Die frühen Bourbonen (1589-1774)

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Louis le Grand, 10. Oktober 2004.

  1. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Übersicht der französischen Könige, in männlicher Linie, die Verwandtschaftsverhältnisse
    über die weiblichen Linien bleiben unberücksichtigt:
    http://www.royaute.org/img/genecape.gif

    Familienverhältnisse der Bourbonen:
    http://www.richmond.edu/~jpaulsen/gen.jpg

    Die Vorstellung erfolgt in chronologischer Abfolge der Generationen, also: Henri IV.,
    Louis XIII., Louis XIV., Louis le Grand Dauphin, Louis Herzog von Burgund und Louis XV..




    Henri IV. (der Große, der gute König Henri)

    Stammbaum:
    http://www.heraldique-europeenne.org/Celebres/Personnages/Henri_IV_France.htm

    Henri IV. (1589-1610) war zu unruhigen Zeiten aufgewachsen, dem Zeitalter der französischen Religionskriege. Er wurde 1553 als Sohn des Antoine de Bourbon und der Jeanne d’Albret, regierende Königin von Navarra geboren. Seine Mutter war die Tochter der Margrethe de Valois-Angoulême, was den kleinen Henri zum Großneffen König Francois I. von Frankreich machte. In seiner Jugend war der Bourbonenspross zwischen zwei Welten hin und hergerissen. Auf der einen Seite war er als Bourbonenoberhaupt der Erste Prinz von Geblüt am französischen Hof und hatte vor allen anderen den Vorrang, nur mit dem Kronprinzen musste er die Stellung und Ansehen teilen. Als Mitglied des französischen Königshauses nannte er ganz Zentralfrankreich als Lehen sein Eigentum. Auf der anderen Seite war er der künftige König des winzigen Navarra. Erbe seiner protestantischen Mutter, selber als Hugenotte erzogen worden. Seine Mutter verachtete den intriganten Hof Frankreichs und sah es höchst ungern, dass sich ihr einziger Sohn dort aufhielt. Sie bevorzugte bei weitem den Aufenthalt im pyrenäischen Béarn und zwang ihren Henri, wenn auch auf liebevolle Weise, oft bei ihr zu sein. 1572 stirbt seine Mutter und die Bourbonen erben die Krone von Navarra, wodurch Prinz Henri zu einem souveränen Fürsten wird. Der Hof spottet über ihn, man könne an einem Tag, einbeinig durch sein Reich hüpfen. Durch die Heirat mit der Tochter Henri II. Margrethe de Valois, wird er außer Großcousin zu sein auch noch zum Schwager des Königs. Die Valois misstrauen ihrem hugenottischen Verwandten aber vielmehr, weshalb er unter „Beobachtung“ im Louvre steht, was nichts als ein luxuriöses Gefängnis bedeutet. Als sich die Gelegenheit bietet flüchtet er aus Paris und übersteht so auch die blutige Bartholomäusnacht. Während der Religionskriege zwischen Katholiken und Protestanten ist er genauso unentschlossen wie die Königsfamilie selbst. Nominell ist er mit seinen Cousins aus den Häusern Condé und Conti das Oberhaupt der Protestanten. Im Grunde lehnte er aber diese blutige Selbstverstümmelung der Nation ab. Unter der Herrschaft König
    Henri III. kommt es zur Allianz zwischen Henri von Navarra und der Krone gegen das Haus Guise (Krieg der drei Heinriche). Zu diesem Zeitpunkt war Henri bereits Thronerbe, da
    Henri III. als letzter Valois-König noch keine Kinder hatte. Dessen Kinderwünsche sollten sich auch nicht mehr erfüllen, denn er wurde 1589 von Jacques Clément hinterrücks erdolcht. Noch auf dem Sterbebett ließ er Henri von Navarra holen und bestätigte, dass sein Großcousin und Alliierter der einzig rechtmäßige Nachfolger sei und nur er allein die Stärke des Reiches wieder würde herstellen können, auch wenn er Hugenotte ist.

    Damit begann ein völlig neues Kapitel in seinem Leben, er war nun König von Frankreich, doch kaum jemand wollte ihn, den protestantischen König von Navarra, als solchen anerkennen. Also musste er sich mit Waffengewalt sein Königreich erobern. Doch nicht allein die Waffen waren es, die ihn ausmachten. Seine reiche Menschenkenntnis, seine sehr gute politische Bildung und sein gutes Herz erlaubten ihm, bei vielen Fehlern und Mängeln, die er bei den Menschen entdeckte, die Wahrheiten zu erkennen. Durch sein ritterliches Benehmen verschaffte er sich viele Freunde und er verstand es, durch Milde, die mit freundlichen Vertrauen gepaart war, sogar seine Gegner für sich zu gewinnen. Ohne in Zeiten des Glücks und Erfolges übermütig zu werden, war er außerordentlich tapfer im Kampf und stets an der Spitze seiner Soldaten, mit welchen er alle Strapazen teilte. Als Feldherr und Staatsmann war er einer der größten seiner Zeit. Mit Recht wird daher Henri IV. als einer der größten Könige in der Geschichte Frankreichs angesehen.

    Das erste Jahr lief aber alles andere als erfolgversprechend. Die katholische Liga wurde von Spanien unterstützt und kontrollierte mit diesen Teile des Landes. In dieser Zeit wandte er sich an eine alte Freundin, Elizabeth I. von England. Diese konnte keine Gelegenheit ausschlagen, mit der sie ihrem Erzrivalen Philipp II. von Spanien eins auswischen konnte. So schlug sich England ganz offiziell auf Henris Seite und das Kräftegleichgewicht verschob sich durch englische Truppen und Geld wieder zu Gunsten der Königstreuenpartei. Nun brachte er der Liga eine Niederlage nach der anderen bei. Vor beginn des Kampfes ließ er die berühmten Worte fallen: „Wenn ihr eure Fahnen und Standarten verliert, so folgt dem weißem Federbusch auf meinem Helm! Ihr werdet ihn stets in der vordersten Reihe auf dem Wege zu Sieg und Ehre finden!“ Als er dann Paris belagerte, fürchteten die Pariser, er würde sich rächen, für den Verrat und für die Gräuel der Bartholomäusnacht. Sie verschlossen die Toren und verhungerten fast, während sich Liga und Spanier hinter ihren Mauern verschanzten. Als der König vom Leid hörte sagte er: „Ich wundere mich nicht darüber, dass die Anführer der Spanier und der Liga keine Barmherzigkeit gegen diese armen Menschen zeigen; aber ich bin ihr König und ich kann die Berichte über ihre Not nicht anhören, ohne bis ins Innerste meiner Seele erschüttert zu sein. Ich will nicht, dass Paris ein Kirchhof werden soll. Ich will über Lebende regieren, nicht über Tote.“ So gab er entgegen dem Rat seiner Generäle die Belagerung auf und ließ Paris mit Nahrung versorgen. Es würde schon eine bessere Gelegenheit kommen, um seine Hauptstadt für sich in Besitzt zu nehmen.

    Nach drei Jahren Krieg, kam Henri zu dem Schluss, dass es sehr schwer sein würde, ein hugenottischer König zu sein. So entschloss er sich zum Wohl des Staates zu konvertieren. Die Erzbischöfe von Paris und Bourges erkannten ihn schon lange als rechtmäßig an. Sie unterwiesen ihn, was zu tun sei. In Saint-Denis, der Grablege seiner königlichen Ahnen, fand dann die Abschwörung vom „Irrglauben“ statt. Wie immer einen treffenden Spruch auf den Lippen: „Paris ist eine Messe wert“. Das Volk von Paris strömte herbei, begeistert von seiner einstigen Milde, ließ ihn mit „Vive le Roi!“ hochleben. Nun war er Katholik, dem Feind war das Hauptargument entzogen. Der Widerstand im Reich brach auf rasante Weise in sich zusammen. Der katholische Adel lief nun in Scharen von der Liga zu ihrem König über. Eine Stadt nach der anderen öffnete freudig die Tore, auch Paris hieß 1594 seinen Herrn willkommen. 1595 hob der Papst den Bann gegen ihn auf und erkannte ihn als „Ältesten Sohn der Mutter Kirche“ an. Einer der wichtigsten Grundlagen für innere Stabilität war aber der Ausgleich der Glaubensbekenntnisse. So erließ er am 15. April 1598 das Edikt von Nantes. Dieses bestätigte im großen und ganzen die zur Zeit bestehenden Verhältnisse im Land. Die Hugenotten durften Gottesdienste an allen Orten halten, wo diese bereits eingeführt waren, ebenso auf allen Gütern. Sie mussten jedoch das geraubte Kirchengut herausgeben, aber zum Ausgleich sollte der Staat die Priester der Hugenotten unterhalten. Sie erhielten alle bürgerlichen Rechte und die gleichen Rechte zur Bekleidung von Ämtern wie die Katholiken. Zu ihrem Schutz erhielten sie etwa 100 Sicherheitsplätze, wo der König eine Garnison unter dem Kommando von Hugenotten unterhielt. Unter diesen Sicherheitsplätzen befand sich auch die berühmte Stadt La Rochelle. Im selben Jahr wurde auch mit Spanien der Frieden von Vervins geschlossen, dadurch herrschte nun nach innen und außen wieder Frieden.

    König Henri IV. wollte nun die Schäden der Bürgerkriege wieder heilen und Frankreich wieder seine alte Macht und Reichtum zurückgeben. Die Infrastruktur sollte sich erholen, Landwirtschaft wieder große Erträge liefern. Er befreite den Handel mit Korn und Vieh von den Abgaben und er soll geäußert haben, dass er das Volk so wohlhabend machen wolle, dass jeder Bauer am Sonntag sein Huhn im Topf haben könne. Ebenso großes Interesse zeigte der König dem Handel, dem Handwerk und der Industrie. So konnte der Staat schnell wieder große Überschüsse an Produkten vor allem Steuern generieren. Schon das Gewerbe der Luxuswaren war hoch profitabel. Der grauenvollen Zeit folgte nun ein enormer Wirtschaftsboom. Die Schäden waren ausgemerzt und der Reichtum wuchs spürbar. Dies nutzte Henri um die Armee neu aufzustellen, die Flotte wieder schlagkräftig zu machen. Auch die Kolonialpolitik wurde neu aufgelegt: Westafrika und Neu-Frankreich in Nordamerika erweitert. Heiratstechnisch ließ er sich schnell von Margrethe de Valois scheiden, um eine vorteilhaftere Ehe mit Marie de Medici einzugehen. Dieser Ehe entsprangen zahlreiche Kinder, die für andere europäische Fürsten heiratspolitisch hoch interessant waren. Daneben hatte Henri zahlreiche Mätressen und noch zahlreichere illegitime Kinder, die er alle legitimieren ließ und in den Stand von Prinzen erhob. Im Volk war er höchst beliebt für seine Freundlichkeit und Bescheidenheit. Nicht selten verließ er den Louvre nur begleitet vom Hauptmann der Leibgarde, um sich auf den Marktplätzen von Paris umzusehen, und sich selbst einen Eindruck von den Preisen zu machen. Dicht umringt von Menschen, die ihn anfassen wollten und ihn Fragen stellten. Gelegentlich diskutierte er mit ihnen oder erläuterte seine Politik. Auf diese Art legte Henri IV. den Grund zu einer starken Königsmacht in Frankreich. Zwar wurde sie in der ersten Zeit nach Henri IV. wieder geschwächt, aber Richelieu und Louis XIV. vollendeten das Werk, das Henri begonnen hatte.
    Die Außenpolitik Henris war wie die Francois’ I. und Henris II. gegen die Herrschaft der Habsburger gerichtet, die man als starke Konkurrenz in Europa ansah. Nachdem 1598 Philipp II. gestorben war und Spanien immer machtloser wurde, schien es Henri IV. die wichtigste Aufgabe zu sein, die Staaten Europas im Kampf gegen den deutschen Kaiser zu vereinen. Er war es, der die Gründung der protestantischen Union 1608 im Reich als erster aktiv formulierte. Und wollte Frankreich, England, Holland, Schweden und die deutschen Protestanten zu einem großen Offensivbündnis gegen das Haus Habsburg vereinen. Er sah eine große europäische Krise voraus und wollte nicht, dass die Habsburger ihm zuvorkämen. Zu diesem Zeck baute er dass Heer massiv aus und wollte in den Jülisch-klevischen-Erbfolgekrieg zu Gunsten der Protestanten eingreifen. Am 14. Mai 1610 wollte er sich auf den Weg zu seinen Truppen im Norden machen, um mit der Invasion der Spanischen Niederlande zu beginnen. Er verließ den Louvre in der offenen Kutsche, damit ihn die Menschen besser sehen konnten. Plötzlich sprang ein Mann namens Jean-Francois Ravaillac auf den König zu und stieß ihm einen Dolch zweimal bis zum Anschlag in die Brust. Der gute König Henri verblutete binnen weniger Minuten. Seine letzten Worten waren: „Es ist nichts“.

    Die Trauer war geradezu betäubend, die Nation stand unter Schock. Ravaillac wurde wie es das Gesetz verlangt erst einem peinlichen Verhör unterzogen und dann bei vollem Bewusstsein öffentlich in Paris gevierteilt. Henri wurde zu einer Legende im französischen Volk. Sehr schön zeigt dies die Profanierung der Königsgräber während der Revolution 1793. Auch sein Leichnam wurde entweiht und stand aufrecht einige Tage am Eingang der Basilika. Das Volk strömte herbei um dem großen König ins perfekt erhaltene Angesicht zu schauen. Auch schnitt man ihm den Bart als Andenken ab, bevor man ihn mit den anderen Königen der letzten 1300 Jahre in den Dreck warf.



    Allgemeiner Lesetipp zu den Bourbonen:
    Malettke, Klaus; Die Bourbonen

    Speziell über Henri IV.:
    Saint-Rene Taillandier; Heinrich IV. von Frankreich
    Catelot, Andre; Heinrich IV. König von Frankreich und Navarra
     
  2. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Louis XIII. (Der Gerechte)

    Stammbaum:
    http://www.heraldique-europeenne.org/Celebres/Personnages/Louis_XIII_France.htm

    Der 1601 geborene Louis XIII. regierte von 1610 bis 1643 und kam folglich schon mit 9 Jahren nach der Ermordung seines Vaters auf den Thron. Freilich war er zu jung um zu regieren und so erhielt seine Mutter Marie de Medici die Regentschaft. Ihr fehlten aber Kraft und Begabung, um das Erbe Henri IV. zu übernehmen, und so glitt die Macht in die Hände ihrer Günstlinge. Die Schwäche Maries de Medici zeigte sich auch in ihrer Außenpolitik, die von der Henris IV. völlig verschieden war. Sie versuchte sich Spanien zu nähern und brachte Heiraten zwischen ihrem Sohn Louis XIII. und Anne von Österreich , Infantin von Spanien, einer Tochter Philipps III., sowie zwischen ihrer ältesten Tochter Elisabeth (Königin Isabella) und dem spanischen Kronprinzen (Philipp IV.) zustande. Die Politik der Regentin verursachte Unzufriedenheit in breiten Schichten der Gesellschaft. Wie einst zu den Zeiten der Catherine de Medici entstanden rivalisierende Parteien am Hof, die begannen sich zu bekämpfen. Der Hochadel tat gleich gar nicht was Sie wollte, sondern nutzte ihre mangelnde Kontrolle zu seinen Nutzen aus. Im Jahr 1614 wird der junge König für Großjährig erklärt und begann seiner Mutter die Macht zu entreißen. Von ihrer bedrohlichen Günstlingswirtschaft war er wenig angetan und als sie ihren Favoriten Concini zum Marquis d’Ancre und Marschall von Frankreich erhob, war das Maß voll. Concini wurde 1617 „versehentlich“ im Hof des Louvre erschossen. Schritt um Schritt wurde die Königinmutter von der Macht ausgeschlossen und der König fing an, sich auf seinen Staatsrat zu stützen und ohne seine Mutter zu regieren, was der etwas chaotischen Zeit ein Ende machte. Marie de Medici wurde sogar für eine Zeitlang vom Hof verbannt.

    Louis XIII. besaß eine gesunde Urteilskraft und zeigte sich fromm, aufrichtig und pflichtbewusst. Aber er sah ein, dass ihn die Regierungsgeschäfte manchmal über den Kopf wuchsen und er auf den Rat seiner Vertrauten angewiesen war. Einer tat sich als besonders fähiger Ratgeber hervor, Armand-Jean du Plessis Herzog von Richelieu, der Bischof von Lucon, seit 1614 Mitglied des Staatsrats. Im Jahr 1620 gelang ihm die Aussöhnung des Königs mit seiner Mutter, was ihm endgültig das Vertrauen Louis XIII. und Maries eintrug sowie mit dem Kardinalshut belohnt wurde. Fortan nannte man ihn nur noch Kardinal Richelieu . Er bewies so große Fähigkeiten, dass der König ihn 1624 zum Ersten Minister ernannte. Es ist durchaus nicht so, dass König Louis XIII. nichts tat und Richelieu völlig allein herrschte. Im Gegenteil, beide waren ein perfektes Team, denn auch der Kardinal war darauf angewiesen, dass ihm ein Herrscher gegenüber saß, der seine Vorstellungen verstand und unterstützte. Dennoch war sicherlich Richelieu der kreativste Part dieser Regierung und seine Kontrolle über das Land war allumfassend. Solange König Louis hinter ihm stand, gab es nichts und niemanden vor dem er Rücksicht hätte nehmen müssen. Noch eine andere Person sollte eine große Rolle spielen im Leben des Königs, nämlich sein einziger Bruder Gaston d'Orléans , die Plage seines Lebens. Gaston stellte sich an die Spitze einer Verschwörung nach der anderen, eigentlich immer gegen den Ersten Minister gerichtet. Sein Bruder zeichnete sich als Verschwörer besonders dadurch aus, dass er die Verräter immer verriet. Was neue Verschwörer nicht davon abhielt, ihn dennoch zu umwerben und doch wieder von ihm verraten zu werden. Seine kleinen Rebellionen waren derart naiv, unentschlossen, inkonsequent und unvorbereitet, dass sein Bruder ihm jedes Mal leicht vergab. Die Ehe mit Anne von Österreich war wenig glücklich, beide hatten kaum etwas füreinander übrig. Was zur Folge hatte, dass die Ehe jahrzehntelang kinderlos blieb. Kein Wunder, dass sich sein Bruder Gaston als Thronfolger, unablässig als der nächste König sah. Erst 1638 wurde der ersehnte Dauphin Louis (XIV.) geboren und die Träume seines Bruders waren dahin. Als dann auch noch 1640 Philippe d’Anjou geboren wurde, konnte er die Königswürde entgültig vergessen. Eines der größten Probleme des Staates war so gelöst, denn eine Thronfolge des völlig unfähigen Herzogs von Orléans war für König wie Kardinal eine der schlimmsten Vorstelllungen überhaupt.

    Um nach außen die alte Politik Henri IV. wiederaufnehmen zu können, mussten die Verhältnisse im Inneren neu geordnet werden. Richelieu setzte rigoros die Zentralisierung durch und betrieb die Entmachtung des Hochadels weiter. Das Hauptproblem sollten jedoch die Hugenotten sein. 1620 hatten sie gemeinsame Sache mit der adeligen Opposition gemacht und wurden so zum Staatsfeind Nummer eins. Sie hatten ihre Städte und Sicherheitsplätze, ihre eigenen Ständeversammlungen und ihre eigenen Gesandten in Paris und an den ausländischen Höfen. Die Hugenotten bildeten einen Staat im Staate und waren besonders gefährlich, weil sie selbst Heer und Flotte besaßen und sich nicht scheuten, sich mit Spanien, dem Feind Frankreich, zu verbünden, um ihre eigenen Interessen zu fördern. 1625 begannen erneut Unruhen unter ihnen, sie bemächtigten sich eines Teils der königlichen Kriegsschiffe und nahmen ein paar Inseln vor La Rochelle ein. Dies stand im Gegensatz zur Zentralisierungspolitik der Krone und hieß unweigerlich, dass ihre Macht vollständig gebrochen werden musste. Man tolerierte ihre Übergriffe nicht, sondern ging zum Angriff über. La Rochelle wurde belagert und auch vom Meer abgeschnitten. Die Einwohner leisteten lange heftigen Widerstand. Mussten aber dennoch im Herbst 1628 kapitulieren. Die Macht der Hugenotten war gebrochen und sie verloren alle militärischen und politischen Privilegien.

    Die äußere Politik war schon schwieriger, denn 1618 brach der 30jährige Krieg aus. Als erstes verbündete man sich mit den kämpfenden Holländern, dann verheiratete Louis seine Schwester Henriette-Marie mit dem zukünftigen Charles I. von England, was eine weitere Annäherung bedeutete. Den Krieg Gustav II. Adolf von Schweden gegen den Kaiser, unterstützte Frankreich zunächst nur großzügig mit Geld und bereits 1629 begannen die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Spanien in Italien. Als der Kaiser nach der Schlacht bei Nördlingen im Jahr 1634 die Übermacht im Reich zu bekommen schien, handelte man in Paris. Die Politik die 1610 mit der Ermordung König Henris so abrupt beendet wurde, fand nun ihre Fortsetzung. Frankreich erklärte 1635 offiziell Spanien und dem Kaiser den Krieg, verbündete sich mit Schweden und den protestantischen Reichständen in einer Offensivallianz. Französische Armeen kämpften nun in der Spanischen Niederlande, dem Reich, in Italien und in Spanien. In den ersten Jahren verlief der Krieg wenig günstig, doch Jahr um Jahr gewannen zunehmend französische Generäle die Oberhand. 1641 unterstützte Frankreich die Unabhängigkeit Portugals von Spanien mit allen Kräften. Das Jahr 1643 brachte den glänzenden Sieg des Prinzen von Condé in Rocroi über die spanische Armee. Diese hatten versucht in die Champagne einzudringen, stattdessen wurden die spanischen Karrees vollständig aufgerieben. In dieser Zeit hielt Frankreich 150.000 Mann im Krieg, eine für damalige Zeit enorme Zahl.

    Louis XIII. und sein Erster Minister Richelieu starben beide während des Krieges, letzterer im Jahr 1642. König Louis’ Regierungszeit muss als Erfolg gewertet werden, der allerdings auch Schattenseiten hatte. Durch den Krieg wurden die Finanzen über das Maß beansprucht, von einem ausgeglichenen Haushalt kann nicht die Rede sein. Die Steuern mussten erhöht werden, was sich ein weniger wohlhabender Staat wohl kaum hätte leisten können. Aber, dies sei vorweggenommen, die Investitionen sollten sich voll und ganz auszahlen. Sein intriganter Bruder Gaston von Orléans sollte ihn überleben und Louis XIII. machte sich durchaus Sorgen. Zwar hinterließ er zwei Söhne, doch beide waren noch Kleinkinder. Louis XIII. starb am 14. Mai 1643 in Saint-Germain-en-Laye an Tuberkulose, kurz zuvor war sein ältester Sohn getauft worden und er fragte den kleinen Dauphin noch, wie er nun heißen würde. Der kleine Prinz antworte: „Ich nenne mich Louis XIV.“, der todkranke König antwortete: „Noch nicht mein Sohn, aber schon sehr bald“. Und so sollte wiedereinmal ein Kindkönig dem Vater auf dem Thron folgen und eine Königinwitwe die Regentschaft führen.




    Lesetipps über Louis XIII.:

    Es gibt leider kein vernünftiges deutsches Buch über L. XIII., aber in jeder guten Biografie Richelieus erfährt man genug über ihn, seine Zeit und natürlich seine Politik, etwa in:
    Hillard T. Goldfarb; Richelieu: Kunst, Macht und Politik
    Erlanger, Philippe; Richelieu
     
  3. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Tut mir Leid, dass es so ausführlich geworden ist !

    Louis XIV. (der Große, der Sonnenkönig, das Gottesgeschenk)

    Stammbaum:
    http://www.heraldique-europeenne.org/Celebres/Personnages/Louis_XIV_France.htm

    „Erst ein wenig spät wird er in Gang kommen, aber er wird weiterkommen als irgendein anderer. In ihm steckt das Zeug zu vier Königen.“

    So charakterisierte der Erste Minister Kardinal Mazarin seinen königlichen Zögling und er sollte recht behalten. Eine der letzten Handlungen des sterbenden Louis XIII. war es, den verstorbenen Richelieu durch dessen Vertrauten Kardinal Jules Mazarin zu ersetzen. Mit dem Tod des alten Königs übernahm Königin Anne die Regentschaft und bestätigte als erstes Mazarin im Amt des Ersten Ministers. Der vierjährige Louis XIV. sollte von 1643 bis 1715 herrschen und mit 72 Regierungsjahren die längste Herrschaft in der Geschichte Europas absolvieren. Die neue Regentin entpuppte sich als völlig anders im Vergleich zu ihren Amtsvorgängerinnen. Sie war weder schwach noch politisch unbegabt, sondern wurde im Interesse ihres Sohnes zur fanatischen Französin. Die geborene Spanierin verfolgte Gnadenlos die Kriegspolitik ihres verstorbenen Gemahls weiter. Man fürchtete sie würde sich ihren Bruder Philipp IV. von Spanien annähern, doch stattdessen wies sie die Marschälle an in Spanien einzumarschieren und dem Kaiser alles entgegenzuwerfen was in deren Macht stand. Die einstmals verschmähte Habsburgerin am französischen Hof wurde zur Verteidigerin französischer Interessen. Doch der junge König sollte keine ruhige Kindheit haben. Das Parlament von Paris – der oberste Gerichtshof Frankreichs, keine Volksvertretung – wurde durch die Hinrichtung Charles I. von England angestachelt, ähnliche Kompetenzen wie ihr englischer Namensvetter einzufordern. Sie fingen an sich einzubilden, dass die Regentin schwach wäre, Mazarin ein übler Teufel und sie selbst das Volk vertreten würden. Die Prinzen von Geblüt – also Vettern des Königs – waren von der Politik Richelieus und Mazarin brüskiert, die sie von jeder politischen Verantwortung ausschlossen und so ebenso aufrührerisch wurden.

    Im Jahr 1648 wurde der Westfälische Friede geschlossen, aus dem Frankreich als Hauptsieger des Dreißigjährigen Kriegs hervorging. Die Armeen schwappten zurück in die Heimat und wurden sogleich von den Prinzen okkupiert. Bürgerkrieg lag in der Luft und die Gerichtshöfe (parlements) begannen offen gegen die Krone zu opponieren. Die Fronde (1648-1654) brach aus. Zunächst die ‚Parlamentsfronde’ genannte Version. Der Hof floh aus Paris, das im Chaos versank. Der Adel (Amtsadel und Hochadel) hasste Mazarin, das Ebenbild eines Emporkömmlings und Symbol der Adelsunterdrückung. Königin und Erster Minister brauchten die von den Prinzen kontrollierten Armeen um den Höhenflug des Pariser parlement zu beenden. Diese boten sich an, gegen Geld natürlich. Paris wurde wieder eingenommen und die Führer der Parlamente inhaftiert. Dann stieg den Prinzen der Sieg zu Kopfe. Sie begannen politische Forderungen an die Krone zu stellen, was Anne natürlich ablehnte. Die Prinzen erhoben die Waffen unter der Führung des Prinzen von Condé, dem Sieger von Rocroi und Erstem Prinzen von Geblüt. Die weitaus schwierigere ‚Prinzenfronde’ brach aus. Erneut floh die Königsfamilie aus Paris und es dauerte bis 1652 damit die Ruhe im Reich wieder hergestellt war und bis 1654 dass auch der letzte Rest Widerstand gebrochen war. Condé lief zum spanischen Feind über. Die Fronde sollte die letzte Abwehrreaktion gegen den königlichen Absolutismus sein und sich tief in das Gedächtnis des jungen Königs eingraben.

    Nachdem die Opposition des Adels ausgeschaltet war, konnte der Krieg gegen Spanien unvermindert weitergehen. 1652 war Louis für Grojährig erklärt worden, was die erfolgreiche Regentschaft seiner Mutter beendete. 1654 erfolgte die Salbung und Krönung des Königs in Reims. Nun konnte Mazarin unangefochten als Erster Minister über Frankreich gebieten. Der König war noch zu jung und unerfahren um die Regierung zu leiten und so war es nun die Hauptaufgabe des Kardinals – der als bester Staatsmann seiner Zeit galt – seinen Herrn in die Kunst der Politik und die Geheimnisse des Staates einzuführen. Nach Außen gab sich König Louis als an Politik desinteressiert und vergnügte sich so gut er konnte an seinem Hof. Nach Innen unterwies ihn Mazarin in allen Fragen seines Reiches und seiner Untertanen, zog ihn in allen Belangen der Regierung mit ein. Louis lernte mit großem Interesse und sehr schnell, erhielt er doch eine politische Ausbildung wie kaum einer unter seinen Vorgängern, von einem Experten der Staatsführung. Sollten doch Höflinge und Gesandte denken, dass der König ein ‚roi des plaisirs’ werden würden, immer angewiesen auf einen Leitenden Minister. Mazarin wusste es besser, hatte er doch selbst aufgezeigt wie vorteilhaft eine Herrschaft ohne Premierminister wäre und stieß dabei auf offene Ohren, schließlich erzog er seinen Schüler zur Selbstständigkeit. Mit der Zeit teilten sich König und Kardinal die Regierung und Louis XIV. beließ dem alten Mazarin sein Amt, seine Zeit würde schon kommen. In dieser Zeit streckte das völlig entkräftete Spanien die Friedensfühler aus und 1659 wurde der Pyrenäenfrieden unterzeichnet, wodurch Spanien endgültig als aktive Großmacht ausschied. Gleichzeitig erhielt Frankreich Teile der spanischen Besitzungen und die Heirat zwischen der spanischen Infantin Marie-Thérese und Louis XIV. wurde vereinbart. Die Ehe wurde 1660 vollzogen und bereits 1661 der Thronfolger geboren.

    Am 10. März 1661 starb Kardinal Mazarin und Louis XIV. begann seine „persönliche Herrschaft“. Augenblicklich erschien er im Staatsrat mit den Worten: „Das Gesicht des Theaters wandelt sich“ und tat kund, dass es nie wieder einen Premierminister neben ihm geben würde und er fortan allein herrsche. Aus dem Rat wurden viele Personen entfernt, etwa der Prinz von Conti und die Königinmutter. Nur der Kriegsminister, Finanzminister und der Außenminister blieben übrig. Während der Herrschaft der großen Kardinäle geriet viel in Unordnung, Frankreichs Infrastruktur wurde vernachlässigt, Handel und Wirtschaft stagnierten, das Heer war auf 30.000 Mann geschrumpft, die Kriegsflotte existierte praktisch nicht mehr und die Finanzen war undurchsichtig, sogar chaotisch. Als ersten Beweis, dass er alles andere als ein schwacher Monarch war und keine Schwächen in der Regierung mehr tolerierte, ließ er den Oberfinanzintendanten Fouquet inhaftieren. Dieser hatte sich offen der Korruption schuldig gemacht und sein Amt wurde vollständig abgeschafft und vom König wahrgenommen. Colbert zum neuen Generalkontrolleur der Finanzen ernannt. So begann eine der größte Reformphasen in der frz. Geschichte. Besonders Wirtschaft und Militär wurden von Grund auf reformiert. Manufakturen gegründet, der Handel gefördert. Schnell fand Frankreich wieder Anschluss als Wirtschaftsmacht. Ein stehendes Heer wurde formiert, dass beständig wuchs und die Flotte gedieh. Louis XIV. konnte durch große Überschüsse im Etat von sich behauptet, der reichste Monarch der Welt geworden zu sein.

    Im ‚Londoner Kutschenstreit’ mit Spanien 1662 zeigte Louis XIV. offen, dass er sich als der hochrangigste Souverän unter den Fürsten Europas ansah. Kurz gesagt, fortan hatten die Franzosen Vorrang vor allen anderen Nationen. Nur dem Papst wurde ein höherer Rang zuerkannt. 1665 starb König Philipp IV. von Spanien, Louis forderte den Erbteil seiner Frau ein, doch Spanien verweigerte dies. So begann er 1667 den Devolutionskrieg, in dem er 60.000 Mann in die Spanische Niederlande einmarschieren ließ. Spanien stand vor vollendeten Tatsachen und musste 1668 die südlichen Teile der Niederlande an Frankreich übergeben. Ganz freiwillig Schloss König Louis den Frieden nicht, denn seine eigenen Alliierten Holland vielen ihn in den Rücken und formierten die Tripelallianz, um die Friedensverhandlungen zu beschleunigen. Dies vergab er ihnen niemals, hatte er doch ihnen zuliebe sogar 1666 seinem Cousin Charles II. von England den Krieg erklärt, obwohl sich Frankreich und England als natürliche Verbündete betrachteten.

    Im Jahr 1670 ließ er erneut Lothringen annektieren, dass er als Bestandteil Frankreichs betrachtete. Derweil war das Heer auf 125.000 Mann angewachsen und die Kriegsflotte war zur schlagkräftigsten ihrer Zeit geworden. Gegen Holland betrieb man eine Isolierungspolitik. 1672 erfolgte der Angriff gegen die Holländer und der Holländische Krieg (1672-1678/79) brach aus. Das Hauptziel war es Spanien zu provozieren und die Holländer für ihren Verrat zu bestrafen. Die Okkupation von Teilen Hollands war nie das Ziel der frz. Politik. Spanien und Kaiser fühlten sich bedroht und traten in den Krieg ein, die Dinge entwickelten sich nach Frankreichs Plänen. Erneut wurde die Spanische Niederlande besetzt und die Freigrafschaft Burgund annektiert. Der Krieg verlief sehr günstig für Frankreich, dass die mit Abstand stärkste und am bestem ausgebildete Armee der Zeit besaß. Im Frieden von Nimwegen 1678/79 wurde die frz. Machposition durchgesetzt und Frankreich erhielt im Groben die Grenzen von heute sowie zahlreiche Positionen im Reich.

    Das stehende Heer wurde bei einer Größe von 280.000 Soldaten belassen und für die nun beginnende Reunionspolitik eingesetzt. Reunionskammern suchten Gebiete die früher einmal zur frz. Krone gehört hatten und ließen sie „friedlich“ annektieren. Dieses erfolgte auch in Straßburg 1681, dass Kaiserliche trotz Neutralität mehr als einmal zum Angriff auf Frankreich missbraucht hatten. 1683 fühlte sich Spanien erneut provoziert und erklärte Louis den Krieg in der Hoffnung die anderen Staaten würden dem folgen. Doch niemand war bereit mit Frankreich die Waffen zu kreuzen und so musste Spanien resigniert 1684 ein Neutralitätsabkommen akzeptieren. 1685 wurde das Edikt von Nantes endgültig annulliert und die Protestanten sollten zum Katholizismus übertreten, gegen die Befreiung von Steuern und Abgaben sowie der Gewährung von Sonderechten und der Befreiung vom Dienst in der Miliz. Von den 900.000 Hugenotten (21 Millionen Franzosen insgesamt) konvertierte die weitaus größte Zahl, bedrängt durch lokale Einquartierungen. 110.000 flohen trotz Verbot aus Frankreich, ein harter Kern von 20.000 trat nie über. Die alte Behauptung, dass die Aufhebung des Edikts, der Wirtschaft geschadet hätten, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Die einstmals hugenottischen Großhändler und Finanziers blieben in Frankreich, um mit den neuen Privilegien ihren Aufstieg zu fördern.

    Die 80er Jahre seiner Herrschaft waren aber eine eher ruhige Periode seiner Herrschaft. 1682 zieht der König endgültig mit seinen 30.000 Höflingen nach Versailles . Im Jahr 1683 stirbt seine Gemahlin und er ehelicht morganatisch die Marquise de Maintenon, mit der er den Rest seines Lebens glücklich zusammenleben sollte, ohne je wieder eine andere Geliebte zu erwählen. Im Streit für den Erbteil seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz, der Herzogin von Orléans, bricht 1688 der Pfälzische Erbfolgekrieg aus. Gleich zu beginn ließ der Kriegsminister Louvois eigenmächtig die Pfalz verwüsten, damit man von dort keine Operationen auf frz. Terrain unternehmen konnte. Louvois’ unautorisiertes Handeln in der Pfalz kosteten ihm fast den Kopf, solche sinnlosen Zerstörungen widersprachen der politischen Auffassung des Königs. Allerdings muss man Louis XIV. hier den Vorwurf machen, dass seinen Kriegsminister nicht genug kontrolliert hatte, was er sich auch in der Tat vorwarf. So befahl er seinen Truppen unverzüglich die Pfalz zu räumen und bot den geschädigten Bauern als Ersatz, Boden im frz. Elsass an. Das Hauptopfer dieses Krieges sollten aber wie so oft Spanien und Kaiser sein. Beide Seiten hatten dennoch wenig zu gewinnen. Frankreich behielt die militärische Oberhand, errang aber einen nutzlosen Sieg nach dem anderen. So kam es 1697 zum Frieden von Rijswijk, Frankreich verzichtete auf Ansprüche in der Pfalz und setzte als Ausgleich seinen Reunionsbesitz durch. Eigentlich ein Frieden der jedem gerecht vorkam und daher als stabil galt.

    Dann geschah etwas, womit schon seit Jahren gerechnet wurde: der letzte spanische Habsburger Carlos II. starb 1700 kinderlos, der Thron war vakant. Carlos ignorierte die Teilungsverträge zwischen Versailles und Wien und bestätigte in seinem Testament die Erbansprüche der Bourbonen. Als die Nachricht in Frankreich eintraf, war dies der persönliche Höhepunkt in der Regierung Louis’ XIV., ab sofort sollte der spanische Erzrivale bourbonisch regiert werden. Der zweite Enkel des Königs Philippe Herzog von Anjou wurde als Philipp V. durch seinen Großvater zum spanischen König proklamiert. Louis blieb nicht anderes übrig als so zu handeln, durch das Testament war jede Teilung ausgeschlossen und eine Absage hätte den deutschen Habsburgern alle Vorteile gesichert. Es dauerte auch gar nicht lange, dass der Spanische Erbfolgekrieg (1702-1713) zwischen Frankreich-Spanien und einer habsburgischen Allianz ausbrach. Die Spanier bevorzugten den Bourbonen, der als rechtmäßig galt, während ihnen ein habsburgischer Erzherzog als Usurpator vorkam. Dieser Krieg war der heftigste seit dem 30jährigen Krieg, er zerrte in unglaublichen Maße an den Kräften aller beteiligten und ruinierte deren Finanzen. Das Kriegsglück ging hin und her. Am Anfang gut für Frankreich, dann besser für die Alliierten, welche die niederländischen Grenzposten überrannten und sogar in Nordfrankreich einfielen. Zum Ende schlug das Glück wieder Richtung Frankreich aus. Die feindlichen Truppen wurden aus Frankreich verdrängt, beide Seiten waren zunehmend in defensiven Positionen. Die Engländer misstrauten zunehmend ihrem kaiserlichen Alliierten und nahmen mehr und mehr eine profranzösische Position ein. 1711 machten sie Frieden mit Louis XIV. und die antifranzösische Allianz zerbröckelte zusehends. Alle Parteien waren entkräftet und einigten ab 1713 auf den Frieden von Utrecht und Rastatt. Dem Kaiser wurden die spärliche Reste der Niederlande und die süditalienischen Besitzungen Spaniens übergeben, Philipp V. behielt den Rest des spanischen Reiches. Frankreich konnte sein Ziel der territorialen Erweiterung nicht erreichen, dafür aber sein Hauptziel – einen spanischen Bourbonen – durchsetzen. Englands Unterstützung wurde mit dem Sklavenmonopol in Westindien belohnt. Durch diesen Frieden sah Louis die Hauptaufgabe seiner Regierung erreicht: nie wieder würden die Habsburger Frankreich umklammern können oder sonst irgendwie zu einer Sicherheitsbedrohung werden. Konsequenter Weise bot Louis XIV. Wien nun ein Bündnis an, um den erreichten Frieden weiter zu untermauern, doch der Kaiser sollte zu diesem frühen Augenblick noch nicht so weitsichtig sein und dies vorerst noch ablehnen.

    Die letzten Jahre waren von innerer Konsolidierung geprägt. In den letzten 20 Jahren seiner Herrschaft musste er ein stehendes Heer von 680.000 Mann unterhalten, der Spanische Erbfolgekrieg riss dann noch ein tiefes Loch in seine sonst so geordneten Finanzen. Die Staatsschuld war 1713 auf 3,5 Milliarden Livres angestiegen, daher beschloss er eine Finanzreform und Einsparungen, das Heer wurde auf 160.000 Mann zurückgeschraubt. Sein Nachfolger setzte seine Finanzpolitik konsequent fort und bereits 1725 war der Haushalt wieder ausgeglichen. Auch sollte er noch die ersten Anfänge des enormen Wirtschaftwachstum miterleben, das er durch die späten Reformen auslöste.

    Die Zeit von 1713 bis zu seinem Tod könnte man auch als „Rentenjahre eines Sonnenkönigs“ bezeichnen. Er wurde sehr viel ruhiger und machte Abstriche in Fragen der Repräsentation. Seine Kräfte reichten nicht mehr aus für die ständige öffentliche Darstellung der Person des Königs. Sein Geist war stark bis zum letzten Tag und er behielt die Zügel des Staates mit fester Hand und Hingabe bis zuletzt. Gleichzeitig musste er seit 1700 auch noch das spanische Reich regieren, denn König Philipp war zwar ein fähiger Feldherr, verstand aber nichts vom Regieren. Philipp übergab die Briefe mit den „Ratschlägen“ seines Großvaters einfach seinem Staatsrat und diese mussten sie umsetzen. So musste der alte König von Versailles aus, sich gleich über zwei Staaten den Kopf zerbrechen. Es fanden nun auch keine großen Empfänge mehr statt, eine der letzten größeren Auftritte war beim Empfang des sächsischen Kurfürsten , August des Starken, in Fontainebleau 1714. Im Sommer 1715 wurde die sonst so eiserne Gesundheit des Königs immer schwächer, bis er sogar das Bett nicht mehr verlassen konnte. Als den Höflingen und Dienern klar wurde, dass der große König im sterben lag, verloren sie die Fassung. Der König bemerkte ihre Trauer, wies auf sein enormes Alter hin und erwiderte: „Monsieurs warum weinen Sie, dachtet ihr denn ich sei unsterblich ? Ich für meine Person habe das nie geglaubt !“. Er ließ seinen Urenkel und Erben auf dem Thron (Louis XV.) zu sich rufen und gab ihm den Rat: „Ich habe den Krieg zu sehr geliebt, armen sie mich darin nicht nach“ und instruierte ihn, ebenfalls keinen Ersten Minister zu haben und seine ganze Kraft dem Staat zu widmen. Louis XIV. schloss am 1. September 1715 in Versailles für immer die Augen und starb an einer schweren Entzündung im rechtem Bein. Auch Louis XV. sollte nun mit fünf Jahren als Kindkönig die Krone erben.



    Persönlichkeit:
    „Louis war von angenehmer, gewinnender Gestalt und verfügte über einen enormen natürlichen Charme. Im Umgang mit Höflingen, Ministern, Diplomaten und weniger hochgestellten Untertanen wirkte er stets sehr beherrscht und legte eine bemerkenswerte Höflichkeit an den Tag, die je nach Rang, Alter und Verdiensten seines Gegenüber zahlreiche Nuancen kannte. Er war sicher im Ausdruck, besaß die Fähigkeit, sich frei und dabei klar, nuanciert und wohlabgewogen auszudrücken. Außerdem verfügte er über ein ausgezeichnetes Gedächtnis, das ihm etwa in den Sitzungen des Staatsrat sowie in den zahlreichen Besprechungen mit seinen Ministern sehr zustatten kam. Sein Verhalten in der Öffentlichkeit war von Vorsicht, Takt und einem hohen Sinn für das Maß geprägt. Louis XIV. regierte mit einer ungewöhnlichen Professionalität, die ihm scheinbar keine Mühe bereite. Diese Professionalität beruht auf einer natürlichen Begabung, aber auch auf praktischen Erfahrungen, die ihm Mazarin durch eine gezielte Beteiligung an den Sitzungen und Beratungen des Königlichen Rates sowie durch zahlreiche Reisen in die Provinzen des Landes vermittelt hatte. Louis’ vielzitiertes Sprichwort: ‚Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige’ trifft auf Louis XIV. in besonderem Maße zu. Er war stets pünktlich, hörte jedem aufmerksam zu und ermüdete fast als einziger auch in den längsten Sitzungen nicht. Hinzu kam ein besonders stark ausgeprägtes Pflichtbewusstsein. Ein hohes Arbeitsethos gehörte ebenfalls zu seinen besonders positiven Charaktereigenschaften. Neben seinem anstrengenden Hofleben widmete er acht bis zehn Stunden, später oft mehr, der täglichen intensiven Arbeit am Schreibtisch und in den Konferenzen und übertraf damit die meisten Monarchen der Geschichte bei weitem. Bei seiner Arbeit achtete er auf kontinuierliche Regelmäßigkeit. Er interessierte sich für die Details der jeweiligen Vorgänge, verlor sich jedoch nicht in ihnen, sondern war durchaus in der Lage, das Wesentliche und die großen Linien von Entwicklungen zu erfassen. Dabei kamen ihm sein guter politischer Instinkt und eine leichte Auffassungsgabe zustatten.
    [...]
    Allgemein herrscht in der Forschung Einigkeit darüber, dass sich der König von einem stark ausgeprägten Bedürfnis nach Ruhm und Reputation leiten ließ. Wie ein Leitmotiv ziehen sich die Begriffe ‚meine Würde’, ‚mein Ruhm’, ‚meine Größe’, ‚meine Reputation’ durch seine ‚Memoiren’ und durch zahlreiche andere Dokumente. Persönlicher Ruhm und persönliches Ansehen waren für Louis XIV. mit der Macht und dem Wohl des Staates auf das engste verknüpft. Aber das Interesse des Staates hatte stets vor dem des Königs zu rangieren. In diesem Sinne ist seine Feststellung zu interpretieren: ‚Den Interessen des Staates gebührt der Vorrang ... Wenn man den Staat im Auge hat, arbeitet man für sich selbst. Das Wohl des einen dient dem Ruhm des anderen’. Trotz aller bei Louis XIV. nicht zu leugnenden Tendenzen, seine Reputation und seine Interessen mit denen des Staates gleichzusetzen, war er – wie das Zitat belegt – durchaus fähig, zwischen seiner Person und dem Staat zu differenzieren. Diesen Unterschied betonte er zuletzt auf dem Sterbebett, indem er noch einmal feststellte: ‚Ich gehe fort, doch der Staat bleibt zurück’.“ Louis XIV. betrachtete sich selbst als Ersten Diener des Staates, auch wenn er es so, noch nicht selbst formuliert hat.
    (Soweit Klaus Malettke)

    Eine besondere Stellung in seinem Leben nahm, gleich nach den Pflichten des Staates und der Politik, seine Familie ein. Louis war ein ausgesprochener Familienmensch, was außergewöhnlich war in einem Fürstenhaus der damaligen Zeit. Die Wurzeln dafür liegen bei seiner Mutter. Sie hatte immer eine sehr enge Bindung zu ihren Kindern und ertrug es nicht von ihnen getrennt zu werden, so erfuhr er, was eine enge Familienbindung bedeutete. Seine Fraueneskapaden sind bis heute allgemein bekannt. In seinen Zwanzigern ließ er auch in der Tat nichts anbrennen, denn die Damen des Hofes stellten dem jungen König geradezu nach. Immer in der Hoffnung die einflussreiche Stellung der Mätresse zu erreichen. Nur vier jedoch vermochten den begehrten Titel der ‚maîtresse en titre’, der offiziellen Favoritin des Königs zu bekommen: La Valliere ,Montespan ,Fontanges ,Maintenon . Da blieb es natürlich nicht aus, dass illegitime Kinder des Königs die Welt erblickten. König Louis XIV. liebte Kinder über alles und daher legitimierte er jedes seiner unehelichen Kinder und erhob sie in den Prinzenrang und machte sie zu Mitgliedern der Königsfamilie. Seine Töchter waren berühmt für ihre Schönheit und bekannt dafür, dass sie als einzige in seinem Leben, die Fähigkeit hatten, ihren Vater nur mit einem traurigen Blick um den Finger zu wickeln. Auch wäre da noch sein Lieblingssohn der Duc du Maine . Im ganzem brachte er es auf 18 Kinder. Seine Gemahlin Königin Marie-Therese war nur in der Lage ihm einen überlebenden Sohn ( Louis, ‚le Grand Dauphin’ ) zu schenken. Er respektierte sie und brachte ihr alle Freundschaft und Ehre entgegen die ihr als Königin zustanden, aber Liebe empfand er nie für sie. Das weniger wegen ihres Äußeren, als vielmehr wegen ihres trägen Intellekts und der mangelnden Bildung. Die Frau, die das Herz des Königs zu gewinnen suchte, musste über einen scharfen Geist, große Bildung und Selbstbewusstsein verfügen. Nichts störte ihn an Frauen mehr als Dummheit und mangelndes Temperament. Ja, eine Favoritin musste den König zu unterhalten verstehen und ein kluges Gespräch führen können. Allgemein war seine Achtung vor Frauen ungewöhnlich groß, das ging sogar so weit, dass er das Hofzeremoniell derart veränderte, dass jedem Mann eine gleichrangige Frau im Protokoll gegenüberstehen musste.

    Im Hofleben war er ein perfekter Schauspieler. Sehr schön wird berichtet, wie er einmal sehr gelassen mit seinen Kindern scherzte, bis zu dem Augenblick, als sich die Türen öffneten und er zu den Höflingen hinaustrat. Sogleich erstarte sein Gesicht zu königlicher Würde und man meinte er wäre eine andere Person. Man sagt ihm nach, er hätte viel von seine Ahnen an sich. Die majestätische Würde der Habsburger, die Freundlichkeit und überschwängliche Lebensfreude von den Bourbonen und die Kunstbesessenheit von den Medici. Er gab sich fromm und soll bis auf ein einziges mal, die tägliche Messe nie versäumt haben, doch verstand er von Theologie eher wenig und es interessierte ihn auch kaum. An was Menschen nun glaubten, war ihm persönlich wenig wichtig, was sie leisteten schon sehr viel mehr. Es ist kein Geheimnis, dass er dem Hochadel zutiefst misstraute und jeden Bauer einem Herzog vorgezogen hätte. Daher war er auch der erste, der den Adel direkt besteuern ließ, indem er die Kopfsteuer einführte. Sie belastete die unteren Schichten kaum, schröpfte den Adel aber bis zum dorthinaus.

    Geschickt machte er sich zum Protektor der Künste , förderte diese in besonderem Maß. Sie war Mittel zur Verherrlichung des Königs und seiner Politik. Mit vielen Künstlern verband ihn eine enge Freundschaft. Besonders der Komponist Jean-Baptiste Lully lag ihm am Herzen. Louis war ein Musikfanatiker, dies war seine heimliche Leidenschaft. So wundert es nicht, dass Lully, der wahrscheinlich begabstete Komponist des 17. Jahr., schnell zum ‚Oberhofmeister der Musik des Königs’ wurde und bald genauso unumschränkt über die Musik Frankreichs herrschte wie sein König über die Politik. Den spöttischen Moliere mochte er sehr. Dieser kritisierte hemmungslos die Gesellschaft und traf beim König ins Schwarze. Große Begeisterung und die wahrscheinlich intimste Freundschaft verband ihn jedoch mit André Le Nôtre , dem berühmten Gartenarchitekten, der den ‚Garten im französischen Stil’ erfand, was wir heute als barocken Garten schlechthin definieren würden. Oft spazierte König Louis mit Le Nôtre ganz allein, für Stunden durch seine gewaltigen Kompositionen von kilometerlangen Sichtachsen, Kanälen, Seen, Brunnen und Bosketten. Daneben gab es auch noch so berühmte Namen wie Descartes, Racine, Boileau, La Fontaine, Charpentier, Le Brun, Le Vau, Mansart und Rigaud. Sie alle machten das ‚Grand Siècle’ aus, das Große Jahrhundert Frankreichs.



    Mehr über Louis XIV. unter:
    http://www.louis-xiv.de/

    Buchtipps über Louis XIV.:
    Olivier, Bernier; Ludwig XIV. Die Biografie
    Malettke, Klaus; Ludwig XIV. Leben, Politik, Leistung
    Burke, Peter; Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs
     
  4. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Einfach beeindruckend Deine Schilderung der Zeit und Person des großen Ludwig. :yes:


    Da aber auch er ein Sterblicher war ist er zu Einsichten gelangt, die er allerdings erst auf dem Sterbebett seinem fünfjährigen Urenkel mit auf den Weg gegeben hat :

    " Du wirst einmal ein großer König werden. Aber tue es mir nicht gleich, lasse die Finger vom Bauen und vom Kriegführen....... versuche das Los Deines Volkes zu bessern, wie ich es unglücklicherweise nie tun konnte....... "



    Sicherlich entsprang z.B der Unsummen verschlingende Bau von Versailles keiner privaten Bauwut Ludwig XIV. Sondern für ihn mußte es politische Notwendigkeit sein ,den absoluten Anspruch des Königtums für alle Untertanen und hier besonders des Hochadels zu demonstrieren. Der Bau hatte also wie alle zeremoniellen Handlungen eine politische Aussage die sich aber seit den 1690-er Jahren veränderte.
    Die früheren Eroberungen + günstigen Friedensabkommen schlugen in Mißerfolge , Terretoriumsverlust und Einbußen an europ. Einfluß um.
    Die veränderten politischen Verhältnisse brachten somit einen Funktionsverlust des Symbols
    Versailles mit sich, dem sich Ludwig immer mehr entzog.
    Als Rückzugsorte dienten ihm mehrere kleine Schlösser im Park von Versailles wie Trianon
    und Marly.
    Paris betrat der König zwischen 1700 und 1715 nur noch viermal.

    Ob der Exodus von Hugenotten , abgesehen von den persönlichen Repressionen, meßbar wenig an Wirtschaftskrafteinbußen brachte würde mich im Detail mal interessieren. Die Tatsache, daß die zum Großteil spezialisierten
    Handwerker und Bürger z.B im calvinistisch pragmatischen Brandenburg (15000-20000)des großen Kurfürsten höchst willkommen waren spricht eigentlich für sich.

    Ich hoffe sehr Du siehst meine bisherigen Anmerkungen nicht als Majestätsbeleidigung an, aber ein wenig husten mußte ich schon bei so viel Weihrauch.... ;)
     
  5. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    @Arcimboldo :)

    Aber ganz und gar nicht böse, im Gegenteil, vielen Dank. Das mit dem Zitat bezog sich übrigends auf die Folgen des Spanischen Erbfolgekriegs. Es kam neben der Kriegssteuer auch noch zu Ernteausfällen, worunter vor allem der Bauernstand litt und den König dazu animierte die großen Dîners endgültig abzuschaffen und stattdessen die öffentlichen Gratifikationen zu erhöhen. In der Zeit davor, konnten die Franzosen eher nicht von einem schlechten Los sprechen, waren die Franzosen doch neben den Holländern die wohlhabendeste Nation Europas.

    Mit den Hugenotten haben sich insbesondere Klaus Malettke und Wolfgang Mager beschäftigt. Allgemein ist bei einem Volk von 21 Millionen, der Verlust von 120.000 leicht verkraftbar, zumal in dieser Zeit ein Überschuß an Handwerkern herrschte. Um einen wirtschaftlichen Schaden anzurichten ist diese Gruppe aber eher unwichtig, die Großhändler und Bankiers waren der ökonomisch bedeutende Faktor. Diese blieben aber alle in Frankreich. Ganz allgemein sind die hugenottischen Emmigranten aber ein guter Beleg für die sehr hohe Qualität und Erfahrung des frz. Handwerks. Die wirklichen Spezialisten verließen das Land aber nicht, denn dort zahlte man immer noch die mit Abstand höchten Löhne.

    Das mit der Stadt Paris ist recht bezeichnend, obwohl er als einer der größten Bauherrn in der Geschichte dieser Stadt einging (dazu schreib ich mal später einen eigenen Beitrag, wenn ich Zeit haben sollte), vermied er es später aber eher dorthin zu fahren. Das aber nicht, weil er die Einwohner nicht gemocht hätte, sondern weil es mit so vielen Verpflichtungen verbunden war. Jedesmal musste er stundenlange Empfänge abhalten und dem einen oder anderen mussten Höflichkeitsbesuche abgestattet werden. Da ließ er es lieber gleich bleiben - wohlgemerkt erst zum Schluß seiner Regierung, als seine Kräfte nicht mehr ausreichten, um sich endlos fremde Personen vorstellen zu lassen.
     
  6. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Louis , „le Grand Dauphin“ ( Monseigneur )

    Der älteste Sohn (*1661) und einzig überlebendes Kind König Louis XIV. und der Königin Marie-Thérese trug seinen Beinamen Grand Dauphin zurecht, denn er hatte die überdurchschnittliche Körpergröße seines Vaters geerbt. Von der Mutter die zur Fülle neigende Figur und wohl auch etwas von dem trägen Geist. Für seinen Sohn schrieb der König ab 1670 seine politischen Memoiren und ließ ihn von den besten Lehrern unterweisen, insbesondere natürlich in der Politik. Alles unterrichten nützte aber nichts, dem Kronprinzen war kein Interesse für das regieren beizubringen. So sehr Louis XIV. seinen Sohn auch lieben mochte, es graute ihm vor dem Gedanken, dass dieser ihm auf den Thron folgen würde. Er konnte nur die Hoffnung hegen, dass das Vergnügen an der Politik sich mit der Zeit entwickeln würde. Der Dauphin war ein treuer und eher unterwürfiger Sohn, niemals wäre es ihm in den Sinn gekommen seinem Vater Widerstand zu leisten oder auch nur zu Widersprechen. Als er alt genug war an den Sitzungen des königlichen Staatsrats teilzunehmen, war er immer anwesend, doch nur zweimal in seinem Leben ergriff er dort das Wort. Dennoch war der Dauphin Louis ein gutmütiger und hilfsbereiter Mensch, der zu jedem freundlich war und allgemein von Hof und Volk geliebt wurde. Mit seinem Vater teilte er die Leidenschaften für gutes Essen und die Jagd. Seinen legitimierten Halbschwestern brachte er große Zuneigung entgegen, um nicht zu sagen, er und die „Bastarde“ waren unzertrennlich.1680 heiratete er Marie-Anne-Christine von Bayern. Von der etwas eigenwilligen und recht schüchternen neuen Dauphine war er sehr angetan und begierig darauf, nach der Heirat endlich einen eigenen Haushalt zu bekommen und mehr Unabhängigkeit von seinem übermächtigen Vater zu erringen. Als seine Gemahlin schon 1690 verschied, tat er es ganz dem Vater gleich und heiratete heimlich seine neue Geliebte Mademoiselle de Choin morganatisch. Sein Vater konnte wohl kaum dagegen argumentieren und war ohnehin nie in der Lage seinem Ältesten sonderlich böse zu sein. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges stellte sich heraus, dass der Sohn ein schlechter Politiker sein mag, dafür aber ein tapferer und geschickter Kommandant im Krieg war. Wenigstens ein Lichtblick mochte sich der König gedacht haben. Der Dauphin starb aber 1711 recht plötzlich an den Pocken, was den Vater sehr tief traf und im Volk mit großer Trauer registriert wurde. Ob er nun einen guten oder schlechten König abgegeben hätte, lässt sich nur schwer sagen. Aber sein gutes und aufrechtes Gemüt scheint einen passablen Monarchen abgegeben zu haben, auch wenn er kein genialer Staatsmann geworden wäre.

    Dieses Gemälde von 1687 zeigt den Dauphin mit seiner Frau Marie-Anne-Christine und seinen drei kleinen Söhnen: Louis Herzog von Burgund, Philippe Herzog von Anjou (später Philipp V. von Spanien) und der jüngste, Charles Herzog von Berry:
    http://www.kipar.org/resources/resources-images/paintings/1680/1687_1.jpg





    Louis Herzog von Burgund

    Der älteste Sohn des Grand Dauphin (*1682) gehörte zu den Lieblingen Louis XIV., denn Burgund war nicht nur äußerlich ein Ebenbild seines Großvaters. Sein Betragen soll anmutig gewesen sein, er war bescheiden, freundlich, liebenswürdig und streng gegen sich selbst, darüber hinaus hoch intelligent und arbeitsam. Überaus interessiert an Naturwissenschaften und Geschichte, ein perfekter Grundstock für die große Politik. Einmal verschenkte er während einer Hungersnot fast all seinen Besitz, damit sich die Armen davon zu Essen kaufen konnten. Überhaupt war der Schüler Fénelons überaus fromm, gepaart mit einem großem Pflichtbewusstsein. Mit Interesse besuchte er den Unterricht über Medizin und Chirurgie an der Pariser Universität. In der Armee taugte er aber nicht sehr viel. Er heiratete die junge Adélaide von Savoyen – eine Großnichte Louis XIV. – und verliebte sich unsterblich in sie. Der König, sein Großvater, wiederum liebte das Paar abgöttisch. Sein Vater, der Dauphin, hingegen verschmähte seinen Ältesten etwas, denn er fühlte sich angesichts der Intelligenz seines Sohnes unterlegen und war ein wenig neidisch darauf, wie sehr sich der König für seinen Enkel begeistern konnte. Der Hof munkelte, dass dem Herzog von Burgund keine rosigen Zeiten beschienen sein, wenn der Dauphin erst einmal König wäre. Solche Mutmaßungen waren 1711 mit dem Tod des Grand Dauphin erledigt. Der Herzog wurde neuer Dauphin und sein Großvater Louis XIV. sah beruhigt der Thronfolge entgegen. Die ganze Hoffnung des Königs lag nun auf dem neuen Thronfolgerpaar, doch das Schicksal meinte es anders. Bereits 1712 starben der neue Dauphin und seine Gemahlin überraschend an den Masern und nahmen auch noch ihren ältesten Sohn – den Urenkel Louis XIV. – mit ins
    Grab. König Louis war am Boden zerstört. Tagelang zog er sich von Versailles in seine Privatresidenz Marly-le-Roy zurück und niemand bekam ihn zu Gesicht. Nur ein einziger Urenkel blieb dem alten König aus der Verbindung Louis von Burgunds mit Adelaide von Savoyen und erst dieser neue Dauphin Louis sollte seinem Urgroßvater als Louis XV. auf den Thron folgen. Mit dem Tod des Herzogs von Burgund allerdings, wurde Frankreich wahrscheinlich einem seiner vielversprechendsten Thronanwärter beraubt.

    Dieses Bild von 1711 zeigt Louis XIV. umgeben von seinen männlichen Erben, also seinem Sohn dem Grand Dauphin, dessen ältesten Sohn dem Herzog von Burgund und wiederum dessen Ältesten dem kleinen Herzog der Bretagne. Die Frau ist Mme. de Ventadour, die Gouvernante des jungen Prinzen. Ironischer Weise sollte keiner von diesen, die Nachfolge des großen Louis antreten. Der König überlebte sie leider alle:
    http://persweb.wabash.edu/facstaff/lamarlec/artciv/2-27.jpg
     
  7. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Louis XV. (der Vielgeliebte)

    Stammbaum:
    http://www.heraldique-europeenne.org/Celebres/Personnages/Louis_XV_France.htm

    Der 1710 geborene Louis XV. war das einzig überlebende Kind des Dauphin Louis von Burgund. Seine Eltern und sein älterer Bruder starben 1712 an den Masern. Er selbst entkam diesem Schicksal nur, weil ihn seine Amme aus der Umgebung der sterbenden entfernte und erst wieder herausgab, als die Gefahr ihrer Meinung nach vorüber war. Damit war er der neue Dauphin und sein Urgroßvater Louis XIV. fürchtete ständig um das Leben des kleinen Prinzen. Der alte König starb voller Sorge um die Zukunft eines erneuten Kindkönigs, hatte er doch selbst die Nachteile der Minderjährigkeit kennen gelernt. Da der junge König ein Waisenkind war, übernahm Philippe II. Herzog von Orléans als Regent die Macht.

    Mit einer Regierungslänge von 59 Jahren, von 1715 bis 1774, hatte Louis XV. ebenfalls eine Regierungszeit, die man als Epoche bezeichnen darf. Vieles veränderte sich, allem voran der Hof. Regent Philippe entfernte die ihm unliebsamen Personen, unzählige fielen in Ungnade. Besonders diejenigen, die die Gunst seines Onkels Louis XIV. genossen hatten. Der Regent nutzte die Allmacht der Krone, die ihm überantwortet wurde, um persönliche Rache zu nehmen an denen, die einst höhere Gunst besaßen als er. Besonders der Lieblingssohn des „Sonnenkönigs“ der Duc du Maine, wurde entfernt. Es sollte einige Zeit dauern, bis sich die Wogen glätteten und die „Verbanten“ wieder zurückkamen. In der Außenpolitik kam es zu einem ungewöhnlichen Problem. Philipp V. von Spanien bekam einst von seinem Großvater Louis XIV. den Rat, dass er niemals seine frz. Wurzeln vergessen sollte und das Bündnis Spanien-Frankreich pflegen müsse. Das hätte er auch gern getan, wäre da nicht die unüberbrückbare Feindschaft zwischen Philipp V. und dem Regenten gewesen. Solange der Herzog von Orléans regierte, herrschten angespannte Beziehungen zwischen den beiden Bourbonenstaaten. Immerhin wurde aber während der Regentschaft 1718 die Quadrupelallianz zwischen Kaiser, Reichsständen, England und Frankreich geschaffen, der 1720 auch Spanien beitrat. 1723 wurde König Louis für Großjährig erklärt und die Regentschaft endete.

    Dem ‚Grand Siècle’ Louis XIV. folgte nun das ‘Siècle des Lumières’ Louis XV., das ‘Zeitalter des Lichts’, also die Aufklärung, ein erneuter Höhepunkt der französischen Kultur. Die Bevölkerung stieg auf über 23 Millionen Menschen an. Louis XV. erntete im besonderem Maße die späten Früchte seines Vorgängers. Einst geschaffen durch die letzten Friedensverträge, sollte der neue König besonders außen- und sicherheitspolitisch davon profitieren. Im Jahr 1725 löste Louis die Verlobung mit der spanischen Infantin Marie-Anne-Victoire, die der Regent noch eingefädelt hatte. Stattdessen heiratet er noch im selben Jahr Marie Leszczynska , die Tochter des Ex-Königs Stanislaus von Polen. Erneut war Philipp V. von Spanien brüskiert und die Quadrupelallianz zerbrach. Darauf bildeten Spanien, Österreich und Russland die sogenannte Wiener Allianz, die sich offensiv gegen Frankreich richtete. Als Gegengewicht bildeten Frankreich und England 1726 die sogenannte Hannoveraner Alliance. Die Spannungen zwischen den beiden Bündnissen waren sehr stark. Es ging dem 16jährigen König auf, dass er wohl bessere Berater in der Politik nötig hatte. So kam es, dass einer der Vertrauten des Königs, Kardinal Fleury , zum „Leitenden Minister“ ernannt wurde und der Herzog von Bourbon von seinen leitenden Pflichten entbunden wurde. Der Kardinal war faktisch Premierminister ohne je diesen Titel zu bekleiden. Seine Aufgabe war es, den noch sehr unerfahrenen König zu unterweisen und er band diesen Schritt für Schritt in die Politik ein. Fleury war besonders in der Außenpolitik kompetent und es gelang ihm die Allianzen zu sprengen und so den Krieg zu verhindern. 1733 wird der erste bourbonische Familienvertrag geschlossen und damit ein permanentes Bündnis zwischen Frankreich und Spanien etabliert, dass sich bis in die Revolutionszeit erhält.

    Persönlich war Louis XV. ein Mann, der seine Schwierigkeiten mit der Königswürde hatte. Er war zwar hoch intelligent, aber eine schüchterne Natur und es war ihm äußerst unangenehm wenn er in der Öffentlichkeit erscheinen musste, um von Tausenden angestarrt zu werden. Nun lebten die Könige von Frankreich aber ständig in der Öffentlichkeit und mussten sich und den Staat permanent repräsentieren. Der König vermied es sich ständig den Höflingen zu zeigen und bevorzugte die etwas intimere Atmosphäre seiner Privatgemächer. Mit seiner Gemahlin hatte er zahlreiche Kinder, von denen seine Töchter besonders bekannt sind. Dennoch hatte auch er Mätressen. Am berühmtesten ist sicherlich die Marquise de Pompadour . Sie war von 1745 bis zu ihrem Tod 1764 die Favoritin des Königs. Als Kardinal Fleury 1743 stirbt, war der König schon seit einigen Jahren stark an den Regierungsgeschäften beteiligt und beschließt, keinen Ersatz für den Kardinalminister zu suchen. Doch da König Louis immer etwas unentschlossen war, bekam die Pompadour immer mehr Einfluss in der Politik. Seit 1746 war sie praktisch ein dominierendes Mitglied der Regierung, sie empfing Diplomaten und führte Verhandlungen. Diese Einmischung war nicht immer gut für Frankreich, da die Mätresse auch massiv Günstlingswirtschaft betrieb. Auf der anderen Seite neigt man aber auch dazu, ihren Einfluss über zu bewerten. Zu behaupten, dass sie der wahre König gewesen wäre, ist doch sehr fragwürdig. Zumal die Minister auch noch einigen Einfluss auf den König hatten und dieser alles andere als Willenlos war. Mit dem Tod der übermächtigen Mätresse änderte sich wiedereinmal einiges am Hof. Die Comtesse du Barry wurde die neue Favoritin, doch diese zeigte kaum Interesse an der Politik. In Sachen unehelicher Nachwuchs, tat der König es seinen Ahnen gleich und zeugte 13 illegitime Kinder.

    Die erste Hälfte der Herrschaft Louis XV. war eine recht friedliche Periode, in der der Wohlstand wuchs. Doch wurde die Konkurrenz zwischen England und Frankreich in den Kolonien immer größer. Während der zweiten Hälfte, der Schlesischen Kriege, trat Frankreich zunächst an die Seite Preußens, dann verbündete man sich doch wieder mit Österreich, um so auch gegen England kämpfen zu können. In den Jahren 1758-1770 wurde der Herzog von Choiseul-Amboise der wichtigste Minister des Königs und leitete die Außenpolitik. In der Übereinstimmung mit der Politik Fleurys verband Choiseul 1761 während der großen Kämpfe gegen England und Preußen die Bourbonen in Frankreich, Spanien, Neapel und Parma durch das bourbonische Familienübereinkommen (Lateinische Union). Die Kriege verliefen wenig günstig für Frankreich, auch wenn es die größte Militärmacht Europas war. Die französischen Kräfte waren auf dem europäischen Festland gebunden. Der Kolonialkrieg entwickelte sich zur Niederlage, denn England konnte sich auf den Kolonialkrieg konzentrieren und hatte kaum Truppen auf dem europäischen Schlachtfeldern eingesetzt. Im Frieden von Paris 1763 muss Frankreich seine nordamerikanischen Kolonien in Canada und östlich des Missouri an England übergeben. Die karibischen Kolonien und Stützpunkte bleiben jedoch unangetastet. In Nordindien fällt die Oberhoheit über das Land von Frankreich an England, die südindischen Besitzungen können behauptet werden.

    Dieser Frieden wird als außenpolitische Schmach ohne gleichen empfunden. Dazu noch ruinierten die Kriege die frz. Staatsfinanzen, der Finanzkrise versuchte man mit Steuererhöhungen entgegenzutreten. Ab diesem Zeitpunkt begann Frankreich eine konspirative Politik in Nordamerika zu betreiben und separatistische Tendenzen zu fördern. Ganz nach dem Motto: Was mir nicht mehr gehören darf, soll auch dir nicht gehören. Einen auswärtigen Erfolg konnte man erst wieder mit dem Erwerb Korsikas von Genua 1768 erreichen. Dennoch waren seit dem Frieden von Paris dringend Reformen im Staat nötig, aber der König zeigte sich reformunwillig. Im Laufe der Zeit ergab sich ein offener Widerspruch zwischen dem Absolutismus der Krone und der Aufklärung. Eine Antwort auf diese neuen Fragen blieb Louis XV., wie die anderen Könige Europas, schuldig. Doch waren die gesellschaftlichen Entwicklungen in Frankreich stark fortgeschritten, mehr als anderswo, so dass die Ideale der Aufklärung auf den Nägeln brannten. Stattdessen aber schob der König die Reformen auf die lange Bank.

    Als Louis XV. seine Finger nicht von einer jungen Magd lassen konnte, steckte er sich bei dieser mit den Pocken an. Am 10. Mai 1774 starb er an diesen in Versailles und eine Epoche ging zuende. Bei seinem Tod herrschte Unzufriedenheit in der Bevölkerung, besonders das Bürgertum forderte Erneuerung. Die absolutistische Staatsform begann sich zu überleben. Die Nachfolge Louis XV. trat sein Enkel Louis-Charles an, als Louis XVI. . Der neue König sollte großen Reformwillen zeigen, aber die eigene Krone noch mehr hassen als der Großvater. Wo er den politischen und kulturellen Führungsanspruch Frankreichs durchsetzen sollte, war er unsicher. Louis XVI. scheiterte an dem enormen Widerstand des Hochadels und besonders der Parlamente, denen er unkluger weise, größeres Mitsprachrecht einräumte. Letztlich zerbrach er an seiner Überforderung und sollte seine Frustration mit dem Kopf bezahlen. Auch das dogmatische Festhalten an überkommenen Strukturen sollte sein übriges tun, die Folgen sind bekannt.

    Hier habe ich noch mal ein anderes Bild von Louis XV., dass ihn in der typischen Hoftracht um 1750 zeigt, wie man es zu hohen Anlässen getragen hat:
    http://alain.lubin.free.fr/louis%20XV.jpg

    Buchtipps über Louis XV.:
    Levron, Jacques; Ludwig XV. Der verkannte König Frankreichs
    Bernier, Olivier; Ludwig XV. Eine Biographie

    Zeitgleiche Dynastien:
    Die spanischen Habsburger von Konradin
    Die englischen Stuarts von Philipp August


    ENDE
    Ich hoffe dieser Beitrag wird euch in Zukunft helfen und auch Freude bereiten. :)
     
  8. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    :hoch: großartig!
     
  9. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Ich hatte erst heute abend Zeit mir alles genau durchzulesen. Ist eine sehr schöne Sache geworden. :hoch: Ein paar Sachen würde ich aber gern noch ansprechen.


    Diese Zusammenfassung des Spanischen Erbfolgekrieges erscheint mir etwas zu sehr Frankreich-lastig - kann man bei deinem Nick ja auch verstehen.

    Ganz so erzwungen war der Krieg vielleicht doch nicht. Eine Verhandlungslösung mit den Habsburgern wäre vielleicht möglich gewesen aber da Ludwig für seinen Enkel alle spanischen Besitzungen forderte war Krieg vorprogrammiert.

    Es war eher so, das die Kastilier auf Seite der Bourbonen waren und die Aragonesen auf Seite der Habsburger.

    Die Engländer wendeten sich deshalb von ihren österreichischen Verbündeten ab, weil Kaiser Joseph I. 1711 unerwartet früh an den Pocken starb (war wohl die selbe Epidemie, die auch Ludwigs Erben hinwegraffte). Da er keine männlichen Erben hatte, wurde nun sein Bruder Karl VI. Kaiser. Dieser Karl war jedoch auch der habsburgische Aspirant auf den spanischen Thron. Die englische Politik war aber streng auf ein politisches Gleichgewicht auf dem europäischen Kontinent bedacht. Spanien und das Reich erneut in Personalunion unter einem Habsburger widersprach diesem Gleichgewicht in krasser Weise. Man wendete sich deshalb ab von den Habsburgern. Der Tod von Joseph I. ermöglichte also erst das verbleiben von Phillip V. auf dem spanischen Thron, ansonsten wäre der Spanische Erbfolgekrieg eine Niederlage für Ludwig XIV. geworden - aber so kommts in der Geschichte eben manchmal. :)

    Es gab zwei Friedensschlüsse, einmal den zwischen Frankreich und den Alliierten außer Österreich in Utrecht im Juli 1713. Der Kaiser und ein paar wenige Verbündeten setzten den Kampf zunächst fort und schlossen sich erst im März 1714 im Frieden von Rastatt den Bedingungen von Utrecht an.

    Und ganz so kümmerlich waren die Reste dann auch nicht, die die Habsburger abbekamen, immerhin fast alle spanischen Nebenländer. :thx:


    Hierzu ein paar Ergänzungen:
    August der Starke hat viel Energie darauf verwandt sich einen Königstitel zuzulegen, seinen "Augustus Rex" sollte man ihm darum nicht nehmen. :king:
    Dazu ein paar Anekdoten. Als der polnische Königsthron 1696 vakant wurde, hat Ludwig XIV. viel darum gegeben diesen mit einem seiner Vetter, dem Prinzen von Conti, zu besetzen. August suchte darum die Unterstützung von Kaiser Leopold, wohl wissend, dass dieser alles daran setzen würde Ludwig XIV. eine Niederlage zu bereiten. Bei der Wahlversammlung geschickt taktierend wurde August dann 1697 tatsächlich zum Polnischen König gewählt - er war vorher extra noch zum Katholizismus übergetreten, er der der Kurfürst des Kernlandes der Reformation war!

    Während des Nordischen Krieges zwischen Schweden und Russland, bei dem August auf Seiten von Zar Peter dem Großen kämpfte, verlor er seinen Titel zwischenzeitlich an Stanislaus Leszczynski (1704-1709) den Kandidaten von Schwedens Seite.
    Eben jenem Stanislaus Leszczynski, der später Schwiegervater von Ludwig XV. werden sollte.

    August der Starke war jedoch, trotz seiner zeitweisen Gegnerschaft zu Ludwig XIV., ein großer Bewunderer des französischen Königs.

    Und dazu noch etwas:
    Das ist nur bedingt richtig, denn in die Jahre 1733-36 fällt der Polnische Thronfolgekrieg. Nach dem Tode von August dem Starken gab es wieder zwei Lager. Die bourbonischen Länder Frankreich und Spanien unterstützten die erneute Wahl von Ludwigs XV. Schwiegervater Stanislaus Leszczynski; Rußland und das Deutsche Reich unterstützten die Wahl des Sohnes von August II. dem Starken, August den III.
    Frankreich drohte darum die Grenze ins Reich zu überschreiten und rief damit gar den greisen Prinz Eugen von Savoyen noch einmal als Oberbefehlshaber auf den Plan.
    Am Ende wurde August III. König von Polen, Stanislaus Leszczynski bekam als Ausgleich das Herzogtum Lothringen, welches damit endgültig an Frankreich kam und der bisherige Herzog von Lothringen heiratete dafür Maria-Theresia, wurde Großherzog der Toskana und später Kaiser Franz I.:king:


    Ich hoffe ich konnte etwas Erkenntnisgewinn bereiten.
     
  10. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Hallo Andronikos,

    vielen Dank für die Einwürfe, aber ich hoffe du verzeihst mit, dass ich angesichts der Fülle, etwas komprimieren musste, worunter natürlich immer die Exaktheit leiden muss.

    In einer Sache muss ich dir aber leider konsequent widersprechen, Zitat:
    "Ganz so erzwungen war der Krieg vielleicht doch nicht. Eine Verhandlungslösung mit den Habsburgern wäre vielleicht möglich gewesen aber da Ludwig für seinen Enkel alle spanischen Besitzungen forderte war Krieg vorprogrammiert."

    Louis XIV. bevorzugte die Teilung und hätte auf sein Erbrecht verzichtet, wenn man Frankreich die Span. Niederlande und Neapel übergeben hätte. Carlos Testament schloss aber eine Teilung aus, denn für den Fall, dass Frankreich dennoch eine Teilung vorgeschlagen hätte, wäre dies einer Absage an das Testament gleichgekommen. Was unweigerlich einen Erzherzog auf den span. Thron und allen Besitzungen zur Folge gehabt hätte. Fazit: Er hatte keine andere Wahl.


    Zitat:
    "Und ganz so kümmerlich waren die Reste dann auch nicht, die die Habsburger abbekamen, immerhin fast alle spanischen Nebenländer"

    Ich bezog mich nur auf die Niederlande, nicht den Rest. Seit 1659 waren die span. Niederlande enorm geschrumpft, zugunsten Frankreichs.


    Zitat:
    "August der Starke hat viel Energie darauf verwandt sich einen Königstitel zuzulegen, seinen "Augustus Rex" sollte man ihm darum nicht nehmen"

    Das angegebene Bild trägt aber leider diesen Titel. ;)


    Für allen anderen Ergänzungen bin ich höchst dankbar, denn sich über diese Zeit ausführlich auszulassen, damit tut man mir immer einen großen Gefallen. Alles andere ist übrigens korrekt von Andronikos ausgeführt worden. :)
     
  11. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Ohne mich jetzt bei dem Punkt unnötig zu streiten aber das Wort "enorm" finde ich übertrieben. 1659 eroberte Frankreich das Gft. Artois und 1668-79 das südliche Flandern mit Dünkirchen, Lille und Cambrais, alles in allem ca. 20% (von mir geschätzt) der Spanischen Niederlande. Die Habsburger haben dann 1714 ziemlich genau das Gebiet des heutigen Belgien incl. Luxemburg erhalten.

    Die restlichen Bemerkungen sind akzeptiert.:bussi:
     
  12. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Dann möchte ich mein "enorm" untermauern. Die Teile, die Frankreich erwarb, waren die reichsten Teile der Span. Niederlande und zählten zum ökonomisch ertragreichsten Boden Europas. Insbesondere die Wolltuchindustrie erzielte hohe Gewinne. Frankreich pickte sich quasi die Sahnestücke aus den span. Besitz heraus.

    Also "enorm" in wirtschaftlichen Sinne. Einigen wir uns darauf. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Oktober 2004
  13. Livia

    Livia Mitglied

    In Versailles konnte Ludwig XIV. den Adel noch besser kontrollieren, als in Paris - der Louvre war auch nach dem Umbau durch Le Vau für eine dauerhafte Anwesenheit vieler Höflinge nicht geeignet. Dazu ein längeres Zitat von Bernier:

    „Anders als bei den Schlössern der Vorfahren Ludwigs XIV. war Versailles nicht aus der Freude des Königs am Bauen heraus entstanden, sondern war in Wirklichkeit sowohl der gestaltgewordene Ausdruck eines politischen Konzepts als auch das Mittel selbst, mit dessen Hilfe dieses Konzept umgesetzt werden konnte; weit davon entfernt, maßlos oder verantwortungslos zu sein, ist dieses Bauprojekt nichts anderes als ein Produkt der Staatsräson. ... Denn in erster Linie ist der Palast eine goldene Falle für die Prinzen und für die Vertreter des Hochadels.

    Dem König schwebte vor, die einst gefährlichen Granden nicht nur für ein paar Wochen oder Monate pro Jahr an den Hof zu binden, sondern für immer. Allein dadurch würden sie von ihren Machtzentren in den Provinzen abgeschnitten, und sie wären dort festgehalten, wo sie unter Kontrolle waren – die Post unterlag der Überwachung durch die Regierung, und alle verdächtigen Briefe wurden geöffnet, gelesen und kommentiert.

    Hinzu kam, dass die Kosten, die das verschwenderische Leben am Hof mit sich brachte, die Adligen mit aller Wahrscheinlichkeit in immer größere Abhängigkeit vom König brachte: Reichte ihr Einkommen erst einmal nicht mehr aus, so waren sie auf zusätzliche Pensionen und Gehälter angewiesen; und das setzte voraus, dass sie sich dort aufhielten, wo der König sie sah und sich ihrer erinnerte. Natürlich achtete Ludwig XIV. darauf, die Notwendigkeit einer tatsächlichen Anwesenheit am Hof zu betonen, indem er von jedem, den er eine Zeitlang nicht gesehen hatte, mit eisigen Worten sagte: ’Ich kenne ihn nicht’.

    Es musste aber dafür gesorgt werden, dass diese permanente Anwesenheit erträglich war, und folglich waren eine grandiose Szenerie und ein erstklassiges Unterhaltungsangebot erforderlich; und, was am wichtigsten war, der König musste einen Palast besitzen, der in der Lage war, diesen nun so viel größer gewordenen Hof unterzubringen. Eine weitere Folge dieses vermehrten Umfanges und der ständigen Anwesenheit der Hofmitglieder war es, dass der Etikette größerer Raum zugestanden werden musste und sie immer komplizierter wurde. Indem er die Zahl der Ämter in seiner eigenen Umgebung ... erheblich vergrößerte, konnte Ludwig XIV. eine weitaus größerer Zahl von Adligen an sich binden,; indem er die Vertreter der verschiedenen Ämter und die einzelnen Ränge der Aristokratie eifersüchtig aufeinander machte, konnte er des weiteren sichergehen, dass die Energien, die einst Bürgerkriege angestiftet hatten, sich nun im Streit darum verzehren würden, wer das Recht auf einen Schemel und auf den Zugang zum königlichen Schlafzimmer habe.

    Und als sei es damit noch nicht genug, sorgte allein die Existenz des Palastes noch für eine weitere neue Beschäftigung des Hofes. Zum ersten Mal standen nun Räumlichkeiten genug zur Verfügung, zwar nicht jeden, aber doch die meisten Höflinge unterzubringen; folglich gab es erbitterte Auseinandersetzungen um die Quartiere, und mancher Herzog musste sich mit einer kleinen, dunklen Einzimmerwohnung begnügen. Nicht in Versailles untergebracht zu sein galt als Katastrophe: So waren plötzlich auch die reichsten Granden glücklich, wenn sie ihre eigenen weitläufigen Schlösser und ihre luxuriösen Stadtwohnungen gegen eine Dachkammer tauschen konnten."
    (Olivier Bernier, Ludwig XIV., Zürich Düsseldorf 1989, S.178f.)
     
  14. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Hallo Livia, :bussi:

    Bernier's Biographie ist wirklich sehr umfassend und gut. Ich selbst muss gestehen, dass ich es schon 3mal gelesen habe in den letzten Jahren.

    Zu deinen Ausführungen kann man noch ergänzen, dass Versailles quasi eine Geldschröpfmaschine war. Louis änderte gern und oft die Mode am Hof, und der Adel - ganz dem Modediktat erlegen - musste Unsummen für neue Kleidung ausgeben. Auch zu jedem hohen Anlass musste der Höfling sich neu ausstatten, um seinen "Wohlstand" zu zeigen. Wo kaufte er es ? Natürlich in den Manufakturen für Luxusartikel der Krone. Auf diese Weise floß das Geld recht bequem von den Taschen des Adels in den Staatshaushalt. Von der Käuflichkeit völlig unnützer Ämter ganz zu schweigen.
     
  15. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das Bild zeigt übrigens nicht August den den Starken sondern dessen Sohn Friedrich August II. von Sachsen, der damals noch Kurprinz war (Kronprinz konnte er eigentlich nicht sein, habe aber auch schon die Bezeichnung Prinz von Polen gefunden). :motz: In verschiedenen Büchern habe ich auch immer wieder diese falsche Bezeichnung vorgefunden. Man muss die beiden Kurfürsten vergleichen und sieht gleich die enormen Unterschiede. Wer es dennoch nicht glaubt, dem sein Schloss Moritzburg empfohlen. Ich habe dort das Original hängen gesehen mit der Zuordnung zum Kurprinz.
    Hier Friedrich August I. von Sachsen : http://www.marquise.de/en/1700/pics/1723_2.shtml
    Hier Friedrich August II. von Sachsen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/August_III._(Polen)
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juli 2006
  17. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Louis le Grand hätte noch ein i-Tüppfelchen draufsetzen müssen und Bios über die Herzöge von Bourbon (ab Robert von Clermont natürlich) sowie die Bourbonen von La Marche-Vendôme (von denen schließlich die Könige abstammten) schreiben können.
    Schließlich nannte er ja das Thema "die frühen Bourbonen".
     
  18. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Das Thema ist ja nicht geschlossen, es steht dir also frei diese Biographen höchst selbst hier reinzustellen....
     
  19. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Oh je. Da hab ich mich ja in was reingeritten.:schau:
    Da fang ich gleich mit dem Studium an.
     
  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wie würdest Du die Ursache einschätzen, warum die Töchter bis auf Louise Elisabeth, welche Philipp, den Herzog von Parma, heiratete (deren Tochter die berühmte Isabella von Parma war, welche so glanzvoll mit dem Erzherzog Joseph vermählt wurde!), keine ehelichen Verbindungen eingingen? Könnte man es so auffassen, dass die Thronfolge in Frankreich durch den frühen Tod des Dauphin Louis Ferdinand und dass es überhaupt nur einen männlichen lebenden Nachfolger gab, recht kritsch aussah und Louis auf keinen Fall eine Einmischung in die Erbfrage durch ausländische Mächte dulden wollte?
    Andererseits wäre es ja möglich gewesen, indem die Töchter in kleinere Häuser wie Parma einheirateten, über diese Mittel- bis Kleinstaaten Einfluss zu gewinnen. (Was sicherlich auch der Vermählung von Joseph mit Isabella von Parma zu Grunde lag.)
     

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