Die Gestalt der Welt

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Nergal, 31. Januar 2011.

  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Es wird ja immer angenommen und auch verbreitet dass es im Mittelalter immer noch als Tatsache galt das die Erde eine Scheibe ist, was ja falsch ist da bereits in der Antike die Griechen, fast Korrekt, deren Größe berechnet haben.

    Mich interessieren aber hierbei die Details, und auch das Wissen über die Gravitation.

    Ist es Richtig das man zwar wußte das die Erde eine Kugelform hat, sonst aber annahm dass sie von einer unbekannten Kraft durch die Erdachse gehalten wird, und dass die Gravitation nicht von der Erdmasse herrührt sondern von "Aussen" wirkt, also Dinge in den "unteren Bereichen" "runterfallen" können?

    Also zumindest so habe ich das mal in einem Buch über Weltbilder gelesen.

    Oder wann wurde die Gravitation als das erkannt was sie ist?
    erst mit Newton?
     
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  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

  3. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Ja schon, das Heliozentrische Weltbild war ja auch lange im Umlauf, aber was dachten etwa das Gross der Lehrenden, die Kirche usw.
    Es war ja auch lange das was in der Bibel steht (von wasser umgeben etc.) als Überbau in gebrauch.

    Ich werde mich wieder in den Keller begeben und das Buch suchen.
     
  4. Cannabich

    Cannabich Gesperrt

    Die Gravitation spielte in der Naturerklärung im europäischen Mittelalter keine Rolle. Gravitation wäre ein Kraft, die zwei Körper aufeinander ausüben. Im Mittelalter war aber die aristotelische Physik tonangebend und in der kommt dieses Konzept gar nicht vor (das wird leider auch im oben verlinkten Wikipedia-Artikel falsch dargestellt).

    Die aristotelische Bewegungslehre geht (in aller Kürze) so.

    (1) Die Materie der Welt zerfällt in fünf "Materialtypen", die Elemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer, Äther. Der Weltraum ist streng getrennt in
    a) den "sublunaren" Bereich, der umfasst jeden Ort, der näher beim Erdmittelpunkt ist als der Mond und
    b) den übrigen Raum, zu dem also jeder Ort gehört, der weiter weg ist als der Mond

    (2) Jedes Objekt im sublunaren Bereich setzt sich in einem bestimmten Anteilverhältnis aus den Elementen Erde, Wasser, Luft, Feuer zusammen. Jedes Objekt jenseits des Mondes (das sind die Himmelskörper) bestehen aus Äther pur.

    (3) Jedes Objekt hat eine "natürliche Bewegung", die erstens davon abhängt, ob es diesseits oder jenseits des Mondes angesiedelt ist und zweitens (falls es ein diesseitiges Objekt ist), in welchem Mischungsverhältnis es aus den Elementen Zusammengesetzt ist.

    (4) Für die jenseits des Mondes angesiedelten Objekte ist die natürliche Bewegung die Kreisbewegung um die Erde. Für die sublunaren Objekte ist die natürliche Bewegung die zun ihrem "natürlichen Ort" hin. Das ist entweder in Richtung Erdmittelpunkt (falls die erdlastigen Elemente überwiegen) oder in die entgegengesetzte Richtung (falls die feuerlastigen Elemente überwiegen)

    (5) Die Fallbewegung, die wir heute mit der "Gravitation" erklären, hätte Aristoteles (und mit ihm die mittelalterlichen Theoretiker) also als die natürliche Bewegung derjenigen Objekte erklärt, deren natürliche Bewegung zum Erdmittelpunkt hin gerichtet ist.

    Nach diesen Klärungen lässt sich jetzt präziser darlegen, warum die aristotelisch-mittelalterliche Physik keine Gravitation kannte:

    a) Gravitation wäre eine wechselwirkende Kraft, die zwei Körper gegenseitig aufeinander ausüben ("Actio est reactio"). Bei Aristoteles wird der fallende Körper aber nicht von einem anderen Körper angezogen, sondern bewegt sich einfach auf seinen "natürlichen Ort" zu. Es ist also keine Angelegenheit zwischen zwei Körpern, sondern eine Angelegenheit zwischen einem Körper und einem Ort.

    b) Gravitation sieht vor, dass jeder Körper von der Erde angezogen wird und sich infolge dieser Anziehung (sofern nicht anderweitig verhindert) auf die Erde zubewegt. Bei Aristoteles sind von der Fallbewegung nur jene Körper betroffen, deren natürlicher Ort die Erdmitte ist. Für die "steigenden" Körper (deren natürlicher Ort) in Richtung Mond liegt und für die kreisenden Himmelskörper gilt das nicht.

    c) Schließlich sieht das Konzept der Gravitation auch vor, dass nicht nur Erde und fallender Körper einander anziehen, sondern dass generell zwei Körper einander anziehen und sich infolge dessen aufeinander zubewegen. Auch das ist bei Aristoteles nicht der Fall. Es geht (störungsfrei) nur aufwärts oder abwärts oder kreisförmig um die Erde. Dass sich zwei Steine aufeinander zubewegen, ist keine natürliche Bewegung
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Juli 2012
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  5. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Was waren bei Aristoteles steigende Körper?
    Wolken, Gase etc., oder hat man dazu auch flugfähige lebewesen gerechnet?
     

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