Die maltesische Sprache, wirklich ein Dialekt Karthagos?

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von askan, 11. Januar 2007.

  1. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich lese häufig in bezug der maltesischen Sprache, das es sich um einen westsemitischen Dialekt handelt der mit den Puniern auf die Insel kam.

    Hat jemand Infos dazu?
     
  2. Enginger

    Enginger Neues Mitglied


    Meiner Kenntnis nach ist Maltesisch ist ein arabischer Dialekt, der mit vielen sizilianischen Wörtern versetzt ist; laut Fischer WA: arabisches Kreol. Die Sprache kam wohl erst 870ff auf die Insel.
    Die Römer waren bei den Kathagern sehr gründlich.
    punische "Sprachreste" werden von vielen auf der (damals abgelegenen) Insel Ibiza vermutet.
     
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  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Soweit ich weiß, ist davon nur ein kümmerlicher Sprachrest geblieben, nämlich der Name der Insel, auf punisch "Ibusim". Vielleicht gibts noch ein paar weitere Toponyme, ansonsten wär mir da nichts bekannt.
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Die maltesische Sprache hat ihren Ursprung nicht im Punischen, sondern im Arabischen. Sie hat allerdings im Gegensatz zu den sonstigen arabischen Dialekten eine eigenständige Entwicklung durchgemacht (der Hinweis auf den sizilianischen Einfluß ist richtig) und kann nicht als Dialekt gewertet werden, sondern stellt eine eigenständige Sprache dar.


    Zu den letzten Zeugnissen des Punischen empfehle ich:

    Wolfgang Rölling, Das Punische im Römischen Reich, in: Die Sprachen im Römischen Reich der Kaiserzeit, Köln 1980

    So gründlich waren die Römer demnach doch nicht; punische Inschriften gibt es noch bis ins 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. Augustinus (gest. 430) verwendet in seinen Schriften gelegentlich punische Wörter. Er selbst hatte zwar Punisch nicht mehr als Muttersprache; aber in seiner Gegend wurde in der Unterschicht noch Punisch gesprochen, und Verhandlungen wurden seinerzeit noch zweisprachig geführt. Die letzte Erwähnung der punischen Sprache datiert um 460 n. Chr.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eine kleine bibliographische Ergänzung:

     
  6. askan

    askan Neues Mitglied

    Ah, dachte ich es mir doch!
    In vielen Reiseführern wird maltesisch als Erbe der Punier verkauft.
    Aber ich habe noch etwas im Zusammenhang zu Ibiza, es gab mal eine Terra X Folge in der von einer Untersuchung berichtet wurde, das in der Landbevölkerung Ibizas Genspuren gefunden wurden, die in den nahen Osten führen. Und auch altüberlieferte Schmuckornamente zeigen grosse Ähnlichkeiten mit dem nahen Osten.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dass es auf Malta Genspuren und Schmuckelemente gibt, die auf den Nahen Osten zurückverweisen ist doch nicht weiter verwunderlich, wenn schon allein der Name punisch ist. Auch in Spanien findet man Kunstgegenstände, die auf den Nahen Osten zurückverweisen, die spanische Archäologie unterscheidet dabei in orientalische/n und orientalisierende/n Keramik/Schmuck etc. (Also Original und autochtone Nachahmung). Auch Genspuren, die auf den Nahen Osten zurückverweisen sind bei einer semitischen Sprache wie dem Maltesischen nicht weiter verwunderlich - bevor ein gewisser Mod. jetzt wieder Alarm schlägt: ja, ich weiß, Gene und Sprache sind nicht zwangsläufig aneinander gebunden.

    Was Terra X, Sphinx, History und andere ZDF-Geschichts- und Archäologie-Reihen angeht, da bin ich inzwischen mehr als vorsichtig. Da wird einem manches Mal ziemlicher Schmu verkauft - andere Ausgaben dagegen sind sehr gut.
     
  8. hyokkose

    hyokkose Gast


    Der gewisse Mod klingelt heute aus einem anderen Grund: Ibiza liegt nicht auf Malta.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Egal. Das meiste meiner Ausführungen gilt auch für Ibiza, mit der Ausnahme, dass dort keine semitische Sprache mehr gesprochen wird, wohl aber im dortigen katalanischen Dialekt arabische Sprachreste, und in der Toponymie arabische und punische Sprachreste erhalten sind.
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

    Es ging mir eigentlich darum noch erhaltene Spuren der Punier zu entdecken. Egal, ob auf Malta oder den Balearen (Baals Inseln?).
     
  11. hyokkose

    hyokkose Gast


    Nein, "Balear" kommt nicht von "Baal", sondern von "Ballermann". Auch wenn Tante Wikipedia etwas anderes behauptet:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Balearische_Inseln
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Haben die Ureinwohner der grossen M´M-inseln eigentlich kulturelle Gemeinsamkeiten? Ich meine weiß man, ob die Ur-malteser und die Ur-sizilianer, die Ur- Korsen,- sardinier, -Malloriqinos in vorrömerischer Zeit Kontakt zueinaner hatten?
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn ich richtig informiert bin, findet sich die Megalithkultur (sofern es sich denn tatsächlich um eine Kultur handelt, wofür aber offensichtlich einiges spricht) auch auf den Balearen und auf Korsika. In den Zeiten der Schriftquellen wissen wir von griechischen und phönizischen Kolonisten. Über diese hat es mindestens einen indirekten Kulturkontakt unter den Inseln gegeben.
     
  14. psbvbn1

    psbvbn1 Neues Mitglied

    hallo, forianer!

    soweit mir bekannt, besaß malta drei megalithkulturen. die ersten waren da, als zwischen malta und dem heutigen tunesien fast noch eine landbrücke vorhanden war, ich glaub vor etwa 7000 jahren. diese verschwand allerdings nach einer relativ kurzen zeit wieder und hinterließ wenig spuren. die bedeutendere war die nachfolgende (ich glaub vor ca. 6000 jahren), die eine lange zeit dort auf den inseln (es sind eigentlich zwei große) wirkten und wo auch noch heute im süden von der insel malta man die spuren sehen kann. nach deren absterben kam, das sehr plötzlich vonstatten ging, eine gruppe von menschen, deren kultur sehr auf die en masse vorkommenden höhlen fixiert war. sie lebten dort auch und begruben dort ihre toten. wahrscheinlich war dieser zurückgezogene lebenstil der damaligen unsicheren lage an der küste geschuldet? man weiß es nicht genau!
     
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  15. Kosmokrat

    Kosmokrat Mitglied

    Hi,

    zu den Tempelanlagen, habe ich folgenden Link gefunden:

    http://www.come2-malta.com/die-malt...ur-und-welterbe/die-megalithtempel-von-malta/

    darin, werden die einzelnen Tempel erklärt.


    Zu der menschlichen Besiedelung, passt diese Zeitleiste ganz gut:


    Frühgeschichte

    5200 v.Chr. erste Besiedlung Maltas
    3200 v.Chr. Bau von megalithischen Tempeln
    2000 v.Chr. Invasion der Bronzezeit-Menschen
    800 v.Chr. Phönizische Kolonisation Antike Kulturen


    900 v.Chr. Beginn des Eisenzeitalters
    480 v.Chr. Dominanz Karthagos
    218 v.Chr. Römische Dominanz nach den Punischen Kriegen
    60 Heiliger Paulus schiffbrüchig auf Malta Araber


    395 Byzantinische Dominanz auf Malta
    870 Araber besetzen Malta


    Normannen und Mittelalter

    1090 Normannische Besetzung
    1194 Schwäbische Besetzung
    1266 Angevinische Besetzung
    1283 Aragonische Besetzung
    1350 Aufkommen des Malteser Adels
    1397 Entstehung der Universita
    1485 Tod von Peter Caxaro Die Ritter von St. Johannes


    1530 Ritterorden von St. Johannes erreicht Malta
    1561 Inquisition etabliert sich
    1565 Große Belagerung von Malta durch die ottomanischen Türken
    1566 Gründung von Valletta Franzosen


    1798 Napoleon Bonaparte nimmt den Rittern Malta
    1799 Briten übernehmen Malta
    1800 Franzosen kapitulieren
    1802 Frieden von Amiens Briten


    1814 Malta wird Britische Kronkolonie
    1914-18 Erster Weltkrieg
    1919 Sette Giugno lehnt sich gegen die Britische Herrschaft auf
    1921 Amery-Milner-Verfassung sichert Selbstverwaltung zu
    1930-39 Turbulente Phase unterbrochener Regierungen
    1939-45 Zweiter Weltkrieg
    1947 Wiedereinrichtung der Selbstverwaltung

    Malta heute


    1964 Unabhängigkeit im Britischen Commonwealth
    1974 Malta wird Republik
    1979 Letzte Britische Einheiten verlassen Malta
    1990 Malta wird EU-Mitglied
    2004 Malta wird Mitglied der Europäischen Union

    Quelle: [MOD: der werbende link musste aufgrund der Forenregeln gelöscht werden]


    :eek:fftopic: :grübel:
    Ich war im Sommer für 6 Wochen auf (Sprach)Urlaub in Malta.
    Dabei habe ich auch viele Touren mitgemacht, wo uns die Fremdenführer, immer wieder erklärt haben, wie die Geschichte Maltas abgelaufen ist und welche Rolle, Malta in der Geschichte gespielt hat, leider weiß ich nicht mehr viel (konkrete Daten) davon. :weinen:

    Meine Gastmutter hat mir gesagt, dass die Malteser praktisch gegen alle Großmächte, im Mittelmeerraum, gekämpft haben. (Strategische Lage der Insel) :fechtduell:


    Zu den frühen Kulturen (Megalith-Tempel) kann man sagen, dass man in etwa weiß (zu wissen glaubt) wann sie erbaut wurden, jedoch von den Menschen wenig bis nichts Überliefert ist.

    Zur Sprache, alle Malteser meinten, dass das Maltesische auf das Arabische zurückgeht

    Quelle: Fremdenführer und Gasteltern :D
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. Oktober 2011
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  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Danke für die Chronologie!

    In der Regel beugten sich die Malteser eher den verschiedenen Eroberern, als dass sie sie bekämpften. Allerdings erlitten sie eine ganze Reihe von Fremdherrschaften und die arabische Sprache - einzige in der Europäischen Union - ist ein bemerkenswerter und exotischer Teil davon und dazu noch verbunden mit dem Christentum.
     
  17. Kosmokrat

    Kosmokrat Mitglied

    Danke für die Chronologie!

    Bitte :winke:


    In der Regel beugten sich die Malteser eher den verschiedenen Eroberern, als dass sie sie bekämpften.

    Damit war auch nicht der Kampf im eg. Sinne gemeit, ich denke eher, dass Sie sagen wollte, dass die Insel immer wieder angegriffen wurde.

    Allerdings erlitten sie eine ganze Reihe von Fremdherrschaften
    und die arabische Sprache - einzige in der Europäischen Union - ist ein bemerkenswerter und exotischer Teil davon und dazu noch verbunden mit dem Christentum.


    Stimme ich auch voll und ganz zu, war schon ein komisches Gefühl, in die Kirchen reinzugehen und (gefühlt) Arabisch zu hören, außerdem benutzen sie,
    als einzigste,die lateinische Schrift.

    Zum Christentum, die Malteser, haben erst vor kurzem, über Volksabstimmungen, entschieden, dass man sich scheiden und nach dem Tod verbrennen lassen darf.

    Die Malteser haben auch noch einen interessanten Brauch, wenn früher, ein Mann von den Piraten entführt wurde, (infolge dessen, gab es eine Zeit, wo die komplette Bevölkerung, die Nacht in der Zitadelle verbringen musste und erst morgens wieder raus durfte) steckte die Frau den Schlüssel aussen ins Schloss damit jeder reinkommen und sehen konnte, dass sie ihn nicht betrügt.
    Die Fremdenführerin meinte, dass dieser Brauch sich ziemlich lange gehalten hat und erst seit der Jahrtausendwende immer mehr abnimmt.

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    Niemand plant zu versagen, aber die meisten versagen beim Planen.
     
  18. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Interessant. Welche Piraten kommen denn heute noch nach Malta und entführen die Malteser?

    Was die arabische Sprache und das Christentum betrifft, gibt und gab es in Syrien, dem Libanon und Palästina einige Millionen von arabischsprachiger Christen. Die Kopten benutzen in der Liturgie zwar das Koptische, im Alltag sprechen sie jedoch auch arabisch.
     
  19. Kosmokrat

    Kosmokrat Mitglied

    Interessant. Welche Piraten kommen denn heute noch nach Malta und entführen die Malteser?

    Ich habe gemeint, dass der Brauch (Schlüssel außen ins Schloss) bis vor ca. 10-15 Jahren noch Gang und Gebe auf der Insel war, er entstand zu der Zeit, als die Piraten Malta überfielen.

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    Niemand plant zu versagen, aber die meisten versagen beim Planen.
     
  20. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das stimmt so nicht. Nach der sogenannten "Reichsteilung" von 395 gehörte Malta zur Westhälfte des Römischen Reiches. Später wurde die Insel von den Wandalen erobert, dann von den Ostgoten, und erst danach kam sie zum Oströmischen Reich.

    Diese Angaben sind teilweise zumindest missverständlich. Malta war seit der Zeit der Normannenherrschaft politisch mit dem Königreich Sizilien verbunden, und wenn dessen Dynastie wechselte, kam auch Malta unter die Herrschaft der neuen Dynastie. 1194 tauchten also nicht plötzlich aus dem Nichts irgendwelche schwäbischen Heerscharen auf Kriegsschiffen vor Malta auf und überrannten die Insel, sondern Sizilien fiel an die aus Schwaben stammende Dynastie der Staufer, weil der Staufer Heinrich mit der normannischen Erbprinzessin Konstanze verheiratet war. Später übernahm auf Sizilien die aus Frankreich stammende Dynastie der Anjou (die Angeviner) die Macht, dann die Könige von Aragon. Zeitweise war Sizilien mit Aragon in Personalunion verbunden, zeitweise hatte es einen eigenen König aus dem aragonesischen Königshaus. Als im 16. Jhdt. Aragon Teil Spaniens wurde, stand auch Malta unter spanischer Herrschaft, bis Karl V. die Insel den Johannitern überließ.
     

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