jetzt keine einfällt), sondern er wird versuchen, einen - aus seiner Sicht - wahrheitskompatiblen (plausiblen) Erzählstrang zu knüpfen.
Aber eine Erzählung muss auch interessant sein. Also wird natürlich mit Dramatisierungen gearbeitet. Es werden - das räumt etwa Thukydides -und der ist das Modell der nachfolgenden griechischen und römischen Geschichtsschreiber - in seiner Vorrede ein - wörtliche Reden eingeflochten, die nicht historisch sind. Aber eben so, wie sie gewesen sein könnten. Auch dies dient dazu den Stoff nicht zu trocken werden zu lassen.

So, was haben wir nun von der Geschichte von Spartacus' Frau zu halten?
Laut Plutarch habe bei Spartacus' Verbringung nach Rom eine Schlange zusammengerollt auf seinem Gesicht gelegen und seine Frau habe dies als Seherin entsprechend interpretiert, dass er mal großes vollbringen würde.
Spartacus war schon 120 Jahre tot, als Plutarch geboren wurde. Also ca. 150 Jahre nach Spartacus' Tod wurde die Geschichte von der Schlange erzählt, die stattgefunden haben soll, als Spartacus noch ein unbekannter niemand war. De facto wissen wir also noch nicht einmal, ob Spartacus tatsächlich gemeinsam mit seiner Frau nach Rom bzw. Capua kam, ja nicht einmal, ob er tatsächlich eine Partnerin hatte.

Wenn wir die Geschichte mit seiner Frau (nicht die mit der Schlange), glauben, also dass seine Frau mit ihm in Gefangenschaft geriet und sie gemeinsam nach Rom verbracht und nach Capua verkauft wurden und sie gemeinsam aus der Gladiatorenschule entkamen (bzw. sich nach der Flucht wiederfanden oder den Kontakt halten konnten, obwohl Spartacus' Besitzer als Unmensch geschildert wird), dann ist es durchaus plausibel anzunehmen, dass "Spartakine" (ich will nicht immer Spartacus' Frau schreiben) nicht die einzige Frau in diesem Sklavenzug war.
Ich persönlich glaube Plutarch nicht, dass Spartacus' Frau von Thrakien nach Rom verbracht und schließlich mit ihm beim Sklavenzug war. Ich kann mir vorstellen, dass Spartacus eine Frau in Thrakien hatte und später beim Sklavenzug Frauen dabei waren und Spartacus sich dort eine genommen hat. Was auch immer Crassus davon dann in Erfahrung brachte, steht wieder auf einem anderen Blatt. Für Plutarch ist es einfach eine gute Geschichte.


*durch stetige Wiederholung für Fakten gehaltene Mutmaßungen oder Behauptungen
 
Weissagungen sind in der antiken Historiographie eine feste Größe, wir müssen nur an Kroisos denken oder an die Seeschlacht von Salamis, an den Tod des Drusus, an die historiographisch überlieferten Vorhersagen und Vorzeichen der Thronbesteigung Vespasians...
 
Tacitus (Ann. 14, 42–45) überliefert eine Senatsdiskussion, in der es darum ging, ob eine Begnadigung von (zweifellos unschuldigen) weiblichen und minderjährigen Sklaven vorgenommen werden könnte.
Hintergrund: Ein Sklave hatte seinen Herrn ermordet, und laut einem wohl 10 n. Chr. erlassenen Gesetz waren alle Sklaven, die zum Haushalt gehörten, hinzurichten. In diesem Fall betraf es einen großen Haushalt mit 400 Sklaven. Der Vorschlag, doch wenigstens die Frauen und Kinder zu begnadigen, wurde vom Senat verworfen.

Falls unter den aufständischen Sklaven auch Frauen und Minderjährige gewesen sein sollten, wird es vermutlich so eine Diskussion gar nicht erst gegeben haben.

Flavius Josephus überliefert eine Massenkreuzigung, die um 82 v. Chr. in Judäa unter Alexander Jannäus stattfand. Hier wurden die Frauen und Kinder im Angesicht der Gekreuzigten umgebracht. Den Römern würde ich im Fall des Spartacus-Aufstands ein solches Vorgehen auch zutrauen.
 
Aufschlussreich könnten auch Studien zu römischen Rechtsquellen sein. Ist eine Weile her, dass ich in Veröffentlichungen zum Thema Kindersklaven geschmökert habe. In Erinnerung ist mir geblieben, dass die Römer altersmäßig nicht in uns vertrauten Maßen bezüglich Kindheit, Jugend u. Erwachsenenalter differenziert haben. Namentlich in Erinnerung ist mir dabei der Rechtshistoriker Richard Gamauf geblieben. Folgend der Link zu einer seiner Publikationen:

 
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Bei Livius (Periochae), Appian und Plutarch (Leben des Crassus), steht, soweit ich das sehe, nichts über das Schicksal der Frauen und Kinder. Appian berichtet über die Ehefrau des Spartacus, die eine Seherin gewesen sei und Spartacus bei seiner Gefangennahme vorausgesagt habe, dass er noch mal großes leisten würde. Sie sei bei seiner Flucht dabei gewesen. Mehr ist von Frauen und Kindern - soweit ich das überblicke - nicht die Rede.

Also ob in diesem Sklavenheer Frauen und Kinder dabei waren, wissen wir de facto nicht. Wir können dies allenfalls für unwahrscheinlich oder wahrscheinlich erachten.
Wie die Römer dann mit den Frauen und Kindern umgegangen wären, ist wiederum dann basierend auf unserer Spekulation, ob wir die Anwesenheit von Frauen und Kindern im Sklavenzug für wahrscheinlich/unwahrscheinlich erachten, zu bewerten. Bei der Belagerung von Alesia nahm Caesar etwa auf die gallischen Frauen wenig Rücksicht. Die wurden von den Männern aus der Stadt geworfen und saßen zwischen Stadtmauer und Belagerungsgraben fest.
In anderen Fällen wissen wir, dass die Römer Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauften. Ob sie das auch getan hätten, wenn diese Frauen vorher Teilnehmerinnen an einem Sklavenzug waren, der Rom gefährlich wurde ist wiederum eine Frage, über die man wohl spekulieren muss.

Dass bei der Flucht aus der Gladiatorenschule in Capua auch Frauen dabei waren, halte ich auch für unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich sind sicher auch Schätzungen von 200.000 Menschen für Spartacus Armee. Spartacus und seine Leute haben sich aber immerhin drei Jahre in Italien behaupten können, Spartacus hat Rom in Italien herausgefordert und mehrfach reguläre Truppen in Italien geschlagen.


Der 3. Sklavenkrieg zog sich über fast drei Jahre hin in Italien, und dass in diesem Zeitraum auch Frauen mit Kindern die Chance zur Flucht nutzten, dass sie durch die Umstände plötzlich befreit wurden und sich zu Spartacus durchschlugen, halte ich nicht für unwahrscheinlich, und völlig unwahrscheinlich ist auch nicht, dass Spartacus solche Leute duldete, selbst wenn sie als Kombattanten keinen großen Wert haben mochten.
 
halte ich nicht für unwahrscheinlich,
Ich auch nicht, nicht dass sich da missverstanden werde. Ich sagte nur soviel: Bis auf "Spartakine", deren Historizität m.E. in der von Plutarch geschilderten Form zweifelhaft ist, ist historiograpisch keine Frau in diesem Sklavenheer überliefert.
Vorstellbar ist, dass Spartacus vor seiner Versklavung und nach der Flucht aus Capua, Partnerinnen hatte. Die Partnerin nach der Flucht aus Capua wäre dann Teil des Sklavenzuges gewesen.
 
Ok, dann danke für die Erklärungen. Es ist also nicht belegt, dass Frauen und Kinder im Gefolge von Spartakus waren. Auszuschließen ist es aber auch nicht. Sollten welche dabei gewesen sein, dann hat man wahrscheinlich aber keine Rücksicht genommen und sie auch hingerichtet. So jetzt meine Kurzfassung.
 
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