Die Kultur der Renaissance in Italien

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von Schini, 1. Januar 2005.

  1. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Die Kultur der Renaissance in Italien ist das populärste Buch von Jakob Burckhardt, das die Vorstellungen von der Renaissance nachhaltig prägte. Dem Werk liegt ein völlig neuer, von Burckhardt entwickelter vielschichtiger Kulturbegriff zu Grunde, der die gesamte menschliche Lebensgestaltung umfasst. Er schließt den Staat als kulturelle Äußerung ebenso ein wie die Religion und die Produktion von Kunst aller Art sowie die Formen der Geselligkeit und der Feste. Der große anhaltende Erfolg des Buches ist auch seiner erzählerischen Qualität zu verdanken.

    Das Werk ist in sechs Abschnitte gegliedert, von denen der erste und der letzte dem Staat bzw. der Religion als den tragenden Kräften gewidmet ist. Die vier dazwischen liegenden Abschnitte behandeln die Entwicklung des Individuums, die Wiedererweckung des Altertums, die Entdeckung der Welt und des Menschen sowie die Geselligkeit und die Feste als besondere Merkmale des neuen Zeitalters. Der Autor beschränkt sich räumlich auf das italienische Gebiet und zeitlich auf das 15. und frühe 16. Jahrhundert, nicht ohne notwendige Rückgriffe auf das Mittelalter. Während die Menschen im Mittelalter in einer von der Religion bestimmten Ordnung lebten, sind jetzt die moralischen Werte verloren gegangen.

    In dieser chaotischen Zeit versuchen die Humanisten und Künstler einen Standpunkt zu finden, sind jedoch macht- und ruhmsüchtig und setzen sich und ihr Schaffen absolut. Dennoch entfalteten sich vor diesem wirren Hintergrund ein neues Menschenideal, dem umfassende Bildung als hohes Gut galt, und eine kulturelle Blüte von noch heute sichtbarer Ausprägung. Burckhardt beschreibt die wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen der Zeit von den Entdeckungsreisen des Kolumbus über die Sternkunde, die Botanik, die Zoologie bis zur Kunst der Poesie bei R Dante Alighieri, Giovanni R Boccaccio oder Francesco R Petrarca. Des Weiteren widmet er sich der neuen Stellung der Frau in der Renaissance. In den höheren Ständen erhielten Frauen die gleiche Bildung wie die Männer und erbrachten auch bemerkenswerte künstlerische Leistungen in Malerei und Dichtkunst. Schließlich untersucht Burckhardt die moralische Situation des Landes einschließlich der Kirchen und ihrer Vertreter. Er stellt fest, dass Italien sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in einer schweren sittlichen Krise befand, die sich auf alle gesellschaftlichen Kräfte auswirkte. Der Glauben war erschüttert und das Misstrauen gegenüber der Kirche groß.

    In seiner Darstellung der Epoche der Renaissance hat Burckhardt zahlreiche Bezüge zur modernen Zeit hergestellt. Für die Kunst- und Kulturgeschichte schuf er ein bahnbrechendes Werk, auf das bis heute Bezug genommen wird. Es gelang ihm, eine unüberschaubare Fülle von Einzelwissen in einen Zusammenhang zu ordnen und dem Kulturbegriff eine neue, erweiterte Bedeutung zu geben. Burckhardt band das Kunstwerk ein in die Gesamtheit historischer Entwicklungen. Wenn die Renaissance-Forschung auch in vielen Punkten zu neuen Erkenntnissen gelangt ist, so ist sie ohne Burckhardt nicht denkbar.

    Jacob Burckhardt • Die Kultur der Renaissance in Italien • Kröner • 1988 • 519 Seiten
     

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