Die Hohenzollern als Kaiser

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von Paschalis, 27. Juli 2015.

  1. Paschalis

    Paschalis Neues Mitglied

    Wieso war es eigentlich ungeschriebenes Gesetz, dass es ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte des HRR nur noch österreichische Kaiser aus der Dynastie der Habsburger gab?

    Ich weiß wohl von einem bayerischen Herzog, der mit Hilfe Preußens Böhmen erobern und Kaiser werden wollte, aber müsste es nicht den Kurfürsten (zumindest denen mit einer den Habsburgern gegenüber feindlichen Haltung) viel näher gewesen sein, irgendwann den König von Preußen zum Kaiser zu wählen? Zweifellos hat die preußische Armee mehr als einmal bewiesen, dass sie durchaus zu großen Aufgaben wie der Verteidigung des Reichs fähig gewesen wäre. Gibt es irgendwo Aufzeichnungen davon, welcher Kurfürst wen wann gewählt hat?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Es gab Wahlen, bei denen es für die Habsburger nicht von vornherein ganz glatt ablief:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_V._(HRR)#K.C3.B6nigswahl_im_Reich

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdi...des_b.C3.B6hmischen_Aufstandes_und_Kaiserwahl

    https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_I._(HRR)#Herrschafts.C3.BCbernahme

    Der bayrische Herzog wurde tatsächlich Kaiser, aber glücklich wurde er mit seiner Krone nicht:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_VII._(HRR)

    Preußens "Hilfe" soll wenig effektiv gewesen sein und sah schließlich so aus:
     
  3. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Österreichische Kaiser aus dem Hause Habsburg? Ja, aber erst als es das Kaiserreich Österreich gab. Also ab 1804.
    Davor gab es das HRRdN, in dem die Habsburger mehrere Herzogtümer innehatten. Dem Reichskreis Österreich. Und noch einiges anderes. Die Reichskreise waren Verwaltungsgliederungen.

    Apvar
     
  4. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Die Markgrafen von Brandenburg und Neo-Könige IN Preussen auf dem Thron des Heiligen Römischen Reichs? Vor dem Raub der schlesischen Provinzen - der auch nur durch die besondere Situation im Erbfolgekrieg möglich war - waren die von Hohenzollern regierten Sandflächen im Range einer Mittelmacht.


    PS: Das Erzhaus trug neben der Reichskrone auch die apostolische Krone Ungarns, die Wenzelskrone sowie den österreichischen Erzherzogshut. Die damit verbundenen weiteren Kronen zähle ich da gar nicht auf...
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es gab schon immer wieder Bestrebungen auch in der FNZ einen Nichthabsburger zum Kaiser zu machen. Letztlich scheiterte es immer wieder an den nötigen Ressourcen oder am Rückhalt unter den Reichsfürsten. ASo hatte Österreich für sich, dass es viele Jahre erfolgreich eine Reichspolitik betrieb, die dazu führte, dass selbst in Norddeutschland einige Fürstenhäuser verlässliche Parteigänger Österreichs waren. Ein gutes Beispiel dafür war das dynastisch recht gut vernetzte Herzogshaus von Braunschweig-Wolfenbüttel.
    Als Brandenburg-Preußen zusehends den Einfluss Österreichs v.a. in Nord- und Mitteldeutschland zurückdrängte, wofür Braunschweig-Wolfenbüttel unter Karl I. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_I._(Braunschweig-Wolfenbüttel)) und Sachsen-Weimar unter Carl August ( https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_August_(Sachsen-Weimar-Eisenach)) gute Beispiele sind, war schon die Kaiserkrone zu unattraktiv, um die hohen Kosten und den übrigen Aufwand zum Erwerb derselben einzugehen.
    Selbst Louis XIV soll sich mal um die Kaiserkrone bemüht haben. Abgesehen vom Prestige bedeutete die Krone immerhin automatisch ein gewisses Klientel wie Reichskirche und Reichsritter für sich zu gewinnen.
     
  6. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Wobei der bayrische Herzog auch der Ehemann einer Habsburgerin war.

    Es ging da wohl auch darum, nachdem die Habsburger-Dynastie in männlicher Linie ausgestorben war. Welcher Ehemann einer Habsburgerin macht das Rennen und beerbt die Habsburger als Kaiser (HRR)?

    (Gewonnen hat letztlich der Ehemann, der den Namen seiner Ehefrau "geführt" hat.):D
     
  7. Paschalis

    Paschalis Neues Mitglied

    Was kann ich mir in dem Kontext unter dem Begriff "unattraktiv" vorstellen? War das Amt mittlerweile mit zu vielen Pflichten (Verteidigung, Religiöse Einheit usw.) in Relation zur Macht gespickt?
     
  8. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Seit der Reformation hat es im Reich gegärt. Zum einen wegen der religiösen Gegensätze im Reich. Und dann in der folge der Reformation die Bauernkriege.
    Dann kumulierten die Gegensätze zum Trauma, nämlich dem 30-jährigen Krieg.
    Folge? Verwüstetes Land, starke Verluste der Bevölkerung (kennst Du das Kinderlied "Pommernland ist abgebrannt"?), sowie Verarmung der Bevölkerung.
    Und dann der Westfälische Frieden. Guck Dir bitte mal an was mit den Territorien des Reiches passierte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Westfälischer_Friede

    Und mit verlorenem Land, entgehen Steuereinnahmen. Bei gleichzeitig steigendem Bedarf für die Hofhaltung und auch Machtverlust des Kaisers, warum sollte das Amt dann noch jemandem hinter dem Ofen hervor locken.

    Die Kurbrandenburger mussten ihr Land erst einmal wieder aufbauen. Unter dem großen Kurfürsten. Unter Friedrich I, König in Preussen wurde der Hof stark ausgebaut. Der Soldatenkönig sparte sehr viel Geld und baute die Armee aus. Und erst unter Friedrich II war Preussen in der Lage, unter günstigen äusseren Umständen, verlustreiche Kriege um Schlesien zu führen. Wieder auf Kosten von Bevölkerung.

    Apvar
     
  9. Paschalis

    Paschalis Neues Mitglied

    Ok, das macht Sinn. Mit Sicherheit hat der Dreißigjährige Krieg auch deutlich an der Autorität des Kaisers rumgeschraubt. Hätte auch nicht gedacht, dass die Auswirkungen des Krieges noch rund hundert Jahre später im Reich präsent waren. Da wird es den Habsburgern 1804 irgendwo sowohl Fluch als auch Segen gewesen sein, dass sie die Krone ablegten.
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Nicht nur der Westfälische Frieden war daran schuld, dass die Macht des Kaisers angegriffen war. Es waren auch die Wahlkapitulationen daran schuld. Damit ein Kaiser gewählt wurde, musste er vor allem dem Wohlgremium, also den Kurfürsten stets umfangreiche Zugeständnisse machen, was deren Unabhängigkeit anbelangte. Wenn der Kaiser in Kriegen die Unterstützung vieler Reichsfürsten haben wollte - wir sprechen ja hier von einer Zeit fortwährender militärischer Auseinandersetzungen gegen die Osmanen und Franzosen - so musste er die Reichsfürsten mit etwas locken, damit sie mehr als die verfassungsmäßig vereinbarten Truppen beisteuerten (und selbst diese waren nicht so leicht zu mobilisieren). Da die Habsburger praktisch immer pleite waren und auch keine Gebiete zu verschenken hatten, konnten sie nur mit Privilegien oder Standeserhebungen (z.B. Erhebung einer Mätresse oder eines Günstlings des Fürsten in den Reichsritter- oder Reichsgrafenstand) locken. Das führte bspw. dazu, dass zahlreiche mächtige Fürsten das "Privilegium de non appelando" ( https://de.wikipedia.org/wiki/Ius_de_non_appellando ) zugebilligt wurde und das obwohl die höchste Gerichtsbarkeit v.a. im Zuge des Reichshofrates eines der besten und letzten wichtigen Mittel des Kaisers war, sich aktiv in die deutschen Verhältnisse einzumischen.
    Die Verhandlungen, die einer Kaiserwahl vorraus gingen, waren also zumeist das reinste Geschacher um Rechte und Privilegien. Bisweilen wurde die Kaiserwahl auch mit Friedensschlüssen verbunden - wie es Friedrich II. zweimal bspw. praktizierte.

    Man könnte zwar sagen, dass es eine Chance hätte sein können, wenn ein Wittelsbacher mal die dauernde Folge der Habsburger auf dem Kaiserthron unterbrach, aber das Gegenteil war der Fall. Letztlich war Karl VII. zu schwach und genoss keinerlei Autorität im Reich. Österreich akzeptierte die Wahl garnicht. Selbst mit den Verwandten Karl VII. musste Frankreich überzeugen (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Baptiste-François-Joseph_de_Sade ), dass sie Karl VII. wählten, der letztlich vollkommen ein Kaiser von Frankreichs Gnaden war. Er konnte weder die Reichsfürsten für sich gewinnen, noch seine "kaiserliche Armee" ja noch nichtmal seine eigene Hofhaltung in Frankfurt (!) finanzieren. Alle seine Versuche auf seine Stellung als Kaiser pochend die Reichskreise in seinem Sinne für einen Krieg gegen Österreich zu gewinnen scheiterten. Die angebliche "kaiserliche Armee" war nichts anderes als die unterversorgten Trümmer der bayerischen Armee nebst mit franz. Geldern bezahlten deutschen Subsidientruppen anderer Fürsten (z.B. von Hessen-Kassel) und sogar schlichtweg franz. Soldaten.

    Wenn man sich die obligatorischen Darstellungen der Einzüge der künftig zu krönenden Kaiser in Frankfurt am Main anschaut, bekommt man einen guten Eindruck von den immensen Kosten, welche mit einer Kaiserwahl verbunden waren. Reisten viele Fürsten normalerweise inkognito (wie Kg. Friedrich II. 1740 nach Straßburg, Markgraf Karl Wilhelm v. B.-Durlach nach Amsterdam usw.), so musste der Kaiser nunmal als Kaiser reisen und das heißt mit einer riesigen Wagenkolonne, hunderten Pferden, zig Wagen usw..
     
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  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1806 war erst die Niederlegung der Reichskrone, aber auch das nicht ohne gründliches Überlegen und Abwägen. Eine Hauptbefürchtung war, dass Napoléon sich selber die Krone einverleiben könne. Deswegen versuchte man den Eindruck einer Abdankung zu vermeiden, sondern verknüpfte damit sowas wie die Auflösung des Reiches. Freilich folgte dieser Akt ohnehin bloß den Tatsachen, die de facto schon dadurch entstanden waren, dass die meisten Reichsfürsten der Überbleibsel des HRR ihre Gesandten schon vom Reichstag abgezogen hatten (Napoléon hatte ja unmissverständlich klar gemacht, dass er die Aufgabe der Kaiserkrone durch die Habsburger forderte). Wir haben dazu einen Thread.
    http://www.geschichtsforum.de/f44/war-das-heilige-r-mische-reich-zukunftsf-hig-40947/index4.html
    http://www.geschichtsforum.de/f16/abdankung-kaiser-franz-ii-24606/
     
  12. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Dass die Habsburger praktisch immer pleite waren, dürfte eher unter gängiges Vorurteil als Tatsache fallen, besonders bei einem Vergleich mit den anderen Reichsfürsten, bei denen es finanziell auch nicht immer großartig aussah.

    Das Problem dürfte eher damit zusammenhängen, dass die Königswürde (HRR) in finanzieller Hinsicht spätestens seit Mitte des 14. Jahrhunderts keine wirklich großartigen zusätzlichen Einnahmen mehr brachte. Zudem gab es zu diesem Zeitpunkt kaum noch Reichsgut, über dass der König / Kaiser frei verfügen konnte und das er hätte verschenken können. Das bedeutet aber, dass die Könige / Kaiser (HRR) auch für ihre Reichspolitik vorwiegend auf die Einkünfte ihrer eigenen Hausmacht angewiesen waren.

    König / Kaiser (HRR) sein, dürfte ab dieser Zeit eher dem Prestige der Dynastie förderlich gewesen sein, dafür war aber nicht nur die Anerkennung notwendig, sondern es bedeutet auch eine ganze Menge zusätzliche (auch finanzielle) Belastungen.
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich hatte das mal irgendwo gelesen. Verfestigt hat sich das, als ich ein Buch über die Beziehungen zwischen den schwäb. Ständen und dem Kaiser in der Zwischenkriegszeit (1715-1733) durchging. Bei den Summen, die der Kaiser allein den schwäb. Ständen schuldete, schlackerten einem beim Lesen schon die Kniee. Das waren etliche Staatshaushalte eines Mittelstaates. Natürlich gab es auch schon damals Schuldenschnitte, die immer dann nötig waren, wenn man überhaupt auch nur einen Bruchteil seines Geldes wiedersehen wollte.

    Ferdinand II. befand sich ja bspw. am Beginn des 30-jährigen Krieges in der trostlosen Lage keine ausreichenden Mittel zu haben, um selbstständig die Rebellion in Böhmen zu bekämpfen. Die Entschädigung Max I. mit dem Kurhut, weitreichender Autorität in der Liga und Einnahmen aus den rückeroberten Ländern sowie das verlockende Angebot an Johann Georg I. von Sachsen sind typisch für die Krise der Habsburger.
    In vielen Kriegen war man völlig von den Geldern der Verbündeten, nach dem Zusammenbruch der Niederlande in den 1740ern dann v.a. Englands abhängig.
    Allerdings muss man zugeben, dass die Belastungen Österreichs durch die Kriege im Osten und Westen auch doppelte waren. Genauso wie Österreich ging auch Frankreich in den letzten Zügen des Span. Erbfolgekrieges am Stock.

    Anders als andere Reichsfürsten war natürlich eine vom Kaiser eingesetzte Komission zur Lösung der Misere nicht denkbar.*

    * Beispiele: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_VIII._(Hessen-Darmstadt)#Regierung
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Friedrich_III._(Sachsen-Hildburghausen)#Leben
     
  14. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Dass es bei den Habsburgern finanziell nicht gerade rosig aussah sowohl was die Rücklagen, was auch die Zahlungsmoral betrifft, ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Maximilian I. wie Karl V. befanden sich mehrfach in äußerst angespannten finanziellen Notlagen, bei denen dann freilich ihre Hausbankiers einsprangen, Jakob und Anton Fugger. Den Fuggern wurde es zum Verhängnis, dass sie an diese Großschuldner gebunden waren- Ländereien und Überschreibungen war dann freilich zu verdanken, dass die Fugger in die Aristokratie aufstioegen und heute noch zu den reichsten Deutschen gehören und zwar beide Linien.

    Prinz Eugen, der ein überaus geschickter Kriegsunternehmer war, musste mehrfach aus eigener Tasche Sold- und Lebensmittel aus eigener Tasche aufwenden.

    Dass sich die Finanzen der Habsburger in recht desolaten Verhältnissen befanden und deren Zahlungsmoral nicht als besonders hoch galt, dafür gibt es aus dem 15.-18. Jhd doch einige Zitate von Zeitzeugen, auch von Parteigängern der Habsburger, als dass es sich dabei um Legenden gehandelt haben kann. Bei Johannes Fugger, einem relativ unbedeutenden Playboy und Mäzen, dessen Schloss Kirchheim dem Escorial ähnelte, stand Philipp II. mit 6 Millionen Goldgulden in der Kreide. Zeitweilig gehörten den Fuggern halb Schwaben, ein Stück Bayern eine Portion der schweiz und fast das ganze Elsass. In Ländereien ließen sich auch Albrecht von Wallenstein und Prinz Eugen von Savoyen von den Habsburgern bezahlen.

    Die Hohenzollern erhielten 1356 mit der Goldenen Bulle die Kurwürde, und wenn sie auch dank dem Großen Kurfürsten und Friedrich Wilhelm I. über einen ausgeglichenen Staatsetat verfügten,so waren sie im 18. Jhd verglichen mit den Habsburgern Parvenüs. An Bevölkerungszahl und Ausdehnung des Territoriums konnte sich Preußen nicht mit den Habsburgern messen. Des heiligen Römischen Reichs Streusandbüchse spotteten Zeitgenossen. Das war auch noch der Fall, als Friedrich II. mit der Frechheit eines Emporkömmlings Schlesien unter den Nagel riss und sein Territorium um mehrere tausend Quadratmeilen und knapp 1 Millionen Untertanen vergrößerte und arrondierte und diese Annexion im Siebenjährigen Krieg verteidigen konnte.

    In der aristokratischen Rangordnung und nach Protokoll rangierten die Hohenzollern etwa auf der Höhe der Wettiner, der Wittelsbacher und der Welfen, die erst im 30 Jährigen Krieg, bzw 1692 die Kurwürde erhielten. Im Reich waren die Wettiner, Hohenzollern und Welfen nur Kurfürsten, allerdings nach Protokoll als "Königliche Hoheit" anzureden. In Personalunion schafften es allerdings Prätendenten der kurfürstlichen Häuser die Königswürde von Polen, des Vereinten Königreichs oder wie Landgraf Friedrich I von Hessen-Kassel König von Schweden zu werden.

    Die Hohenzollern konnten sich seit 1701 nur "König in (Ost)-Preußen", nennen. Das Herzogtum (Ost)Preußen war Territorium des Deutschritterordens als dessen letzter Hochmeister Albrecht I. von Brandenburg Bayreuth seit 1511 fungierte. Seit dem 2. Frieden von Thorn 1466 war es nominell polnisches Lehen, und es gehörte Ostpreußen nicht zum Heiligen Römischen Reich, auch wenn es mehrheitlich deutschsprachig war. Um dem König von Polen den Lehenseid verweigern zu können, brauchte der Herzog von Preußen die Hilfe des Kaisers. König von Preußen nannte sich Fridericus Rex offiziell erst nach der 1. Teilung Polens 1772, de iure war das Herzogtum (Ost)preußen bis dahin ein Lehen der polnischen Krone.
     
  15. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Zunächst einmal - die Habsburger waren also ständig pleite oder hatten ständig Zahlungsprobleme. Nach dieser Formulierung entsteht der Eindruck, dass dies ein Merkmal der Dynastie war bzw. ist, da noch einige Habsburgerlinien existieren - die Aussage, nicht, einzelne Habsburger oder bestimmte Habsburger in einer gewissen Position waren ständig pleite, sondern die Dynastie war ständig pleite.

    Fakt ist: wie lange es eine oder mehrere Habsburgerdynastien bereits gibt, ist ohnehin zu diskutieren. In die "Universalgeschichte" treten sie jedenfalls erst mit König Rudolf I. (HRR) im 13. Jahrhundert, der immerhin als Graf von Habsburg Rudolf IV. ist, was auch für Historiker/innen, die sich nie Familie Habsburg beschäftigt haben, gleich einmal zeigt, dass die Familie schon seit einige Generation schon bestanden haben muss.

    Um zu überprüfen, ob die Behauptung, die Habsburger wären ständig pleite gewesen zutrifft, müsste also die Geschichte der Familie vom 13. bis 1918 oder vielleicht sogar bis in die Gegenwart untersucht werden. Dabei müssten auch die verschiedenen Linien der Habsburger berücksichtigt werden. (Wie verschuldet / pleite war z. B. die toskanische Linie der Habsburger im 18. und 19. Jahrhundert? Was betrifft die zahlreichen Familienzweige, die auf die Söhne von Kaiser Franz II. / I. zurückgehen?)

    Außerdem wäre zu berücksichtigen, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnissen in diesem Zeitraum von mindestens 600 Jahren mehrfach verändert haben. Seit wann gibt es Fürsten, die pleite waren oder denen nachgesagt wurde, dass sie kein Geld hatten. Ab wann wird zwischen dem privaten Vermögen eines Fürsten und dem Staatsvermögen unterschieden?

    Und schließlich ist es auch notwendig, innerhalb von bestimmten Zeiträumen Vergleiche mit anderen Adelsfamilien zu ziehen. Bei den Habsburgern, die Könige von Spanien oder Könige / Kaiser (HRR) waren, bietet sich natürlich der Vergleich mit den Souveränen anderer Staaten wie z. B. Frankreich, England, Schottland oder auch Polen-Litauen oder Schweden an. Wie war es um die Schulden / Finanzen dieser Länder bestellt? Und wie war eigentlich um die Zahlungsmoral von deren Herrschern bestellt?

    In der Zeit, wo die Habsburger nur Reichsfürsten waren, ist ein Vergleich mit anderen Reichsfürsten notwendig, einen Vergleich mit anderen Reichsfürsten des HRR zu ziehen. Bei den Habsburgern, die auch Könige / Kaiser (HRR) waren, ist dieser Vergleich mit den Reichsfürsten (HRR) ebenfalls notwendig, da sie gleichzeitig auch selbst Reichsfürsten waren.


    Eine weitere Frage, die zu stellen ist: Als Beispiele für Habsburger, die pleite machten oder schwere Finanzprobleme hatten, führt Scorpio mit Maximilian I., Karl V. sowie Leopold I., Josef I. und Karl VI. (in deren Diensten Prinz Eugen stand) also ausschließlich Habsburger, die sowohl Reichsfürsten, Könige als auch Kaiser waren. Da stellt sich doch wohl auch die Frage, ob die Finanzprobleme bei Mitgliedern der Familie Habsburg damit zusammenhingen, dass die ganzen Verpflichtungen, die die Kaiserwürde brachte, aus den Einnahmen der Hausmacht zu finanzieren waren. Offensichtlich hatten die Könige und Kaiser seit Karl IV. auch kaum mehr Reichsgut (Landbesitz), den sie vergeben konnten. Wenn sie Länder vergeben wollten, mussten sie diese aus ihrer eigenen Hausmacht nehmen.

    Hinzu kommt noch, dass der Kaiser die Schulden von seinen Vorgänger zu übernehmen hatte. Über Kaiser Sigismund, dem letzten Luxemburger, heißt es, dass er zum Zeitpunkt seines Todes hoffnungslos verschuldet war. Da die Kaiserwürde an einen Habsburger ging, erbte dieser auch gleich die Schulden mit ...
    ------------------

    Was das Kaisertum der Hohenzoller betrifft?

    Als die Hohenzoller im 19. Jahrhundert ihr deutsches Kaiserreich errichteten, hatten sie eine ganz andere Ausgangssituation. In diesem Zusammenhang wird immer nur die Schlacht von Königgrätz und die Auseinandersetzung mit dem Kaiser von Österreich gesehen. Was offensichtlich nicht wirklich bekannt ist, dass Preußen auch weitere deutsche Staaten wie z. B. das Königreich Hannover annektierte, die dortigen Herrscher stürzte und das Gebiet zu einem Teil seines eigenen Staatsgebietes machte. Diese Eroberungen wareb sicher nicht zu ihrem Nachteil waren ...

    Abgesehen davon erhielten die Hohenzoller ihre Kurfürstenwürde nicht durch die Goldene Bulle, sondern mit der Goldenen Bulle von 1356 wurde der Markgrafschaft Brandenburg ihr Status als Kurfürstentum bestätigt. Bis Anfang des 15. Jahrhunderts gehörte sie den Luxemburgern, erst dann ging sie in den Besitz der Hohenzoller über. Diese waren zuvor Burggrafen von Nürnberg gewesen.
     
  16. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Nur das Preussen nicht nur das Königreich Hannover annektiert hat, die Hannoveraner Könige sassen auch in London. Und haben kein Expeditionsheer gegen Berlin gesandt. Dafür war Hannover zu unwichtig. In wie weit die Annexion des Königreiches Hannover Preussen wirklich mehr Macht gebracht hat ist die Frage.
    Viel wichtiger für Preussen waren die Gebietsgewinne, welche Preussen durch den Wiener Kongress zugesprochen bekam. Zwar hatte Preussen schon Gebiete im Westen des Reiches gehabt. Aber durch die Napoleonischen Kriege und den Neuordnungen des Reiches, bzw. des Rheinbundes und der Eingliederung weiter Teile des Reiches in Frankreich wurde hier viel geändert. Zum anderen wurden die Kurstaaten ja auch nicht mehr durch den Wiener Kongress neu errichtet. Das Kurfürstentümer Köln und Mainz blieben zum Beispiel aufgelöst und wurden Preussen als Entschädigung zugeschlagen.
    Im Westen entstanden nach einer Reform der Provinzen Rheinland und Westfalen.
    Der südliche teil der Rheinprovinz gehört heute zu Rheinland-Pfalz. Un der nördliche Teil wurde mit der Provinz Westfalen nach 1945 Nordrhein-Westfalen. Später kam noch das Lipper Land zu NRW.
    Alleine durch die Erwerbungen während des Wiener Kongresses hatte Preussen ein deutlich größeres Wort zu reden als zuvor.
    Und zu den Einigungskriegen der Kleindeutschen Lösung zählt nicht nur der Deutsch-Österreichische oder auch Deutscher Krieg sondern schon der Deutsch-Dänische Krieg und im nicht zu vergessen der Deutsch-Französische Krieg.
    Und zur Emser Depesche welche wichtig im Zusammenhang mit dem Deutsch-Dänischen Krieges ist, wurde hier schon ausführlich diskutiert.

    Und im Deutsch-Dänischen Krieg war das Kaiserreich Österreich sogar mit Preussen verbündet.

    Apvar
     
  17. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wie meinst Du das? Die Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien bestand seit Jahrzehnten nicht mehr, und Königin Victoria hätte nicht die Befugnis gehabt, nach eigenem Gutdünken (an Regierung und Parlament vorbei) ihren Verwandten britische Truppen zu Hilfe zu schicken.
     
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  18. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Das Queen Victoria so früh auf den Thron gekommen war habe ich leider übersehen. Mea Culpa.
    Trotzdem, das das Land aus dem ihre Königsfamilie stammte, so einfach fallen lies. Aber klar, nach der Niederlage Österreichs gegen Preussen, dann gegen Preussen vor zu gehen, war vielleicht Realpolitik vom feinsten.
    So nebenbei. Wie sah es eigentlich mit dem Britischen Heer aus? Von der Truppenstärke in UK? Nennenswert oder nicht nennenswert? Vielleicht ist das der Grund gewesen das die Realpolitik siegte.


    Apvar
     
  19. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Nach dem Verlust seines Reiches ging der König von Hannover übrigens nicht etwa nach Großbritannien, sondern nach Österreich ins Exil. Keine Ahnung, was der Grund dafür war, aber in Großbritannien scheint er nicht seinen primären Rückhalt gesehen zu haben.
     
  20. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    An sich eine interessante Frage, wie die Beziehung nach der Thonbesteigung Victorias gewesen ist. Gibt es dazu nähere Informationen?
     

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