Die Gründung der Partei die Grünen, eine Folge der 68er Bewegung?

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Chiko91, 19. Januar 2011.

  1. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Gründung "Die Grünen" : 1980
    "Die Grünen" im Bundestag : 1983
    Mauerfall/Wiedervereinigung : 1989/1990
    Gründung "Bündnis 90" : 1991

    Man darf auch nicht die Anti-AKW-, Friedens- usw. Bewegung mit der Partei "Die Grünen" gleichsetzen. Der Threadtitel bezieht sich nur auf letztere.

    Die Grünen gingen aus einer Sammlung verschiedener "Bewegungen" (incl. der oben genannten) hervor. Nach der Gründung kam es zu einer Fokussierung, indem innerhalb der Partei manche mehr Einfluss gewannen als andere. Die Verlierer der ersten Stunde waren z. B. bürgerliche Naturschützer wie Grzimek oder Horst Stern. Bessere Karten hatten die in endlosen Geschäftsordnungsdiskussionen gestählten ehemaligen AStA-Vertreter, die in der Tradition der Studentenbewegung standen. Letzere haben sich in der Partei durchgesetzt, auch wenn das Image der Partei bis heute unzutreffender Weise von den Grzimeks geprägt wird.

    Die Eingangsfrage "Die Gründung der Partei die Grünen, eine Folge der 68er Bewegung?" Würde ich beantworten mit

    Bei der Gründung zum Teil, später immer mehr.
     
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  2. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Wobei die Realos ( z.T. 68er) ihre ursprünglichen Positionen aufgegeben haben
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dieses Problem kann man am deutlichsten aus der Vita von Gruhl ablesen.

    Herbert Gruhl ? Wikipedia


    Die antagonistischen Vitae wären Thomas Ebermann oder Jutta Dithfurt.
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    ach...und welche Positionen vertreten die Realos stattdessen? und wer sagt das ???

    hm waren die 68er, nach Deinen Worten nicht die "Marxisten"...dann hätten sie ja eigentlich bei den "Fundis" sein müssen. Irgendwie scheinst Du ein wenig mit Deiner Begrifflichkeit durcheinander zu kommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Januar 2011
  5. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Gut falscher Ausdruck
    Die 68er unter den Realos gaben einen Teil ihrer Positionen auf, sagt Wilfried, der einige kennt und die Entwicklung nur aus eigener Anschauung betrachtet
     
  6. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    "Realo" und "Fundi" bezeichnet nicht einen politischen Inhalt, sondern nur eine Strategie.
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Interessante These: Mir ist jedoch nicht ersichtlich, welche Merkmale der "APO", als organisatorischer Rahmen der 68er, "später" immer stärker bei den Grünen hervortraten.

    An welchen Punkten machst Du die zunehmende Identität fest?
     
  8. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Nur bedingt im organisatorischen Rahmen, inhaltlich die Hinwendung zu sozialen Themen.
    Auch bei den sogenannten 68ern hat ja persönlich ein Wandel ( bei jedem einzelnen anders, manche sind jetzt in der CDU) stattgefunden.

    Übrigens, da ich mich durchaus als Zeitzeuge sehe, weigere ich mich, die Selbstbekenntnisse etc von damals involvierten zu lesen. Haben doch etliche ihre Vita dan Extremistenerlass u.ä. geschönt und andere erinnern sich wie ich, auch Lückenhaft. !968 war ich 17 und politisch interessiert, 1974 habe ich mein Studium begonnen unhd 1989 war ich in der Stadt und habe die Trabis auf dem Gehsteig parken sehen.
    Man merkt, wie alt man ist, wenn die eigenen Erlebnisse für andere zur geschriebenen Geschichte werden :)
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Neben Fischer, der freilich kein Student war, waren Persönlichkeiten wie daniel Cohn- Bendit sehr wohl in der Studentenbewegung aktiv. Beim langen Marsch durch die Institutionen und als Koalitionspartner von Basta- weiter- so Schröder wurden viele Positionen aufgegeben, denn Grünen aber jeglichen gesellschaftspolitischen Ansatz absprechen zu wollen ist sehr einseitig:

    Ich erinnere nur mal an Positionen die die Grünen mal als Oppositionspartei gerade attraktiv machten:

    Liberalere Abtreibungsgesetze, contra § 218, Entkriminalisierung von Drogen, Ausstieg aus der Kernenergie, Umwelt- und Artenschutz, Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, mehr Basisdemokratie, Rotationsprinzip der Abgeordneten um nur einige zu nennen.

    Ich erinnere mich noch recht gut, an die ersten Abgeordneten, die mit Latzhosen, Turnschuhen und Thermosflaschen in Landtagen und dann plötzlich auch im Bundestag auftauchten. Die Reaktionen so lupenreiner Demokraten wie Franz Josef Strauß, Friedrich Zimmermann und anderer waren vernichtend, ähnlich vernichtend wie heute das Urteil über die Linke, doch ob heute eine, na ja Frau und ein Schwuler ein Land verwesen dürften, darf ohne die Existenz der Grünen durchaus fraglich sein.

    Zu Beginn der Kohl Restauration wurde ein General Kießling von Verteidigungsminister Wörner verabschiedet, nur weil man ihm vorwarf, homosexuell zu sein. Erst nachdem sich die Haltlosigkeit der Vorwürfe herausstellte, wurde Kießling wieder eingestellt und 1984 ehrenvoll entlassen.
     
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  10. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Die Frage ist nicht, sind 68er bei den Grünen, sondern ist die 68er Bewegung ein Grund für die Gründung dieser Partei?
    Nimmt man jetzt die Auflösung des Obrigkeitsdenkens, dann indirekt ja. Die 68er haben ja "die Suppe zum kochen gebracht".
    Umweltschutz ging den 68ern tschuldigung, definitiv am Arsch vorbei..
    Macht kaputt, was euch kaputt macht, ist KEINE grüne Position, aber eine der APO.
    Evulotion im politischen Sinne war nicht ihre Welt; der für mich damals beste Staat auf deutschem Boden, mit all seinen zu ändernden Schwächen war ihr Feind.

    Das etliche die "Grünen/ antiAKW" als "nützliche Idioten" missbrauchen wollten, das sie ihre Meinung änderten usw. macht sie nicht zu Mitbegründern, nur zu Trittbrettfahrern. Der spätere Wandel beider steht auf einem anderen Blatt.

    Daniel Cohn-Bendit/ Otto Schilly u.a. können wohl heute noch nix mit Nachhaltigkeit etc anfangen. Das einige Ziele der 68er HEUTE bei den Grünen zu finden sind, macht diese eben nicht zu Mitbegründern. Man kann behaupten, die hätten die Partei erfolgreich unterwandert ;-)
     
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber ich weiss aus erster Hand dass der Naturschutz auch eine kräftige Braunspur hinterlassen kann.
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied


    o.t.

    Ich lese mit großem Interesse und Vergnügen diesen Thread. Bei uns im Osten gab es keine Realos, Fundis etc. Marxisten allerdings und die nicht zu knapp. Die haben i.d.R. weder die "Grundrisse..." noch das "Kapital" gelesen, aber die wußten was im ND steht. Paßt nur auf, daß wir nicht in einer "WG-Diskussion" enden. :winke:

    M.

    Rot Front! Im übrigen, bin ich morgen für die Küche zuständig. Mao schrieb, wer die Küchenarbeit nicht ehrt, ist der Revolution unwürdig.
     
  13. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Es war mein Eindruck, dass sich Leute aus meinem damaligen studentischen Umfeld, die ich als 68er eingeordnet habe, zunächst an der Partei desinteressiert waren, später aber plötzlich dort auftauchten, schnell in die wichtigen Positionen gelangten und die ökologischen Polit-Amateure verdrängten.

    Ich erinnere mich noch an das Unverständnis, wenn ich mit solch einem Grünen über den Treibhauseffekt reden wollte. Die Antwort war dann meist in der Richtung "erst müssen die Atomkraftwerke abgeschaltet und die Bundeswehr abgeschafft werden". Gegen einen Straßenbau zu sein, war nicht "ökologisch", denn damit unterstützte man ja das System und die Unterdrückung der Schwulen in Palästina. Natürschützer wurden nach & nach wieder als weltfremde Waldläufer oder gar als rechte "Sozialdarwinisten" angesehen. "Natur" war verpönt, das Weltbild war urban.

    Das ist natürlich etwas scherenschnittartig dargestellt. Worauf ich hinaus will : Das "Betriebsklima" der Grünen näherte sich dem der 68er an.
     
  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Und hat in die Runde geschaut und sich gedacht, und wer den kleinen Schmiede-hoch-ofen im Hof nicht bedienen kann, um sein Schwert zu schmieden, ist es auch nicht wert, damit zu kämpfen. :nono:
     
  15. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Habe Dich wiederholt nach Belegen für Deine sehr weitreichenden, teilweise provozierenden Behauptungen gefragt. Und Du hast auf Deine persönliche Erfahrung als Zeitzeuge verwiesen. Eine durchaus schmale Basis für eine Verifizierung im wissenschaftlichen Sinne.

    zu 1. In diesem Sinne müßtest Du ja bespielsweise Schily sehr gut kennen, um diese Unterstellung zu verifizieren.

    Wobei natürlich interessant wäre, die "Nachhaltigkeit" in der Polikformulierung von westlichen Regierungen generell zu untersuchen. Vermutlich um das Ergebnis zu erhalten, dass es eine Kategorie ist, die selten eine Anwendung in der Gesetzgebung findet (aber da würde ich Dich vielleicht auf die Studien von M.G. Schmidt zum Policy-Output verweisen). Was würde dann noch an der pauschalen Abqualifizierung von Schily bleiben? Wenig: Um es präzise zu sagen, ein subjektives parteipolitisch eingefärbtes Urteil!

    zu 2. Auf die dokumentierten personellen Einflüsse bzw. direkte Gründungsmitgliedschaft einzelner Persönlichkeiten der Linken (z.B. Flechtheim etc.) habe ich Dich bereits hingewiesen. Aber offensichtlich bist Du schlichtweg Faklten gegenüber ingnorant.

    zu 3. Und wenn man das behaupten kann, dann sollte man sich vielleicht auch um eine Untermauerung seiner Behauptung kümmern. Wie wärs mit den Ergebnissen von Falter zu diesem Thema? Einen konservativeren, seriösen Parteienforscher als ihn als Kritiker wirst Du kaum finden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Januar 2011
  16. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Also radikale Marxisten, die zuerst die Revolution durchführen wollen, gegen naturliebenden Konservative, die auf dem Rückzug sind. Komisch, ich bekomme nicht die "Köpfe" mit den unterstellten unterschiedlichen Politikrichtungen zusammen.

    ??? Warum präferierten die Saar-Grünen die CDU ??? Eine besonders perfide Strategie, um von den wahren Zielen abzulenken. Und wieso werden die Grünen mittlerweile als "verbürgerlicht" klassifiziert und als idealer Koaltionspartner für die CDU?

    Aber wir sind mittlerweile in der Tagespoltik angekommen!
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Januar 2011
  17. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    @ thanepower
    einzelne Personen sind nicht die 68er!
    Fällt Dir eigentlich auf, das 2 Zeitzeugen in etwa der gleichen Auffassung sind?
    später mehr
     
  18. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Macht kaputt, was Euch kaputt macht, ist Keine Forderung der Apo, sondern ein von Rio Reiser und Norbert Krause 1969 geschriebener Song der Anarcho- Band Ton Steine Scherben, der 1971 veröffentlicht wurde und einen Slogan der Hausbesetzerszene aufgriff. Dieser Song stand natürlich im Zusammenhang mit der Studentenbewegung und Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre, die im Übrigen viel zu vielschichtig und heterogen war, als dass sie einfach mit der APO oder auch der RAF identifiziert werden könnte.
     
  19. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    @ Scorpio, der Spruch war schon 1967/68 auch bei uns in der Schule bekannt
    Ansonsten hast Du vollkommen recht.
    Auch darf man jetzt nicht vergessen, das zwischen 1968 ( Notstandsgesetzgebung ) und 1979 (Natodoppelbeschluß) , was ja damals die "Großen Aufreger" waren, 11 lange Jahre liegen.
    Die 68er waren so im Schnitt 1968 geschätzte 25 Jahre alt. Zur Gründung der Grünen also meist schon aus der Sturm und Drang zeit, so mit 37 Hatte man damals eigentlich schon Familie Haus und Garten :).

    @all
    Ich bitte meine Äusserungen als das zu nehmen , was sie sind. Zeugenaussagen eines am Geschehen eher Unbeteiligten. Auch wenn ich versuche, mich wertfrei zu äussern, gelingt dies sicher nicht. Ich war damls Sängerschafter, der Toleranz verpflichtet. Nunja, SDS, Marxistischer irgendwas etc waren alles, nur nicht tolerant.

    Ja, und wer sich damals mit Mitgliedern des Club of Rome über die Folgen der Industriellen Entwicklung unterhielt ( Klimaerwärmung war ein Thema) der kann heute nicht unparteiisch gegenüber manchen Mitgliedern der Studentenbewegung sein.
     
  20. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Na ja, die Bundestagswahl 1990 war einer der Tiefpunkte der Grünen. Wie bei anderem westdeutsche Linken, ließ sein politischer Instinkt Joschka Fischer im Stich. In einer Situation, wo die CDU sowieso in der Pole Position lag, brachte der verhalten-ablehnende Kurs gegenüber der Wiedervereinigung den Grünen Verluste ein. Auch heute haben die Grünen, Bündnis 90 hin oder her, Schwierigkeiten, einen Fuß in die neuen Bundesländer zu bekommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Januar 2011

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